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Thuk. 2,15,4

TitelGeschichte des Peloponnesischen Krieges
AutorThukydides
Zeitangabe5., 4. Jh.v.Chr.
Originaltext ᾧ τὰ ἀρχαιότερα Διονύσια [τῇ δωδεκάτῃ] ποιεῖται ἐν μηνὶ Ἀνθεστηριῶνι, ὥσπερ καὶ οἱ ἀπ’ Ἀθηναίων Ἴωνες ἔτι καὶ νῦν νομίζουσιν.
Quelle H. S. Jones, J. E. Powell, Thucydidis historiae, Bd. 1, Buch I-IV.
Übersetzung […] und [das Heiligtum] des Dionysos an den Teichen, dem das ältere Dionysosfest gilt am 12. im Anthesterion, wie es auch bei den aus Athen stammenden Ioniern heute noch Brauch ist.
Quelle der ÜbersetzungP. Landmann, Thukydides: Geschichte des Peloponnesischen Krieges, Bd. 1, Buch I-IV.
Kommentar Nach der Leichenrede des Perikles schildert Thukydides die Umsiedelung der Umwohnenden in die befestigte Stadt Athen. Dies nimmt der Historiograph zum Anlass, eine kurze Siedlungs- und Stadtgeschichte Athens zu zeichnen: Die Akropolis und das südlich darunter gelegene Gebiet bilden die ursprüngliche Stadt, dies lässt sich, so die Sekundärliteratur, anhand der Tatsache nachweisen, dass fast alle Heiligtümer hier zu finden sind. Das Heiligtum des Dionysos an den Teichen dient als ein Beleg hierfür. Mit der Anführung dieser Kultstätte, dem Fest und dem Verweis auf die Ionier untermauert Thukydides seine These der frühen Besiedelung der Akropolis und des umliegendes Gebietes (Vgl. S. Hornblower, A Commentary on Thucydides, Bd. 1, Buch I-III, 267.). Die Ionier gehen der ursprünglichen, pylischen Sagenversion nach, nach ihrer Vertreibung aus Achaia in Richtung Kleinasien, der späteren, unter athenischem Einfluss stehenden nach, finden sie Aufnahme in Athen (so rekonstruiert F. Prinz, Gründungsmythen und Sagenchronologie, 347 den Mythos). Athen erhob ab dem 7. Jh. den Anspruch, Mutterstadt aller Ionier zu sein, wie eine Stelle bei Solon beweist (Sol. 4,1-3 (Gentili / Prato)). Eine Stelle im Ion des Euripides stellt den politischen Primat Athens über die Ionier ganz klar in den Vordergrund: Ion stammt demzufolge von Apollo und Kreusa, einer Athenerin ab: Seine Kinder waren Geleon, Hoples, Argades und Aigikores – nach ihnen werden die vier ionischen Phylen benannt (Eur. Ion 1571-1586).
BelegstellenSol. 4,1-3 (Gentili / Prato); Eur. Ion 1571-1586
SchlagwortHeiligtum, Fest
Geographische ZuordnungAthen, Ionien
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.288