Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mars Loucetius

CF-GeS-1083

[..] H▴D D

MARTI L

[..]CET▴ET VI[.]

[.]ORIAE▴M [.]

  5 [.]EVERINU[S]

[.]RO SUIS FI[.]

[..]S▴SPERATO E[.]

PUPO CIV[..]

TREVERIS

10 [---]

[In] h(onorem) d(omus) d(ivinae)

Marti L -

[ou]cet(io) et Vi[c] -

[t]oriae M(arcus) [---]

  5 [S]everinu[s]

[p]ro suis fi[l]

[ii]s Sperato e[t]

Pupo civ[ib](us)

Treveris

10 […]

CivitasCivitas Taunensium
Apparatus criticusZ. 1: [I(n)] h(onorem) d(omus) d(ivinae) – Wolff
Z. 2: Marti [L]- – Wolff; Marti – Wierschowski
Z. 3: [eu]cet(io) – CIL, ILS, Riese, Wolff, Klumbach, Ferlut; [Lou]cet(io) et Vi[c] – Wierschowski
Z. 4: [t]oriae ˑ M – CIL; [t]oriae ˑ M(arcus) – Klumbach, Ferlut; [t]oriae M(arcus) [-] – Riese; [t]oriae M(arcus) [---] – Wolff; [A(urelius?)] – Krier, Merten, Wierschowski, Kakoschke, Scheungraber
Z. 5: [S]everin[us] – Riese; [S]everinus – Wolff
Z. 6: [p]ro suis fil – Wolff
Z. 7: [i]s – ILS; [i(i)]s Sperato ẹ[t] – Krier; [i(i)]s Sperato e[t] – Merten, Wierschowski, Kakoschke; [ii]s Sperato e[t] – Scheungraber
Z. 8: [P]upo civ[ib(us)] – CIL
Z. 9: Treveris – Riese, Klumbach, Scheungraber, Ferlut
Z. 10: [------] – Wolff; [v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) ---] – Krier, Merten, Wierschowski, Kakoschke
Z. 11: [------] – Wolff; [et --- co(n)s(ulibus)] – Krier, Merten, Wierschowski, Kakoschke
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des göttlichen Kaiserhauses für Mars Loucetius und Victoria (hat) Marcus Aurelius Severinus für seine Söhne Speratus und Pupus, cives Treveri, (…) (diesen Altar errichtet)!

Übersetzung Englisch

In honour of the divine household, for Mars Loucetius and Victoria, Marcus Aurelius Severinus (has erected this altar) for his sons Speratus and Pupus, cives Treveri, (…)!

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: Scheungraber und Photo

Editionen und LesungenCIL XIII 7412
ILS 4586b
Riese 1914, Nr.2498
Wolff 1933, 28 Nr.4 (ORL B II 2 Nr.23)
Klumbach 1959, 72
Krier 1981, 97 Nr.34
Merten 1985, 64
Wierschowski 2001, Nr.570
Kakoschke 2002, Nr.1.69
Scheungraber 2020, 358 Nr.4
Ferlut 2022, Nr.1305
Elektronische Ressourcen HD060020 (Version von 2020-10-06) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11001509 (zuletzt abgerufen 2023-06-09) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/212242 (zuletzt abgerufen 2023-06-09) (Trismegistos)
Fundort modern Großkrotzenburg
Fundstelle

im Fundament des Gebäudes, das Joseph Bergmann gehört (CIL; siehe auch Wolff 1893, 132–133)

Fundumstände„an den Rändern des [Brunnen-]Schachtes […] in nur 60 cm Tiefe unter dem jetzigen Terrain, mit der bearbeiteten Seite nach unten“ (Wolff 1893, Sp.133); „hineingeworfen in die Mulde eines ehemaligen Brunnens“ (Hettner 1893, 180)
Fundjahr1893
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Kanne
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist auf allen Seiten so stark beschädigt, dass die ursprüngliche Form nur mehr angenommen werden kann. An Bekrönung und Basis sind große Teile abgebrochen, der untere Teil des Inschriftenfeldes ist abgesplittert. Der Stein ist außerdem rundherum sehr stark abgeschlagen. Inwieweit der Altar mit Dekor gestaltet war, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Zustand Objekt unklar
MaßeHöhe: 108 cm
Breite: 46 cm
Tiefe: 27 cm
Ikonografie

Laut Wolff (1893, Sp.133) befinden sich auf der linken Schmalseite eine Opferschale und eine Kanne.

Inschrift

‚Oberfläche zum Teil sehr verwittert‘, Buchstaben sind ‚sehr exakt‘ (Wolff 1933, 28); am Ende fehlt möglicherweise etwas, Wolff geht von genau zwei fehlenden Zeilen aus.

Zustand Inschriftfeldunklar
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)4,3–4,3
Kommentar Götternamen

Loucetius (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Blitz; Blitzlicht‘ (Delamarre 2018, 200; Scheungraber 2020, 357–359)
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Bislang ist der Göttername als Loucetius und in der Variante Leucetius in den Provinzen Britannia und Lugdunensis, vorallem aber in der Germania Superior belegt. Er tritt stets in theonymischer Verbindung mit Mars auf.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Mars Loucetius (incl. ev. Varianten):
-Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1036, CF-GeS-1042, CF-GeS-1043, CF-GeS-1044, GeS-1045, CF- CF-GeS-1046, CF-GeS-1047, CF-GeS-1048, CF-GeS-1067, CF-GeS-1081, CF-GeS-1083, CF-GeS-1094

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Wahrscheinlich liegt in der Kombination der Fürbitte für den Kaiser ("pro salute Imperatoris" CF-GeS-1081, CF-GeS-1094; sowie "in honorem domus divinae" CF-GeS-1047, CF-GeS-1067, CF-GeS-1083) und der Weihung an Mars Loucetius ein häufiges Muster in der Region (Spickermann 1989/1990, 207–208; s. schriftliche Publikationen).
Das gemeinsame Auftreten von Mars (Loucetius) und Victoria (Nemetona) ist auffällig. Ob mit Victoria und Nemetona dieselbe Gottheit gemeint war, diskutiert Merten (1985, 64-65). Die später gefundene Inschrift CF-GeS-1036 macht diesen Zusammenhang wahrscheinlicher, da hier Victoria Nemetona genannt ist (s. schriftliche Publikationen).

Auffällig ist auch, dass in CF-GeS-1036 und in CF-GeS-1083 jeweils ein M. A(urelius) der Stifter ist. Es wäre zu diskutieren ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Weihen an Mars (Loucetius) und (Victoria) (Nemetona) und den Erwerb des Bürgerrechts (durch bestimmte Kaiser zu einer bestimmten Zeit) gibt (s. schriftliche Publikation).

Kommentar allgemein

Marcus (Aurelius?) Severinus: tria nomina?, oder Praenomen mit Gentilnomen? Wenn eine tria nomina, dann muss das Gentilnomen in Z.4 abgekürzt gewesen sein; die in der Forschung vorgeschlagene Ergänzung des Gentilnomens Aurelius (s. Apparatus criticus) resultiert daraus, im Dedikanten einen Empfänger des römischen Bürgerrechts durch die von Kaiser Caracalla (Marcus Aurelius Severus Antoninus Pius) 212 n.Chr. erlassene constitutio Antoninia zu sehen und findet Plausibilität durch die Inschrift des M A Senillus Severinus in AE 2007, 1044 (=CF-GeS-1036).

(Aurelius?): italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen; sehr weit verbreitet. Die weite Verbreitung erklärt sich hauptsächlich durch die constitutio Antoniana, in deren Folge die Neubürger (und auch früher Bürger gewordene Provinziale) das Gentilnomen Caracallas annahmen (Kakoschke 2021, GN 179).

Severinus: lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Severus, überall gängiger Name (Kakoschke 2021, CN 2854); oder einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Sever(inus), weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 1199)

Speratus: lateinischer Name, überall verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2934), Sohn des Ersten

Pupus: lateinischer Name, überall verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2527), Sohn des Ersten

Cives Treveri: zu den Treveri außerhalb ihrer eigenen Civitas s. Krier 1981

ZitiervorschlagCF-GeS-1083, hdl.handle.net/11471/504.50.1083
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, EDCS-11001509, Rechte vorbehalten

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Last Update/Current Version: 2024