Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Vosegus Silvanus

CF-GeS-1065

VO[---]O SIL S▴ADNAM

VS▴NERTOMARI▴FIL▴

V▴S▴L L▴M

Vo[seg]o Sil(vano) s(acrum) Adnam -

us Nertomari fil(ius)

v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Tribocorum
Apparatus criticusZ. 1: Vo[seg]o sil(vestri) – CIL, ILS; Vo[seg]o Sil(vestri) – Riese, Kakoschke; Vo(se)go – Mensching; Vosego Sil(vestri) – Espérandieu; Vo(seg)o Sil(vestri) – Hatt 1971; Vosego – Hatt 1989; Sil[ve]s[tri] – Raybould/Sims-Williams; Vo[se]go Sil(vestri) – Scheungraber; Vo[seg]o Sil(vestri) – CAG, EDH; Sil(---) – Matijević
Z. 3: v.s.l.m. – ILS; v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito) – Espérandieu; l(ibens) l(aetus) – CAG, Matijević, EHD mit falschem Zeilenumbruch nach l(ibens), Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Dem Vosegus Silvanus geheiligt!
Adnamus, der Sohn des Nertomarus, hat ein Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

Sacred to Vosegus Silvanus!
Adnamus, son of Nertomarus, paid a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: CIL und Photo

Editionen und LesungenCIL XIII 6027
ILS 3917
Riese 1914, Nr.3564
Espérandieu VII 5611
CAG 67,1, 657 Nr.558.010
Hatt 1971, 226
Mensching 1982, 9 Nr.2
Hatt 1989, 222
Kakoschke 2002, Nr.2.83
Raybould/Sims-Williams 2007, I 54 Nr.BEG 094
Matijević 2012, 102
Scheungraber 2020, 609 Nr.5
Elektronische Ressourcen HD079095 (Version von 2021-02-18) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/27328 (Version von 2017-05-02) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000020 (zuletzt abgerufen 2023-07-19) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/KO0114943 (zuletzt abgerufen 2023-07-19)
https://www.trismegistos.org/text/424994 (zuletzt abgerufen 2023-07-19) (Trismegistos)
Fundort modern Zinsweiler
Fundstelle

„am Fusse des Rehbergs (Reibergs), rechts von der nach Offweiler führenden Strasse gegenüber der deutschen Comthurei von Dahn“ (Zangmeister 1885, 240); „provient d'un cimetière barbare à Zinswiller“ (Quicherat 1870, 214); Gerstenfeld

FundumständeZufallsfund außerhalb der Ausgrabungen
Fundjahr1865
VerwahrungNiederbronn-les-Bains, Maison de l'Archéologie des Vosges du Nord
InventarnummerMANB_884
InschriftträgerAedicula-Altar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Bogen
Köcher
menschliche Figur
Reliefschmuck
Beschreibung Objekt

Der vorhandene Teil des Aedicula-Altars ist in drei Fragmenten erhalten, wobei es sich um ein größeres, linkes Fragment und zwei kleinere Fragmente, die die rechte Seite bilden, handelt. Die Inschrift befindet sich über der Nische. Der Stein ist überall stark abgeschlagen. Laut Quicherat (1870, 214) wurde der Stein als Verwendung für einen Sargdeckel abgeschnitten. Jedenfalls gibt es weder eine Bekrönung, noch eine Basis.

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 64 cm
Breite: 78 cm
Tiefe: 14 cm
Ikonografie

In der Nische befindet sich eine menschliche Figur, von der jedoch nur mehr die Silhouette bis ca. zur Hüfte zu erkennen und der Rest abgeschlagen ist. Sie füllt die Nische vollständig aus, wobei der Kopf, der auf die linke Seite zu blicken scheint, am oberen Rand anstoßt. Die linke Hand ist angewinkelt und hält den Gurt eines Köchers, der über der linken Schulter vorscheint. Über der rechten Schulter ist die Spitze des Bogens zu erkennen. In der Vergangenheit wollte man Venus oder Merkur erkennen: „L’inscription occupait sur cette stèle le dessus d’une niche où était sculptée en bas-relief une divinité que M. Siffer croit avoir été Vénus, parce qu’on dirait qu’elle tient un miroir à la main. J’ai vu et dessiné moi-même ce monument […] Ce que M. Siffer a pris pour un miroir est le sommet d’un caducée ; de sorte que la divinité était Mercure, et non pas Vénus. Le pétase qui lui servait de coiffure est encore apparent“ (Quicherat 1870, 214).

Inschrift

Der Inschriftentext ist oben abgebrochen, doch dürfte die fragmentarisch erhaltene erste Zeile auch ursprünglich die erste Zeile gewesen sein. Damit wäre der Inschriftentext zur Gänze erhalten. Die Buchstaben sind unregelmäßig.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)4,0–5,0
Kommentar Götternamen

Vosegus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚unter Kraft‘ (Delamarre 2018, 324; Scheungraber 2020, 608–609).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in der Provinz Germania Superior gut belegt, findet sich aber möglicherweise auch in der Belgica in dem Votivformular Merc(urio) Vos(ego) (CIL XIII 4550).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Vosegus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1062, CF-GeS-1063

Vosegus Silvanus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: einmal zweifelsfrei belegt in CF-GeS-1064, dementsprechend wird auch in CF-GeS-1065 und CF-GeS-1066 das theonymische Formular auf Vosegus Silvanus (und nicht Vosegus Silvester) zu ergänzen sein.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Adnamus Nertomari filius: einheimisches Namensformular mit Angabe des Namens des Vaters im Genetiv

Adnamus: keltischer Name, vor allem im westlichen Donauraum verbreitet (Kakoschke 2021, CN 44)

Nertomarus: keltischer Name, mehrfach im Donauraum belegt (Kakoschke 2021, CN 2176), Vater des Ersten

ZitiervorschlagCF-GeS-1065, hdl.handle.net/11471/504.50.1065
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Parc naturel régional des Vosges du Nord, Foto: Ortolf Harl 2017

Bild 1: Front, Parc naturel régional des Vosges du Nord, Foto: Ortolf Harl 2017

Versionen

Last Update/Current Version: 2024