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Diod. 4,67,5-6

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext ὗτοι δ’ ἀνδρωθέντες, στάσεως γενομένης ἐν τῷ Μεταποντίῳ, βίᾳ κατέσχον τὴν βασιλείαν. ὕστερον δὲ τῆς Ἄρνης διενεχθείσης πρὸς Αὐτολύτην τὴν γυναῖκα τοῦ Μεταποντίου, βοηθοῦντες τῇ μητρὶ τὴν Αὐτολύτην ἀνεῖλον. δεινῶς δὲ φέροντος τοῦ Μεταποντίου τὸ συμβεβηκός, πλοῖα παρασκευασάμενοι καὶ τὴν Ἄρνην ἀναλαβόντες ἐξέπλευσαν μετὰ πολλῶν φίλων. Αἰόλος μὲν οὖν τὰς ἐν τῷ Τυρρηνικῷ πελάγει καλουμένας ἀπ’ αὐτοῦ νήσους Αἰολίδας κατέσχε, καὶ πόλιν ἔκτισε τὴν ὀνομαζομένην [ἀπ’ αὐτοῦ] Λιπάραν· Βοιωτὸς δὲ πλεύσας πρὸς Αἰόλον τὸν τῆς Ἄρνης πατέρα, καὶ τεκνωθεὶς ὑπ’ αὐτοῦ, παρέλαβε τῆς Αἰολίδος τὴν βασιλείαν· καὶ τὴν μὲν χώραν ἀπὸ τῆς μητρὸς Ἄρνην, τοὺς δὲ λαοὺς ἀφ’ ἑαυτοῦ Βοιωτοὺς ὠνόμασε.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 1, Buch I-IV.
Übersetzung Als die beiden [Aiolos und Boiotos] zu Männern herangewachsen waren, bemächtigten sie sich gelegentlich eines Aufstandes in Metapontion gewaltsam der Königsherrschaft. Später kam es zwischen Arne und Autolyte, der Frau des Metapontiers [der Arne samt ihrer Kinder angenommen hatte], zu einem Streit, worauf sie ihrer Mutter zur Hilfe kamen und Autolyte töteten. Da die Metapontier sich mit der Tat nicht abfinden konnten, rüsteten sie Schiffe aus, nahmen Arne an Bord und stachen in Beleitung vieler Freunde in See. Aiolos nahm die im Tyrrhenischen Meer gelegenen und nach ihm als die Aiolischen bezeichneten Inseln in Besitz und gründete eine Stadt, die von ihm den Namen Lipara erhielt. Boiotos hingegen fuhr zu Aiolos, dem Vater Arnes, wurde von ihm adoptiert und empfing die Königswürde über die Aiolis. Und er hieß das Land nach seiner Mutter Arne, sie ihm untertänigen Völker aber nach sich Boioter.
Quelle der ÜbersetzungG. Wirth, O. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 1/II, Buch I-X.
Kommentar Diodor beschäftigt sich hier mit Aiolos und seinen Nachkommen selben wie anderen Namens. Die Genealogie wird vom Historiographien folgendermaßen rekonstruiert: Deukalion zeugt Hellen, Hellen zeugt Aiolos, Aiolos zeugt Mimas, Mimas zeugt Hippotes, Hippotes zeugt Aiolos, Aiolos zeugt Arne, die von Poseidon Aiolos und Boiotos empfängt, was ihr Vater nicht Glauben will und sie deswegen einem Metapontier mitgibt, der sie nach Metapontion mitnimmt und gemäß einem Orakelspruch ihre Kinder als seine eigenen annimmt (Diod. 4,67,2-4). Nach dem oben geschilderten sind Arne und ihre Söhne gezwungen, das Land zu verlassen, und während Aiolos zum Eponymos von im Tyrrhenischen Meer gelegenen Inseln wird (vgl. auch Hdt. 7,176,4), kehrt Boitos heim und übernimmt die Königswürde in Thessalien, welches hier als Aiolis bezeichnet wird. Seine Untertanen bezeichnen sich im Folgenden nach ihrem König Boioter. Die Boioter werden nach Thukydides (1,12,3-4) jedoch durch die Thessaler aus ihrer Heimat vertrieben. Die Bezeichnung Thessaliens als Aiolis soll wohl auch auf die beiden zugeschriebene Herkunft aus dieser Landschaft reflektieren. Die in diesem Mythos rekonstruierte Abstammung der Boioter von den Aiolern dient wohl der Erklärung der sprachlichen und kultischen Gemeinsamkeiten der beiden Ethnien (Vgl. S. Hornblower, A Commentary on Thucydides, Bd. 1, Buch I-III, 39).
BelegstellenDiod. 4,67,2-4; Diod. 19,53,6; Hdt. 7,176,4; Thuk. 1,12,3-4
SchlagwortBoiotos, Aiolos, eponymer Heros, Siedlungsgeschichte
Geographische ZuordnungThessalien
Ethnische GruppenAioler, Boioter
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.140