Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Abnoba

CF-GeS-1101

DEAE ABNOBA

LVCILIVS MODERATVS V S M

Deae Abnob(a)e

Lucilius Moderatus v(otum) s(olvit) m(erito)

CivitasCivitas Aurelia Aquensis
Apparatus criticusZ. 2: Lucius – Filtzinger (u.a.)
Übersetzung Deutsch

Der Göttin Abnoba!
Lucius Moderatus hat das Gelübde verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the goddess Abnoba!
Lucius Moderatus has fulfilled a vow deservedly.

Autopsie

vidimus (6.11.2023)

Editionen und LesungenFröhner 1860, Nr.39
Fritsch 1910, 24 Abb.14
Wagner 1911, Nr.53 Abb.81
CIL XIII 6326
Riese 1914, Nr.2615
Espérandieu 1931, Nr.345
Filtzinger/Plack/Cämmerer 1976, 328
Badisches Landesmuseum Karlsruhe 2008, 148
Scheungraber 2020, 63 Nr.5
Ferlut 2022, Nr.10
Elektronische Ressourcen HD036869 (Version von 2018-12-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/8314 (Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000335 (zuletzt abgerufen 2024-01-22) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
www.trismegistos.org/text/211090 (zuletzt abgerufen 2024-01-22) (Trismegistos)
Fundort modern Karlsruhe
Fundstelle

Stadtteil Mühlburg; am Fluss Alb unterhalb der Militärschwimmschule (CIL), heute Restaurant "Kühler Krug" (Filtzinger/ Planck/ Cämmerer 19762, 327); zwischen der Militärschwimmschule und Mühlburg (Fritsch 1910, 24); "am Albufe, ca. 300 Schritt unterhalb der Militärschwimmschule, in einem Acker" (Wagner 1911, 81)


Fundumständevon einem Wanderer am Ufer (Filtzinger/ Planck/ Cämmerer 19762, 327) entdeckt am 9. April (CIL); "von dem im Mühlburg seßhaften Herrn von Reichenstein [...] aufgefunden" (Fischer 1844, 4); "bei Feldgrabung in Nähe des Albufers und umgeben von Spuren römischen Mauerwerkes" (Bayer 1858, 61); "durch Herrn von Reichenstein ausgegraben" (Fröhner 1860, 16 Nr.39)
Fundjahr1850
VerwahrungKarlsruhe, Badisches Landesmuseum
InventarnummerC 38
InschriftträgerStatuette
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation freistehende Figur
Götterbild
Hase
Inschrift außerhalb des Inschriftenfeldes
Köcher
Schuhe
Tier
Beschreibung Objekt

Das Objekt besteht aus einer dünnen, unregelmäßig rechteckigen Basis, die die ungerahmte Inschrift trägt und auf der sich eine Statuette samt Begleittieren befinden.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 75 cm
Breite: 37,5 cm
Tiefe: 22 cm
Die Maße sind die des erhaltenen Objektes.
Ikonografie

Die Göttin stellt Diana Abnoba dar, leider ist der Kopf nicht erhalten. Die Figur hat einen groben, gedrungenen Körper mit klobigen Gliedmaßen. Sie steht in einer leichten Schrittstellung, mit dem linken Bein ein kleines Stück weiter nach vorne. Ihr rechter Arm ist fast rechtwinkelig nach hinten oben gebogen, da sie gerade einen Pfeil aus dem Köcher zieht. Ihre Hand ist dafür wie in einer Faust gehalten, nur der Zeigefinder und der Daumen scheinen zu greifen. Ihr linker Arm ist gerade nach unten gestreckt, wobei ihre Hand auf einem Zapfen ruht (vgl. Fischer 1854. 4 tab.2 "das Sinnbild des Schwarzwaldes"), die vier Finger in Richtung des Betrachters abgelegt, den Daumen seitlich.
Ihre Füße stecken in kurzen Stiefeln mit leicht konischer Spitze, der Chiton endet knapp ober den schwach ausgearbeiteten Knien. Der Rock ist aufgebauscht und die Falten neigen sich in Richtung des Betrachters. Der überkreuzt geführte Oberteil ist in Falten gelegt und wird mit einem Taillengürtel am Platz gehalten. Zwischen den Brüsten befindet sich eine Raffung, die wie mit einem Medaillon zusammen gehalten wird. Arme, Schultern und Brüste bleiben frei. Am Rücken trägt sie einen Köcher, der Bogen ist nicht erhalten. Das Objekt, auf dem die linke Hand ruht, könnte ein großer Zapfen, aber auch ein Baumstamm (vgl. Wagner 1911, 81 Nr.53) mit starker Struktur, wie bei einer Palme, sein (Fröhner 1860, 16 Nr.39 sieht darin einen Felsen; Krüger 1917, 1 Nr.7 eine nicht näher zu bestimmende Frucht ). Zwischen der Göttin und diesem befinden sich zwei Tiere, wobei das untere, kleinere, mit Sicherheit einen Hasen mit zurück gelegten Ohren darstellt, auf dem Boden kauernd. Über ihm, den Hasen zu Boden drückend, befindet sich eventuell ein Hund, der dann den Hasen erlegen würde (vgl. Filtzinger/ Planck/ Cämmerer19762, 327; Eckerle 1988, 160, Espérandieu 1931, 214 Nr.345) . Das Tier könnte aufgrund der langen Ohren und der Form der Nase meiner Meinung nach aber auch ein Reh sein. Dass es zwei Hasen sind (vgl. Fischer 1854 1854, 4 tab.2; Wagner 1911, 81 Nr.53) glaube ich nicht, da die Kopfformen zu unterschiedlich zu einander sind.

Inschrift

Die Inschrift ist auf der Statuenbasis eingemeißelt. Die Buchstaben sind unregelmäßig. Z.1 befindet sich auf der Oberseite, die beiden Wörter werden durch den linken Fuß voneinander getrennt. Z.2 befindet sich auf der vorderen Schmalseite der Basis.
Das linke untere Eck des Sockels ist ausgebrochen, weswegen das erste L in Z.2 leicht beschädigt ist. Das rechte Sockelende ist bestoßen und das M am Zeilenende ist leicht beschädigt und abgerieben, aber noch deutlich lesbar. Die Buchstaben sind aufgrund des geringen Platzes nicht nur sehr eng gesetzt, sondern variieren auch in Größe und berühren sich gegen Ende von Z.2 teilweise: RA und TV in Moderatus. Bei dem Buchstaben zwischen D und R in Z.2 handelt es sich um ein E, dessen Querhasten aufgrund des Platzmangels fast an ein I erinnern. Der Buchstabe weist jedoch dieselbe nach links hinausgezogene mittlere Querhaste auf wie die drei E in Z.1, sodass die Lesung als gesichert anzusehen ist.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,7–3,8
Kommentar Götternamen

Abnoba (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Fluss, Wasser‘ (Scheungraber 2020, 64).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Nur aus der Germania Superior bekannt. Unter den zehn Weihungen an Abnoba erscheint sie einmal als Dea Abnoba und dreimal als Diana Abnoba. Sie wird als Göttin des Schwarzwaldes gedeutet (s. Kotterba 1996, 6).
Die bei Scheungraber (2020, 63 Nr.4) zu findende Ergänzung eines Fragmentes aus Lahr (CIL XIII 11710) als dea[e Abnobae] muss als zu unsicher abgelehnt werden.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1099(?), CF-GeS-1102 CF-GeS-1103, CF-GeS-1104(?), CF-GeS-1105, CF-GeS-1106

Dea Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1101

Diana Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1100, CF-GeS-1107, CF-GeS-1111(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Lucilius Moderatus: einheimisches Namensformular ohne Praenomen

Lucilius: gängiges italisches oder einheimisches Gentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Luc(il)ius (Kakoschke 2021, GN 702)

Moderatus: lateinischer Name, vor allem in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2081)

ZitiervorschlagCF-GeS-1101, hdl.handle.net/11471/504.50.1101
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 38, Foto: Ortolf HarlBild 2: Inschrift, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 38, Foto: Ortolf Harl


Bild 1: Front, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 38, Foto: Ortolf Harl
Bild 2: Inschrift, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, Inv. Nr. C 38, Foto: Ortolf Harl

Versionen

Last Update/Current Version: 2024