Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Visucius Mercurius

CF-GeS-1115

VISVCIO

MERCVRIO

SENI▴LIS

MASSE

  5 V▴S▴L▴L▴M

Visucio

Mercurio

Senilis

Mass(a)e

  5 v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Ulpia Sueborum Nicrensium
Apparatus criticusZ. 1: Die unterstrichenen Teile in Z.1–3 sind heute nicht mehr erhalten, sie werden nach Christ wiedergegeben.
Z. 2: ohne O – Rappenegger 1847/1848-1849; Mercuri(o) – Brambach; Mercuri[o] – Noelke
Z. 3: Senilis (ohne Worttrenner in der Majuskel) – Brambach, Wagner
Z. 4: MAS. S. F. = Senilis Massiliensis, Senilis filius – Rappenegger 1847/1848-1849; Masse – Brambach, Scheungraber
Z. 5: lubens libens (oder libens laetus) – Rappenegger 1847; lubens (oder libens laetus) – Rappenegger 1848-1849; l(ibens) l(aetus) – Scheungraber, Noelke
Übersetzung Deutsch

Für Visucius Mercurius!
Senilis (Sohn des) Massa hat das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

Für Visucius Mercurius!

Senilis (son of) Massa has fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenRappenegger 1847, 3 Nr.1
Rappenegger 1848-1849, 291
Christ nach 1860, Nr.32
Brambach 1867 (Corpus), Nr.1696
CIL XIII 6347
Wagner 1911, 197
Fritsch 1912, 21
Scheungraber 2020, 605 Nr.6
Noelke 2020/2021, 337 Nr.2.15
Elektronische Ressourcen HD036537 (Version von 2020-04-22) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/8543 (Version von 2020-05-17) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000357 (zuletzt abgerufen 2023-03-15) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/210816 (zuletzt abgerufen 2023-03-15) (Trismegistos)
Fundort modern Hockenheim
Fundstelle

"auf einem Wiesengrunde [...] in der Richtung gegen Speier" (Rappenegger 1846, 491); etwa eine Stunde von Hockenheim entfernt auf der gegenüberliegenden Seite der Stadt Speyer (CIL); "auf dem Schachen bei Hockenheim" (Fröhner 1860, 22 Nr.53); "zw. Altwiesloch und dem Rheinübergang bei Speier" (Fickler-Christ 1865, 4 Nr.3a)

Fundumstände"bei Abhebung einer unbedeutenden Bodenerhöhung" (Rappenegger 1846, 491); "Bei Abhebung einer etwas höher gelegenen Stelle, Speier gerade gegenüber, stiessen die Arbeiter auf grosse Steine, die als schon behauene Quader weggefahren und zu verschiedenen Bauten verwendet wurden" (Rappenegger 1847, 3).
Fundjahr1846
VerwahrungRastatt, Zentrales Fundarchiv
Inventarnummer1846-1-52-1
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist in zwei Teilen erhalten, wobei der Bruch über dem unteren Drittel verläuft. Das rechte Eck der Basis ist abgebrochen, zwei Stufen führen hin zum ungerahmten Inschriftenfeld, dessen rechte Seite ausgebrochen ist. Dessen Begrenzung hin zum Aufsatz scheint nicht besonders gestaltet gewesen zu sein. Von der Bekrönung ist noch der linke Pulvinus sowie der Rest der Opferschale zu erkennen. Die rechte Seite ist gänzlich abgebrochen und auch die Vorderseite ist vollständig abgerieben.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 52 cm
Breite: 25,8 cm
Tiefe: 18 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift füllt das Inschriftenfeld fast zur Gänze aus, nur nach unten hin bleiben fast zwei Zeilen frei. Die Buchstaben sind regelmäßig.
Bei Aufnahme in das CIL war die Inschrift noch fast gänzlich erhalten, nur das Ende von Z.2 war bereits undeutlich zu lesen: Brambach (1867) las nur Mercuri, wir folgen jedoch Christ (nach 1860), der notierte, dass "V.2 in fine littera O minor paene evanida est". Inzwischen ist der Stein zweimal gebrochen, einmal quer durch Z.5, sodass der Sockel vom Rest abgetrennt ist, beide Teile sind jedoch noch erhalten. Verloren ist hingegen der kleinere Teil des zweiten Bruches, der der rechten Seite entlang verläuft. Daher sind in Z.1–Z.2 jeweils mindestens zwei Buchstaben verloren, und in Z.3 fehlt der letzte, in Z.4 und Z.5 sind nur mehr Hastenreste des jeweiligen letzten Buchstaben erhalten. Worttrenner befinden sich in Z.5 sowie irrtümlich in Z.3.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,5–4,0
Kommentar Götternamen

Visucius (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Rabe?‘ (Delamarre 2018, 322; Scheungraber 2020, 606).
‚der Saftkundige‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 130).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername findet sich in den Provinzen Aquitania, Belgica, Germania Superior und Hispania Citerior. Singulär bezeugt ist die weibliche Form Visucia, wobei es sich hierbei vermutlich um eine Doppelung zum Zwecke der Paarbildung handelt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:
Visucius (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1029 ; CF-GeS-1093

Mercurius Visucius
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1131

Visucius Mercurius
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1115

Visucia
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1131

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Senilis Massae: einheimisches Namensformular mit Angabe des Namens des Vaters im Genetiv

Senilis: keltischer oder lateinischer Name, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2805)

Massa: keltischer oder lateinischer Name, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 1963), Vater des Ersten

Zur Datierung: Unter dem Stein befanden sich zwei Silbermünzen, eine mit dem Portrait Gordians III., die andere mit dem des Philippus Arabs. Damit ergibt sich als terminus postquem das Jahr 244 n.Chr. an dem der Stein an diesen Ort gelangt sein kann (Rappenegger 1846, 491; Rappenegger 1847, 3–4).

Zitiervorschlag CF-GeS-1115, hdl.handle.net/11471/504.50.1115
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Ehm. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, Inv. Nr. C 52, heute Rastatt, Zentrales Fundarchiv Inv. 1846-1-52-1, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, Ehm. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, Inv. Nr. C 52, heute Rastatt, Zentrales Fundarchiv Inv. 1846-1-52-1, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, Ehm. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, Inv. Nr. C 52, heute Rastatt, Zentrales Fundarchiv Inv. 1846-1-52-1, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, Ehm. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum, Inv. Nr. C 52, heute Rastatt, Zentrales Fundarchiv Inv. 1846-1-52-1, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

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Last Update/Current Version: 2024