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Diod. 5,81,1-5

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext ταύτην γὰρ τὴν νῆσον τὸ παλαιὸν ᾤκησε πλείω γένη, πολλῶν μεταναστάσεων ἐν αὐτῇ γενομένων. ἐρήμου γὰρ οὔσης αὐτῆς πρώτους Πελασγοὺς κατασχεῖν αὐτὴν τοιῷδέ τινι τρόπῳ. Ξάνθος ὁ Τριόπου τῶν ἐξ Ἄργους Πελασγῶν βασιλεύων, καὶ κατασχὼν μέρος τι τῆς Λυκίας χώρας, τὸ μὲν πρῶτον ἐν αὐτῇ κατοικῶν ἐβασίλευε τῶν συνακολουθησάντων Πελασγῶν, ὕστερον δὲ περαιωθεὶς εἰς τὴν Λέσβον οὖσαν ἔρημον τὴν μὲν χώραν τοῖς λαοῖς ἐμέρισε, τὴν δὲ νῆσον ἀπὸ τῶν κατοικούντων αὐτὴν Πελασγίαν ὠνόμασε, τὸ πρὸ τοῦ καλουμένην Ἴσσαν. […] μετὰ δὲ ταῦτα Μακαρεὺς εἰς αὐτὴν ἀφικόμενος, καὶ τὸ κάλλος τῆς χώρας κατανοήσας, κατῴκησεν αὐτήν. ἦν δ’ ὁ Μακαρεὺς υἱὸς μὲν Κρινάκου τοῦ Διός, ὥς φησιν Ἡσίοδος καὶ ἄλλοι τινὲς τῶν ποιητῶν, κατοικῶν δ’ ἐν Ὠλένῳ τῆς τότε μὲν Ἰάδος, νῦν δ’ Ἀχαΐας καλουμένης. εἶχε δὲ λαοὺς ἠθροισμένους, τοὺς μὲν Ἴωνας, τοὺς δ’ ἐξ ἄλλων ἐθνῶν παντοδαπῶν συνερρυηκότας. καὶ τὸ μὲν πρῶτον τὴν Λέσβον κατῴκησε, μετὰ δὲ ταῦτα ἀεὶ μᾶλλον αὐξόμενος διά τε τὴν ἀρετὴν τῆς νήσου καὶ τὴν ἰδίαν ἐπιείκειάν τε καὶ δικαιοσύνην τὰς σύνεγγυς νήσους κατεκτᾶτο, καὶ διεμέριζε τὴν χώραν ἔρημον οὖσαν.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 2, Buch V-XII.
Übersetzung Diese Insel [Lesbos] bewohnten in alter Zeit mehrere Volksstämme, da sich dort viele Wanderungen abspielten. Als nämlich die Insel noch unbewohnt war, nahmen sie zuerst die Pelasger und zwar auf folgende Weise in Besitz: Xanthos, der Sohn des Triopas und König der Pelasger in Argos, bemächtigte sich eines Teiles von Lykien, siedelte sich zuerst dort an und herrschte als König über die Pelasger, die sich ihm angeschlossen hatten; doch später setzte er auf die menschenleere Insel Lesbos über und teilte das Land unter den Völkern auf. Dabei gab er der Insel nach ihren Besiedlern den Namen Pelasgia, während sie zuvor Issa geheißen hatte. […] Hierauf kam Makareus auf die Insel, erkannte die Schönheit des Landes und ließ sich dort nieder. Dieser Makareus war der Sohn des Krinakos, der wieder ein Sohn von Zeus war – Hesiod und gewisse andere Dichter berichten davon –, und wohnte zu Olenos, das damals Ias hieß, jetzt aber den Namen Achaia trägt. Die Völker, die er um sich versammelt hatte, waren zum Teil Ionier, zum Teil Leute, die aus anderen Stämmen vielfältiger Art zusammengeströmt waren. Uns zunächst besiedelte er Lesbos, später aber, als seine Macht dank der Fruchbarkeit der Insel und seiner eigenen billigen Denkweise sowie seiner Gerechtigkeit mehr und mehr wuchs, gewann er noch die Nachbarinseln hinzu und verteilte das unbesiedelte Land.
Quelle der ÜbersetzungG. Wirth, O. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 1/II, Buch I-X.
Kommentar Diodor geht hier auf die Siedlungsgeschichte der Insel Lesbos ein. Als erste Siedler gelten ihm die Pelasger, die unter Xanthos kommen. Die Pelasger gelten in der griechischen Antike als prähistorische Einwohner von weiten Teilen Griechenlands, so etwa von Kreta (Diod. 4,60,2; 5,80,1-3; Hom. Od. 19,176; 177) oder Hom. Il. 2,681 und Diod. 5,61,1-3 folgend von Thessalien und Epeiros (vgl. Hom. Il. 16,233), Herodot kennt eine Version, nach der die Aioler einst Pelasger hießen (7,95,1-2). Der hier Lesbos gegebene Name Pelasgia ist nach der ursprüngliche Name ganz Griechenlands (Hdt. 2,56). Xanthos als Oikist der Insel ist, abgesehen von Diodor, nur Hygin (fab. 145) und aus einem Scholion zu Euripides’ Orestes (932) bekannt. Die zweite Besiedlung erfolgt dem Historiographen zufolge unter Makareus, der aus der späteren Landschaft Achaia stammt, welche damals jedoch noch ionische besiedelt ist und ein Teil der Begleiter des Makareus deswegen als Ionier bezeichnet werden. In der Ilias wird ebenfalls eine Verbindung zwischen der Insel und Makareus hergestellt (Hom. Il. 24,544). Eine andere Version sieht Makareus als Sohn des Windgottes Aiolos (vgl. Hom. Od. 10,1-7), während er nach Hymn. Hom. 1,37 von Aiolos, dem Eponymos der Aiolter, gezeugt wurde, was die aiolische Besiedlung Lesbos’ reflektieren könnte.
BelegstellenHom. Il. 24,544; Hygin. fab. 145; Schol. Eur. Or. 932
SchlagwortSiedlungsgeschichte
Geographische ZuordnungLesbos
Ethnische GruppenPelasger, Ionier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.391