Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Apollo Grannus

CF-GeS-1004

APOLLINI GRAN

NO▴MARTIVS

SENOPATIVS▴

NOVELLVS▴DE

  5 DICAVIT▴XV▴K▴SEP

PISONE ET IVLIANO

COS

Apollini Gran -

no Martius

Senopatius

Novellus de

  5 dicavit (ante diem) XV k(alendas) Sep(tembres)

Pisone et Iuliano

co(n)s(ulibus)

CivitasCivitas Vangionum
Übersetzung Deutsch

Dem Apollo Grannus hat (dies) Martius Senopatius Novellus am 18. August geweiht, unter dem Konsulat des Piso und des Iulianus.

Übersetzung Englisch

To Apollo Grannus (this) was dedicated by Martius Senopatius Novellus, on the 18th August during the consulat of Piso and Iulianus.

Autopsie

vidimus (CIL XIII Projekt)

Editionen und LesungenBehn 1929/30, 85f.
AE 1933, 138
Nesselhauf 1937, Nr.88
Behrens 1938, Nr.6
Stümpel 1965, 51
Weber 1966, 154
Klumbach 1973, 14f.
Künzl 1975, Nr.14
Herz 1975, 259
Weisgerber 1975, 119
Kakoschke 2016 FeRA, 8–13
Hainzmann 2016, 48 Nr.28
Lobüscher 2002, 147, Nr.111
Scheungraber 2020, 307 Nr.13
Elektronische Ressourcen HD024000 (Version von 2021-01-12) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/15479 ( Version von 2021-04-05) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-11202205 (zuletzt abgerufen 2023-06-02) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
https://cil.bbaw.de/ace/id/KO0000640 (zuletzt abgerufen 2023-08-16)
https://www.trismegistos.org/text/210418 (zuletzt abgerufen 2023-06-02) (Trismegistos)
Fundort antikAltiaia
Fundort modern Alzey
Fundstelle

in den Fundamenten eines römischen Gebäudes im Kastell Alzey (Behrens 1938, 41); im Fundament als nordwestliche Ecke verlegt (Behn 1929/30, 85)

Fundumständebei Ausgrabungen im spätrömischen Kastell Alzey/Altiaia (Behn 1929/30, 85)
Fundjahr1929
VerwahrungAlzey, Museum
InventarnummerR 15479
InschriftträgerBauinschrift
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Rahmen
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Die Inschrift befindet sich auf einem Quader, der auf allen Seiten, vor allem an der Oberseite, stark behauen ist. An der unteren Seite befindet sich mittig eine rechteckige Aussparung, wo der Stein wohl für die Verbauung passend gemacht wurde. Das Inschriftenfeld ist rundherum doppelt gerahmt.

Zustand Objekt weitgehend vollständig
MaßeHöhe: 71 cm
Breite: 75 cm
Tiefe: 51 cm
Ikonografie

Keine bildliche Gestaltung vorhanden.

Inschrift

Die Inschrift füllt das Textfeld bis auf einen kleinen Abstand in der Höhe einer halben Zeile am unteren Ende völlig aus. Die Zentrierung der Z.1, Z.2, Z.4, Z.5 und Z.6 ist nicht geglückt. Die Buchstabengröße nimmt im Wesentlichen nach unten hin ab. Die Buchstaben sind regelmäßig und gut lesbar.
Besondere Zeichen: Z.1 kleines A (2,2 cm) am Ende der Zeile zwischen R und N eingeschrieben.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)4,2–5,3
Kommentar Götternamen

Grannus (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Heißer [Gott]’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 84f).
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Grannus ist einer der wenigen keltischen Götternamen, die auch literarisch (Cass.Dio 77,15,5–7) bezeugt sind. Er ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet und findet sich in den Provinzen Aquitania, Belgica, Britannia, Dacia, Germania Inferior, Germania Superior, Hispania Citerior, Lugudunensis, Noricum, Pannonia Inferior, Raetia, Asia und in Rom.

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgenden theonymischen Formularen vor:

Apollo Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-27, CF-GeI-28
- Germania Superior: CF-GeS-1004, CF-GeS-1008, CF-GeS-1118

Apollo Grannus Mogounus
- Germania Inferior: -
- Germania Superior: CF-GeS-1009

Grannus (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-120
- Germania Superior: - CF-GeS-1077(?)

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Entsprechend der Deutung des Inschriftenträgers als Bauquader (Behn 1929/30, 85f.) wurde die Inschrift für die Bauinschrift eines nicht erhaltenen Tempels für Apollo Grannus gehalten (Nesselhauf 1937, Nr. 88; Behrens 1938, Nr. 6; Weber 1966, 154; Klumbach 1973, 14f.; Künzl 1975, Nr.14; Weisgerber 1975, 119).

Martius Senopatius Novellus: der Name besteht aus Gentiliz, Pseudogentiliz und Cognomen. Diese Namensform ist nur in den germanischen Provinzen, der Belgica und Raetien üblich; vgl. CF-GeS-1008. In dem Pseudogentiliz Senopatius ist ein Patronymikon zu erkennen, d.h. es steht für „Sohn des Senopatus“. Im Laufe der Zeit konnten solche Pseudogentilnamen auch zu normalen, an die nächsten Generationen weitergegebenen Gentilnamen werden (Kakoschke 2016 FeRA, 10; etwas anders Solin 2011, 265, der in diesen Namesbildungen nur die Mode sieht, aus dem Cognomen des Vaters einen Gentilnomen zu bilden).

Martius: italisches Gentilnomen oder einheimisches Pseudogentilnomen, entlehnt vom keltischen bzw. lateinischen Namen Martius, weit verbreitet (Kakoschke 2021, GN 775)

Senopatius: einheimisches Pseudogentilnomen mit keltischer Basis, nur hier und ein weiteres Mal in der Belgica belegt (Kakosche 2021, GN 1177)

Novellus: lateinischer Name, weit verbreitet (Kakoschke 2021, CN 2217)

Pisone et Iuliano consulibus: Konsuldatierung des Jahres 175. Die Konsulen waren Lucius Calpurnius Piso und Publius Salvius Iulianus.

Datierung18. August 175
Zitiervorschlag CF-GeS-1004, hdl.handle.net/11471/504.50.1004
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

Versionen

Last Update/Current Version: 2024