Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Boni Casses?

CF-GeS-1110

IN▴H▴D▴D

BONIS CASSIBV[.]

EO QVOD POS[.]

SVMMERSAMM

  5 BONE SALVT[.]

SIT REDDITV[.]

ET SVI▴L▴LICINIVS

DIVIXTVS

NEGOTIATO[.]

10 EX VOTO POSV

ABBINO

ET MAXIMO

COS▴L▴L M

In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

bonis Cassibu[s]

eo quod pos[t]

summersamm(!)

  5 bon(a)e salut[i]

sit redditu[s]

et sui(s) L(ucius) Licinius

Divixtus

negotiato[r]

10 ex voto posu(it)

Abbino(!)

et Maximo

co(n)s(ulibus) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Aurelia G-?
Apparatus criticusZ. 1: hdd – Lockau
Z. 2: Cassibu(s) – Paret (Germania, Geschichtsblätter, Kreiszeitung), Duval, AE, Luik/Reutti; Cas{s}ibu[s] – EDH, Broekaert; Cas{s}ibu(s) – Schmidts; Cassibus – Bender
Z. 3: post – Paret (Geschichtsblätter, Kreiszeitung); pos(t) – Luik/Reutti
Z. 4: summersamṃ – Paret (Germania); summersam(m?) – Paret (Geschichtsblätter, Kreiszeitung); summersam – Duval; summersam Ṇ – Schillinger-Häfele; summersamṇ – Bender; summersam {N} – Broekaert; summersam{m} – EDH, Schmidts, Lockau; summersam <m=N >(ercem) – Scheungraber
Z. 5: salut(i) – Luik/Reutti
Z. 6: redditu(s) – Paret (Geschichtsblätter, Kreiszeitung); Luik/Reutti
Z. 7: Liciniu[s] – Paret, Duval, AE; Liciniuṣ – Schillinger-Häfele; Liciniu(s) – Luik/Reutti; et sui – Raybould/Sims-Williams
Z. 8: Divixtu[s] – Schillinger-Häfele, Kakoschke, Raybould/Sims-Williams, Broekaert, Scheungraber
Z. 9: negotiator – Paret (Geschichtsblätter, Kreiszeitung); negotiato(r) – Luik/Reutti
Z. 10: posu[it] – Schillinger-Häfele
Z. 11: Ablino – Duval; A<l=B>bino – EDH, Schmidts, Lockau, Scheungraber
Z. 13: l(ibens) l(aetus) – AE, EDH, Schillinger-Häfele, Kakoschke, Raybould/Sims-Williams, Bender, Broekaert, Schmidts, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Zu Ehren des Kaiserhauses, für die Boni Casses!
Dieses hat, da er nach einem (Schiffs?)Untergang wieder zu guter Gesundheit und den Seinen zurückgekehrt war, Lucius Licinius Divixtus, der Händler, aufgrund eines Gelübdes, unter dem Konsulat des Albinus und Maximus, freudig, gerne und verdientermaßen aufgestellt.

Übersetzung Englisch

In honor of the divine household, to the Boni Casses!
Since, after he had sunk (in a ship?), he returend to good health and his family, Lucius Licinius Divixtus, the merchant, has set this up according to a vow, during the consulship of Albino and Maximo, gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenParet 1968 (Weihestein - Germania), 323f.
Paret 1968 (Weihestein - Geschichtsblätter), 177–179
Paret 1968 (Weihestein - Kreiszeitung), 19f.
Duval 1969, 423 Nr.30.14
AE 1969/1970, 436
Schillinger-Häfele 1977, Nr.36
Bender 1978, 75 Abb.28
Luik/Reutti 1988, 84
Kakoschke 2002, Nr.1.123
Raybould/Sims-Williams 2007, 87 Nr.BEG 193
Broekaert 2013, Nr.112
Schmidts 2011, 152
Lockau 2017, CD-ROM Nr.132
Scheungraber 2020, 219 Nr.15
Elektronische Ressourcen HD013906 (Version von 2018-12-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7335 (Version von 2021-01-19) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-10700403 ( zuletzt abgerufen 2024-02-29) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/209993 ( zuletzt abgerufen 2024-02-29) (Trismegistos)
Fundort modern Marbach
Fundstelle

"im Neckar wenig unterhalb von Marbach (Kr. Ludwigsburg), etwa 1000 m östlich der Porta praetoria des auf dem linken Hochufer gelegenen Kastells Benningen" (Schillinger-Häfele 1977, 476 Nr.36)

Fundumstände

"hat der für die Schifffahrt im Neckar eingesetzte Schwimmbagger aus der Fahrrinne [...] einen großen römischen Weihestein gehoben und an Land geschafft." (Paret 1968, 323)

Fundjahr1967
VerwahrungStuttgart, Württembergisches Landesmuseum
InventarnummerRL 68, 162
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Dübelloch
Giebel
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Rosette
Beschreibung Objekt

Der Weihestein ist großgflächig erhalten, mit Ausnahme von kleinen Ausbrüchen am Aufsatz und größeren an der Basis, sowie einer Bestoßung der rechten Seite, die die gesamte Länge des ungerahmten Inschriftenfeldes umfasst. Basis und Altarkörper sind ohne besondere Gestaltung voneinander getrennt, die Bekrönung jedoch ist vom Inschriftenfeld getrennt durch eine dreifache Stufung und einem Gesims darüber. Diese ist außerdem gestaltet durch zarte Voluten, gefüllt mit Rosetten, sowie einen breit angelegten, angedeuteten Giebel, in dessen Mitte sich ebenfalls eine Rosette befunden zu haben scheint. Die Opferschale dahinter ist noch gut erkennbar.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 136,5 cm
Breite: 75 cm
Tiefe: 40 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift füllt das Feld komplett aus, ist jedoch am rechten Rand durchgehend beschädigt, sodass in jeder Zeile entweder Buchstaben beschädigt sind oder ganz fehlen. Die Buchstaben sind bis auf wenige Ausnahmen gleichmäßig gearbeitet.
In Z.2 ist ein S von Cassibus zwischen das A und S, in Z.3 ist das O von quod in das V und in Z.7 das L von Licinius zwischen dem L für L(ucius) und dem ersten I von Licinius kleiner eingeschrieben. Schillinger-Häfele (1977, 477) vermutet, dass in Z.10 im ausgebrochenen Bereich das IT von posuit ebenfalls kleiner eingehauen war. In Z.4 ist vom letzten Buchstaben nur mehr die linke Senkrecht- und eine Schräghaste erhalten. Aufgrund des Winkels wird es sich um ein M gehandelt haben. Schillinger-Häfele (1977, 476) hingegen schlägt vor, den Buchstaben als ein enger gesetztes N für navem oder naviculam zu deuten, da ansonsten das Beziehungswort für summersam fehle. In Z.7 und Z.8 sind noch die tiefer eingehauenen Reste der oberen Bögen der jeweiligen S zu sehen. In Z.1, Z.7 und Z.13 wurden Worttrenner gesetzt. In Z.7 finden sich diese nur vor und nach dem ersten L, in Z.13 wurden zwischen dem letzten L und dem M kein Trenner gesetzt.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,5–6,5
Notabilia Varia

v.4: „summersamm“ pro „summeram“
v.11: „Abbino“ pro „Albino“

Kommentar Götternamen

Casses (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Zinn > Bronze?‘; ‚Haar?‘ (Delamarre 2018, 109; Scheungraber 2020, 217-220).
Die sprachliche Einordnung, die Form des Nominativs und das Geschlecht der so angesprochenen Gottheiten sind nicht eindeutig.
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Galatia und Germania Superior bezeugt. In drei Inschrift werden die Gottheiten als Boni Casses bezeichnet, wobei unklar bleibt ob dies eine Verschreibung der römischen Boni Casus darstellt, oder die Casses näher qualifiziert. (s. a. Wiegels 1973, 547f der sich für ersteres Ausspricht)

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1039, CF-GeS-1040, CF-GeS-1086, CF-GeS-1087, CF-GeS-1090; In CF-GeS-1086 werden die Casses zusammen mit den römischen Weggottheiten der Biviae, Triviae und Quadruviae genannt.

Boni Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1069(?), CF-GeS-1109(?), CF-GeS-1110(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Lucius Licinius Divixtus: tria nomina

Licinius: italisches Gentilnomen, äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 685)

Divixtus; keltischer Name, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 1109)

Albino et Maximo consulibus: Konsuldatierung des Jahres 227. Die Konsuln waren M. Nummius Senecio Albinus und M. Laelius Maximus Aemilianus.

Datierung227
ZitiervorschlagCF-GeS-1110, hdl.handle.net/11471/504.50.1110
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/foto/F039290, © K. Matijević


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, https://edh.ub.uni-heidelberg.de/edh/foto/F039290, © K. Matijević

Versionen

Last Update/Current Version: 2024