Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Sucellus

CF-GeS-1030

▴I▴O▴M▴

SVCAELO▴ET

GEN▴LOCI▴P̂RO

SALVTE▴C▴

  5 CALPVRNI

SEPPIANI▴P▴P▴

LEG▴XXII▴PR▴P▴

TROPHIMVS

ACTOṚ [.]Ṭ CAN

10 ABARI▴EX▴

VOTO

I(ovi) O(ptimo) M(aximo)

Sucaelo et

Gen(io) loci pro

salute C(ai)

  5 Calpurni

Seppiani p(rimi) p(ili)

leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) P(iae)

Trophimus

actor [e]t can -

10 abari(i) ex

voto

Apparatus criticusZ. 4: C(aii) – Richier
Z. 5: Calpurni(i) – Richier
Z. 7: p. (f.) – Riese; P(iae) [F(idelis)] – Günther et.al.; P(iae) F(idelis) – Richier
Z. 9: littera corrosa inter ACTOR et CAN fuisse P̂R aut ÊT videtur – CIL; actor (das R ohne Unterpunkt) – Riese; [et] – ILS, Weber; [et(?)] – Günther et.al.
Übersetzung Deutsch

Für Iupiter Optimus Maximus, Sucaelus und den Genius loci!
Für das Wohl des Gaius Calpurnius Seppianus, des primus pilus der legio XXII Primigenia Pia, (haben) der actor Trophimus und die Bewohner der Canabae (den Altar) aufgrund eines Gelübdes (errichtet).

Übersetzung Englisch

To Iupiter Optimus Maximus, Sucaelus and the Genius loci!
For the wellbeing of Gaius Calpurnius Seppianus, the primus pilus of the legio XXII Primigenia Pia, the actor Trophimus and the inhabitants of the canabae (set up this altar) in accordance with a vow.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenKeller 1883 (Katalog), 155 Nr.25a
CIL XIII 6730
ILS 4615
Riese 1914, Nr.2127
Weber 1966, 64
Günther et.al. 1978, 410f. Nr.5
Richier 2004, 345 Nr.292
Scheungraber 2020, 497 Nr.11
Elektronische Ressourcen HD055177 (Version von 2018-07-26) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11000775 (zuletzt abgerufen 2023-06-30) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
http://www.trismegistos.org/text/211847 (zuletzt abgerufen 2023-06-30) (Trismegistos)
Fundort antikMogontiacum
Fundort modern Mainz
Fundstelle

„auf der Mathildenterrasse zu Mainz, gegenüber dem Kupferbergischen Hause“ (CIL)

Fundumständebei Kanalarbeiten (CIL)
Fundjahr1882
VerwahrungMainz, Landesmuseum
InventarnummerS 1014
InschriftträgerWeihealtar
MaterialKalkstein
Archäologische Klassifikation Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Rahmen
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist rundherum stark beschlagen, wobei die Bekrönung am schlechtesten erhalten ist. Von dieser ist nur mehr der mittlere Teil vorhanden, der wohl eine Opferschale trägt. Keller (1883, 6 Nr.7) beschreibt diesen Teil jedoch als „Stumpf, der Rest des Sockels einer Götterfigur“.
Das Inschriftenfeld ist doppelt gerahmt, wobei die Rahmung vor allem auf der rechten Seite stark in Mitleidenschaft gezogen wurde und nur mehr stellenweise erhalten ist. Es ist durch zwei dezente Stufen von der schmalen Basis getrennt. Aufgrund des vorliegenden Photos nicht mehr zu erkennen sind die laut Keller (1883, 6 Nr.7) vorhandenen Randleisten, die die Schmalseiten umrahmen und die „auf der rauh gelassenen Rückseite […] nicht durchgeführt“ sind.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 68 cm
Breite: 40 cm
Tiefe: 23 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf eine kleine Ausbruchstelle in der Mitte von Z.9 zur Gänze erhalten und gut lesbar. Die Buchstaben sind im oberen Teil größer als im unteren.
Zu einer Ligatur: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: In Z.7 findet sich über der Zahl XXII, wie üblich, ein waagrechter Strich.

Zustand Inschriftfeldweitgehend vollständig
Technikgemeißelt
Kommentar Götternamen

Sucellus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚der einen guten Hammer hat‘ (Scheungraber 2020, 495–497).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Name findet, mit männlicher und weiblicher Endung, auch als Personenname Verwendung. Der Göttername ist bezeugt in den Provinzen Aquitania (ILTG 497), Belgica (CIL XIII 4542; ILTG 565; AE 1990 768a; 768b), Britannia (ILS 4689), Dacia (CIL III 1575), Germania Superior und Narbonensis (CIL XII 1836).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Sucellus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1030 mit der Variante Sucaellus, in CF-GeS-1031 könnte das theonymische Formular allerdings auch als Sucellus Silvanus verstanden werden.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Sucaelus: Variante von Sucellus

Kommentar allgemein

Gaius Calpurnius Seppianus: tria nomina

Calpurnius: italisches Gentilnomen, sehr gängig (Kakoschke 2021, GN 258)

Seppianus: lateinischer Name, Weiterbildung des Gentilnomens Seppius, selten belegt (Kakoschke 2021, CN 2824)

Trophimus: griechischer Name, reichsweit belegt (Kakoschke 2021, CN 3138). Der griechische Name könnte darauf hindeuten, dass Trophimus ein Sklave war.

legio XXII Primigenia Pia: Die legio XXII Primigenia erhielt nach dem Scheitern des Saturninus-Aufstandes 89 n.Chr. gemeinsam mit anderen Legionen und Truppenkörpern den Ehrenbeinamen Pia Fidelis Domitiana; letzterer fiel nach der damnatio memoriae Domitians wieder weg. Die Legion wurde 97 n.Chr. von Xanten nach Mainz verlegt, wo sie die nächsten zwei Jahrhunderte verblieb. Zwischen 70/71 und 97 n.Chr. sowie 101/102 bis 106/107 n.Chr. wurden Teile der Truppe für Steinbrucharbeiten im Brohtal eingesetzt (Matijević 2010, 29, 227–233).

actor: ein mit der Regelung der rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten betrauter Geschäftsführer (Günther et.al. 1978, 410). Der actor Trophimus war vielleicht ein kaiserlicher Sklave, der für die Verwaltung der Fiskalgüter zuständig war, möglich ist aber auch, dass er eine Funktion in den canabae inne hatte (Kronemayer 1983, 71).

Der Anlass für die Weihung des actor und der Einwohner der canabae war vermutlich die alle fünf Jahre stattfindende Überprüfung des Legionseigentums in der Lagervorstadt und dem Territorium der Legion, die unter der Leitung eines primuspilus stattfand (Kronemayer 1983, 71).

ZitiervorschlagCF-GeS-1030, hdl.handle.net/11471/504.50.1030
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024