Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Casses

CF-GeS-1087

CASSIBVS

VOTA FEC

E MACELVṢ

FAVSTINVṢ

  5 M

P

Cassibus

vota fec -

e(runt) Macelus (et)

Faustinus

  5 m(erentibus)

p(osuerunt)

CivitasCivitas Auderiensium
Apparatus criticusZ. 1: Cassibu[s] – CIL, Brambach, Buchhold, Anthes; Cassibu(s) – Adamy
Z. 2: fec(it) – Buchhold
Z. 3: E. Maceius – Buchhold; Emaceiu[s] – Becker, Brambach; Emacelu[s] – Anthes; Macelu(s) – CIL; Macelu[s] – EDH, Castritius (u.a.), Scheungraber; Macelu[s et] – Mattern
Z. 4: Faustinu[s] – CIL, Brambach; Faustianus – Riese
Z. 5: m(erito) – CIL (1. Variante); m[erito] – Mattern (1. Variante); m(iles ...) – Buchhold; m(iles Legionis XXII – Adamy; m[----] – Castritius (u.a.); m[3] – Scheungraber
Z. 6: PLINI V – Becker; PR – Brambach; p[rimigeniae] p[iae] f[idelis]?) – Adamy; p(raefectus) oder p(raepositus) – Anthes; pr[----] (das r mit Unterpunkt) – Castritius (u.a.); p[osuerunt] – Mattern; pr[3] – Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Den Casses haben die Gelübde getätigt Macelus und Faustinus, mit Freuden aufgestellt!

Übersetzung Englisch

For the Casses made the vows Macelus and Faustinus, deservedly build!

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenBecker 1866, Nr.23
Brambach 1867 (Corpus), Nr.1398
Buchhold 1895, 26 Nr.II.A.18.
Anthes 1897, Nr.46
Adamy 1897, 7 Nr.II.A.18
CIL XIII 6430 (mit 2 Varianten)
Riese 1914, Nr.2683
Keune 1924 (Epigraph. Miscellen), Nr.6
Castritius/Clauss/Hefner 1977, Nr.120
Mattern 2005, Nr.383 (mit 2 Varianten)
Scheungraber 2020, 217 Nr.4
Elektronische Ressourcen HD075905 (Version von 2021-02-24) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11000449 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/425245 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Trismegistos)
Fundort modern Otzberg
Fundstelle

Ortsteil Ober-Klingen; in der Nähe der Kirche in den Steinbrüchen (CIL)

Fundumstände"Als unlängst zur Erweiterung des Bruchs Damerde abgeraumt wurde, rollte aus derselben ein vierkantig behauener und mit einer Inschrift versehener Sandstein, von derselben Art wie die, welche der Bruch liefert, herab. Der Steinhauer, welcher gerade eines Steines von dieser Gestalt zur Unterstützung eines Pfostens [...] bedurfte, nahm den Stein in der Breite und Länge etwas ab, und setzte denselben an die bemerkte Stelle, jedoch glücklicher Weise so, daß die Inschrift, nemlich was davon übrig geblieben war, sichtbar blieb." (Knapp 1841, 540)
Fundjahr1841
VerwahrungDarmstadt, Hessisches Landesmuseum
InventarnummerII.A.18
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar wurde direkt nach dem Fund behauen, sodass die Gestaltung des Aufsatzes nicht mehr zu erkennen ist. Außerdem fehlen jeweils links und rechts die Anfgänge der Zeilen. Die Basis ist durch eine Stufe vom ungerahmten Inschriftenfeld getrennt. Über der Inschrift ist ein "aussgehauener Rundstab, der zu der ursprünglichen Verzierung des oberen Theils des Steines gehörte" (Knapp 1841, 540) zu sehen.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 48 cm
Breite: 30 cm
Tiefe: 20 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

„Der Stein wurde noch vollständig in einem Steinbruch 1841 neben der Kirche gefunden und vom Finder verstümmelt“ (Anthes 1897, 221), diese „Verstümmelung“ scheint jedoch vornehmlich den Altaraufsatz und nicht das Inschriftenfeld betroffen zu haben.
Die Buchstaben sind sowohl an Form als auch Tiefe ungleichmäßig. Die Anfangsbuchstaben der ersten beiden Zeilen sind beschädigt. In Z.1 ist der Stein entlang des C-Bogens weggebrochen und in Z.2 fehlt etwas mehr als die linke Hälfte der Schräghaste des V. Die Zeilen 1–4 sind am rechten Ende leicht beschädigt, sodass von den S in Z.1, Z.3 und Z.4 und dem C in Z.2 nur Teile der Krümmungen erhalten sind. Die untere Hälfte ist bis auf die beiden Buchstaben M und P abgerieben, wobei zwischen diesen eine Zeile leer bleibt. Nach dem P sind möglicherweise Spuren von weiteren Buchstaben erhalten. Anthes vermutet, dass der Stein zweimal beschrieben war.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,3–4,0
Kommentar Götternamen

Casses (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Zinn > Bronze?‘; ‚Haar?‘ (Delamarre 2018, 109; Scheungraber 2020, 217–220).
Die sprachliche Einordnung, die Form des Nominativs und das Geschlecht der so angesprochenen Gottheiten sind nicht eindeutig.
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Galatia und Germania Superior bezeugt. In drei Inschrift werden die Gottheiten als Boni Casses bezeichnet, wobei unklar bleibt ob dies eine Verschreibung der römischen Boni Casus darstellt, oder die Casses näher qualifiziert. (s. a. Wiegels 1973, 547f der sich für ersteres Ausspricht)

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1039, CF-GeS-1040, CF-GeS-1086, CF-GeS-1087, CF-GeS-1090; In CF-GeS-1086 werden die Casses zusammen mit den römischen Weggottheiten der Biviae, Triviae und Quadruviae genannt.

Boni Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1069(?), CF-GeS-1109(?), CF-GeS-1110(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Macelus: einheimisches Namensformular

Macelus: lateinischer Name, Variante von Macellus, Weiterbildung des Namens Macer (Kakoschke 2021, CN 1836)

Faustinus: einheimisches Namensformular

Faustinus: gängiger lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Faustus (Kakoschke 2021, CN 1285)

Zitiervorschlag CF-GeS-1087, hdl.handle.net/11471/504.50.1087
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front schräg von links, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 3: Front, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Thomas Foerster


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front schräg von links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: Front, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Foto: Thomas Foerster

Versionen

Last Update/Current Version: 2024