Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mercurius Arvernorix

CF-GeS-1088

MERCURIO

ARVERNORIG

COSSILLUS▴D

ONAVI▴ES VISU

  5 LETUS LIBES MERI

TO

Mercurio

Arvernorig(i)

Cossillus d -

onavi es(!) visu

  5 l(a)etus libe(n)s meri -

to

CivitasCivitas Alisinensium
Apparatus criticusZ. 2: Arvernoric(i) – Beckmann; Arvernoric[i] –Mattern; Arvernorici – Castritius (u.a.), Wierschowski, Scheungraber; Mer[c]urio Arvernorigi – Kakoschke
Z. 4: D-/onavi [filius] – Beckmann 1984 (1. Variante), D-/onavi (filius) – Beckmann 1987, Kakoschke, Castritius (u.a.), Wierschowski, Mattern; D-/onavi – Scheungraber; e<x> – Castritius (u.a.), Wierschowski ; e<x=S> – Scheungraber
Z. 5: ohne Zeilenumbruch in merito – Kakoschke
Übersetzung Deutsch

Für Mercurius Arvernorix!
Habe ich, Cosillus, (dies) aufgrund einer Vision freudig, gerne und verdientermaßen geschenkt.

Übersetzung Englisch

To Mercurius Arvernorix!
I, Cosillus, have gifted (this) because of a vision gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenCIL XIII 6603
ILS 4592
Leonhard 1931, 52 Nr.1
Espérandieu 1931, 129
Castritius/Clauss/Hefner 1977, Nr.145
Beckmann 1984, Nr.36 (mit 2 Varianten)
Beckmann 1987, 49
Wierschowski 2001, Nr.564a
Kakoschke 2002, Nr.5.27
Mattern 2005, Nr.219
Scheungraber 2020, 129 Nr.6
Elektronische Ressourcen HD058633 (Version vom 2019-12-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/6920 (Version von 2021-03-08) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000637 ( zuletzt abgerufen 2023-03-09) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/212163 ( zuletzt abgerufen 2023-03-09) (Trismegistos)
Fundort antikSeiopa
Fundort modern Miltenberg
Fundstelle

auf dem Plateau des Schloss- oder Greinbergs in einem germanischen Ringwall (CIL); "1400m ö der Kirche von Breitendiel, auf dem Greinberg, in der Privatwaldabteilung 12b Ringwall" (Abels 1979, 139)

Fundumstände"gefunden vom Revierförster Dr. Madler bei Ausführung von forstwirthschaftlichen Arbeiten" (CIL)
Fundjahr1845
VerwahrungMiltenberg, Museum Stadt
InventarnummerARL 9
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Caduceus
Fragment
Giebel
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Reparatur
Rosette
Vogel
Beschreibung Objekt

Der stark beschädigte Altar ist in drei (lt. Beckmann 1984, 84 Nr.36) modern wieder zusammengesetzten Fragmenten erhalten. Eine Reparaturstelle ist unter der ersten Inschriftenzeile erkennbar. Das ungerahmte Inschriftenfeld ist von der groben Basis und dem Aufsatz durch eine große Stufung getrennt. Der Aufsatz ist stark verwittert, jedoch können noch die Reste von Pulvini und einem Giebel erkannt werden. Laut Beckmann (1984, 84 Nr.36) waren die Pulvini mit sternförmigen Rosetten verziert. Er beschreibt auch, dass der Giebel auf der Vorderseite durch zwei Halbbögen vor der Focusplatte gebildet wurde, was anhand der vorliegenden Photos nicht mehr nachvollzogen werden kann. Dahinter befindet sich jedenfalls eine hohe Opferschale.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 84,0 cm
Breite: 44,0 cm
Tiefe: 28,0 cm
Ikonografie

Auf der linken Seite des Altares sind noch zwei erhöhte Stellen zu erkennen. Beckmann (1984, 84 Nr.36) schreibt dazu: "Auf den Seitenflächen Ornamente, deren zeichnerische Ergänzung versucht wurde. Dannach könnte es sich links um die Bekrönung eines caduceus handeln." Anhand der vorliegenden Photographien kann dies weder bestätigt, noch widerlegt werden. Rechts könnten die Reste eines nach hinten blickenden und nach vorne schreitenden Vogels mit langem Hals (Schwan? Gans?) vorhanden sein.

Inschrift

Das Inschriftenfeld weist oberhalb der Inschrift einen Freiraum von ungefähr einer Zeile auf. Die Buchstabenform ist ungleichmäßig, und darüber hinaus weist die Inschrift auf die Aussprache zurückzuführende Rechtschreibfehler auf.
Zwischen Z.1 und Z.2 verläuft eine Bruchlinie wobei sie von links nach rechts leicht ansteigt, wodurch am Anfang von Z.2 der obere Teil der Buchstaben A und R, sowie am Ende von Z.1 der untere Teil der Buchstaben I und O fehlen. Aufgrund der Beschädigung am Ende von Z.2 ist unsicher, ob dort ein C oder ein G steht. Da am Ende von Z.5 der Platz fehlt wurde das '-to' von merito als eine Z.6 kleiner in den freien Bereich unter den Buchstaben RI am Ende von Z.5 und dem Sockelrand eingeschrieben.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)4,0–5,2
Notabilia Varia

v.4: „es” pro „ex”
v.5: „letus” pro „laetus” und „libes” pro „libens”

Kommentar Götternamen

Arvernorix (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: attributiver Zugehörigkeitsname zum Volksstamm der Arverni (de Bernardo Stempel in Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 131f); ‚König der Arverner‘ (Scheungraber 2020, 129).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Mercurius Arvernorix ist nur in der Germania Superior bezeugt. In der Germania Inferior finden sich jedoch mehrere Weihungen an einen Mercurius Arvernus bzw. Advernus (CF-GeI-26; 66–70).
In Clermont-Ferrand in der Provinz Aquitania ist ein Genius Arvernus bzw. Genius Arvernorum bezeugt (CIL XIII 1462).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Mercurius Arvernorix: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1088

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Cossillus: einheimisches Namensformular

Cossillus: keltischer/(lateinischer) Name, Weiterbildung des Personennamens/Namens Cossus, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 930; CN 1127 deutet 'donavi' als keltisches Cognomen)

Zitiervorschlag CF-GeS-1088, hdl.handle.net/11471/504.50.1088
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 3: rechts, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: rechts, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024