Onlineportal Alte Geschichte und Altertumskunde

PDF« zurück

Thuk. 6,84,2-3

TitelGeschichte des Peloponnesischen Krieges
AutorThukydides
Zeitangabe5., 4. Jh.v.Chr.
Originaltext διόπερ καὶ τοὺς Λεοντίνους εὔλογον κατοικίζειν μὴ ὑπηκόους ὥσπερ τοὺς ξυγγενεῖς αὐτῶν τοὺς ἐν Εὐβοίᾳ, ἀλλ’ ὡς δυνατωτάτους, ἵνα ἐκ τῆς σφετέρας ὅμοροι ὄντες τοῖσδε ὑπὲρ ἡμῶν λυπηροὶ ὦσιν. τὰ μὲν γὰρ ἐκεῖ καὶ αὐτοὶ ἀρκοῦμεν πρὸς τοὺς πολεμίους, καὶ ὁ Χαλκιδεύς, ὃν ἀλόγως ἡμᾶς φησὶ δουλωσαμένους τοὺς ἐνθάδε ἐλευθεροῦν, ξύμφορος ἡμῖν ἀπαράσκευος ὢν καὶ χρήματα μόνον φέρων, τὰ δὲ ἐνθάδε καὶ Λεοντῖνοι καὶ οἱ ἄλλοι φίλοι ὅτι μάλιστα αὐτονομούμενοι
Quelle H. S. Jones, J. E. Powell, Thucydidis historiae, Bd. 2, Buch V-VIII.
Übersetzung Darum ist es auch nicht ungereimt, die Leontiner heimzuführen, nicht als Untertanen, wie ihre Stammverwandten in Euboia, sondern so mächtig wie möglich, damit wie aus ihrem eignen Land als Nachbarn den Syrakusanern zu schaffen machen – zu unsrem Vorteil. Denn drüben sind wir alleine stark genug gegen unsere Feinde, und es ist kein Widerspruch, wie er behauptet, den gleichen Stamm drüben zu knechten und hier zu befreien: dort nützen uns die Chalkidier, wenn sie ohne Kriegsmacht nur zinsen, hier aber die Leontiner und andren Freunde durch sogar größte Selbstständigkeit.
Quelle der ÜbersetzungP. Landmann, Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, Bd. 2, Buch V-VIII.
Kommentar Dieses Zitat entstammt den thukydideischen Beschreibungen der Sizilischen Expedition. Nach der Rede des Syrakusaners Hermokrates gegen die Ansinnen der Athener auf Sizilien hält der athenische Gesandte Euphemos eine Rede in Karmania. Dieser betont die gemeinsame Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe als Kriterium für ein Bündnis und entgegnet mit diesen Worten Hermokrates, der dem Athener und seiner Polis die ungleiche Behandlung der anderen Ionier vorgeworfen hat (Thuk. 6,76,2-4). Bei seinen Beschreibungen der Ereignisse vor und während der Sizilianischen Expedition (Buch 6 und 7) spricht Thukydides immer wieder von der Instrumentalisierung von Stammverwandtschaft bei Ioniern/Athenern (vgl. 6,6,1-2; 9,1; 46,2; 50,4; 82,2-3; 84,2-3) wie Dorern/Lakedaimoniern (vgl. 3,86,2; 4,64,3-5; 61,2-4; 6,6,2; 76,2-4; 80,3; 7,5,4; 57,1-58,3), was, wie hier, vor allem in Reden der Protagonisten Ausdruck findet. Wie Diodor betrachtet Thukydides jedoch die Argumentation der Athener, den Leontinern wegen der Verwandtschaft zu helfen, jedoch lediglich als Vorwand (Diod. 12,54,1; Thuk. 6,6,1-2). Eine gemeinsame ethnische Zugehörigkeit zählt auch bei Anaximen. 2,26 = Aristot. rhet. Alex. 1425a als eine legitimierende Maßnahme für militärische Auseinandersetzungen im Allgemeinen.
BelegstellenDiod. 12,53,1; Diod. 12,54,1; Diod. 12,83,1-3; Thuk. 3,86,2-3; Thuk. 4,64,3-4; Thuk. 4,61,2-4; Thuk. 6,6,1-2; Thuk. 6,9,1; Thuk. 6,46,2; Thuk. 6,50,4; Thuk. 6,76,2-4; Thuk. 6,82,2-3; Thuk. 7,5,4; Thuk. 7,57,1-58,3
SchlagwortKriegsbündnis
Geographische ZuordnungSizilien
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.310