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Diod. 15,79,5

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext οἱ μὲν οὖν συστησάμενοι τὴν πρᾶξιν μετανοήσαντες ἐδήλωσαν τοῖς βοιωτάρχαις τὴν ἐπίθεσιν, προδόντες τοὺς συνομόσαντας, καὶ διὰ τῆς εὐεργεσίας ταύτης ἑαυτοῖς ἐπορίσαντο τὴν σωτηρίαν. τῶν δ’ ἀρχόντων συλλαβόντων τοὺς τῶν Ὀρχομενίων ἱππεῖς καὶ παραγαγόντων εἰς τὴν ἐκκλησίαν, ὁ δῆμος ἐψηφίσατο τούτους μὲν ἀποσφάξαι, τοὺς δ’ Ὀρχομενίους ἐξανδραποδίσασθαι καὶ τὴν πόλιν κατασκάψαι. ἐκ παλαιῶν γὰρ χρόνων οἱ Θηβαῖοι πρὸς τούτους ἀλλοτρίως διέκειντο, δασμοφοροῦντες μὲν τοῖς Μινύαις ἐν τοῖς ἡρωικοῖς χρόνοις, ὕστερον δ’ ὑφ’ Ἡρακλέους ἐλευθερωθέντες.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 3, Buch XIII-XV.
Übersetzung Indessen änderten die Anstifter des Komplottes ihren Sinn, unterrichteten die Boiotarchen von dem Vorhaben und verrieten ihre Mitverschworenen, um durch solchen Dienst ihr eigenes Leben zu retten. Sobald die Behörden die Ritter aus Orchomenos hatten verhaften und vor die Volksversammlung führen lassen, faßte das Volk den Beschluß, die Gefangenen hinzurichten, die Einwohner von Orchomenos aber zu versklaven und ihre Stadt dem Erdboden gleichzumachen. Seit alters her nämlich waren die Thebaner jenen feindlich gesonnen, da sie im heroischen Zeitalter an die Minyer Abgaben hatten entrichten müssen, von denen sie erst später Herakles befreit hatte.
Quelle der ÜbersetzungO. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 4, Buch XIV-XV.
Kommentar Diodor beschreibt hier einen innerboiotischen Konflikte des Jahres 364/363 v.Chr., als die Thebaner Orchomenos zerstören, da Ritter aus Orchomenos verbannte Thebaner, die eine Aristokratie in Theben errichten wollen, unterstützen. Die alte Feindschaft zwischen Orchomenos und Theben wird damit begründet, dass die Thebaner dem früheren, minyischen Orchomenos einst Tribute entrichten mussten. Theben wird dann jedoch von Herakles befreit, während er Orchomenos zerstört. Dieses Vorgehen des Heroen ist darin begründet, dass Amphytrion einst aus Tiryns vertrieben worden ist und in Theben Aufnahme findet. Herakles rächt sich für die Taten der Minyer an den ihm verbundenen Thebanern (vgl. 4,18,7) dadurch, dass er das Land um Orchomenos in einen Sumpf verwandelt und die Stadt dem Erdboden gleichmacht. Im Schiffskatalog der Ilias (2,511) werden die Minyer von Orchomenos noch getrennt voneinander genannt, folgt man Pausanias (4,27,10) gibt es noch in historischer Zeit Minyer in der Stadt.
BelegstellenHom. Il. 2,511-513; Thuk. 4,76,3; Diod. 4,10,3-6
SchlagwortHerrschaftslegitimation
Geographische ZuordnungOrchomenos
Ethnische GruppenMinyer
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.120