Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Boni Casses?

CF-GeS-1069

BONIS

CASSVBVS

VEX▴LEG

XXII▴P▴P▴F

  5 O C ECIT

CORNEL

MARCEL

SE▴LEG▴EIVS

DEM▴V▴S

10 L▴L▴S▴M

Bonis

Cassubus(!)

vex(illarii) leg(ionis)

XXII P(rimigeniae) P(iae) F(idelis)

  5 <q>(uorum?) c(uram) ecit(!)

Cornel(ius)

Marcel(lus)

se(nturio)(!) leg(ionis) eius-

dem v(otum) s(usceptum)

10 l(aeti) l(ibentes) s(olverunt) m(erito)

Apparatus criticusZ. 2: Casubus – Brambach; Cas{s}<i=U>bus – Scheungraber
Z. 3: auch vex(illatio) möglich – Weber
Z. 5: [q(uorum)?] c(uram) e[g]it – Richier; [q(uorum)](?) c(uram?) e<g=C?>it – EDH; [qu]o(rum?) c(uram?) e<g=C?>it – Scheungraber
Z. 8: [(centurio)] – Richier; <c=S>e(nturio) – Scheungraber, EDH
Z. 9: v(otum) s(olverunt) – Richier; v(otum) s(olvit) – Scheungraber, EDH
Z. 10: l(ibentes) l(aeti) – Weber; l(ibens) l(aetus) s (sic) m(erito) – Richier; l(ibens) l(aetus) {s} m(erito) – Scheungraber, EDH
Übersetzung Deutsch

Für die Boni Casses!
Die Angehörigen der vexillatio der legio XXII Primigenia Pia Fidelis, unter dem Kommando des Cornelius Marcellus, centurio derselben Legion, haben das übernommene Gelübde freudig, gern und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the Boni Casses!
The members of the vexillatio of the legio XXII Primigenia Pia Fidelis, under the command of Cornelius Marcellus, centurio of the same legion, have fulfilled the taken vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: CIL

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1283
CIL XIII 6668
Riese 1914, Nr.1222
Weber 1966, 11
Richier 2004, Nr.303
Scheungraber 2020, 219 Nr.14
Elektronische Ressourcen HD075974 (Version von 2021-02-17) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11000709 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/425266 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Trismegistos)
Fundort antikMogontiacum
Fundort modern Mainz
FundumständeFundstelle und Fundumstände sind nicht mehr nachvollziehbar. Der Altar muss vor 1842 gefunden worden sein, da er hier das erste Mal erwähnt wurde.
Verwahrungverschollen
InschriftträgerWeihealtar
Archäologische Klassifikation Abschrift
Beschreibung Objekt

Aufgrund des Überlieferungszustandes ist keine Beschreibung möglich.

Zustand Objekt unklar
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung überliefert.

Inschrift

Der Inschriftentext ist nur abschriftlich überliefert. Er ist offenbar vollständig.
Die Auflösung in Z.5 wird gestützt durch RIB 1724, wo in vergleichbarem Zusammenhang „quorum curam agit“ ausgeschrieben vorkommt. Ob der Wiedergabe des O und zweiten C in Z.5 in der Wiedergabe des CIL nicht eine fehlerhafte Lesung zugrunde liegt und doch korrekt Q und G geschrieben waren kann nicht mehr überprüft werden.

Zustand Inschriftfeldunklar
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.2: „Cassubus” pro „Cassibus”
v.5: „ouorum” pro „quorum”; „ecit” pro „egit”
v.8: „senturio” pro „centurio”

Kommentar Götternamen

Casses (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Zinn > Bronze?‘; ‚Haar?‘ (Delamarre 2018, 109; Scheungraber 2020, 217-220).
Die sprachliche Einordnung, die Form des Nominativs und das Geschlecht der so angesprochenen Gottheiten sind nicht eindeutig.
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Galatia und Germania Superior bezeugt. In drei Inschrift werden die Gottheiten als Boni Casses bezeichnet, wobei unklar bleibt ob dies eine Verschreibung der römischen Boni Casus darstellt, oder die Casses näher qualifiziert. (s. a. Wiegels 1973, 547f der sich für ersteres Ausspricht)

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1039, CF-GeS-1040, CF-GeS-1086, CF-GeS-1087, CF-GeS-1090; In CF-GeS-1086 werden die Casses zusammen mit den römischen Weggottheiten der Biviae, Triviae und Quadruviae genannt.

Boni Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1069(?), CF-GeS-1109(?), CF-GeS-1110(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Cornelius Marcellus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Cornelius: italisches Gentilnomen, äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 376)

Marcellus: lateinischer Name, überall gängig, Weiterbildung des PNs/Namens Marcus (Kakoschke 2021, CN 1913)

legio XXII Primigenia Pia Fidelis: Die legio XXII Primigenia erhielt nach dem Scheitern des Saturninus-Aufstandes 89 n.Chr. gemeinsam mit anderen Legionen und Truppenkörpern den Ehrenbeinamen Pia Fidelis Domitiana; letzterer fiel nach der damnatio memoriae Domitians wieder weg. Die Legion wurde 97 n.Chr. von Xanten nach Mainz verlegt, wo sie die nächsten zwei Jahrhunderte verblieb. Zwischen 70/71 und 97 n.Chr. sowie 101/102 bis 106/107 n.Chr. wurden Teile der Truppe für Steinbrucharbeiten im Brohtal eingesetzt (Matijević 2010, 29, 227–233).

quorum curam egit: Die Formel wurde verwendet, um den Befehlshaber einer vexillatio zu bezeichnen (Davies, in: ES 12, 1981, 183f.; vgl. Saxer 1967, 130f.).

Zitiervorschlag CF-GeS-1069, hdl.handle.net/11471/504.50.1069
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Abschrift, CIL


Bild 1: Abschrift, CIL

Versionen

Last Update/Current Version: 2024