Onlineportal Alte Geschichte und Altertumskunde

PDF« zurück

Diod. 12,53,1

TitelBiblioteke
AutorDiodorus Siculus
Zeitangabe1. Jh.v.Chr.
Originaltext ἐπὶ δὲ τούτων κατὰ τὴν Σικελίαν Λεοντῖνοι, Χαλκιδέων μὲν ὄντες ἄποικοι, συγγενεῖς δὲ Ἀθηναίων, ἔτυχον ὑπὸ Συρακοσίων πολεμούμενοι. πιεζόμενοι δὲ τῷ πολέμῳ, καὶ διὰ τὴν ὑπεροχὴν τῶν Συρακοσίων κινδυνεύοντες ἁλῶναι κατὰ κράτος, ἐξέπεμψαν πρέσβεις εἰς τὰς Ἀθήνας, ἀξιοῦντες τὸν δῆμον βοηθῆσαι τὴν ταχίστην καὶ τὴν πόλιν ἑαυτῶν ἐκ τῶν κινδύνων ῥύσασθαι.
Quelle F. Vogel (nach I. Bekker, L. Dindorf), Diodori bibliotheca historica, Bd. 2, Buch V-XII.
Übersetzung In diesem Jahre wurden die Leontiner in Sizilien, Kolonisten aus Chalkis, zugleich aber auch mit den Athenern verwandt, von den Syrakusanern bekriegt. Unter dem Druck der Kriegsnöte und in Sorge, die übermächtigen Syrakusaner möchten ihre Stadt im Sturme nehmen, entboten wie Gesandte nach Athen und baten das Volk, ihnen auf schnellstem Wege Hilfe zu schicken und ihre Stadt aus den drohenden Gefahren zu erretten.
Quelle der ÜbersetzungO. Veh, Diodoros: Griechische Weltgeschichte, Bd. 3, Buch XI-XIII.
Kommentar Diese Erörterungen des Diodor beziehen sich auf Ereignisse des Jahres 427 v.Chr., als die Leontiner bei den Athenern um Hilfe gegen das sie bedrängende Syrakus ansuchen. Dabei bleibt die Verwandtschaft zwischen Athen und Leontinoi, die sich auf das gemeinsame Ioniertum bezieht, nicht unerwähnt. Der Autor nennt hier die gemeinsame ethnische Zugehörigkeit der Leontiner und Athener als Argument für Bündnisse im Krieg und kennt hier wohl Thukydides, der im selben Kontext über das gemeinsame Ioniertum berichtet (3,86,2-3) und auch bei seinen Beschreibungen der Ereignisse vor und während der Sizilianischen Expedition (Buch 6 und 7) immer wieder von der Instrumentalisierung von Stammverwandtschaft bei Ioniern/Athenern (6,6,1-2; 9,1; 46,2; 50,4; 82,2-3; 84,2-3) wie Dorern/Lakedaimoniern (vgl. 3,86,2; 4,64,3-5; 61,2-4; 6,6,2; 76,2-4; 80,3; 7,5,4; 57,1-58,3) spricht, was vor allem in Reden der Protagonisten Ausdruck findet. Beide Historiographen betrachten aber die Argumentation der Athener, den Leontinern wegen der Verwandtschaft zu helfen, jedoch lediglich als Vorwand (Diod. 12,54,1; Thuk. 6,6,1-2). Eine gemeinsame ethnische Zugehörigkeit zählt auch bei Anaximen. 2,26 = Aristot. rhet. Alex. 1425a als eine legitimierende Maßnahme für militärische Auseinandersetzungen im Allgemeinen.
BelegstellenDiod. 12,54,1; Diod. 12,83,1-3; Thuk. 3,86,2-3; Thuk. 4,64,3-4; Thuk. 4,61,2-4; Thuk. 6,6,1-2; Thuk. 6,9,1; Thuk. 6,46,2; Thuk. 6,50,4; Thuk. 6,76,2-4; Thuk. 6,82,2-3; Thuk. 6,84,2-3; Thuk. 7,5,4; Thuk. 7,57,1-58,3
SchlagwortKriegsbündnis
Geographische ZuordnungSizilien
Ethnische GruppenIonier
BearbeiterInAnna Trattner-Handy
Permalinkhttps://gams.uni-graz.at/o:ethnos.114