Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Sirona

CF-GeS-1080

SIRONAE

C▴IVLI▴RESTITVTVS

C▴TEMPL▴D▴S▴P▴

Sironae

C(aius) Iuli(us) Restitutus

c(urator) templ(i) d(e) s(uo) p(osuit)

CivitasCivitas Mattiacorum
Apparatus criticusZ. 3: c(ustos) oder c(urator) templ(i) – Riese; c(urator) templi – Czysz; C(aii filius) templ(um) - Lobüscher
Übersetzung Deutsch

Für Sirona hat Caius Iulius Restitutus, zuständig für den Tempel, (dies) von seinem eigenen (Geld) aufgestellt.

Übersetzung Englisch

For Sirona, Caius Iulius Restitutus, responsible for the temple, has erected (this) with his own (money).

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Lesung: Matijević (in Vorbereitung)

Editionen und LesungenCIL XIII 7570
Riese 1914, Nr.2235
Kees 1927, 356
Schoppa 1967, 47 Nr.237
Weisgerber 1975, 117 Nr.16.2
Grönke 1982, 88 Nr.100
Czysz 1994, 69
Lobüscher 2002, 145 Nr.92
Hainzmann 2016, 48 Nr.22
Matijević (in Vorbereitung), 280–281
Scheungraber 2020, 489 Nr.20
Ferlut 2022, Nr.1234
Elektronische Ressourcen HD060720 (Version von 2019-10-11) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/7091 (Version von 2021-04-04) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11001692 (zuletzt abgerufen 2023-03-29) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/212380 (zuletzt abgerufen 2023-03-29) (Trismegistos)
Fundort antikAquae Mattiacorum
Fundort modern Wiesbaden
Fundstelle

Schützenhof (heute Schützenhofstraße/Langgasse); „auf dem Terrain des ehemaligen Schützenhofes in der Langgasse, ubi sunt ruinae thermarum“ (CIL)

Fundumstände„bei Fundamentirung des neuen Badehotels“ (Becker 1868, 63)
Fundjahr1867
VerwahrungWiesbaden, Stadtmuseum
Inventarnummer500654
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation glatt
nachgezogen
Beschreibung Objekt

Es handelt sich um einen längsrechteckigen Weihestein, auf dem Reuter (1877, 19) noch „Bänderstreifen, womit die Inschriften oben und unten eingefasst sind“, erkennen konnte, was heute aber nicht mehr nachvollziehbar ist. Alle vier Seiten sind leicht bestoßen. Es kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, worum es sich bei diesem Weihestein handelt, Matijević (in Vorbereitung, 280) und Becker (1868, 63, Nr.9) denken an die Basis einer Statue, Weisgerber (1975, 117) an eine Bauinschrift zur Wiederherstellung des Tempels.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 14 cm
Breite: 32 cm
Tiefe: 18 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

"Das Denkmal ist rundherum bestoßen, die Inschrift aber vollständig lesbar" (Matijević [in Vorbereitung], 280). Die Buchstaben sind ebenmäßig und teilweise rot ausgemalt, wobei unsicher ist, ob diese Bemalung antik ist oder aus einem modernen Aufstellungskontext stammt: Die Inschrift war zwischenzeitlich in der Mauer eines modernen Badehauses im Schützenhof eingesetzt (s. Matijević [in Vorbereitung], 280). Für moderne Bemalung an Inschriften in einem früheren Badehaus des Schützenhofs siehe CF-GeS-1078 (Matijević [in Vorbereitung], 263).

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,5–2,5
Kommentar Götternamen

Sirona (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚der göttliche Stern‘ (de Bernardo Stempel/Hainzmann 2020, 430–440); ‚erhabener großer Stern‘ bzw. ‚zu den Sternen gehörig‘ (Scheungraber 2020, 491).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist bezeugt in den Provinzen Aquitania, Belgica, Dacia, Germania Superior, Lugdunensis, Noricum, Pannonia Inferior, Pannonia Superior und Raetia sowie in Rom.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Sirona (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1023, CF-GeS-1024(?),CF-GeS-1025, CF-GeS-1026, CF-GeS-1080, CF-GeS-1114, CF-GeS-1117. In CF-GeS-1024(?) ist die Ergänzung der Götternamen auf Apollo und Sirona zumindest möglich.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Caius Iulius Restitutus: tria nomina

Iulius: italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 637)

Restitutus: lateinischer Name, überall verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2593)

curator templi: Die genaue Bedeutung von curator in diesem Zusammenhang ist unklar. In den meisten Fällen bei denen curator ohne weitere Nennung von Posten der öffentlichen Verwaltung vorkommt wird dadurch derjenige bezeichnet ‚der die Ausführung einer Widmung, eines Monuments, eines Baues usw. übernommen hat‘ (Kornemann 1901, 1813). Niedrige Verwaltungsämter in den civitates/municipia/coloniae, die durch den Titel curator (…) bezeichnet werden können, sind in der Germania Superior nicht selten (Krier 1981, 68–70; Spickermann 2003, 168). Der curator templi kann hier also (1) speziell auf eine Zuständigkeit im Sinne eines delegierten Stiftungsauftrags deuten (vgl. Weisgerber 1975, 98f.), (2) auf irgendeine andere ständige Zuständigkeit oder Verwaltungstätigkeit in Bezug auf den Tempel (Matijević [in Vorbereitung, 281]: ‚Verwalter‘) oder (3) sogar auf ein niedriges Amt in der Gemeinde, das sich aus dieser Zuständigkeit begründet oder sie miteinschließt (vgl. Spickermann 2003, 168).

ZitiervorschlagCF-GeS-1080, hdl.handle.net/11471/504.50.1080
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sammlung Nassauischer Altertümer, Foto: Ortolf Harl 2004


Bild 1: Front, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sammlung Nassauischer Altertümer, Foto: Ortolf Harl 2004

Versionen

Last Update/Current Version: 2024