Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Medros

CF-GeS-1032

D▴M̂ED̂RV▴MATV

TINA▴COBN̂ERT

D(eo) Medru Matu -

tina Cobnert(i)

CivitasCivitas Tribocorum
Apparatus criticusZ. 1: Der unterstrichene Teil in Z.1 ist heute nicht mehr erhalten, er wird nach CIL und Forrer wiedergegeben. Auch die Lesung Merdu wäre möglich – Forrer; Medru (?) – Espérandieu; ME(D)RU – Schnitzler; Medru Matu – CIL
Z. 2: am Ende der Zeile Ligatur von T und I – Forrer; Cobnert(i filia) – CIL; Cobnerti fil(ia) – Espérandieu, Schnitzler; Cobnert(i) (filia) – CAG; Cobnerti – EDH
Übersetzung Deutsch

Für den Gott Medros!
Matutina, (die Tochter) des Cobnertus.

Übersetzung Englisch

To the god Medros!
Matutina, (daughter) of Cobnertus.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenBrambach 1867 (Corpus), Nr.1902
CIL XIII 6017
Riese 1914, Nr.3221
Forrer 1915, 108f.
Espérandieu VII 5549
Lehner 1924 (Mysterienkulte), 84 Nr.202
Schnitzler 1996, Nr.19
CAG 67,1, 340 Nr.31*
Raybould/Sims-Williams 2007, I 53. Nr.BEG 090
Scheungraber 2020, 382
Elektronische Ressourcen HD079071 (Version von 2021-02-18) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/24092 (Version von 2020-07-06) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11000010 (zuletzt abgerufen 2023-06-13) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/424985 (zuletzt abgerufen 2023-06-13) (Trismegistos)
Fundort antikBrocomagus
Fundort modern Brumath
Fundstelle

„auf dem Daxhübel nördlich von Hagenau“ (CIL); „im Hagenauer Forst auf dem rechten Ufer der Moder an der römischen Straße zwischen Marienthal und Schweighausen“ (Forrer 1915, 108–111)

Fundumstände“en arrachant des souches d'arbres d'une colline appelée Dachshübel et située à une lieue de Hagenau sur la droite de la route de Wissembourg“ (CIL) ; “Ein glücklicher Zufall hat ihn aber 1910 bei Errichtung der neuen Kochschule (bei der Alten Akademie, wohin nach 1870 die antiken Steinreliefs transportiert worden waren) in einer Schuttgrube [von Forrer (Espérandieu 1918, 176)] wieder finden lassen.“ (Forrer 1915, 108–111)
Fundjahr1823
InventarnummerMAS 30377
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Götterbild
Reliefschmuck
Schafbock
Speer
Stier
Beschreibung Objekt

Bei diesem Objekt handelt es sich um einen Weihestein, dessen Fläche großteils von einem hochformatigen Relief eingenommen wird, über dem sich zwei Zeilen einer ungerahmten Inschrift befinden. Der Stein ist auf allen Seiten stark bestoßen sowie abgerieben und auf der rechten unteren Seite ist ein größerer Teil abgesplittert.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 63 cm
Breite: 32 cm
Tiefe: 10 cm
Ikonografie

Das Relief zeigt einen jungen, nach rechts blickenden, bartlosen Mann, sehr wahrscheinlich die angesprochene Gottheit Medros, der die Höhe des gesamten Bildfeldes einnimmt. Er trägt einen Helm mit Wangenklappen und nach vor gekrümmter Spitze, sowie einen Mantel um die Schultern und am Rücken entlang, der an seiner rechten Schulter mit einer Spange zusammengehalten wird und ihm in Falten geworfen bis unter die Brust reicht. Außerdem scheint der Gott einen Muskelpanzer zu tragen, sein Unterkörper ist jedoch nackt. Auffällig sind seine breiten, flossenartigen Füße in V-Stellung. In seiner linken Hand hält er einen Speer, seine rechte Hand liegt am Kopf eines Tieres auf. Der Körper des Tieres befindet sich hinter der Gottheit, der Kopf an dessen rechten Seite mit Blick zum Betrachter. Ob es sich bei diesem Tier, wie in bisherigen Beschreibungen angenommen, um einen Stier handelt, oder vielleicht doch um einen Schafbock, kann nicht entschieden werden. Sollte es sich um einen Stier handeln, ist dieser im Verhältnis zur Gottheit sehr klein dargestellt und reicht dieser nur bis zur Mitte der Oberschenkel. Hörner können nicht erkannt werden, nur sehr große Ohren. Höchstens der sehr ausgeprägte Hals des Tieres könnte noch auf einen Stier hindeuten. Jedoch kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass dieser so markant ausfällt, weil der Steinmetz die Wolle eines Schafes darstellen wollte, worauf auch die gelockte Stirn des Tieres hindeuten könnte. Mit Sicherheit kann nur gesagt werden, dass es sich um einen Paarhufer handelt.

Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf das Ende von Z.1 vollständig und gut lesbar. In Z.1 ist das kleinere R in das D eingeschrieben. Am Ende der Zeile konnten sowohl der CIL mittels Abklatsch, als auch Forrer bei Wiederauffindung offenbar noch gut ein V erkennen, heute ist der Stein an dieser Stelle jedoch beschädigt.
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Kommentar Götternamen

Medros (incl. ev. Varianten):
Sprachlich:
keltisch: Ableitung von kelt. ‚Met’ (Scheungraber 2020, 382).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist nur aus einer einzigen Inschrift in der Germania Superior bekannt. Der Nominativ des Götternamens ist nicht völlig gesichert, da er nur erschlossen werden kann. Weswegen neben D(eo) Medru auch die Lesung D(eo) Merdu nicht völlig auszuschließen ist.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Medros (incl. ev. Varianten):
- Germanis Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1032.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Matutina: einheimisches Namensformular

Matutina: lateinischer Name, Beiname des Merkur, weit verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2001)

Cobnertus: einheimisches Namensformular

Cobnertus: keltischer Name, in den keltischen Provinzen belegt (Kakoschke 2021, CN 858)

ZitiervorschlagCF-GeS-1032, hdl.handle.net/11471/504.50.1032
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: Front, Marienthal, Stèle de Mars Mider Musée Archéologique de Strasbourg, Foto: Musées de Strasbourg, M. Bertola

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: Front, Marienthal, Stèle de Mars Mider Musée Archéologique de Strasbourg, Foto: Musées de Strasbourg, M. Bertola

Versionen

Last Update/Current Version: 2024