Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Virodactis

CF-GeS-1021

VIRODACTI

SIVE LVCENE

[.]VGVSTIVS▴IVSTVS▴EX VOTO

[.]VMINIBVS

  5 [..]NCTISSI

------

Virodacti

sive Lucen(a)e

[A]ugustius Iustus ex voto

[n]uminibus

  5 [sa]nctissi

------

Apparatus criticusZ. 4: es ist nicht sicher, ob am Anfang der Zeile Spuren eines N zu erkennen sind – CIL; (N)uminibus – Keller; numinibus – ILS, De Bernardo Stempel/Hainzmann, EDH, Scheungraber, Ferlut
Z. 5: (san)ctissi – Keller; [sa]nctissi[mis] – ILS (wobei offensichtlich nur der Zeilentrennstrich vor [mis] vergessen wurde)
Z. 6: unter dem ersten I von Z.5 könnten sich in einer weiteren Zeile Reste eines S erhalten haben – CIL; (mis) – Keller; [mis --- v(otum) s(olvit)] – Riese; [mis ---] – Weber, De Bernardo Stempel/Hainzmann, EDH, Scheungraber; [mis. – Ferlut
Übersetzung Deutsch

Für Virodactis oder Lucena!
Augustius Iustus, aufgrund eines Gelübdes für die erhabensten göttlichen Mächte ...

Übersetzung Englisch

To Virodactis or Lucena!
Augustius Iustus, according to a vow to the most exalted divine powers ...

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenKeller 1883 (Katalog), 156f. Nr.84a
CIL XIII 6761
ILS 4758
Riese 1914, Nr.3559
Weber 1966, 85
De Bernardo Stempel/Hainzmann 2009, 90 Nr.19
Scheungraber 2020, 360 Nr.2, 602 Nr.3
Ferlut 2022, Nr.445
Elektronische Ressourcen HD055287 (Version von 2018-08-08) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
EDCS-11000808 (zuletzt abgerufen 2023-07-18) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://www.trismegistos.org/text/211866 (zuletzt abgerufen 2023-07-18) (Trismegistos)
Fundort antikMogontiacum
Fundort modern Mainz
Fundstelle

römische Brücke

Fundumständesekundär als Pfeiler verwendet
Fundjahr1881
VerwahrungMainz, Landesmuseum
InventarnummerS 1238
InschriftträgerStatuenbasis/Basis
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Bleibatzen
Dübelloch
Beschreibung Objekt

Das rechte untere Eck und der Boden der Basis sind abgebrochen. Das Inschriftenfeld ist ungerahmt. Der Aufsatz ist so stark abgeschlagen und verwittert, dass keine nähere Beschreibung möglich ist. Auf der Oberseite befindet sich ein Dübelloch mit Bleiresten.

Zustand Objekt größeres Fragment
MaßeHöhe: 27 cm
Breite: 22 cm
Tiefe: 15 cm
Die angegebenen Maße sind die des erhaltenen Fragmentes.
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Vom Inschriftentext ist mit Sicherheit der obere Teil erhalten; allerdings mit einigen Ausbrüchen am linken Rand. Ob sich der Text nach unten fortsetzte, kann nicht gesagt werden, ist aber anzunehmen. CIL hat Reste einer weiteren Zeile zumindest für möglich gehalten.
Z.3 mit wesentlich kleineren Buchstaben ist nachträglich in den Zeilenzwischenraum von Z.2 und Z.4 eingefügt.

Zustand Inschriftfeldgrößere Fehlstelle/n
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.2: „Lucene” pro „Lucenae”

Kommentar Götternamen

Virodactis (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch erklärbar: ‚Mannesfeuer’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 163f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername findet sich in verschiedenen Varianten in Britannien ( Viradecthi CIL VII 1073), der Germania Inferior und in der Germania Superior.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Virodactis (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: Hier sind die Varianten Viradecdis CF-GeI-74 und Virathethis CF-GeI-75, CF-GeI-76?(?) bezeugt.
- Germania Superior: CF-GeS-1021 und die Varianten Virodacthis CF-GeS-1085 und Viroddis CF-GeS-1119.

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

In CF-GeS-1021 erscheint Virodactis zusammen mit Lucena. Heichelheim (1961, 175) hatte angenommen, dass im Votivformular Virodacti sive Lucen(a)e eine Identifizierung von Virodactis mit der römischen Lucina vorliegt. Dass hier jedoch zwei Gottheiten gemeint sind legt der nachfolgende Plural numinibus [sa]nctissi[mis] nahe. Scheungraber (2020, 360f) interpretiert Lucena nicht als Form der römischen Lucina, sondern als: keltisch, ‚Luchs‘.

Kommentar allgemein

Augustius Iustus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Augustius: einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Augustus; der Name kommt vor allem in der Germania Superior vor (Kakoschke 2021, GN 176)

Iustus: lateinischer Name, überall weit verbreitet (Kakoschke 2021, CN 1658)

ZitiervorschlagCF-GeS-1021, hdl.handle.net/11471/504.50.1021
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024