Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Virodactis

CF-GeS-1119

IN▴H▴D▴D

DÂE▴VIROĐĐI

AVITA▴M̂AXM̂I

NI▴V▴S▴L▴L▴M

In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

d(e)ae Viroddi

Avita Max(i)mi -

ni v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Ulpia Sueborum Nicrensium
Apparatus criticusZ. 3: Max[i]mi- –ILS, Wagner, EDH
Z. 4: l(ibens) l(aetus) –EDH, Scheungraber, Ferlut
Übersetzung Deutsch

Zu Ehre des Kaiserhauses, für die Göttin Viroddi!
Avita [die Tochter des] Maximinus hat das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household, to the goddess Viroddi!
Avita [daugther of] Maximinus has fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1726
CIL XIII 6486
ILS 4759
Wagner 1911, 383
Fritsch 1912, 21
Riese 1914, Nr.3560
Scheungraber 2020, 603 Nr.7
Ferlut 2022, Nr.1327
Elektronische Ressourcen HD036547 (Version von 2019-01-03) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/8542 (Version von 2023-01-02) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000510 (zuletzt abgerufen 2023-03-17) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/210826 (zuletzt abgerufen 2023-03-17) (Trismegistos)
Fundort modern Hüffenhardt
Fundstelle

Ortsteil Kälbertshausen; Kirchhofmauer

Fundumständeeingemauert
Fundjahr1831
VerwahrungOsterburken, Römermuseum
Inventarnummer1831-1-126-1
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Rosette
Beschreibung Objekt

Die ungeglättete Basis des Weihesteines ist ohne besondere Gestaltung und das ungerahmte Inschriftenfeld ist von dieser nur dadurch optisch getrennt, dass es leicht zurückversetzt ist. Zum Aufsatz hin ist dieses jedoch durch eine Stufe separiert. Die Vorderseite der Bekrönung ist durch drei runde Einkerbungen so stark beschädigt, dass deren Gestaltung nicht mehr nachvollzogen werden kann. Oben befinden sich links und rechts jeweils ein Pulvinus, gefüllt mit vierblättrigen Rosetten. Dazwischen ein Giebel, dessen gesamte Fläche ebenfalls von einer Rosette/halben Blüte gefüllt ist. Dahinter befindet sich die Opferschale, dessen Fläche links und rechts des Giebels ebenfalls durch jeweils eine größere und eine kleinere Rosette dekoriert ist.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 69 cm
Breite: 31 cm
Tiefe: 21 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift lässt links und rechts und nach oben jeweils nur einen schmalen Rand, unten bleiben jedoch ca. 2 Zeilen frei.
Die Buchstaben sind regelmäßig. Die Worttrenner sind nach jedem Wort korrekt gesetzt. Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: In Z.2 weisen die beiden D einen waagrechten Querbalken auf. Das Zeichen wurde vermutlich ähnlich dem englischen ‚th‘ ausgesprochern (Künzl 2008, 93). Nach dem zweiten D ist das I hochgestellt und kleiner in den Zeilenabstand eingeschrieben.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.2: „dae” pro „deae”
v.3/4: „Maxmini” pro „Maximini”

Kommentar Götternamen

Virodactis (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
Viroddis Variante von Virodactis: keltisch erklärbar: ‚Mannesfeuer’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 163f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername findet sich in verschiedenen Varianten in Britannien ( Viradecthi CIL VII 1073), der Germania Inferior und in der Germania Superior.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Virodactis (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Hier sind die Varianten Viradecdis (CF-GeI-74) und Virathethis (CF-GeI-75) belegt. Eine weitere Inschrift lässt eine Ergänzung auf [Vi]rat[hethi] zu (CF-GeI-76).
- Germania Superior: CF-GeS-1021 und die Varianten Virodacthis (CF-GeS-1085) und Viroddis (CF-GeS-1119).

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

In CF-GeS-1021 erscheint Virodactis zusammen mit Lucena. Heichelheim (1961, 175) hatte angenommen, dass im Votivformular Virodacti sive Lucen(a)e eine Identifizierung von Virodactis mit der römischen Lucina vorliegt. Dass hier jedoch zwei Gottheiten gemeint sind legt der nachfolgende Plural numinibus [sa]nctissi[mis] nahe. Scheungraber (2020, 360f) interpretiert Lucena nicht als Form der römischen Lucina, sondern als: keltisch, ‚Luchs‘.

Kommentar allgemein

Avita Maximini: einheimisches weibliches Namensformular mit Angabe des Namens des Vaters im Genetiv

Avita: gängiger (keltischer oder) lateinischer Name (Kakoschke 2021, CN 419)

Maximinus: lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Maximus, überall gängig (Kakoschke 2021, CN 2009), Vater der Ersten

ZitiervorschlagCF-GeS-1119, hdl.handle.net/11471/504.50.1119
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024