Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Casses

CF-GeS-1090

IN H D D

I▴O▴M▴ET

CASSIBVS CETER

[..]Ṣ DEABVSQ IMNORT

  5 [---]VS CVPITV[.] G̣ṚỊ

------

In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et

Cassibus ceter(is)

[di]s deabusq(ue) imnort(alibus)(!)

  5 [---]us Cupitu[s] GRI

------

CivitasCivitas Alisinensium
Apparatus criticusZ. 3: ceteris(que) – Leonhard, Riese, Keune
Z. 4: [dis] – Leonhard; [di(is)s (das s mit Unterpunkt) – Castritius (u.a.); [di(i)]s – Beckmann, Mattern; im(m)ort(alibus) – Leonhard; immort--- – Riese; immort(alibus) – Castritius (u.a.); im<m=N>ort(alibus) – Scheungraber
Z. 5: am Anfang der Zeile [alib]us – Beckmann; Cupitus [.]pi – CIL; p (mit Unterpunkt) – Riese; Cupitus (C)eri- – Beckmann; [3]us Cupitus [3]pi – Scheungraber; nichts am Ende der Zeile – Leonhard, Keune
Z. 6: In einer zusätzlichen Zeile [alis v(otum) s(olvit) l(ibens) l(aetus) m(erito) – Beckmann
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses, für Iuppiter Optimus Maximus, den Casses und den übrigen unsterblichen Göttern und Göttinen!
... Cupitus ...

Übersetzung Englisch

In honor of the Divine Houshold, and to Iuppiter Optimus Maximus, and to the Casses, and to the immortal gods and goddesses!
... Cupitus ...

Autopsie

vidimus (CIL XII Projekt, Nachbildung aus Miltenberg, Mus. Mil. ARL 33)

Editionen und LesungenCIL XIII 11770
Leonhard 1910, 52 Nr.2
Riese 1914, Nr.2945
Keune 1924 (Epigraph. Miscellen), Nr.7
Castritius/Clauss/Hefner 1977, Nr.168
Beckmann 1984, Nr.41
Mattern 2005, Nr.223
Scheungraber 2020, 217 Nr.3
Elektronische Ressourcen HD075847 (Version von 2019-12-06) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/6947 (Version von 2019-09-03 ) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-12700276 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikSeiopa
Fundort modern Miltenberg
Fundstelle

am oberen Ende der Stadt (CIL), beim Numeruskastell (Beckmann 1984, 96)

FundumständeAus dem Main gefischt. Das genaue Fundjahr ist nicht mehr bekannt, in der Literatur finden sich die Angaben um 1900 (Beckmann 1984, 96) und vor 1911 (CIL).
VerwahrungMünchen, Archäologische Staatssammlung
Inventarnummer1933,50
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Giebel
Inschrift außerhalb des Inschriftenfeldes
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Rahmen
Rosette
Beschreibung Objekt

Vom Weihealtar sind noch der Aufsatz und ein Teil des gerahmten Inschriftenfeldes erhalten. Der Aufsatz ist ohne Stufung, dafür mit dem Beginn der Inschrift, der sich außerhalb des Inschriftenfeldes befindet, vom diesem getrennt. Darüber befindet sich ein stark versenkter Giebel ohne Spitz. Auf und hinter diesen folgt die Opferschale, die links und rechts von Voluten mit Rosetten-Schmuck begrenzt wird. Die rechte Seite des Fragments ist erhalten, die linke Seite von oben nach unten schräg Richtung Mitte abgebrochen. Auch die Rückseite fehlt.

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 54 cm
Breite: 46 cm
Tiefe: 18 cm
Die angegebenen Maße sind die des erhaltenen Fragments.
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Das Inschriftenfeld ist im unteren Ende von Z.5 abgebrochen, die Anzahl verlorener Zeilen ist nicht rekonstruierbar. Der Anfang der Zeilen 3, 4 und 5 ist beschädigt, wobei es scheint, dass in Z.4 zwei Buchstaben verloren sind, während in Z.5 die Anzahl nicht rekonstruierbar ist. Die Buchstabenform ist äußerst unregelmäßig.

Die erste Zeile befindet sich auf der Leiste oberhalb des vertieften Inschriftenfeldes. Leonhard (1910, 52) meint: „Es erweckt den Eindruck, als sei eine ältere Inschrift bis auf das Präskript in h d d beseitigt und durch die vorliegende ersetzt worden.“ In Z.3 die beiden E von ceter, in Z.4 das O von imnort und in Z.5 die beiden U von Cupitus jeweils kleiner eingeschrieben. Das Ende von Z.5 hat laut Leonhard (1910, 52) durch „den Einfluss des Wassers sehr gelitten“. Aufgrund des schlechten Zustandes wäre auch ein C mit eingedrehtem Ende möglich, und es ist fraglich, ob es sich bei der letzten erhaltenen Senkrechthaste tatsächlich um ein kleiner eingeschriebenes I handelt, oder bloß um eine Beschädigung.

Zustand Inschriftfeldgrößeres Fragment
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v4: „imnortalibus” pro „immortalibus”

Kommentar Götternamen

Casses (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Zinn > Bronze?‘; ‚Haar?‘ (Delamarre 2018, 109; Scheungraber 2020, 217–220).
Die sprachliche Einordnung, die Form des Nominativs und das Geschlecht der so angesprochenen Gottheiten sind nicht eindeutig.
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Galatia und Germania Superior bezeugt. In drei Inschrift werden die Gottheiten als Boni Casses bezeichnet, wobei unklar bleibt ob dies eine Verschreibung der römischen Boni Casus darstellt, oder die Casses näher qualifiziert. (s. a. Wiegels 1973, 547f der sich für ersteres Ausspricht)

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1039, CF-GeS-1040, CF-GeS-1086, CF-GeS-1087, CF-GeS-1090; In CF-GeS-1086 werden die Casses zusammen mit den römischen Weggottheiten der Biviae, Triviae und Quadruviae genannt.

Boni Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1069(?), CF-GeS-1109(?), CF-GeS-1110(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

...us Cupitus: tria nomina?, vermutlich mindestens römisches Namensformular ohne Praenomen

Cupitus: (keltischer/) lateinischer Name, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 986)

..pi: wenn zu Cupitus gehörig: tria nomina mit doppeltem Cognomen? römisches Namensformular ohne Praenomen aber mit Angabe des Namens des Vaters im Genitiv?

Zitiervorschlag CF-GeS-1090, hdl.handle.net/11471/504.50.1090
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, © Archäologische Staatssammlung, München, Foto: Swantje Mulzer


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, © Archäologische Staatssammlung, München, Foto: Swantje Mulzer

Versionen

Last Update/Current Version: 2024