Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mediotautehae

CF-GeS-1097

LEVD̂IṆ[---]

MED̂IOTO[.]

TEHIS

Q▴ALFIN̂IVS

  5 SEVERVS

L▴M

Leudi[nis et]

Medioto[u] -

tehis(!)

Q(uintus) Alfinius

  5 Severus

l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Alisinensium
Apparatus criticusZ. 2: Leudi[nis] – EDH
Z. 2: Medoto[u] – EDH
Übersetzung Deutsch

Den Leudinae und den Mediotautehae!
Quintus Alfinius Severus, gerne und verdientermaßen.

Übersetzung Englisch

For the Leudinae and Mediotautehae!
Quintus Alfinius Severus, willingly and deservingly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Elektronische Ressourcen HD036595 (Version von 2020-09-08) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7337 (Version von 2021-01-19) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-51200122 (zuletzt abgerufen 2023-06-13) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/210874 (zuletzt abgerufen 2023-06-13) (Trismegistos)
Fundort modern Bad Wimpfen
Fundstelle

"im vicus des Kohortenkastells" (lupa); "bei einem [...] gemauerten Steinkranz, der wohl als Abwasserbecken diente" (Filgis/Pietsch 1985, 176)

Fundumstände"bei Ausgrabungen" (lupa)
Fundjahr1984
VerwahrungStuttgart, Landesmuseum-Württemberg, Lapidarium
InventarnummerR 84 Wi 1251
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Giebel
Kanne
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Opferschale (Opfergerät)
Pulvini
Reliefschmuck
Rosette
Beschreibung Objekt

Vom Weihealtar fehlt die rechte Seite des Aufsatzes und der Beginn der rechten Seite des Inschriftenfeldes. Der fehlende Teil ist schräg in der Mitte des Aufsatzes bis zum Ende der dritten Zeile abgebrochen. Auch von der Basis fehlt das vordere rechte Eck. Ansonsten ist diese vollständig erhalten und vom ungerahmten Inschriftenfeld durch eine Stufe getrennt. Der Aufsatz, vom Inschriftenfeld wiederum durch eine Stufe getrennt, ist schwer beschädigt, jedoch sind noch die linke Volute mit Rosettendekor, der Beginn des Giebels und die Opferschale erkennbar. Die Opferschale scheint höher angebracht als üblich und wird von einem zusätzlichen, im Unfang größeren Pulvinus, ebenfalls mit Rosette, gestützt.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 84 cm
Breite: 39 cm
Tiefe: 38 cm
Ikonografie

Auf der linken Schmalseite befindet sich mittig ein Krug, auf der rechten, laut EDH, eine patera.

Inschrift

Die Inschrift füllt das Inschriftenfeld fast vollständig aus. Von den ersten beiden Zeilen fehlt der rechte Rand. Die Buchstabengröße variiert von Zeile zu Zeile und die Buchstaben sind ungleichmäßig.
In Z.2, Z.4 und Z.5 ist die Deutlichkeit der Buchstaben durch Abrieb und Beschädigung beeinträchtigt, diese sind aber noch lesbar. Die erhaltene Senkrechthaste am Ende von Z.1 kann aufgrund der Lesung als N rekonstruiert werden. Worttrenner sind in Z.4 und 6 gesetzt, wobei von der EDH letzterer als hedera gelesen wird.
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,0–5,0
Notabilia Varia

v.2: „Mediotoutehis” pro „Mediotautehis”

Kommentar Götternamen

Mediotautehae (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch mit partieller lautlicher Germanisierung: ‚In der Mitte des Volkes Wohnende [Muttergöttinnen]’ bzw. ‚Zum Stamm der Mitte Gehörende [Muttergöttinen]’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 268f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Nur je einmal in den beiden germanischen Provinzen bezeugt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:
Matres Mediotautehae: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: CF-GeI-41
- Germania Superior: -

Mediotautehae: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1097

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

***

Nicht keltischer Göttername:

Leudinae (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
germanisch: ‚Die zum Volk Gehörenden‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 240).
In der hier vorgelegten Inschrift könnte eine zweite Matronengruppe angesprochen sein, doch könnte es sich auch um einen Beinamen der Mediotautehae handeln.

Kommentar allgemein

Alfinius Severus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Alfinius: einheimische Bildung? nur hier und zweimal in Rom belegt (Kakoschke 2021, GN 53)

Severus: lateinischer Name, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, CN 2855)

ZitiervorschlagCF-GeS-1097, hdl.handle.net/11471/504.50.1097
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Landesmuseum Württemberg, Foto: Ortolf Harl, CC BY SA 4.0Bild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 3: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 4: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 5: rechts, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, Landesmuseum Württemberg, Foto: Ortolf Harl, CC BY SA 4.0
Bild 2: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 4: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 5: rechts, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024