Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Casses

CF-GeS-1039

IN · H · D · D

I · N · D · D

DIS CAS·

SIBVS

  5 CAS·TVS

TA·LVPPE

V · S · L · L M

In h(onorem) d(omus) d(ivinae)

in d(omus) d(ivinae)

dis Cas -

sibus

  5 Castus

Talupp(a)e

v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Nemetum
Apparatus criticusZ. 2: in (h.) d. d. – CIL; i. u. d. d. – ILS
Z. 4: Diis – Stichauer; {s}ibus – EDH, Scheungraber; fehlender Zeilenwechsel nach {s}ibus – Scheungraber
Z. 5: post CAS interpunctio dubia est - CIL
Z. 6: Tribunus alae quintae propria pecunia – Stichauer; post TA interpunctio dubia est – CIL; Taluppe (filius) – CIL, Keune; Taluppe – ILS; Talupp(a)e (filius) – Hirte; fehlender Zeilenwechsel nach Taluppe – Scheungraber
Z. 7: libens lubens – Stichauer; l(ibens) l(aetus) – Hirte, EDH, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Zu Ehren des Kaiserhauses! Zu Ehren des Kaiserhauses für die Götter Casses!
Castus, (der Sohn) des Taluppa, hat das Gelübde freudig, gerne und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

In honour of the Divine Household! In honour of the Divine Household to the gods Casses!
Castus, (the son) of Taluppa, has fulfilled a vow gladly, willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenStichauer 1823, 688
CIL XIII 6116 (4, p.88)
ILS 4736
Hildenbrand 1911 (Steinsaal), Nr.203
Keune 1924 (Epigraph. Miscellen), Nr.4
Hirte 1995, 450
Scheungraber 2020, 217 Nr.1
Elektronische Ressourcen HD075758 ( Version von 2021-02-18) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/25543 (Version von 2020-07-09) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000110 (zuletzt abgerufen 2023-03-10) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort modern Neustadt an der Weinstraße
Fundstelle

„an der Anhöhe gleich ausserhalb (der Stadt) links an der Strasse gegen Mussbach an einem Orte die Schanze genannt“ (CIL)

Fundumstände„bei der Anlage eines Weinbergs“ (Stichauer 1823, 688)
Fundjahr1822
VerwahrungSpeyer, Historisches Museum der Pfalz
InventarnummerA 15
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Giebel
Inschrift außerhalb des Inschriftenfeldes
Pulvini
Rosette
Beschreibung Objekt

Das Inschriftenfeld des vollständig erhaltenem Weihealtars mit ungestufter Basis ist nicht gerahmt. Die Inschrift beginnt schon am Aufsatz, der vom Altarkörper durch eine Stufe getrennt ist. Der Aufsatzschmuck besteht aus einem steilen Dreiecksgiebel in der Mitte, links und rechts davon jeweils eine Volute, mit Punktrosetten gefüllt.

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 36 cm
Breite: 21 cm
Tiefe: 15 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Der Inschriftentext ist vollständig erhalten und füllt das Inschriftenfeld zur Gänze aus. Die erste Zeile befindet sich außerhalb des Inschriftenfeldes auf dem Gesims. Das I N D D in Z.2 ist vermutlich auf einen Fehler des Steinmetzen zurückzuführen. Vielleicht war die verschriebene Zeile durch eine Kalkschicht bzw. Bemalung verdeckt und auf dem Gesims als IN H D D richtig eingemeißelt worden (Hirte 1995, 450).
Die Zeilen sind nicht waagrecht und die Buchstaben unebenmäßig. In Z.3, 5 und 6 möglicherweise falsch gesetzte Worttrenner, da der Stein jedoch mehrere ähnlich geformte Beschädigungen aufweist, bleibt dies unsicher.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)1,6–2,8
Notabilia Varia

v.5: „Taluppe” pro „Taluppae”

Kommentar Götternamen

Casses (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Zinn > Bronze?‘; ‚Haar?‘ (Delamarre 2018, 109; Scheungraber 2020, 217–220).
Die sprachliche Einordnung, die Form des Nominativs und das Geschlecht der so angesprochenen Gottheiten sind nicht eindeutig.
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist in den Provinzen Belgica, Galatia und Germania Superior bezeugt. In drei Inschrift werden die Gottheiten als Boni Casses bezeichnet, wobei unklar bleibt ob dies eine Verschreibung der römischen Boni Casus darstellt, oder die Casses näher qualifiziert. (s. a. Wiegels 1973, 547f der sich für ersteres Ausspricht)

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1039, CF-GeS-1040, CF-GeS-1086, CF-GeS-1087, CF-GeS-1090; In CF-GeS-1086 werden die Casses zusammen mit den römischen Weggottheiten der Biviae, Triviae und Quadruviae genannt.

Boni Casses (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1069(?), CF-GeS-1109(?), CF-GeS-1110(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Castus Taluppae: einheimisches Namensformular mit Angabe des Namens des Vaters im Genetiv

Castus: gängiger lateinischer Name, sehr häufig in Afrika (Kakoschke 2021, CN 720)

Taluppa: keltischer Name (Kakoschke 2021, CN 3024), Vater des Ersten. Der Name kommt auch in CIL XIII 6028 vor. Stichauer (1823, 688) liest TALUPPE als Abfolge von Abkürzungen (s. Apparatus criticus).

Zitiervorschlag CF-GeS-1039, hdl.handle.net/11471/504.50.1039
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024