Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Abnoba

CF-GeS-1103

ABNOBAE

SACRVM

M▴PROCLINIVS

VERVS▴STATÔR

  5 V▴S▴L▴L▴M

Abnobae

sacrum

M(arcus) Proclinius

Verus stator

  5 v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Port-?
Apparatus criticusZ. 3: Proc[…]VS – Gradmann
Z. 4: SI[…] – Gradmann; fälschlich gesetzter Zeilenwechsel nach Verus – Kemkes/Willburger
Z. 5: l(aetus) l(ubens) – Haug/Sixt, Goessler 1921; Stator, wegen fälschlich gesetztem Zeilenwechsel in Z.4 stator in dieser Zeile – Kemkes/Willburger; l(ibens) l(aetus) – EDH, Scheungraber, Ferlut; wegen fälschlich gesetztem Zeilenwechsel in Z.4 v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito) in einer zusätzlichen Z.6 – Kemkes/Willburger
Übersetzung Deutsch

Der Abnoba geheiligt!
Marcus Proclinius Verus, der stator, hat das Gelübe freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

Sacred to Abnoba!
Marcus Proclinius Verus, a stator, has fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenGradmann 1904, 122
Goessler 1905, 17
AE 1906, 59
Haug 1906 (Zwei neue Inschriften), Nr.2
Haug 1906 (Nachträge), 37
ILS 9269
Barthel 1907, 32 Nr.1
CIL XIII 11746
Haug/Sixt 1914, 369 Nr.530
Riese 1914, 2613
Goessler 1921, 45
Filtzinger 1980, Nr.1
Kemkes/Willburger 2004, 114 Abb.106
Scheungraber 2020, 63 Nr.1
Ferlut 2022, Nr.4
Elektronische Ressourcen HD021773 (Version von 2020-01-16) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7420 (Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-12700249 (zuletzt abgerufen 2024-01-24) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/210200 (zuletzt abgerufen 2024-01-24) (Trismegistos)
Fundort modern Stuttgart
Fundstelle

heute Bezirk Bad Cannstatt; "Unweit der römischen Strassenkreuzung auf der 'Altenburg', nahe der Südwestecke des Kastells [...] gefunden..." (Haug 1906, 2 Nr.2). "Auf der Altenburg nahe der W-Ecke des Kastells" (Filtzinger 1980, 23 Nr.1); auf dem Staigfriedhof (Barthel 1907, 32). Auf "der Altenburg bei dem sog. 'Bad' [...] nahe der W-Ecke des Kastells." (Haug/Sixt 1914, 24)

Fundumstände

gemeinsam mit FeGeS-1104

Fundjahr1904
VerwahrungStuttgart, Württembergisches Landesmuseum
InventarnummerRL 344
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Giebel
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Beschreibung Objekt

Der schmale Weihealtar besitzt einen Aufsatz, der durch drei Stufen vom ungerahmten Inschriftenfeld getrennt ist. Dieser wird gebildet durch zwei Voluten, jeweils eine links und eine rechts, und einem Dreiecksgiebel in der Mitte. Es ist nicht mehr erkennbar, ob die Voluten oder der Giebel durch Rosetten geschmückt waren. Dahinter befindet sich die Opferschale. Die einfache, niedrige Basis ist ebenfalls durch drei breite Stufen vom Inschriftenfeld getrennt. Links ist die Stufung abgesprungen. Der ungeglättete Sandstein wirkt generell recht verwittert.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 45 cm
Breite: 19 cm
Tiefe: 18 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift ist vollständig erhalten und füllt das Inschriftenfeld fast zur Gänze aus. Die Buchstaben sind unregelmäßig.
Während die Inschrift linksbündig gesetz ist, ist Z.2 nach rechts eingerückt. Bei Auffindung war in den Buchstaben noch rote Farbe zu erkennen (Gradmann 1904, 122).

Die beiden A in Z.1 erinnern an das kleine griechische Lambda. In das erste A ist ein Punkt gesetzt. In Z.2 treffen die linken Schräghasten des A und des M etwas unterhalb der vorgesehenen Buchstabenhöhe auf die rechten Schräghasten. Alle A sind ohne Querhaste gearbeitet.
Zu einer Ligatur: s. Majuskelumschrift

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,3–2,5
Kommentar Götternamen

Abnoba (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Fluss, Wasser‘ (Scheungraber 2020, 64).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Nur aus der Germania Superior bekannt. Unter den zehn Weihungen an Abnoba erscheint sie einmal als Dea Abnoba und dreimal als Diana Abnoba. Sie wird als Göttin des Schwarzwaldes gedeutet (s. Kotterba 1996, 6).
Die bei Scheungraber (2020, 63 Nr.4) zu findende Ergänzung eines Fragmentes aus Lahr (CIL XIII 11710) als dea[e Abnobae] muss als zu unsicher abgelehnt werden.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1099(?), CF-GeS-1102 CF-GeS-1103, CF-GeS-1104(?), CF-GeS-1105, CF-GeS-1106

Dea Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1101

Diana Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1100, CF-GeS-1107, CF-GeS-1111(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Marcus Proclinius Verus: tria nomina

Proclinius: Verschreibung oder Variante von Proculinius, einheimisches Pseudogentilnomen abgeleitet vom lateinischen Namen Proc(u)l(in)us, sehr selten (Kakoschke 2021, GN 1026)

Verus: überall äußerst gängiger lateinischer Name (Kakoschke 2021, CN 3312)

stator: Unteroffizier im Stab eines Alenpräfekten, Zuständig für Polizei- und Gerichtdienst (Filtzinger 1980, S. 23), oder auch ein "Verbindungsmann zwischen hochrangigen Amtspersonen" (Kotterba 1996, 14)

ZitiervorschlagCF-GeS-1103, hdl.handle.net/11471/504.50.1103
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Landesmuseum Württemberg, Foto: Ortolf HarlBild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, Landesmuseum Württemberg, Foto: Ortolf Harl
Bild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024