Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Epona

CF-GeS-1084

I▴N▴H▴H▴D▴D▴DE▴EPON▴BILIC[.]

VS GEMATVS▴COLEGS▴SV[.]

S DEIVO DEI[---]AIS F̣ SEP[---]

[---]▴A▴IM[---]S G̣ADIA[.]

  5 [---]XI[---]OS▴P̣

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) de(ae) Epon(ae) Bilic[i] -

us Gematus col(l)eg(i)s su[i] -

s Deivo Deit[---]ais(o) f(iliis) Sep[---]

[---] A(ulo) Im[---]s(o) Gadiae

  5 [Lupo et Ma]xi[mo c]o(n)s(ulibus) p(osuit)

CivitasCivitas Taunensium
Apparatus criticusZ. 2: us GEMATVS ˑ COLEGS SV[-] – AE 1902; us Gematus col(l)eg(ii)s su[i-] – Scheungraber; [i]us Gematus col(l)eg(ii)s su[i-] – Ferlut
Z. 3: s DEIVC[---] AIS L SEP [-] – AE 1898; SDEIVODEIT[--]I[--]AISL SEP[-] – AE 1902; s de iu<s=C>(su) de(ae) <I=T>[m]<p=I?>(eratore) [C]a<e=I>s(are) L(ucio) Sep[t(imio)] – EDH; s de iu[s(su)] de(ae) i[mp(eratore) c]a[e]s(are) L Sep[t(imio)] – CIL, Jacobi und Espérandieu; s de iu[s(su)] de(ae) i[mp(eratore) c]a[e]s(are) L Sep(timio) – Riese; s de iu(ssu) de(ae) i(mp[eratore]) (c)aes[are] L Sept- – Euskirchen (wahrscheinlich mit teilweise irriger Verwendung der diakritischen Zeichen); s de iu[s(su)] de(ae) i[mp(eratore) c]a[e]s(are) L(ucio) Sep[t(imio)] – Mattern, Scheungraber, Ferlut; s de iu[s(su)] de(ae) I([mp(eratore) C]a[e]s(are) L Sep[t(imio)] – Ertel (wahrscheinlich Tippfehler), Schmidt Heidenreich
Z. 4: [---]SOADIA[-] – AE 1898; [---]TA ˑ IM[---]SOADIA – AE 1902; [Severo] A<ra=IM>[bi]<c=S>o Adia[b(enico)] – EDH; [Severo] A[rabic]o Adia[b(enico)] – CIL, Jacobi, Espérandieu, Mattern, Ertel, Scheungraber, Ferlut; [Severo] A[rabic]o, Adia[b(enico), Parth(ico) ma]xi[mo, c]o(n)s(ule) II[I] – Schmidt Heidenreich (mit fehlendem Zeilenwechsel); [Severo ---] – Riese; [imio Severo Arabic]o Adia- – Euskirchen (s.o.)
Z. 5: [--- c]os ˑ I I[-] – AE 1898; [---]VI OS ˑ – AE 1902; [Parth(ico) ma]xi[mo c]os II[I] – CIL, Jacobi, Mattern; [--- c]os ˑ II[I] – Riese; [Parth[ico) maxi[mo c]os II[I] – Espérandieu (wahrscheinlich Abschreibfehler von CIL); [benico Parthico maximo c]os III – Euskirchen; [Parth(ico) ma]xi[mo c]o(n)s(uli) II[I] – Ertel (mit Deklinationsfehler); [Parth(ico) ma]xi[mo] co(n)s(ule) II[I] – EDH, Scheungraber; [Parth(ico) max(imo)] co(n)s(ule) II[I] – Ferlut
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses für die Göttin Epona hat Bilicius Gematus seinen collegae, Deivus und Deit…aisus, seinen Söhnen, Sep… … und Aulus Im…s(us?) Gadia, als Lupus und Maximus Konsuln waren, (diese Reliefstele) aufgestellt!

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household, for the goddess Epona, Bilicius Gematus has erected (this relief stele) for his collegae, Deivus and Deit…aisus, his sons, Sep… …, and Aulus Im…s(us?) Gadia, during the consulship of Lupus and Maximus!

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: Photo

Editionen und LesungenAE 1898, 76
AE 1902, 174
CIL XIII 7438
Jacobi 1906, 31 Nr.1
Riese 1914, Nr.2733
Espérandieu 1931, Nr.53
Euskirchen 1993, Nr.235
Mattern 2001, Nr.163
Ertel 2006, Nr.2.1.1
Schmidt Heidenreich 2013 (Le glaive), Nr.C196
Scheungraber 2020, 266 Nr.8
Ferlut 2022, Nr.138
Elektronische Ressourcen HD032109 ( Version von 2020-01-29) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
https://lupa.at/33320 (Version von 2023-06-21) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11001538 (zuletzt abgerufen 2023-06-02) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/210647 (zuletzt abgerufen 2023-06-02) (Trismegistos)
Fundort modern Kapersburg
Fundstelle

„vor einem in der nordwestlichen Ecke des Kastells liegenden Eckeinbau verstreut“ (Mattern 2001, 87); „in der nordwestl. Eckabrundung, bei dem dort eingebauten ‚Turm‘“ (Stoll 1992, 358 Nr.III 6 1); „Kastellinnenhof vor dem Turm, die meisten u. größten Fragmente wurden in der nordwestlichen Eckabrundung bei dem dort eingebauten Turm gefunden“ (lt. Inventarkarte, Wetterau-Museum R 78_42).

Fundumständebei der Ausgrabung des Kastells (Jacobi 1898, Sp.762)
Fundjahr1897
VerwahrungFriedberg, Wetterau-Museum
InventarnummerR 78/42
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Feuerschale
Götterbild
Pferd
Reliefschmuck
Giebel
Beschreibung Objekt

Der Weihestein ist in mehreren kleinen Fragmenten erhalten, wobei die meisten das Inschriftenfeld bilden. Vom darüber liegenden Feld mit bildlicher Gestaltung ist kaum etwas bewahrt. Das Inschriftenfeld dürfte ungerahmt gewesen sein und es ist keine Trennung zum Bildfeld erkennbar.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 69 cm
Breite: 57,3 cm
Tiefe: 7,5 cm
Ikonografie

Jacobi (1906, 31 Nr.1) beschreibt die ursprünglich erhaltenen Teile: „Auf der Oberseite des Sockels sind von dem Relief der Schemel mit dem linken Fuss der demnach thronenden Göttin, links und rechts davon je ein nach aussen gewendeter Pferdefuss und zwei bis an den Rand gerückte, anscheinend runde, niedere Altäre mit lodernden Flammen erhalten. Stoll (1992, 358 Nr.III 6 1) beschreibt als ursprünglich erhalten außerdem den „Kopf der Gottheit mit einem Stück der Randleiste, Kopf, Hals und Rumpf des rechten Pferdes sowie 2 Fragmente vom linken Plattenrand.“

Von 2012 bis 2014 wurde der Weihestein restauriert und neu rekonstruiert, im Zuge dessen die Fragmente des Originals von der Rekonstruktion getrennt wurden. Von der bildlichen Darstellung werden jetzt als Original verstanden: Die zwei Feuerschalen an den Außenrändern; jeweils links und rechts ein nach außen gerichteter Pferdehuf; der linke Fuß und der Kopf der Epona; der Kopf und die Brust des nach rechts schreitenden Pferdes; zwei Randstücke, die Teil der oberen Rahmung bzw. des Giebels sind.

Inschrift

Das Inschriftenfeld ist in mehreren Fragmenten erhalten. Während von Z.1 und Z.2 die Buchstaben am Ende fehlen, weist Z.3 eine zustäzliche Lücke in der Zeilenmitte auf. Von Z.4 und Z.5. sind nur wenige Buchstaben in der Mitte und am Ende erhalten. Die Buchstaben sind ‚sorgsam eingehauen‘, ‚weiter unten immer flüchtiger, schmäler und gedrängter‘ (Jacobi 1906, 31 Nr.1).
Am Ende von Z.1 ist der Bogen eines Buchstabens vorhanden der seit der AE als C gelesen wird, die Zeichnung im CIL zeigt, dass zumindest bei der Aufnahme der heutige Zustand gegeben war. In Z.5 sind in der Mitte die rechte Schräghaste eines X sowie die Senkrechthaste eines I erhalten. Die gesetzten Worttrenner können nur als Orientierung dienen, da sie zum Teil fehlerhaft sind, etwa in Z.1 zwischen I und N gesetzt, dafür in Z.2 zwischen US und GEMATVS fehlend.

Zustand Inschriftfeldkleineres Fragment
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,8–3,0
Kommentar Götternamen

Epona (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Göttliche Stute’ bzw. ‚Pferdegöttin’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 94)
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet belegt und auch in literarischen Quellen gut bezeugt. Neben Belenus und Rhenus ist er der einzige keltische Göttername, der in den literarischen Quellen in mehreren voneinander unabhängigen Stellen erwähnt wird (Hofeneder 2013, 130).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Epona (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-222(?). Die von Alföldy (1968, Nr.146) für CF-GeI-222(?) vorgeschlagene Ergänzung von EP auf „Eponae“ ist erwägenswert, kann aber keinesfalls als Beleg für die Nennung dieser Göttin gelten.
- Germania Superior: CF-GeS-1001, CF-GeS-1002, CF-GeS-1003, CF-GeS-1005, CF-GeS-1006, CF-GeS-1007, CF-GeS-1084, CF-GeS-1124, CF-GeS-1134

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Es handelt sich um die Stiftung eines Mitglieds eines Collegiums der Epona für seine Collegae, die mit einer Konsuldatierung endet.

Der stark lückenhafte Teil ab Zeile 3 wurde seit v. Domaszewskis Lesung im CIL (1905) am Ende als Konsuldatierung mit einer langen Kaisertitulatur des Septimius Severus aufgelöst (s. Apparatus criticus). Viele der eindeutig lesbaren Buchstaben passen nicht in diese Titulatur, was v. Domaszewski mit mangelnder Lese- und/oder Schreibfähigkeit des Steinmetzes erklärt (!). Diese Deutung kann bei Betrachtung der Inschrift nicht überzeugen.

Dem ist nicht zu folgen und wir halten für wahrscheinlich, dass auf die Widmung collegis suis eine Liste der gemeinten Kollegen im Dativ folgt, die den schwierigen Teil zum Großteil füllt. Das Cognomen des ersten collega (Deivus) ist noch ganz zu lesen.

Bilicius Gematus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Bilicius: Gentilnomen, einheimische Bildung mit keltischer Basis, nur hier belegt (Kakoschke 2021, GN 219)

Gematus: keltischer oder lateinischer Name, in Germanien und der Belgica bezeugt (Kakoschke 2021, CN 1428)

Deivus: mögliche Variante von Divos, keltischer oder lateinischer Name, in Germanien und der Belgica bezeugt (Kakoschke 2021, CN 1110), Sohn des Ersten

Deit…aisus: Name? Sohn des Ersten

Sep… …: römisches Namensformular?

Sep…: Anfang zahlreicher Gentilnomina (Seppius, Septicius, Septimienus, Septiminius, Septimius [und deren Varianten] (Kakoschke 2021, GN 1181–1185), Anfang zahlreicher Namen (Kakoschke 2021, CN 2822–2828)

Aulus Im…s(us?) Gadia: tria nomina

Im...s(us?): Gentilnomen(?)

Gadia: in Italien belegtes Cognomen (CIL XIV 2313a = CIL XV 7866, CIL X 8222, AE 1985 74)

Lupo et Maximo consulibus: Konsuldatierung des Jahres 232. Die Konsuln waren Lucius Virius Lupus Iulianus und Lucius Marius Maximus Aurelianus.

Datierung232
Zitiervorschlag CF-GeS-1084, hdl.handle.net/11471/504.50.1084
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 3: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024