Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

« zurück zur KategorieTEI

Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Diana Abnoba

CF-GeS-1100

IN▴H▴D▴D▴

DEANAE▴ABN▴

OBAE▴CASSIA

NVS▴CASATI/CASAT▴F̣(?)

  5 V▴S▴L▴L▴M▴

ET▴ATTIANVS

FRATER▴FAL

CON▴ET▴CLARO

COS

In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

Deanae(!) Abn -

obae Cassia -

nus Casati/Casat(i) f(ilius)(?)

  5 v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

et Attianus

frater Fal -

con(e) et Claro

co(n)s(ulibus)

CivitasCivitas Aurelia Aquensis
Apparatus criticusZ. 2: Dianae – Fingerlin; D<i=E>anae – Scheungraber
Z. 4: Casati – ILS, Bonnard, Fingerlin; Casat(i) <f=I>(ilius) – Scheungraber
Z. 5: l(ibens) l(aetus) – Fingerlin, Scheungraber, Ferlut
Z. 8: c<o=D>n(e) – Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Zu Ehren des Kaiserhauses, für Diana Abnoba!
Cassianus, (Sohn des) Casatus, hat das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt, und sein Bruder Attianus; unter dem Konsulat des Falco und des Clarus.

Übersetzung Englisch

In honour for the Divine Household, to Diana Abnoba!
Cassianus, (son of) Casatus, has fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly, and his brother Attianus; during the consulship of Falco and Clarus.

Autopsie

vidimus (6.11.2023)

Editionen und LesungenBramabch 1867, Nr.1683
CIL XIII 6283
ILS 3915
Bonnard 1908, 176
Wagner 1908, Nr.433
Riese 1914, Nr.2715
Fingerlin 1976, 264
Scheungraber 2020, 63 Nr.6
Ferlut 2022, Nr.9
Elektronische Ressourcen HD036912 ( Version von 2020-07-28) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/32561 ( Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000291 ( zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/21143 ( zuletzt abgerufen 2023-03-10)
https://www.trismegistos.org/text/211128 ( zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Trismegistos)
Fundort modern Mühlenbach
Fundstelle

beim Pfarrhaus (CIL)

Fundumständebei einer Überschwemmung angespült (CIL); "durch ein Hochwasser der Kinzig freigespült" (Fingerlin 1976, 264)
Fundjahr1778
VerwahrungFreiburg, Archäologisches Museum Colombischlössle
Inventarnummernicht vergeben
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
gebrochener Giebel
Lineardekor
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Rosette
Beschreibung Objekt

Die schmale Basis des Altars ist ohne besondere Gestaltung vom ungerahmten Inschriftenfeld getrennt. Die Bekrönung jedoch setzt sich durch eine dreifache Stufung von diesem ab. Sie ist dekoriert durch Pulvini, die mit Rosetten gefüllt sind und deren Umriss in einer Art Wellenlinie zur Mitte hin verlängert wird. Die Linien treffen sich in der Mitte und bilden eine Art gebrochenen, ungefüllten Giebel. Zur besseren Vorstellungen könnte man die Umrisse als zwei nebeneinander liegende "B" beschreiben. Dahinter findet sich die Opferschale. Auch auf der Rückseite ist die wellenartige Verzierung vorhanden.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 88 cm
Breite: 48 cm
Tiefe: 33 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten. Die Buchstaben sind regelmäßig, wobei Z.1 größer gearbeitet ist.
Besondere Zeichen: Bei den I in Z.3, Z.4 und Z.6 sind Reste einer Mittellinie zu sehen, und der Abstand zwischen den Buchstaben ist in allen drei Fällen unregelmäßig. Aufgrund des auffallend großen Abstandes zwischen T und I in Z.3 sowie den möglichen Resten eines Worttrenners in diesem, ist es auch denkbar, hier ein schlecht gearbeitetes F zu lesen. Nach dem M in Z.5 befindet sich eine kleine O förmige Beschädigung des Steines. Bei den R in Z.7 und Z.8 ist die Schräghaste vorne an den Bogen angesetzt, nicht hinten an der Senkrechthaste. In Z.8 ist das letzte O aus Platzgründen etwas kleiner (2,8 cm) zwischen R und den Rand eingeschrieben, während das erste O der Zeile aufgrund eines partiellen Ausbruchs bzw. Abreibung optisch wie ein D wirkt. Worttrenner werden in der gesamten Inschrift korrekt verwendet, weswegen es auffällig ist, dass in Z.2 nach 'Abn' ein Trenner gesetzt ist, obwohl in Z.3 mit 'obae' fortgesetzt wird.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3.8-4.0
Notabilia Varia

v.2: „Deanae” pro „Dianae”

Kommentar Götternamen

Abnoba (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Fluss, Wasser‘ (Scheungraber 2020, 64).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Nur aus der Germania Superior bekannt. Unter den zehn Weihungen an Abnoba erscheint sie einmal als Dea Abnoba und dreimal als Diana Abnoba. Sie wird als Göttin des Schwarzwaldes gedeutet (s. Kotterba 1996, 6).
Die bei Scheungraber (2020, 63 Nr.4) zu findende Ergänzung eines Fragmentes aus Lahr (CIL XIII 11710) als dea[e Abnobae] muss als zu unsicher abgelehnt werden.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1099(?), CF-GeS-1102 CF-GeS-1103, CF-GeS-1104(?), CF-GeS-1105, CF-GeS-1106

Dea Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1101

Diana Abnoba: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1100, CF-GeS-1107, CF-GeS-1111(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Cassianus Casati: einheimisches Namensformular mit Angabe des Namens des Vaters im Genetiv

Cassianus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des GNs/Namens Cassius, besonders häufig in Norditalien (Kakoschke 2021, CN 708)

Casatus: keltischer Name, häufig bei den Westkelten (Kakoschke 2021, CN 701), Vater des Ersten und vermutlich des Zweiten

Attianus: einheimisches Namensformular

Attianus: lateinisches Cognomen, Weiterbildung des GNs/Namens Attius, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 345), Bruder des Cassianus, Sohn des Casatus?

Warum nur bei Cassianus die Filiation erscheint, während sie bei seinem Bruder Attianus fehlt, ist ungewiss. Am wahrscheinlichsten ist, dass die einmalige Nennung sowie der Verweis auf die Geschwisterschaft als ausreichend angesehen wurden.

Falcone et Claro consulibus: Konsuldatierung des Jahres 193. Quintus Pompeius Sosius Falco und Gaius Iulius Erucius Clarus Vibianus waren bis März die ordentlichen Konsuln.

Datierung193
Zitiervorschlag CF-GeS-1100 , hdl.handle.net/11471/504.50.1100
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, EDCS-11000291, Rechte vorbehaltenBild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, EDCS-11000291, Rechte vorbehalten
Bild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024