Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Cissonius

CF-GeS-1012

D❦CISSONO

GITTO

NIVS

PIPPAV

  5 SVS▴V▴S L▴

L▴M▴

D(eo) Cisson(i)o

Gitto -

nius

Pippau -

  5 sus v(otum) s(olvit) l(aetus)

l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Tribocorum
Apparatus criticusZ. 1: CISSON̂IO – Forrer; Cissonio – Espérandieu, Vermaseren, CAG, Scheungraber; CISSONIO – AE, Schnitzler; Cissonio – Engster, EDH „entweder nicht erkennbare NI-Ligatur, oder I fehlt“
Z. 2: Citto(?) – EDH; Cittonius (ohne Zeilenumbruch) – Hatt 97 (1. Variante); Gittonius (ohne Zeilenumbruch) – Hensen
Z. 5: das L am Ende offenbar übersehen – Espérandieu, Schnitzler; l(ibens) – Vermaseren, EDH, CAG, Scheungraber, Engster; fehlender Zeilenwechsel – Schnitzler
Z. 6: l(ibens) l(aetus) – Vermaseren, EDH, CAG, Engster, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Für den Gott Cissonius!
Gittonius Pippausus hat das Gelübde freudig, gerne, und verdientermaßen erfüllt.

Übersetzung Englisch

To the god Cissonius!
Gittonius Pippausus has fulfilled the vow willingly, gladly and deservedly.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: CIL und Photo

Editionen und LesungenCIL XIII 11607
Forrer 1915, 49f.
Espérandieu VII 5531
AE 1920, 128
Vermaseren 1956-1960, Nr.1351–1350
Walters 1974, 48 Anm.4; 119 Anm.5
Hatt 1993, 97; 111 (mit 2 Varianten)
CAG 67,2, 451
Hensen 1995, Nr.15
Schnitzler 1996, t.4, 117
Engster 2002, 467 Anm.4
Scheungraber 2020, 236 Nr.14
Elektronische Ressourcen HD027583 (Version von 2018-08-24) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
https://lupa.at/24103 (Version von 2020-07-06) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-12300112 (zuletzt abgerufen 2023-03-13) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikArgentorate
Fundort modern Straßburg
Fundstelle

Königshofen, im Mithraeum, hinter dem Eingang zur cella (Vermaseren 1960, 133 Nr.1350)

Fundjahr1911
VerwahrungStraßburg, Archäologisches Museum
InschriftträgerWeihestein
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Aufsatzschmuck
Bleibatzen
Brandspuren
Eisenstift
Globus
Inschrift außerhalb des Inschriftenfeldes
Opferschale (Gestaltungsmerkmal)
Pulvini
Sonne
Beschreibung Objekt

An der Basis rechts ist ein Stück ausgebrochen. Ein Teil der Inschrift befindet sich am Aufsatz außerhalb des ungerahmten Inschriftenfeldes. Der Aufsatz ist durch Pulvini verziert, in deren Mitte sich „ein sonnenartiges Motiv“ (Forrer 1915, 49) oder ein „small globe“ (Vermaseren 1960, 133 Nr.1350) befindet. In der „nur roh behauenen Opferschale […] sind zwei starke Eisenösen verbleit […] Dort sieht man starke Brand- oder Rauchspuren.“ (Forrer 1915, 49)

Zustand Objekt vollständig
MaßeHöhe: 44 cm
Breite: 22 cm
Tiefe: 19 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die erste Zeile mit dem Votivformular befindet sich außerhalb des Inschriftenfeldes auf der corona; die Buchstaben sind bedeutend kleiner als jene des Inschriftenfeldes. Das Inschriftenfeld wird vom Text vollständig ausgefüllt. Die Buchstaben sind durchweg unregelmäßig und in unterschiedlichen Zeilen von verschiedener Größe. Farbreste lassen darauf schließen, dass die Buchstaben ursprünglich rot ausgemalt waren; später wurde die ganze Inschrift weiß überstrichen.
Zu Ligaturen: In Z.1 könnte das N eventuell als N in Ligatur mit I gelesen werden, doch dürfte das eher nicht zutreffen. – Besondere Zeichen: in Z.1 findet sich eine hedera nach D. Die Längshaste des G in Z.2 ist nicht gerade, sondern eingerollt.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Notabilia Varia

v.1: „Cissono” pro „Cissonio”

Kommentar Götternamen

Cissonius (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch erklärbar: ‚Der Marktkisten- bzw. Marktkörbegott’, oder ‚Der (Baumstamm-)Straßengott’, traditionell ‚Der Korbwagengott’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 135f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Als Mercurius Cissonius in den Provinzen Belgica, Germania Inferior, Germania Superior sowie Raetia bezeugt. Als Cissonius in den Provinzen Aquitania, Belgica, Germania Superior und Hispania belegt.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Mercurius Cissonius (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-71, CF-GeI-72(?)
- Germania Superior: CF-GeS-1013, CF-GeS-1014(?), CF-GeS-1015, CF-GeS-1082, CF-GeS-1092(?)

Cissonius (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1011, CF-GeS-1012

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Gittonius Pippausus: römisches Namensformular ohne Praenomen

Gittonius: einheimische Bildung mit keltischer Basis, nur in dieser Inschrift bezeugt (Kakoschke 2021, GN 566)

Pippausus: keltischer Name, nur in dieser Inschrift bezugt (Kakoschke 2021, CN 2406)

Zitiervorschlag CF-GeS-1012, hdl.handle.net/11471/504.50.1012
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024