Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen
Mars Loucetius | Victoria Nemetona
CF-GeS-1036
1 [---]D MARTI▴LOV
2 [---] VICTORIAE▴NEM̂E
3 [---] M▴A▴SENILLVS SEVE
4 [---]EGATI▴VRNAM CV̂M
5 [---]VS▴ET▴PHIALA▴EX▴
6 [---]TO▴POSVIT▴L▴L▴M▴
7 [---]O▴ET▴SELEVCO▴COS
8 [---] X▴KAL▴MAIAS▴
1 [In h(onorem) d(omus)] d(ivinae) Marti Lou -
2 [cetio et] Victoriae Neme -
3 [tonae] M(arcus) A(urelius) Senillus Seve -
4 [rus b(ene)f(iciarius) l]egati urnam cum
5 [sortib]us et phiala(m) ex
6 [vo]to posuit l(aetus) l(ibens) m(erito)
7 [Grat]o et Seleuco co(n)s(ulibus)
8 X Kal(endas) Maias
| Civitas | Civitas Vangionum |
| Apparatus criticus | Z. 1:
[IN HONOREM D(omus)] – Kreckel
Z. 5: [PEDIB]US ET PHIALA – Kreckel; [pedib?]us et phiala – Kreckel/Bernhard, EDH Z. 6: l(ibens) l(aetus) – Spickermann 2014, EDH, Spickermann 2018, Scheungraber |
| Übersetzung Deutsch |
Zu Ehren des Kaiserhauses für Mars Loucetius und Victoria Nemetona! |
| Übersetzung Englisch |
In honour for the Divine Household to Mars Loucetius and Victoria Nemetona! |
| Autopsie |
non vidimus Lesung gründet auf: Photo und AE |
| Editionen und Lesungen | Kreckel 2004, 423–424 Kreckel/Bernhard 2007, 1 AE 2007, 1044 Spickermann 2014 (Neue epigraphische Zeugnisse), 569 Spickermann 2018 (Als die Götter), 248f. Scheungraber 2020, 357 Nr.2; 417 Nr.5 |
| Elektronische Ressourcen |
HD065905
(Version von 2018-07-19) (Epigraphische Datenbank
Heidelberg) EDCS-46600122 (zuletzt abgerufen 2023-06-14) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby) http://www.trismegistos.org/text/420105 (zuletzt abgerufen 2023-06-14 ) (Trismegistos) |
| Fundort modern | Eisenberg |
| Fundstelle | zwischen der Gewanne Hühnerfeld und der Eisenbahnlinie im Bereich vom Vicus, Haus 5 (Forumsbau) ans Tageslicht gekommen (Kreckel 2004, 423 Nr.2.4 und Kreckel/Bernhard 2007, 1) |
| Fundumstände | während der Grabung 1933 ans Tageslicht gekommen (Kreckel 2004, 423 Nr.2.4); Teil eines Metalldepots (Kreckel/Bernhard 2007, 1) |
| Fundjahr | 1933 |
| Verwahrung | Speyer, Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Archäologie |
| Inventarnummer | E1977/0122 |
| Inschriftträger | Tafel |
| Material | Bronze |
| Archäologische Klassifikation |
glatt
tabula ansata |
| Beschreibung Objekt | Das Bronzetäfelchen in Form einer tabula ansata ist schwer beschädigt. Ein Drittel seiner rechten Seite ist abgebrochen, durch die Mitte geht ein Riss und laut Kreckel (2004, 423) ist es auch verbogen. |
| Zustand Objekt | größere Fehlstelle/n |
| Maße | Höhe: 12,5 cm Breite: 16,6 cm Tiefe: 0,2 cm |
| Ikonografie | Keine bildliche Gestaltung vorhanden. |
| Inschrift | Der Inschriftentext ist links – in Z.1 sogar bis etwa zur Zeilenmitte – nicht mehr erhalten, kann aber mit einiger Sicherheit ergänzt werden. |
| Zustand Inschriftfeld | größere Fehlstelle/n |
| Technik | geritzt |
| Buchstabenhöhe (cm) | 1,0–1,0 |
| Kommentar Götternamen |
Loucetius (incl. ev. Varianten):
Sprachlich:
Vorkommen: Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:
Mars Loucetius (incl. ev. Varianten): Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)
Wahrscheinlich liegt in der Kombination der Fürbitte für den Kaiser ("pro salute Imperatoris" CF-GeS-1081, CF-GeS-1094; sowie "in honorem domus divinae" CF-GeS-1047, CF-GeS-1067, CF-GeS-1083) und der Weihung an Mars Loucetius ein häufiges Muster in der Region (Spickermann 1989/1990, 207–208; s. schriftliche Publikationen). Auffällig ist auch, dass in CF-GeS-1036 und in CF-GeS-1083 jeweils ein M. A(urelius) der Stifter ist. Es wäre zu diskutieren ob es möglicherweise einen Zusammenhang zwischen Weihen an Mars (Loucetius) und (Victoria) (Nemetona) und den Erwerb des Bürgerrechts (durch bestimmte Kaiser zu einer bestimmten Zeit) gibt (s. schriftliche Publikation). Nemetona (incl. ev. Varianten):
Sprachlich:
Vorkommen: Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:
Nemetona (incl. ev. Varianten):
Victoria Nemetona (incl. ev. Varianten):
Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en) |
| Kommentar allgemein |
Marcus Aurelius Senillus Severus: römisches Namensformular bestehend aus tria nomina mit doppeltem Cognomen Aurelius: italisches Gentilnomen, kaiserliches Gentilnomen; überall und besonders in den Germaniae sehr weit verbreitet. Die weite Verbreitung erklärt sich hauptsächlich durch die constitutio Antoniana (212 n.Chr.; Kakoschke 2021, GN 179) Senillus: seltener keltischer Name (Kakoschke 2021, CN 2806) Severus: lateinischer Name, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, CN 2855) Das Prae- und das Gentilnomen weisen darauf hin, dass der Dedikant das römische Bürgerrecht durch die von Kaiser Caracalla (Marcus Aurelius Severus Antoninus Pius), dem Sohn des Septimius Severus, 212 n.Chr. erlassene constitutio Antoninia erhalten hatte. Auch das zweite Cognomen könnte mit der Verleihung des Bürgerrechts durch Caracalla zu tun haben. Beneficiaius legati: Die Ergänzung beneficiaius ergibt sich vor allem aus Platzgründen; sie wird dadurch ein wenig gestützt, dass die Bronzetafel in einem Metalldepot gefunden wurde, aus dem auch eine eiserne Benefiziarierlanze stammt (Kreckel/Bernhard 2007, 2). urnam cum sortibus: Diese Lesung (Topf mit Losstäbchen) wurde schon vorgeschlagen von AE 2007, 1044 mit Verweis auf AE 2001, 1307 und AE 2005, 651 (s. auch CIL XIII 5923). Der Topf mit Losstäbchen kann verstanden werden als symbolhafter Hinweis auf einen vorteilhaften göttlichen Rat, der in einer unklaren Situation zu einer richtigen Entscheidung geführt hat (Ehmig 2015, 241–49) oder vielleicht sogar als Darstellung einer tatsächlichen Methode der Anfrage an einen Gott. Grato et Seleuco consulibus: Konsuldatierung des Jahres 221. Die Konsuln waren Gaius Gratus Sabinianus und Marcus Flavius Vitellius Seleucus. |
| Datierung | 22. April 221 |
| Zitiervorschlag | CF-GeS-1036, hdl.handle.net/11471/504.50.1036 |
| Lizenz | Creative Commons BY-NC 4.0 |
