Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Taranucnus

CF-GeS-1060

IN̂H▴D▴D▴DEO

T̂ARANVCNO

ṬRAVINI

Q̣VIBVS▴EX

  5 COLLATA

STIPE▴[---]

IVL▴IV+[---]

C▴COP[---]

IVSS[---]

In h(onorem) d(omus) d(ivinae) deo

Taranucno

Travini

quibus ex

  5 collata

stipe [---]

Iul(ius) Iu+[---]

C(aius) Cop[---] |

iuss[---]

CivitasCivitas Nemetum
Apparatus criticusZ. 1: În – Lipps et al.
Z. 3: das T am Anfang fraglich, möglicherweise auch et Ravini – CIL, EDH; êt – Lipps et al.; CR . . VINI – Steiner, Gräff; GR[---]VINI – Lamey, Brambach
Z. 4: OVIBUS – Lamey, Steiner, Gräff
Z. 5: CON . . TA – Lamey, Steiner; CONITA – Gräff; fehlender Zeilenwechsel nach collata – Scheungraber; Lipps et al.
Z. 6: BTI – Steiner; BTE – Gräff; STIP N – Brambach; stipen[dia?] – EDH, Lipps et al.; [Sex(tus?)] – Espérandieu
Z. 7: (Die übrigen Buchstaben sind sehr entstellt.) – Steiner; [---] – Gräff; Iuliu[---] – Brambach; Iuliu(s et?) – Haug; Iul. Iu[---] – ILS; Iul[ianus et] – Espérandieu; Iul(ius) Iul[---] – EDH, Scheungraber, Lipps et al.
Z. 8: C(aius) Cor[nel]- – Haug; c. co[---] – ILS; Cor[n(elius) ---] Espérandieu; Copi(?) [--- ex] – EDH; C(aius?) Cop̂i[us? ex] – Lipps et al.
Z. 9: SS – Brambach; -ius S . . (?) – Haug; vielleicht iuss[u eorum] oder Ähnliches – CIL; iuss[u ---] - Scheungraber; iuss[u pos(uerunt)?] – EDH; iụss[u posu(erunt?)] – Lipps et al.
Z. 10: [faciendum curaverunt?] – Haug; Eine 10. Zeile könnte zerstört sein. – CIL; Lipps et al.
Übersetzung Deutsch

Zur Ehre des Kaiserhauses für den Gott Taranucnus (und) für Travinis?
denen aus einer Geldsammlung ... Iulius Iu... ... (und) Gaius Cop... auf Befehl ...

Übersetzung Englisch

In honour for the Divine Household to the god Taranucnus (and) to Travinis?
to whom from a collection of money ... Iulius Iu... ... (and) Gaius Cop... by order...

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenLamey 1770, 11 Taf.2,1
Steiner 1837, Nr.192
Gräff 1837, Nr.18
Brambach 1867 (Corpus), Nr.1812
Haug 1877, Nr.18
CIL XIII 6094
ILS 4625
Riese 1914, Nr.2110
Espérandieu VIII 5906
Scheungraber 2020, 524 Nr.3
Lipps et al. 2021, 565–68 Kat.124
Elektronische Ressourcen HD076033 (Version von 2021-02-18) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11000088 (zuletzt abgerufen 2023-07-07) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/KO0043070 (zuletzt abgerufen 2023-07-07)
https://www.trismegistos.org/text/425054 (zuletzt abgerufen 2023-07-07) (Trismegistos)
Fundort modern Landau
Fundstelle

Stadtteil Godramstein; in der alten Pfarrkirche

Fundumstände„auf dem ‚iter literarium‘ der Pfälzer Academie […] entdeckt“ (Haug 1877, 23 Nr.18)
Fundjahr1767
VerwahrungMannheim, Reiss-Engelhorn-Museen
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Blattdekor
Giebel
Inschrift außerhalb des Inschriftenfeldes
Lineardekor
Pulvini
Rahmen
Rosette
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Auffällig ist die grobe Abarbeitung der Oberfläche des Steines auf der rechten und unteren Seite, die von der Basis schräg bis beinahe unter die obere Rahmung reicht. Auch sonst sieht der Weihealtar stellenweise stark abgenutzt aus. Die Gestaltung der Basis kann aufgrund der Abarbeitung nicht mehr nachvollzogen werden. Auf dem Körper des Steines befindet sich die Inschrift in einem doppelt gerahmten Inschriftenfeld, wobei die ersten zwei Zeilen über der Rahmung eingeritzt sind. Unter der eigentlichen Bekrönung befindet sich ein stark abgeschlagener Bereich, dessen ursprünglicher Dekor nicht mehr sichtbar ist. In der Mitte ist ein rechteckiges, ausgeschlagenes Feld zu erkennen.
Die eigentliche Bekrönung besteht aus einer Lineardekorleiste, auf der links und rechts zwei Voluten in Form von Rosetten angebracht sind. Zwischen diesen befindet sich ein breiter Dreiecksgiebel, unter dem wiederum Verzierungen in Blattform angebracht sind, laut Esperandieu (1922, 11 Nr.5906) „ein stilisiertes Blatt in dreieckiger Form“.

Auf der Oberseite befindet sich keine Opferschale, jedoch eine viereckige leichte Vertiefung.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 103 cm
Breite: 47 cm
Tiefe: 36 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Vom Inschriftentext fehlt ein großes Stück in der rechten unteren Ecke. Die ersten beiden Zeilen stehen oberhalb des gerahmten Inschriftenfeldes. Ob nach der erhaltenen letzten Zeile noch eine weitere, nun zerstörte folgte, bleibt unklar.
Die Buchstaben sind unregelmäßig. "Der Steinemtz hatte offensichtlich Schwierigkeiten bei Buchtsaben mit Winkeln, [...]" (Lipps et al. 2021, 566).

Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: In Z.5 erinnert das erste A an ein kleines griechisches Lambda; nach dem letzten lesbaren Buchstaben in Z.7 hat CIL noch Reste einer vertikalen Haste gesehen; in Z.9 ist das V kleiner als die übrigen Buchstaben.

Zustand Inschriftfeldgrößeres Fragment
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)3,3–3,7
Kommentar Götternamen

Taranucnus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Sturmgott‘ (Delamarre 2018, 290; Scheungraber 2020, 524); ‚Sohn des Taranus (= Taranis)‘ (Birkhan 1997, 869).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername Taranucnus ist nur zweimal in der Germania Superior bezeugt. In der Provinz Dalmatia (CIL III 2804) ist Taranucus einmal belegt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Taranucnus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1060, CF-GeS-1108

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Travini oder et Ravini

Zur den frühen Lesung von Z.3 s. Apparatus criticus, seit Haug dominiert die Lesung Travini: "Ob die Travini die Bewohner des Ortes oder eine Familie bezeichnen, muss dahingestellt bleiben." (Haug 1877, 23). Neuer Vorschlag "et Ravinis" zu lesen: " Ravinis, in welchem wohl eine mit Taranis/ Taranucnus assoziierte Gottheit zu sehen ist, ist nur hier belegt." (in Lipps et al. 2021, 567).

…? Iulius Iu…: tria nomina?, mindestens römisches Namensformular ohne Praenomen

Iulius: italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 637)

Iu...: Anfang zahlreicher Namen (Kakoschke 2021, CN 1637–1670). Wenn die Lesung Iul korrekt ist: Anfang einiger Namen (Iulius, Iullus/Iulus und deren Varianten. Kakoschke 2021, CN 1639–1645)

Gaius Cop…: tria nomina?

Cop…: Möglicherweise das italische Gentilnomen Coponius (Kakoschke 2021, GN 373; Auflösung jedoch zu unsicher, weswegen bei Kakoschke 2021, Restbestand 136)

ZitiervorschlagCF-GeS-1060, hdl.handle.net/11471/504.50.1060
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 3: Abschrift, Lamey 1770, Taf.2,1


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Inschrift, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 3: Abschrift, Lamey 1770, Taf.2,1

Versionen

Last Update/Current Version: 2024