Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Apollo Grannus

CF-GeS-1118

I▴N▴

▴H▴D▴D▴

▴APOLLI▴

NI GRN

  5 NO I IVL▴

VIGIOṚI

NVS▴DLC▴

C▴A▴G▴PÂT̂ER

PRO▴FIL̂IO

10 I IVL▴LEPI▴

DO▴V▴S▴L▴L▴

M

In

h(onorem) d(omus) d(ivinae)

Apolli -

ni Gr(a)n -

  5 no I(ucius)(!) Iul(ius)

Vigiorin -

us(!) dlc(urio)(!)

c(ivitatis) A(ureliae) G(?) pater

pro filio

10 I(ucio)(!) Iul(io) Lepi -

do v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens)

m(erito)

CivitasCivitas Aurelia G-?
Apparatus criticusZ. 4: Gran- (mit AN Ligatur) – CIL; Gran- – EDH, Filtzinger, Weisgerber, Scheungraber
Z. 5: [L.] – CIL, Weisgerber; L(ucius?) – Haug/Sixt; L(ucius)(?) Iul(ius) Victori- – EDH; L(ucio) – Filtzinger, Scheungraber
Z. 6: Vi[ct]o[r]inus – CIL, Weisgerber; Victorinus – Haug/Sixt; Victori- – Filtzinger, Scheungraber
Z. 7: dec(urio) – CIL, EDH, Haug/Sixt, Filtzinger, Weisgerber, Scheungraber
Z. 8: A. G. – CIL, Weisgerber; A. G. (?) – Haug/Sixt; A(uerliae?) G(ermaniae?) – Filtzinger; A() G() – EDH, Scheungraber
Z. 10: [L.] – CIL, Weisgerber; L(ucio?) – Haug/Sixt; [L(ucio)?] – EDH; L(ucio) – Filtzinger, Scheungraber
Z. 11: l(ibens) l(aetus) – EDH, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses, für Apollo Grannus!
Lucius Iulius Victorinus, decurio der civitas Aurelia G(?), hat (als) Vater, für den Sohn Lucius Iulius Lepidus, das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household and to Apollo Grannus!
Lucius Iulius Victorinus, decurion of the civitas Aurelia G(?), the father, has fulfilled for the son, Lucius Iulius Lepidus, a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenCIL XIII 6462
Haug/Sixt 1914, 554 Nr.387
Weisgerber 1975, 119 Nr.8
Filtzinger 1980, Nr.28
Scheungraber 2020, 307 Nr.14
Elektronische Ressourcen HD037060 (Version von 2018-04-25) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7405 ( Version von 2022-06-10) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000483 (zuletzt abgerufen 2023-03-17) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/KO0037935 (zuletzt abgerufen 2013-08-16)
https://www.trismegistos.org/text/211166 ( zuletzt abgerufen 2023-03-17) (Trismegistos)
Fundort modern Neuenstadt
Fundstelle

"in des dasigen Burgermeisters Waldeisens Garten" im Tor (CIL)

FundumständeDer Stein muss vor 1665 in einem Tor eingemauert gefunden worden sein.
VerwahrungStuttgart, Museum, Lapidarium
InventarnummerR L 377
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Blatt
glatt
Hase
männliche Figur
Reliefschmuck
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar wurde pfeilerartig für die sekundäre Verwendung zugehauen. Die Form des Aufsatzes ging dabei ganz verloren, an seiner Stelle ist an der Front ein glattes, leeres, reliefiertes Feld. Auch auf der linken Seitenfläche findet sich ein solches. An der linken Seite sind noch Reste der Stufung erkennbar sowie Dekor, der an Blätter erinnert. Das Inschriftenfeld ist ungerahmt.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 140 cm
Breite: 52 cm
Tiefe: 41 cm
Ikonografie

Auf der rechten Seite ist ein vertieftes Bildfeld in waagerechter Form erhalten, dass die Höhe von ca. drei Textzeilen aufweist. In ihm befindet sich eine Jagd(?)szene mit einem Hasen im Vordergrund, nach links laufend, und dem vermeintlichen Jäger in vorschreitender Beinstellung dahinter. Der Jäger ist im Vergleich zum Hasen viel kleiner dargestellt. Seine zwei Arme strecken sich zum Hasen hin aus. Sein linkes Bein ist abgeschlagen. Am Rücken scheint er einen Sack zu tragen. Genauere Details sind nicht mehr zu erkennen.

Inschrift

Über der Inschrift befindet sich ein vertieftes aber leeres Feld. Die Inschrift lässt in alle Richtungen einen Freiraum, sodass sie gerahmt wirkt. Die Buchstaben sind in einer Art Blocksatz gesetzt, wobei aber weder ein einheitlicher Zeilenanfang, noch ein einheitliches Zeilenende eingehalten werden. Die Buchstaben von Z.1, Z.2 und Z.12 sind in Relation zu den anderen Zeilen zentriert.
Die Inschrift weist einige Schreibfehler auf. Möglicherweise waren die zusätzlichen Hasten der L von Z.5 und Z.10, des R von Z. 6 und des E in Z.7 aufgemalt. Aufgemalt könnte auch die vom CIL vorgeschlagene AN Ligatur am Ende von Z.4 gewesen sein, da für eine gemeißelte keine Spuren vorliegen, jedoch dieses N eindeutig breiter als die übrigen N der Inschrift gearbeitet ist. Die Worttrenner sind nicht durchgehend gesetzt und scheinen in Z.1–3 nach ästhetischen Gesichtspunkten platziert worden zu sein.
Auf der rechten Seite befindet sich oben am linken Rand, auf Höhe des vertieften Feldes der Fronseite, ein einzelnes I oberhalb des Relieffeldes, dessen Funktion nicht ersichtlich ist.
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,0–5,0
Notabilia Varia

v.4/5: „Grnno” pro „Granno”
v.5 und v.10: „Iucius/-o” pro „Lucius/-o”
v.6/7: „Vigiorinus” pro „Victorinus”
v.7: „dlc” pro „dec”

Kommentar Götternamen

Grannus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Heißer [Gott]’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 84f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Grannus ist einer der wenigen keltischen Götternamen, die auch literarisch (Cass.Dio 77,15,5–7) bezeugt sind. Er ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet und findet sich in den Provinzen Aquitania, Belgica, Britannia, Dacia, Germania Inferior, Germania Superior, Hispania Citerior, Lugudunensis, Noricum, Pannonia Inferior, Raetia, Asia und in Rom.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Apollo Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-27, CF-GeI-28
- Germania Superior: CF-GeS-1004, CF-GeS-1008, CF-GeS-1118

Apollo Grannus Mogounus
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1009

Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-120
- Germania Superior: - CF-GeS-1077(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Lucius Iulius Victorinus: tria nomina

Iulius: italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 637)

Vigiorinus: nur hier belegt, möglicherweise Verschreibung von Victorinus: lateinischer Name, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, CN 3338)

Lucius Iulius Lepidus: tria nomina

Iulius: s. oben

Lepidus: lateinischer Name, weit verbreitet, in Norditalien häufig bei Liberti (Kakoschke 2021, CN 1724), Sohn des Ersten

Zitiervorschlag CF-GeS-1118, hdl.handle.net/11471/504.50.1118
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Ortolf HarlBild 3: rechts, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Ortolf Harl


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Ortolf Harl
Bild 3: rechts, Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, Foto: Ortolf Harl

Versionen

Last Update/Current Version: 2024