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Diod. 12,83,1-3

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext οἷς συνήργησε ταὐτόματον. Λεοντίνων γὰρ ὑπὸ Συρακοσίων ἐκ τῆς πόλεως μετῳκισμένων καὶ τὴν πόλιν καὶ τὴν χώραν ἀποβεβληκότων, οἱ φυγάδες αὐτῶν συστραφέντες ἔκριναν πάλιν τοὺς Ἀθηναίους προσλαβέσθαι συμμάχους, ὄντας συγγενεῖς. περὶ δὲ τούτων κοινολογησάμενοι τοῖς ἔθνεσιν οἷς συνεφρόνησαν, κοινῇ πρέσβεις ἐξέπεμψαν πρὸς Ἀθηναίους, ἀξιοῦντες μὲν βοηθῆσαι ταῖς πόλεσιν αὐτῶν ἀδικουμέναις, ἐπαγγειλάμενοι δὲ συγκατασκευάσειν αὐτοῖς τὰ κατὰ τὴν Σικελίαν πράγματα. παραγενομένων οὖν εἰς τὰς Ἀθήνας τῶν πρέσβεων, καὶ τῶν μὲν Λεοντίνων τὴν συγγένειαν προφερομένων καὶ τὴν προϋπάρχουσαν συμμαχίαν, τῶν δ’ Ἐγεσταίων ἐπαγγελλομένων χρημάτων τε πλῆθος δώσειν εἰς τὸν πόλεμον καὶ συμμαχήσειν κατὰ τῶν Συρακοσίων, ἔδοξε τοῖς Ἀθηναίοις ἐκπέμψαι τινὰς τῶν ἀρίστων ἀνδρῶν καὶ διασκέψασθαι τὰ κατὰ τὴν νῆσον καὶ τοὺς Ἐγεσταίους.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 2, Buch V-XII.
Übersetzung Die Leontiner waren nämlich von den Syrakusanern aus ihrer Stadt ausgesiedelt worden und hatten so ihre Stadt wie auch ihr Land verloren, doch taten sich diejenigen von ihnen, die in der Verbannung leben mußten, zusammen und beschlossen erneut, die Athener als ihre Blutsverwandten zu Bundesgenossen zu gewinnen. Wegen dieser Angelegenheit nahmen sie Gespräche mit den Egestaiern auf, kamen dabei zu einer Einigung und schickten gemeinsam Gesandte nach Athen mit der Bitte, ihren geschädigten Städten zu helfen; zugeleich versprachen sie, Athen bei der Ordnung der Verhältnisse in Sizilien zu unterstützen. Als nun die Gesandten in Athen eintrafen und die Leontiner die nahe Verwandtschaft und das frühere Bündnis erwähnten, die Egestaier aber eine Menge Geld für die Kriegsführung und die Bundeshilfe gegen die Syrakusaner in Aussicht stellten, beschlossen die Athener, einige ihrer führenden Männer zu entsenden und die Verhältnisse auf der Insel und unter den Egestaiern zu erkunden.
Quelle der ÜbersetzungO. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 3, Buch XI-XIII.
Kommentar Im Vorfeld der Sizilianischen Expedition berichtet Diodor hier über die Gründe der Athener, in Sizilien gegen die Syrakusaner einzugreifen. Von Bedeutung ist dabei das Ioniertum, hier als Verwandtschaft bezeichnet, das Athener und Leontiner verbindet. Bei seinen Beschreibungen der Ereignisse vor und während der Sizilianischen Expedition (Buch 6 und 7) spricht Thukydides immer wieder von der Instrumentalisierung von Stammverwandtschaft bei Ioniern/Athenern (vgl. 6,6,1-2; 9,1; 46,2; 50,4; 82,2-3; 84,2-3) wie Dorern/Lakedaimoniern (vgl. 3,86,2; 4,64,3-5; 61,2-4; 6,6,2; 76,2-4; 80,3; 7,5,4; 57,1-58,3), was, vor allem in Reden der Protagonisten Ausdruck findet. Wie Diodor betrachtet Thukydides jedoch die Argumentation der Athener, den Leontinern wegen der Verwandtschaft zu helfen, jedoch lediglich als Vorwand (Diod. 12,54,1; Thuk. 6,6,1-2). Eine gemeinsame ethnische Zugehörigkeit zählt auch bei Anaximen. 2,26 = Aristot. rhet. Alex. 1425a als eine legitimierende Maßnahme für militärische Auseinandersetzungen im Allgemeinen.
BelegstellenDiod. 12,53,1; Diod. 12,54,1; Thuk. 3,86,2-3; Thuk. 4,64,3-4; Thuk. 4,61,2-4; Thuk. 6,6,1-2; Thuk. 6,9,1; Thuk. 6,46,2; Thuk. 6,50,4; Thuk. 6,76,2-4; Thuk. 6,82,2-3; Thuk. 6,84,2-3; Thuk. 7,5,4 Thuk. 7,57,1-58,3
SchlagwortKriegsbündnis
Geographische ZuordnungSizilien
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.117