Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


« zurück zur KategorieTEI

Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Sirona

CF-GeS-1117

IN▴H▴D▴D▴APOLLIN̂I▴ÊT▴SIRONAE

AEDEM CVM SIGN̂IS▴C▴LONGIN̂IVS

SPERATVS▴VET▴LEG▴XXII▴PR▴P▴F

ÊT▴IVN̂IA▴DEVA▴CONIVNX▴ÊT▴LON

  5 GIN̂I▴PACATVS▴MART̂INVLA▴HILA

RITAS▴SPERATIANVS▴FILI▴IN

SVO▴POSVERVNT▴V▴S▴L▴L▴M

MVCIANO▴ET▴FABIANO▴COS

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apollini et Sironae

aedem cum signis C(aius) Longinius

Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis)

et Iunia Deva coniunx et Lon-

  5 gini(i) Pacatus Martinula Hila-

ritas Speratianus fili(i) in

suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(aeti) l(libentes) m(erito)

Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

Apparatus criticusZ. 1: Der unterstrichene Teil in Z.1 ist heute nicht mehr erhalten, er wird nach Sattler 1757 wiedergegeben; Apo[lli]ni – Luik/Reutti, Walser; Apo[llo]ni – Ferlut
Z. 7: l(ibentes) l(aeti) – EDH, Schillinger-Häfele, Walser, Scheungraber, Ferlut
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses, für Apollon und Sirona!
Haben (diesen) Tempel mit Kultbild Gaius Longinus Speratus, Veteran der legio XXII Primigenia Pia Fidelis, und seine Ehefrau Iunia Deva und die Kinder des Longinus: Pacatus, Martinula, Hilaritas, Speratianus auf ihrem Besitz aufgestellt und das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt, unter dem Konsulat des Mucianus und Fabianus.

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household, to Apollon and Sirona!
This tempel and cult image were errected by Gaius Longinus Speratus, veteran of the legio XXII Primigenia Pia Fidelis, and his wife Iunia Deva and the children of Longinus: Pacatus, Martinula, Hilaritas, Speratianus on their property, they have fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly, during the consulship of Mucianus and Fabianus.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenSattler 1757, Taf.3
CIL XIII 6458
Haug/Sixt 1914, 477f. Nr.336
Paret 1926, 67
Paret 1960, 48
Weisgerber 1975, 116 Nr.6
Filtzinger 1980, Nr.55
Schillinger-Häfele 1986, 119 Abb.15
Luik/Reuti 1988, 102
Walser 1993, Nr.27
Kuhnen 1994, 257–259
Kemkes/Willburger 2004, 105 Abb.6
Scheungraber 2020, 488 Nr.15
Ferlut 2022, Nr.1232
Elektronische Ressourcen HD037220 (Version von 2018-04-25) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7361 (Version von 2023-01-01) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000479 (zuletzt abgerufen 2023-03-16) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/37933 (zuletzt abgerufen 2023-03-16 ) https://godot.date/id/ia5UwAWhQqymaJvngGkooE ( zuletzt abgerufen 2023-03-16 )
https://www.trismegistos.org/text/211193 (zuletzt abgerufen 2023-03-16) (Trismegistos)
Fundort modern Großbottwar
Fundstelle

"Es war wohl der Garten des späteren Kameralamates (heute Forstamt) am Nordwestausgang der Stadt" (Paret 1960, 48).

Fundumstände"Der Obrist von Hartmann, 1698-1719 Besitzer des Schloßguts Großbottwar, berichtete [...] daß er 'bei Grabung einer Dohlen auf seinem Gut und Garten' die Inschriftplatte gefunden habe (Paret 1960, 48).
Fundjahr1710
VerwahrungStuttgart, Württembergisches Landesmuseum
InventarnummerRL 402
InschriftträgerBauinschrift
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Rahmen
Reparatur
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um eine querrechteckige Bauinschrift, die sich in einem doppelt gerahmten Feld befindet. Laut Filtzinger (1980, 103) war der Stein 1756 noch ganz, wurde jedoch später von einem "Bauführer" zerbrochen. Die Inschrift ist daher heute in drei Teilen erhalten, wobei der erste Bruch ein wenig rechts der Mitte senkrecht über die ganze Breite verläuft und der zweite Bruch die rechte Seite so teilt, dass das linke untere Eck in Form eines beinahe rechtwinkeligen Dreiecks erhalten ist. Außerdem fehlen mittig ein kleines Stück bis in Zeile zwei (modern aufgefüllt), sowie das linke untere Eck des Steines. Alle Seiten sind bestoßen.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 82 cm
Breite: 143 cm
Tiefe: 16 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift füllt das gerahmte Feld vollständig aus, nur unten ist eine halbe Zeile Abstand. Bei Auffindung komplett, fehlt seit dem Bruch ein kleines Fragment, weswegen Z.1 heute eine Lücke von drei Buchstaben aufweist. Bis auf die kleiner eingeschriebenen, sind alle Buchstaben regelmäßig.
Bis auf Z.2 in der in der linken Zeilenhälfte auf sie verzichtet wurde, sind die Worttrenner in allen Zeilen korrekt gesetzt.

Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: In Z.2 ist das S von Longinus klein in das U, in Z.4 das O von Lon/ginus klein zwischen L und N und in Z.5 das A von Hila/ritas zwischen L und dem Rahmen kleiner und hochgestellt eingeschrieben. Die Längshaste aller G ist nicht gerade, sondern eingerollt.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,5–5,5
Kommentar Götternamen

Sirona (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚der göttliche Stern‘ (de Bernardo Stempel/Hainzmann 2020, 430–440); ‚erhabener großer Stern‘ bzw. ‚zu den Sternen gehörig‘ (Scheungraber 2020, 491).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist bezeugt in den Provinzen Aquitania, Belgica, Dacia, Germania Superior, Lugdunensis, Noricum, Pannonia Inferior, Pannonia Superior und Raetia sowie in Rom.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Sirona (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1023, CF-GeS-1024(?),CF-GeS-1025, CF-GeS-1026, CF-GeS-1080, CF-GeS-1114, CF-GeS-1117. In CF-GeS-1024(?) ist die Ergänzung der Götternamen auf Apollo und Sirona zumindest möglich.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Gaius Longinius Speratus: tria nomina

Longinius: italisches Gentilnomen, oder einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Long(in)us, weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 692)

Speratus: gängiger, lateinischer Name (Kakoschke 2021, CN 2934), zur Identifizierung des Speratus als Besitzer einer lokalen Ziegelei s. Paret (1926, 67), Paret (1960, 48), Kuhnen (1994, 257–259).

Iunia Deva: römisches weibliches Namensformular

Iunia: italisches Gentilnomen, äußerst weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 644)

Deva: keltischer Name, selten belegt (Kakoschke 2021, GN 1068)

Longinius Pacatus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Longinius: s.oben

Pacatus: gängiger, lateinischer Name (Kakoschke 2021, CN 2278), Sohn des Ersten

Longinia Martinula: römisches weibliches Namensformular

Longinia: s.oben Longinius

Martinula: (weiblicher) lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Martinus, selten belegt (Kakoschke 2021, CN 1947), Tochter des Ersten.

Longinia Hilaritas: römisches weibliches Namensformular

Longinia: s. oben Longinius

Hilaritas: (femininer) lateinischer Name, selten belegt (Kakoschke 2021, CN 1533), Tochter des Ersten

Longinius Speratianus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Longinius: s. oben

Speratianus: lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Speratus, sehr selten (Kakoschke 2021, CN 2933), Sohn des Ersten

Muciano et Fabiano consulibus: Konsuldatierung des Jahres 201. Die Konsuln waren Marcus Nonius Arrius Mucianus und Lucius Annius Fabianus.

legio XXII Primigenia Pia Fidelis: Die legio XXII Primigenia erhielt nach dem Scheitern des Saturninus-Aufstandes 89 n.Chr. gemeinsam mit anderen Legionen und Truppenkörpern den Ehrenbeinamen Pia Fidelis Domitiana; letzterer fiel nach der damnatio memoriae Domitians wieder weg. Die Legion wurde 97 n.Chr. von Xanten nach Mainz verlegt, wo sie die nächsten zwei Jahrhunderte verblieb. Zwischen 70/71 und 97 n.Chr. sowie 101/102 bis 106/107 n.Chr. wurden Teile der Truppe für Steinbrucharbeiten im Brohtal eingesetzt (Matijević 2010, 29, 227–233).

Datierung 201
Zitiervorschlag CF-GeS-1117, hdl.handle.net/11471/504.50.1117
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024