Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Mars Lenus

CF-GeS-1068

Ị[.] H▴D DEO

MARTI LAENO▴

SATVRNINIVS▴

QVINTVS E▴X V

  5 OTO▴POSVIT L▴L M

I[n] h(onorem) d(omus) <d>(ivinae) deo

Marti Laeno(!)

Saturninius

Quintus ex v -

  5 oto posuit l(aetus) l(ibens) m(erito)

Apparatus criticusZ. 1: I(n) – Gilles; In h(onorem) – Rüger, EDH, Scheungraber; [In] h(onorem) – AE, Merten, Wegner, Schröder; d(omus) (!) deo – Scheungraber
Z. 5: l(ibens) l(aetus) – AE, EDH, Rüger, Gilles, Merten, Wegner, Schröder, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses für den Gott Mars Lenus!
Saturninius Quintus hat (das) nach einem Gelübde freudig, gern und verdientermaßen aufgestellt.

Übersetzung Englisch

In honour for the Divine Household to the god Mars Lenus!
Saturninius Quintus set (this) up gladly, willingy and deservedly according to a vow.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenRüger 1981, Nr.1
Gilles 1984, 41
Merten 1985, 14–18
AE 1985, 679
Wegner 1997, 24
Schröder 2014, Nr.416
Scheungraber 2020, 349 Nr.1
Elektronische Ressourcen HD005760 (Version von 2020-04-15) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-09001539 (zuletzt abgerufen 2023-06-06) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/209881 (zuletzt abgerufen 2023-06-06 ) (Trismegistos)
Fundort modern Pommern
Fundstelle

Heiligtum des Mars Lenus (EDH); auf dem Martberg bei Pommern

FundumständeFundumstände und Fundjahr sind nicht mehr nachvollziehbar. Das Objekt muss aber vor 1975 gefunden worden sein, da hier der Ankauf durch das Museums erfolgte.
VerwahrungBonn, Rheinisches Landesmuseum
Inventarnummer1975.1512,0-1
InschriftträgerKapitell
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Kapitell
Lineardekor
Reliefschmuck
weibliche Figur
Beschreibung Objekt

Bei diesem Objekt handelt es sich um ein Kapitell, auf dessen Vorderseite sich die Inschrift befindet und dessen weitere drei Seiten jeweils ein Kopf schmückt. Auf der Oberseite befindet sich laut EDH mittig ein großes quadratisches Dübelloch. Alle Seiten scheinen bestoßen zu sein, dem Feld mit der Inschrift fehlt das linke obere Eck. An der Unterseite ist noch ein Stück des Säulenschaftes sichtbar. An den Schmalseiten der Inschrift findet sich ein Mäandermuster in Form des „Laufenden Hundes“. Die Köpfe sind durch stilisierte, grobe Akanthusblätter getrennt.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 18,5 cm
Breite: 21,5 cm
Tiefe: 20,5 cm
Ikonografie

Drei Seiten des Kapitels sind durch Frauenköpfe geschmückt, die jeweils in eine Nische eingebettet sind. Der linke Kopf blickt beinahe frontal, sehr leicht nach links geneigt in Richtung des Betrachters. Die Gesichtszüge sind nicht mehr erkennbar. Die Haare scheinen hochgesteckt zu sein, wobei die einzelnen dicken Strähnen noch erkennbar sind. Am Hals ist noch der Ansatz eines Gewand-Kragens sichtbar. Der mittlere Kopf ist ähnlich gestaltet, die einzigen Unterschiede sind, dass der Blick leicht nach rechts gerichtet ist und das Gesicht ovaler erscheint. Die Gesichtszüge mit gerader Nase, großen Lippen und rundem Kinn sind noch besser erkennbar. Der rechte Kopf ist wiederum ein wenig schlechter erhalten, die Nasenspitze ist abgebrochen. Auch hier ist die Blickrichtung nach rechts. Die Haare auf diesem Kopf wirken gelockter und sind weniger in Strähnen als mehr in sehr runden Wellen aufgelegt.

Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf eine kleine Bruchstelle am Beginn der ersten Zeile, die aber mit einiger Sicherheit ergänzt werden kann, vollständig erhalten. Die Buchstaben sind nicht sehr regelmäßig.
Besondere Zeichen: Das erste A in Z.2 weist statt einer Querhaste einen fast senkrechten Strich auf. Mehrere dreieckige Worttrenner scheinen willkürlich im Text verteilt, so z.B. in Z.4 in der Mitte des Wörtchens „ex“.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,0–2,1
Notabilia Varia

v.2: „Laeno“ pro „Leno“

Kommentar Götternamen

Lenus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
lateinisch: ‚Milder [Gott]’ (de Bernardo Stempel in Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 126–128). Früher: keltisch: ‚der Verwunder‘ (de Bernardo Stempel 2014, 24).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername kommt am öftesten als Lenus Mars in der Provinz Belgica vor, er ist aber auch in der Germania Inferior, der Germania Superior und in Britannia ( Mars Lenus sive Ocelus Vellaunus (AE 1905, 168)) belegt. Es handelt sich um den Stammesgott der Treverer (vgl. Spickermann 2003, 82).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Lenus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1041

Mars Lenus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-23(?)
- Germania Superior: CF-GeS-1068

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Saturninius Quintus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Saturninius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Saturn(in)us, kommt vor allem im Rheingebiet und der Belgica vor (Kakoschke 2021, GN 1141)

Quintus: lateinischer Name (auch ein Praenomen), überall gängig (Kakoschke 2021, CN 2556)

ZitiervorschlagCF-GeS-1068, hdl.handle.net/11471/504.50.1068
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. VogelBild 2: links, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. VogelBild 3: rechts, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. VogelBild 4: Rückseite, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. Vogel

Bild 1: Front, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. Vogel
Bild 2: links, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. Vogel
Bild 3: rechts, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. Vogel
Bild 4: Rückseite, LVR-LandesMuseum, Bonn, Foto: J. Vogel

Versionen

Last Update/Current Version: 2024