Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Apollo Toutiorix

CF-GeS-1078

IN▴H▴D▴D

APOLLINI TOV

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L ⸳ MARINIVS

  5 MARINIA

NUS ⸳ > ⸳ LEG VII ⸳

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In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

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  5 Marinia -

nus ((centurio)) leg(ionis) VII

Gem(inae) [[Alexan]] -

[[drianae]] vo -

ti compos

CivitasCivitas Mattiacorum
Apparatus criticusZ. 5: Marina- – Schoppa 1974
Z. 6: tus – Schoppa 1974
Z. 7: Gem(inae) Alexan- – Brambach, ILS; Gem(inae) (Alexandrianae) – Schoppa 1967; Gem(inae) [[Alex]]an- – Le Roux 1972 (=2011=2019), 1981; Gem(inae) Alexandrianae – Schoppa 1974; Gem(inae) Ạḷẹx̣ạṇ- – Grönke; Gem(inae) P(iae) F(idelis) Alexan- – Czysz
Z. 8: d[ria]nae vo- – Brambach, ILS; ....... vo- – Schoppa 1967; d[[ri]]anae vo- – Le Roux 1972 (=2011=2019), 1981; ... vo- – Schoppa 1974; ḍṛịạṇạẹ vo- – Grönke; drianae vo- – Czysz
Z. 9: ti composuit – Schoppa 1974; ti compos(uit) – Grönke, Czysz
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des göttlichen Kaiserhauses für Apollo Toutiorix!
Lucius Marinius Marinianus, centurio der legio VII Gemina Alexandriana, (hat) nach Erfüllung seines Wunsches (diesen Altar gestiftet).

Übersetzung Englisch

In honour of the divine household, for Apollo Toutiorix!
Lucius Marinius Marinianus, centurion of the legio VII Gemina Alexandriana, (has donated this altar) him being granted his wish.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Lesung: Matijević (in Vorbereitung)

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1529
CIL XIII 7564
ILS 4641
Riese 1914, Nr.740
Schoppa 1963 (Kaiserzeit), 46 Nr.236
Le Roux 1972, 142 Nr.48 (=Le Roux 2011, 330 Nr.48, =Le Roux 2019, XVII Nr.48)
Roldán Hervás 1974, 472 Nr.710
Schoppa 1974, 159 Nr.29
Le Roux 1981, 205 Nr.5
Grönke 1982, 86 Nr.96
Fitz 1983, 96 Nr.322
Czysz 1994, 64
Richier 2004, 125 Nr.29
Palao Vicente 2006, 199 Anm.78; 394 Anm.12; 396 Anm.19
Faure 2013 II 788 Nr.278
Scheungraber 2020, 541
Matijević (in Vorbereitung) 262–265
Elektronische Ressourcen HD060715 (Version von 2019-11-28) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
https://lupa.at/34456 (Version von 2023-10-18) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11001684 (zuletzt abgerufen 2023-07-14) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikAquae Mattiacorum
Fundort modern Wiesbaden
Fundstelle

Schützenhof (heute: Schützenhofstraße/Langgasse), in der östlichen Mauer des Badhauses

Fundumstände„in dem Fundament einer spätrömischen [in der östlichen (Klein 1859, 38)] Mauer am Kranzplatz“ (Schoppa 1974, 159); eingemauert und übermalt in einem bis ins 19. Jahrhundert bestehenden Gasthaus/Bad; bei Bau-/Renovierungsarbeiten entdeckt (Matijević, in Vorbereitung, 263)
Fundjahr1784
VerwahrungWiesbaden, Stadtmuseum
Inventarnummer212
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation glatt
Reparatur
Beschreibung Objekt

„Die vorragenden Bestandteile des Aufsatzes sind, wahrscheinlich für eine sekundäre Verwendung, abgeschlagen worden. Die Basis fehlt unter Umständen aus demselben Grund. Unter Z. 6 der Inschrift ist der Stein gebrochen, vom unteren Fragment ist wiederum an der linken Seite ein Teil abgebrochen, der aber wieder angesetzt worden ist“ (Matijević [in Vorbereitung] 262). Schmuck ist daher nicht mehr erkennbar, jedoch sieht man noch, dass das Inschriftenfeld ungerahmt ist.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 138 cm
Breite: 57 cm
Tiefe: 24 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Der Inschriftentext scheint (bis auf die Eradierung) vollständig erhalten zu sein und füllt das Feld fast zur Gänze aus. Die regelmäßigen Buchstaben sind recht sorgfältig in die geglättete Oberfläche gearbeitet und die Zeilenabstände gleichmäßig gesetzt. Laut Ritter (1800, 111) war unter der Inschrift „noch ein leerer Raum von 4 bis 6 Zeilen.“
Durch den Bruch unterhalb von Z.6 sind die Buchstaben am Ende der Zeile beschädigt, aber nicht unleserlich gemacht worden. Die zweite Bruchlinie verläuft durch den Anfang der darunter liegenden Zeilen. In Z.7 sind das EM, in Z.8 das RI und in Z.9 das T beschädigt. In Z.7/8 ist der Beiname der legio VII Gemina Alexandriana eradiert.

Als Interpunktionszeichen erscheinen, mit Ausnahme von Z.1, anstelle von puncta triangularia kleine eingemeißelte Kreise in mittlerer Zeilenhöhe (⸳).
Besondere Zeichen: Z.6 Sonderzeichen für centurio.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)5,0–5,0
Kommentar Götternamen

Toutiorix (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Herr über die Bürger‘ (Delamarre 2018, 300); ‚Herrscher über das Volk‘ bzw. ‚zum Volk gehöriger König‘ (Scheungraber 2020, 541); ‚Bürgerkönig‘ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 82).
‚Der König der Heiler‘ (Olmsted 2019, 393).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername Toutiorix einmal in der Germania Superior beteugt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Apollo Toutiorix: (incl. ev. Varianten)
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1078

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Lucius Marinius Marinianus: tria nomina

Marinius: italisches Gentilnomen oder „einheimisches ‚Pseudogentilnomen‘“, abgeleitet vom Namen Mar(in)us, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, GN 766)

Marinianus: lateinischer Name, Weiterbildung des Namens Marinus, in den keltischen Provinzen verbreitet (Kakoschke 2021, CN 1926)

legio VII Gemina Alexandriana: Die legio VII Gemina war zur Zeit des Severus Alexander, wie auch sonst, auf der iberischen Halbinsel stationiert (Matijević [in Vorbereitung], 265). Während der Herrschaft des Severus Alexander wurden die Beinamen Severiana und Alexandriana verliehen, letzterer fiel nach dessen damnatio memoriae wieder weg (Stein 1932, 116). Es werden drei Möglichkeiten diskutiert, weshalb sich der Centurio in Aquae Mattiacorum aufgehalten hat:

I. Er war in der Gegend heimisch oder hielt sich für einen Kurzurlaub hier auf.

II. Eine Abteilung der legio VII Gemina nahm am Germanienkrieg unter Severus Alexander Teil.

III. Der Centurio stand kurz vor seiner Versetzung von der XII. zur VII. Legion und gab bereits die Zugehörigkeit der neuen Legion an (s. Matijević [in Vorbereitung], 265 mit Literatur).

Datierung222–235
ZitiervorschlagCF-GeS-1078, hdl.handle.net/11471/504.50.1078
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sammlung Nassauischer Altertümer, Inv.-Nr.212, Foto: P. Bäuml

Bild 1: Front, Stiftung Stadtmuseum Wiesbaden, Sammlung Nassauischer Altertümer, Inv.-Nr.212, Foto: P. Bäuml

Versionen

Last Update/Current Version: 2024