Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Virodactis

CF-GeS-1085

[...] D▴D▴

RODACT̂HI

[...]VS NIDENSIS

ET▴VICANI AUGUST

  5 PVBLICE FECERVN̂T

[In h(onorem)] d(omus) d(ivinae)

[Deae Vi]rodacthi

[vic]us Nidensis

et vicani August(ani)

  5 publice fecerunt

CivitasCivitas Taunensium
Apparatus criticusZ. 2: [DEAE] VIRODACΘI – AE
Z. 3: Der unterstrichene Teil in Z.3 ist heute nicht mehr erhalten, er wird nach Anthes und CIL wiedergegeben; [salt]us oder [pag]us Nidensis – Anthes; [saltus]s Nidensis – AE; [vic?]us Nidensis – Castritius/Clauss; [pagu]s Nidensis – EDH; [pagu]s (?) Nidensis – Lobüscher; [pagu od. vicu]s Nidensis – Mattern; [pag]us Nidensis – Dondin-Payre/Chew/Mille; [pagu]s Nidensis – Maurer
Z. 4: August(i) / August(anorum) oder August(anus) – Anthes; et vicani August(anorum) – Lobüscher; et vicani August(ani?) – EDH, Mattern; et vicani August(anorum?) – Maurer
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses für die Göttin Virodacthis haben der vicus Nidensis und die Bewohner des vicus Augustanus dieses aus öffentlichen Mitteln erbauen lassen!

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household, for the goddess Virodacthis, the vicus Nidensis and the inhabitants of the vicus Augustanus have built this with public funds!

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Lesung gründet auf: Matijević (in Vorbereitung)

Editionen und LesungenAnthes 1913, 46; 93–95
AE 1913, 123
CIL XIII 11944
Castritius/Clauss 1980, 213 Nr.72
Huld-Zetsche 1994, 100, 156f. Abb.52
Lobüscher 2002, 146 Nr.98
Mattern 2005, Nr.395
Dondin-Payre/Chew/Mille 2010, 89 Nr.4
Maurer 2011, 117 Nr.8
Scheungraber 2020, 602 Nr.2
Ferlut 2022, Nr.1323
Matijević (in Vorbereitung), 409-411
Elektronische Ressourcen HD067478 (Version von 2017-08-09) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/27050 (Version von 2023-01-02) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-12700466 (zuletzt abgerufen 2023-07-18) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/KO0000597 (zuletzt abgerufen 2023-07-18)
https://www.trismegistos.org/text/210528 (zuletzt abgerufen 2023-07-18) (Trismegistos)
Fundort modern Trebur
Fundstelle

"in der südwestlichen Ecke der Kirche in Trebur, 2,50 m über dem Boden in der Wand eingemauert" (Anthes 1913, 93); "an der SW-Ecke des Kirchturms" (Schallmayer 1982, 482)

FundumständeSekundärer Fundort: "Er kam zum Vorschein, als im vorigen Jahr der Verputz abfiel" (Anthes 1913, 46). Der ursprüngliche Fundort ist nicht bekannt.
Fundjahr1912
VerwahrungTrebur, in der Kirchenwand am Fundort
InschriftträgerBauinschrift
MaterialBasalt
Archäologische Klassifikation Blüte/Blume
Rahmen
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Die Inschrift auf der Tafel ist doppelt gerahmt und zusätzlich ist auf der rechten Außenseite noch eine rahmenartige Verzierung mit einer Art Lilie (?) zu erkennen. Der linke obere Teil ist bis zur Mitte rundlich abgebrochen. Der Rand ist rundherum beschlagen.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 88,5 cm
Breite: 93 cm
Tiefe: 27,5 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Buchstaben sind sorgfältig in den Stein gearbeitet (Matijević [in Vorbereitung] 410).
Sie sind regelmäßig, und in der ersten und letzten Zeile etwas größer als in den dazwischen liegenden. Im erhaltenen Text befinden sich Worttrenner nur in Z.1 und Z.4. Seit der Aufnahme durch den CIL ist durch Materialverlust auf der linken Seite in Z.2 die Hälfte des R, sowie in Z.3 der Großteil des S verloren gegangen, beide Buchstaben sind jedoch immer noch erkennbar, verloren ist jedoch der, aus der Umzeichnung bei Andres (1913, 94) bezeugte Rest eines V vor dem S in Z.3.
Für Ligaturen: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: In Z.4 das erste I von vicani elongiert.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)6–7
Kommentar Götternamen

Virodactis (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch erklärbar: ‚Mannesfeuer’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 163f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername findet sich in verschiedenen Varianten in Britannien ( Viradecthi CIL VII 1073), der Germania Inferior und in der Germania Superior.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Virodactis (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Hier sind die Varianten Viradecdis CF-GeI-74 und Virathethis CF-GeI-75, CF-GeI-76?(?) bezeugt.
- Germania Superior: CF-GeS-1021 und die Varianten Virodacthis CF-GeS-1085 und Viroddis CF-GeS-1119.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

In CF-GeS-1021 erscheint Virodactis zusammen mit Lucena. Heichelheim (1961, 175) hatte angenommen, dass im Votivformular Virodacti sive Lucen(a)e eine Identifizierung von Virodactis mit der römischen Lucina vorliegt. Dass hier jedoch zwei Gottheiten gemeint sind legt der nachfolgende Plural numinibus [sa]nctissi[mis] nahe. Scheungraber (2020, 360f) interpretiert Lucena nicht als Form der römischen Lucina, sondern als: keltisch, ‚Luchs‘.

Kommentar allgemein

Es handelt sich wohl um die Bauinschrift eines Tempels (o.ä.) der Göttin Virodacthis, der von zwei Verwaltungskörperschaften (…us Nidensis, vicani Augustani) gestiftet wurde.

…us Nidensis: Es wurden pagus, saltus und vicus vorgeschlagen, um die Lücke zu füllen. Dondin-Payre/Chew/Mille (2010, 90) geben zu bedenken, dass das Nebeneinander von vicus und vicani für zwei gleiche Körperschaften unlogisch gewesen wäre, weswegen sie vicus ausschließen. Für die Möglichkeit vicus und vicani gleichzeitig anzuführen, spricht jedoch eine Inschrift der "vicani vici Nediensis" (CIL XIII 6388, CF-GeS-1132).

Der pagus, saltus oder vicus Nidensis kann sich nahe bei/in Nida (Frankfurt-Heddernheim) befunden haben (Schallmeyer 1982, 482), wobei diese Lokalisierung nicht unumstritten ist (Spickermann 2003, 350 mit weiterer Literatur).
vicani Augustani: vicani sind Gruppen wohlhabender vicus Bewohner, die in ihren Gemeinden die religiös-kultischen Funktionen der städtischen collegia erfüllen (Lippps et al. 2021, 583).

Ein vicus Augustanus, der gemeint sein könnte, ist nicht bekannt. Schallmeyer (1982, 482) weist darauf hin, dass der vicus Augustanus Teil einer anderen Verwaltungskörperschaft gewesen sein kann, seiner Meinung nach wahrscheinlich des …us Nidensis bzw. von Nida (dagegen Spickermann 2003, 350).

Wahrscheinlich wurde der Stein beim Bau der Kaiserpfalz in Trebur hierher verschleppt (Matijević [in Vorbereitung], 410 mit weiterer Literatur).

ZitiervorschlagCF-GeS-1085, hdl.handle.net/11471/504.50.1085
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, Ubi Erat Lupa, Foto: Ortolf Harl 2016

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, Ubi Erat Lupa, Foto: Ortolf Harl 2016

Versionen

Last Update/Current Version: 2024