Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Apollo Grannus

CF-GeS-1008

APOLLINI GRANN[.]

AVLIVS FLORIVS GṚ[---]

TVS C TREVER▴V L Ṃ

Apollini Grann[o]

Aulius Florius Gr[---] -

tus c(ivis) Trever v(otum) l(ibens) m(erito)

CivitasCivitas Nemetum
Apparatus criticusZ. 1: GRANNO – AE, Sprater
Z. 2: AVLLVS – AE, Sprater; am Ende der Zeile CA – AE, Sprater; G[---] – Nesselhauf, Weisgerber, Krier, Hirte, Wierschowski, EDH, Lupa; G[at] als Möglichkeit – Hirte; Gr[at]us mit fehlendem Zeilenwechsel vor tus – Bernhard; Gr[a] – Hainzmann, Scheungraber
Z. 3: tus(?) – Scheungraber; TREVERVS – AE, Sprater; v(ovit) l(ibens) [m(erito)] – AE, Nesselhauf, Weisgerber, Krier, Bernhard, Hirte, Wierschowski, Haintmann, EDH, Scheungraber
Übersetzung Deutsch

Für Apollo Grannus!
Aulius Florius Gr[---]tus, ein Angehöriger der civitas der Treverer, (hat) das Gelübde gerne und verdientermaßen (erfüllt).

Übersetzung Englisch

To Apollo Grannus!
Aulius Florius Gr[---]tus, a member of the civitas of the Treveri, (has fulfilled) the vow willingly and deservedly.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenAE 1936, 76
Sprater 1936, 60
Nesselhauf 1937, Nr.71
Weisgerber 1975, 119
Krier 1981, 76f.
Bernhard 1983, 103
Hirte 1995, 373
Wierschowski 2001, 451
Hainzmann 2016, 48. Nr.25
Scheungraber 2020, 307 Nr.16
Elektronische Ressourcen HD024342 ( Version von 2016-05-30) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/26599 ( Version von 2021-01-12) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11202168 ( zuletzt abgerufen 2023-06-05) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikNoviomagus
Fundort modern Speyer
Fundstelle

am ‚Tafelsbrunnen‘ (Bernhard 1983, 103)

Fundumstände„F. Sprater hat hier am Hangfuß der Hochterrasse Ausgrabungen durchgeführt“ (Bernhard 1983, 103)
Fundjahr1936
VerwahrungSpeyer, Historisches Museum der Pfalz
Inventarnummer1936/29
InschriftträgerKapitell
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation glatt
Beschreibung Objekt

Die Inschrift befindet sich am Abakus eines toskanischen Kapitells (lupa). Der Abakus ist rundherum abgeschlagen, am stärksten am rechten Rand der Inschrift. Von der Säule ist noch der Ansatz vorhanden.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 37 cm
Breite: 53 cm
Tiefe: 50 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Der Inschriftentext ist bis auf die Ausbruchstelle am rechten Rand vollständig erhalten und, auch wenn die Buchstaben z.T. schon stark abgerieben sind, lesbar.
Am Ende von Z.2 scheinen nach dem letzten vollständig erhaltenen Buchstaben, einem G, noch Reste eines R erhalten.

Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)2,8–3,3
Kommentar Götternamen

Grannus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Heißer [Gott]’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 84f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Grannus ist einer der wenigen keltischen Götternamen, die auch literarisch (Cass.Dio 77,15,5–7) bezeugt sind. Er ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet und findet sich in den Provinzen Aquitania, Belgica, Britannia, Dacia, Germania Inferior, Germania Superior, Hispania Citerior, Lugudunensis, Noricum, Pannonia Inferior, Raetia, Asia und in Rom.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Apollo Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-27, CF-GeI-28
- Germania Superior: CF-GeS-1004, CF-GeS-1008, CF-GeS-1118

Apollo Grannus Mogounus
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1009

Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-120
- Germania Superior: - CF-GeS-1077(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Aulius Florius Gr[---]tus: vermutlich dreiteiliger Personenamen in der Form: Gentiliz, Pseudogentiliz und Cognomen. Florius dürfte ein Pseudogentiliz sein und für Sohn des Florus stehen. Diese Namensform ist fast ausschließlich in den zwei germanischen Provinzen, der Belgica und Rätien bezeugt (Kakoschke 2016 Annotationes, 11; anders Hirte 1995, 373); vgl. CF-GeS-1004.

Aulius: italisches Gentilnomen oder einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Aulus, weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 177)

Florius: italisches Gentilnomen oder einheimisches Pseudogentilnomen, abgeleitet vom lateinischen Namen Florus, weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 518)

Gr[---]tus: eine Ergänzung auf Gratus liegt nahe: der lateinische Name Gratus (16x in der Germania Superior), überall gängig (Kakoschke 2021, CN 1476); die Reste des letzten sichtbaren Buchstabens der Zeile könnte aber auch zu einem N gehören, sodass sich Gnatus ergäbe: der keltische Name Gnatus (3x in der Germania Superior), selten belegt (Kakoschke 2021, CN 1462). Beide Möglichkeiten schon bei Nesselhauf (1937, Nr.71).

Zitiervorschlag CF-GeS-1008, hdl.handle.net/11471/504.50.1008
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Foto: Ortolf Harl 2016


Bild 1: Front, Historisches Museum der Pfalz, Speyer, Foto: Ortolf Harl 2016

Versionen

Last Update/Current Version: 2024