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Diod. 13,30,6-7

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext καὶ τί λέγω Μηλίους, οὓϲ ἐκπολιορκήσαντες ἡβηδὸν ἀπέκτειναν, καὶ Σκιωναίους, οἳ συγγενεῖς ὄντες τῆς αὐτῆς Μηλίοις τύχης ἐκοινώνησαν; ὥστε δύο δήμους πρὸς Ἀττικὴν ὀργὴν ἐπταικότας οὐδὲ τοὺς κηδεύσαντας ἔχειν τὰ τῶν τετελευτηκότων σώματα. […] οἱ γὰρ τοῖς οἰκείοις οὕτως ὠμῶς χρησάμενοι τοῖς μηδὲν προσήκουσι βαρυτέραν ἂν ἐξεῦρον τιμωρίαν.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 3, Buch XIII-XV.
Übersetzung Und was soll ich von den Meliern sagen, die sie [die Athener] nach vorausgehender Beratung niederkämpften und deren Bürger sie vom waffenfähigen Alter an ermordeten? Und was von den Skionaiern, die, obwohl mit ihnen blutsverwandt, das gleiche Schicksal wie die Melier teilen mussten? Zwei Völker sind so attischer Raserei zum Opfer gefallen und verfügten nicht einmal mehr über Mitbürger, welche den Leichen der Getöteten die letzte Ehre erweisen konnten! […] Denn Menschen, die mit ihren Verwandten schon derart brutal umgingen, hätten für ein Volk, mit dem keine Blutsbande bestehen, sich sicher eine noch härtere Strafe ausgedacht.
Quelle der ÜbersetzungO. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 3, Buch XI-XIII.
Kommentar Gylippos spricht in Syrakus 414/413 v.Chr. gegen Athen. Er erwähnt dabei das Vorgehen der Athener gegen Melier und Skionaier, wobei zweitere mit den Athenern sogar blutsverwandt sind und trotzdem keine Gnade bei ihnen finden. Skione fällt nach dem Nikias-Frieden 421 v.Chr. Athen zu (Thuk. 5,18,7f.), wird belagert, entvölkert und von Flüchtlingen aus Plataiai neu besiedelt (Thuk. 5,32,1). Die angesprochene Verwandtschaft bezieht sich auf das gemeinsame Ioniertum von Skionaiern und Athenern. Diodor folgt hier der Tradition des Thukydides: Bei seinen Beschreibungen der Ereignisse vor und während der Sizilianischen Expedition spricht Thukydides immer wieder von der Instrumentalisierung von Stammverwandtschaft bei Ioniern/Athenern (vgl. 6,6,1-2; 9,1; 46,2; 50,4; 82,2-3; 84,2-3) wie Dorern/Lakedaimoniern (vgl. 3,86,2; 4,64,3-5; 61,2-4; 6,6,2; 76,2-4; 80,3; 7,5,4; 57,1-58,3), was, wie hier, in erster Linie in den Reden der Protagonisten Ausdruck findet. Wie Diodor betrachtet Thukydides diese Argumentation jedoch oft als Vorwand, so die Begründung der Athener, den Leontinern wegen der Verwandtschaft zu helfen (Diod. 12,54,1; Thuk. 6,6,1-2). Thukydides liefert auch zu dem hier erhobenen Vorwurf, die Athener würden nur vermeintlich ihren Stammesbrüdern – anderen Ioniern – helfen, eine Parallele: Er lässt Hermokrates gegen die Athener sprechen und dabei als Argument das Vorgehen der Athener gegen Chalkis anführen (Thuk. 6,76,2-4).
BelegstellenThuk. 6,76,2-4
SchlagwortKriegsbündnis
Geographische ZuordnungSkione, Melos
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.118