Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Abnoba

CF-GeS-1106

ABNOBAE

Q ANTONIVS

SILO > LEG I A -

DIVTRICIS ET

  5 LEG II ADIVTRI -

CIS ET LEG III AVG

ET LEG IIII F F

ET LEG XI C P F

ET LEG XXII P F D

10 V S L L M

Abnobae

Q(uintus) Antonius

Silo ((centurio)) leg(ionis) I a -

diutricis et

  5 leg(ionis) II adiutri -

cis et leg(ionis) III Aug(ustae)

et leg(ionis) IIII F(laviae) f(elicis)

et leg(ionis) XI C(laudiae) p(iae) f(idelis)

et leg(ionis) XXII p(iae) f(idelis) D(omitianae)

10 v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

Apparatus criticusZ. 2: zwischen Q und Antonius ein Punkt – CIL, Haug/Sixt
Z. 4: eine Hedera vor et – CIL, Haug/Sixt
Z. 6: eine Hedera vor et – CIL, Haug/Sixt
Z. 9: XXII P(rimigeniae) P(iae) – Ferlut
Z. 10: libens lubens (oder laetus) – Singer; l(ibens) l(aetus) – EDH, Scheungraber, Ferlut
Übersetzung Deutsch

Für Abnoba!
Quintus Antonius Silo, centurio der legio I Adiutrix und der legio II Adiutrix und der legio III Augustae und der legio IV Flavia Felix und der legio XI Claudia Pia Fidelis und der legio XXII Pia Fidelis Domitiana, hat das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To Abnoba!

Quintus Antonius Silo, centurion of the legio I adiutrix and of the legio II adiutrix, and of the legio III Augustae and of the legio IV Flavia Felix, and of the legio XI Claudia Pia Fidelis and the legio XXII Pia Fidelis Domitiana, has fulfilled the vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: CIL

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1626
CIL XIII 6357
Haug/Sixt 1914, 177f. Nr.100
Riese 1914, Nr.68
ILS 3914
Singer 1918, 12
Hertlein 1927, 525
Filtzinger 1971, 179
Fitz 1983, 29 Nr.4
Bender 1975, 69 Abb.19b
LeBohec 1989, 158
Wulfmeier 2001, 180
Scheungraber 2020, 64 Nr.7
Ferlut 2022, Nr.3
Elektronische Ressourcen HD036911 (Version von 2020-03-06) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7688 (Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000369 (zuletzt abgerufen 2024-02-12) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/43005 (zuletzt abgerufen 2024-02-12)
www.trismegistos.org/text/211127 (zuletzt abgerufen 2024-02-12) (Trismegistos)
Fundort modern Aichhalden
Fundstelle

Ortsteil Rötenberg; "dem sogenannten Schänzle [...]. Aus diesem Thale [Hinzigthal] führt nämlich von Schiltach her ein Steig, der Brandsteig genannt, nach Rötenberg herauf. Er endigt bei einer Ziegelhütte, eine Viertelstunde von dem badischen Zollhaus. Hundert Schritte nun von der Ziegelhütte, in gerader Richtung gegen Rötenberg befindet sich auf dem höchsten Punkte ein Platz von einigen Morgen, welcher das Schänzle heißt. Zehn bis zwölf Schritte davon ..." (Köstlin 1825, 74);

"der bei der römischen Station Schänzle beim Hof Brandsteig am Aufstieg der römischen Steige zur Hochebene zwischen Hinzig und Neckar gefunden wurde" (Hertlein 1927, 525) "vermutlich aufgestellt im Hofe von Gebäude 1" (Filtzinger/ Planck/ Cämmerer 19762, 245)

Fundumstände

"grub ein Rötenberger Bürger, der neben dem Schänzle ein Haus baute, nach Steinen, gerieth auf allerlei Schutt, Ziegelstücke, Mauerwerk u. endlich auf den Altar" (Köstlin 1825, 74);

"Die Entdeckung des Steines geschah im Sommer 1825 im Würtembergischen Schwarzwalde, an der Grenze Würtembergs und Badens, eine halbe Stunde westlich von dem Dorfe Röthenberg, Oberamts Oberndorf, durch einen Röthenberger Bauer, welcher zu einem Hause, das er baute, Steine aus dem Felde ausgraben ließ. Der Stein ist nunmehr als Eckstein des Hauses benutzt" (Seebode 1826, 154);

"Ein 1825 von einem Bauern gefundener Inschriftenstein konnte endlich von Pfarrer Rüdiger sichergestellt werden und 1834 für das Lapidarium Stuttgart erworben werden. [...] Der Inschriftenstein ist leider einem Bombenangriff 1944 zum Opfer gefallen" (Filtzinger/ Planck/ Cämmerer 19762, 245).

Fundjahr1825
InschriftträgerWeihealtar
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Girlande
Pulvini
Rahmen
Rosette
Beschreibung Objekt

Der stelenartige Weihestein hat eine glatte Basis, die ohne Gliederung in das vertiefte Inschriftenfeld übergeht. Über diesem befindet sich eine Girlande, deren zwei Bögen sich in der Mitte in einer Art Masche treffen. Die Enden hängen hier gerade herunter. Links und rechts am Rand des Steines und jeweils am Beginn bzw. am Ende der Girlande befinden sich Voluten, die durch Rosetten dekoriert sind.

Zustand Objekt unklar
MaßeHöhe: 145 cm
Breite: 47 cm
Tiefe: 31 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Buchstaben sind ungleichmäßig und in Z.5–9 wesentlich kleiner als in den vorhergehenden Zeilen. Z.10 ist mit einer Leerzeile abgetrennt und betont am größten gearbeitet.

Besondere Zeichen: Z.3 Sonderzeichen für centurio. In Z. 6, 7, 8 und 9 ist die Längshaste der G nicht gerade, sondern eingerollt, während sie in den Z.3 und 5 gerade ist. CIL (und diesem folgend Haug/Sixt) geben in Z.2 einen Punkt nach dem Q und in Z.4 und Z.6 jeweils eine Hedera vor dem et. Diese sind jedoch weder auf der existierenden Abbildung erkennbar, noch scheint zwischen den Buchstaben genug Raum für diese vorhanden zu sein, weswegen wir hier nicht folgen.

Zustand Inschriftfeldunklar
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,5–10,0
Kommentar Götternamen

Abnoba (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Fluss, Wasser‘ (Scheungraber 2020, 64).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Nur aus der Germania Superior bekannt. Unter den zehn Weihungen an Abnoba erscheint sie einmal als Dea Abnoba und dreimal als Diana Abnoba. Sie wird als Göttin des Schwarzwaldes gedeutet (s. Kotterba 1996, 6).
Die bei Scheungraber (2020, 63 Nr.4) zu findende Ergänzung eines Fragmentes aus Lahr (CIL XIII 11710) als dea[e Abnobae] muss als zu unsicher abgelehnt werden.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1099(?), CF-GeS-1102 CF-GeS-1103, CF-GeS-1104(?), CF-GeS-1105, CF-GeS-1106

Dea Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1101

Diana Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1100, CF-GeS-1107, CF-GeS-1111(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Quintus Antonius Silo: tria nomina

Antonius: äußerst gängiges italisches Gentilnomen (Kakoschke 2021, GN 96)

Silo: lateinischer oder hispanischer Name, vor allem in Hispanien verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2874)

legio I Adiutrix: Die Legio I Adiutrix war nach dem Ende des Bataveraufstandes in Mainz stationiert, 86 n.Chr. wurde sie für Domitians Dakerkriege (85–89) nach Pannonien verlegt und ist seit 97 n.Chr. dauerhaft im Legionslager bei Komárom-Szőny belegt (Campbell 1999, Sp.9f; Lörincz 2000, 151–154).

legio II Adiutrix: Die legio II Adiutrix war nach der Niederschlagung des Bataveraufstandes zwischen 71–86 n.Chr. in Britannien stationiert. Um 87 n.Chr. an die Donau verlegt, erscheint sie zwischen 101 und 106 n.Chr. in Belgrad und danach in Budapest (Campbell 1999, Sp.10). Eine andere Rekonstruktion schlägt eine Stationierung bereits zwischen 89 und 105 n.Chr. in Budapest vor, dann bis 113 n.Chr. in Sarmizegetusa, kurzer Aufenthalt im Osten bevor schließlich 118 n.Chr. erneut nach Budapest verlegt (Lörincz 2000, 160–164).

legio III Augusta: Die legio III Augusta war seit 30 v.Chr. in der Provinz Africa stationiert. Von Gordian III. wurde die Legion 238 n.Chr. wegen ihrer Rolle bei der Niederschlagung des Aufstandes der beiden Gordiane gegen Maximinus Thrax aufgelöst, jedoch 253 n.Chr. von Valerian neu aufgestellt (Campbell 1999, Sp.11; LeBohec 2000, 373–377).

legio IIII Flavia Felix: Die legio IV Macedonica wurde 70 n.Chr. von Vespasian als Flavia Felix neu aufgestellt und löste die legio XI Claudia Pia Fidelis in Dalmatien ab. Um 85 n.Chr. wurde sie nach Belgrad verlegt wo sie auch, mit Ausnahme ihrer Stationierungszeit in Ulpia Traiana Sarmizegetusa zwischen 101/102 n.Chr. und der Herrschaftszeit Hadrians, verblieb (Campbell 1999, Sp.16).

legio XI Claudia Pia Fidelis: Die legio XI erhielt während der Revolte des Scribonianus 42 n.Chr. den Beinamen Claudia Pia Fidelis. Bis 70 war sie in Dalmatien, danach bis 101 n.Chr. in Windisch im Aargau stationiert. Von dort wurde sie um 101 n.Chr. nach Pannonien verlegt, bevor sie schließlich in der Moesia Inferior stationiert wurde (Campbell 1999, Sp.19; Fellmann 2000, 129f.).

legio XXII Primigenia Pia Fidelis Domitiana: Die legio XXII Primigenia erhielt nach dem Scheitern des Saturninus-Aufstandes 89 n.Chr. gemeinsam mit anderen Legionen und Truppenkörpern den Ehrenbeinamen Pia Fidelis Domitiana; letzterer fiel nach der damnatio memoriae Domitians wieder weg. Die Legion wurde 97 n.Chr. von Xanten nach Mainz verlegt, wo sie die nächsten zwei Jahrhunderte verblieb. Zwischen 70/71 und 97 n.Chr. sowie 101/102 bis 106/107 n.Chr. wurden Teile der Truppe für Steinbrucharbeiten im Brohtal eingesetzt (Matijević 2010, 29, 227–233).

Diese Inschrift ist ein Beispiel für die hohe Mobilität der Centurionen, die oft zwischen den verschiedenen Legionen ausgewechselt wurden. Es ist anzunehmen, dass Silo die Angabe der Legionen in denen er diente in chronologischer Reihe aufzählt, jedoch ist es unklar, ob die Aufzählung mit seiner ersten oder der aktuellen Dienstlegion beginnt.

Da die legio XXII Primigenia den Ehrennamen Domitiana nur während der Regierungszeit des Domitian (81–96) trug, kann mit dieser Angabe die Inschrift relativ genau datiert werden.

Datierung89–96
ZitiervorschlagCF-GeS-1106, hdl.handle.net/11471/504.50.1106
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Haug/Sixt 1914, 177 Nr.100

Bild 1: Front, Haug/Sixt 1914, 177 Nr.100

Versionen

Last Update/Current Version: 2024