Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen


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Die keltischen Götternamen der germanischen Provinzen

Epona

CF-GeS-1001

EPONAE T FL

CLAVDIANV

TRIB MILITV

LEG XXII▴PR P̂F

  5 EX SYR ANT̂IO

ARAM▴POSÎT▴

CVRANTE VALE

TERTIO B̂F EIVS V S L

Eponae T(itus) Fl(avius)

Claudianu(s)

trib(unus) militv(m)

leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) P(iae) F(idelis)

  5 ex Syr(ia) Antio(chia)

aram pos(u)it

curante Vale(rio)

Tertio b(ene)f(icario) eius v(otum) s(olvit) l(ibens)

Apparatus criticusZ. 2: Claudianus – Frenz, Scheungraber
Z. 5: Der unterstrichene Teil in Z.5 ist heute nicht mehr erhalten, er wird nach CIL wiedergegeben.
Z. 8: b(eneficiario) – AE, Euskirchen, EDH
Übersetzung Deutsch

Für Epona!
Titus Flavius Claudianus, Militärtribun der legioXXII Primigenia Pia Fidelis aus Antiochia in Syrien hat den Altar aufgestellt – was sein Benefiziarier Valerius Tertius besorgt hat – und ein Gelübde gerne erfüllt.

Übersetzung Englisch

For Epona!
Titus Flavius Claudianus, tribunus militum of the legio XXII Primigenia Pia Fidelis from Antiochia in Syria set up the altar – seen to by his beneficiarius Valerius Tertius – and willingly fulfilled a vow.

Autopsie

non vidimus

Lesung gründet auf: EDH und Photo

Editionen und LesungenKörber 1906, 169–170
Körber 1907, 32
AE 1907, 106
Domaszewski/Finke 1906/07, Nr.167
CIL XIII 11801
Riese 1914, Nr.1116
Espérandieu VII 5778
Weber 1966, 124f.
Schallmayer et al. 1990, Nr.132
Frenz 1992, Nr.118
Euskirchen 1993, Nr.263
Schmidt Heidenreich 2013 (Le glaive), Nr.C132
Scheungraber 2020, 265 Nr.5
Ferlut 2022, Nr.135
Elektronische Ressourcen HD023597 (Version von 2018-03-14) (Epigraphische Datenbank Heidelberg)
http://lupa.at/16874 (Version von 2022-12-20) (Ubi Erat Lupa)
EDCS-12700308 (zuletzt abgerufen 2023-03-15) (Epigraphik-Datenbank Clauss/Slaby)
Fundort antikMogontiacum
Fundort modern Mainz
Fundstelle

„auf dem Kästrich hinter dem Haus Nr.65 in der alten, auf römischen Grundmauern ruhenden Stadtmauer“ (CIL)

Fundumstände„bei Abbruch eines Stückes der alten auf römischen Grundmauern ruhenden Stadtmauer, in der er verbaut war“ (Körber 1907, 32 Nr.13).
Fundjahr1906
VerwahrungMainz, Landesmuseum
InventarnummerS 983
InschriftträgerWeihealtar
MaterialSandstein
Archäologische Klassifikation Griffschale
Kanne
Laubbaum
Rahmen
Reliefschmuck
Zierleiste
Beschreibung Objekt

Der Weihealtar ist stark beschädigt, es sind noch beschlagene Teile des Sockels sowie des Altarkörpers vorhanden. Das Inschriftenfeld ist doppelt gerahmt.

Zustand Objekt größere Fehlstelle/n
MaßeHöhe: 58 cm
Breite: 33 cm
Tiefe: 24 cm
Ikonografie

Die Nebenseiten sind gerahmt, auf der linken Seite befindet sich ein einfach gestalteter Laubbaum, auf der rechten Seite laut lupa eine Kanne und eine Griffschale.

Inschrift

Der obere Rand des Inschriftenfeldes ist nicht erhalten, doch kann aus inhaltlichen Gründen angenommen werden, dass Z.1 auch ursprünglich die erste Zeile war. Der Text füllt das Inschriftenfeld zu Gänze aus. Die unteren beiden Zeilen sind deutlich kleiner, wobei die unterste Zeile nochmals kleiner ist als die vorletzte. Besonders die letzte Zeile weist unregelmäßige Buchstaben auf. In manchen Teilen der Inschrift sind die Buchstaben zum Teil stark abgerieben. Das O am Ende von Z.5 war vermutlich bei der Aufnahme in das CIL noch nicht ausgebrochen.
Die Art der Abkürzungen weicht etwas von dem in Mainz Üblichen ab (so schon Körber 1906).
Zu Ligaturen: s. Majuskelumschrift. – Besondere Zeichen: Z.1 am Ende kleines L; Z.2 am Ende kleines V; Z.3 kleines I in TRIB; Z.4 wie üblich ein waagrechter Strich über der Zahl XXII; Z.8 Sonderzeichen für beneficiarius.

Zustand Inschriftfeldvollständig
Technikgemeißelt
Buchstabenhöhe (cm)1,5–3,0
Kommentar Götternamen

Epona (incl. ev. Varianten):

Sprachlich:
keltisch: ‚Göttliche Stute’ bzw. ‚Pferdegöttin’ (de Bernardo Stempel Corpus F.E.R.C.A.N. II/1 94)
(Hier wird kein sprachwissenschaftlicher Beitrag geleistet. Die Literaturangaben dienen lediglich dazu, einen Einstieg in die sprachwissenschaftliche Diskussion zu bieten. Besprochen werden alle Götternamen, die bislang als keltisch oder teilweise keltisch gedeutet wurden.)

Vorkommen:
Der Göttername ist im Imperium Romanum epigraphisch weit verbreitet belegt und auch in literarischen Quellen gut bezeugt. Neben Belenus und Rhenus ist er der einzige keltische Göttername, der in den literarischen Quellen in mehreren voneinander unabhängigen Stellen erwähnt wird (Hofeneder 2013, 130).

Im Untersuchungsgebiet kommt der Göttername in folgendem theonymischen Formular vor:

Epona (incl. ev. Varianten):
- Germania Inferior: CF-GeI-222(?). Die von Alföldy (1968, Nr.146) für CF-GeI-222(?) vorgeschlagene Ergänzung von EP auf „Eponae“ ist erwägenswert, kann aber keinesfalls als Beleg für die Nennung dieser Göttin gelten.
- Germania Superior: CF-GeS-1001, CF-GeS-1002, CF-GeS-1003, CF-GeS-1005, CF-GeS-1006, CF-GeS-1007, CF-GeS-1084, CF-GeS-1124, CF-GeS-1134

Zur damit angesprochenen Gottheit s. schriftl. Publikation(en)

Kommentar allgemein

Titus Flavius Claudianus: tria nomina

Flavius: italisches Gentilnomen; Gentilnomen der flavischen Kaiser, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 514)

Claudianus: lateinischer Name, Weiterbildung des GNs/Namens Claudius (Kakoschke 2021, CN 840)

T. Flavius Claudianus ist nicht identisch mit dem gleichnamigen Suffektkonsul, M. 3.Jh., in CIL VI 1413 (Weber 1966, 125).

Valerius Tertius: römisches Namensformular ohne Praenomen

Valerius: italisches Gentilnomen, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, GN 1377)

Tertius: lateinischer Name, überall äußerst gängig (Kakoschke 2021, CN 3060)

legio XXII Primigenia Pia Fidelis: Die legio XXII Primigenia erhielt nach dem Scheitern des Saturninus-Aufstandes 89 n.Chr. gemeinsam mit anderen Legionen und Truppenkörpern den Ehrenbeinamen Pia Fidelis Domitiana; letzterer fiel nach der damnatio memoriae Domitians wieder weg. Die Legion wurde 97 n.Chr. von Xanten nach Mainz verlegt, wo sie die nächsten zwei Jahrhunderte verblieb. Zwischen 70/71 und 97 n.Chr. sowie 101/102 bis 106/107 n.Chr. wurden Teile der Truppe für Steinbrucharbeiten im Brohtal eingesetzt (Matijević 2010, 29, 227–233).

Zitiervorschlag CF-GeS-1001, hdl.handle.net/11471/504.50.1001
LizenzCreative Commons BY-NC 4.0
Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NCBild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC


Bild 1: Front, CIL XIII Projekt, CC BY-NC
Bild 2: links, CIL XIII Projekt, CC BY-NC

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Last Update/Current Version: 2024