Quellen zur habsburgisch-osmanischen Diplomatie in der Neuzeit

Die Internuntiatur des Johann Rudolf Schmid zum Schwarzenhorn (1649): Reisebericht, Instruktionen, Korrespondenz, Berichte

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Inhaltsverzeichnis




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1 Wieder zurückerhalten aus der bibliothek des herren kreishauptmanns, freyherrn von Stiebar zu Kröllendorf - in Wien den 14. Novembris 1823. Iohann Leopold Metzger freyherr von Metzburg, kaiserlich-königlicher hofrath,

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Wappen des Johann Georg von Metzburg. Es handelt sich um eine später eingefügte Version des Wappens, denn erst ab 1690 durfte sich das Geschlecht von Metzburg nennen.

Abbildung: Iohannes Georgius von Mezburg.

3 Niederösterreichischer regierungs-, auch bankodeputazions rath, nieder- und oberösterreichischer landtstand 1718.

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4D IV 1

5 Iohann Georg Mezger von Breysgaw

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Scydack: ein kocher
luck: ein bogen
Tschenzi: ein seiten
Meiran: handtheben miten am bogen.

7Nota bene

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  • 1. Iohann Georg von Metzger, patrizier in Freyburg. 1615 +
  • 2. Iohann Georg von Metzger, regiments rath in Freyburg. 1631 +
  • 3. Iohann Georg von Metzger, legationes sekretär in Constantinopel, von kaiser Leopold I. mit rath und bild beschenkt.
  • 4. Iohann Georg Metzger von Metzburg, schreibt 1650 seine reise nach Constantinopel; postmaister und stadthauptmann in Brunn 1697.
  • 5. Carl Ioseph freyherr von Metzburg, 1714.
  • 6. Christoph Augustin freyherr von Metzburg, landrechtssekretär in Gratz, 1735.
  • 7. Franz Leopold freyherr von Metzburg, chargé d`affaires in Neapel, Koppenhagen, Dresden, + 1789.
  • 8. Iohann Leopold Metzger freyherr von Metzburg, kaiserlich königlicher hofrath 1815, vizepräsident des general rechnungs direktoriums; 2. Iaenner 1828.
  • 9. Heinrich Metzger freyherr von Metzburg, unterlieutenant bey prinz Friedrich von Sachsen cuirassiers, 1. Octobris 1827.
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  • 4. Diplom kaiser Leopold I. vom 11. Maii 1690.
  • 8. Diplom kaiser Carl VI. vom 24. Dezembris 1714.
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    Eingelegte, zeitgenössische Landkarte (Teile Süd- und Osteuropas, vorderer Orient, Teile Nordafrikas, Arabien).

    Abbildung: Turcicium Imperium. Türckische Reych. Concordia res parvae crescunt, discordia maximae dilabuntur.

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    Itinerarium oder rayß beschreibung von Wien in Österreich nach Constantinopel.

    11Darin werden beschriben die durchgerayste länder, stätt, vestungen, schlößer, märck unnd dörffer unnd deren inwohnenden völckher, arth unnd tracht, auch die audientzen, visitationes der pottschafter sambt anderen vihlen denckhwürdigen sachen.

    12In drey underschidliche thail außgethailt unnd mit etlichen abgerißnen figuren geziert. Beschriben und zusammengetragen durch

    13Iohann Georg Metzger von Breysach auß dem Breyßgau, iuris utriusque studiosum, anno salutis 1650 etc.

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    Vorrede ahn den guetherzigen leßer

    14Eß trinckhet die studierende iugendt dißen bekhandten schual versicul gleichsam mit ihrer muedtermilch ein:

    15 Non cuivis homini contingit adire Corinthum.

    16Daß ist:
    Nicht iedem widerfahrt die gnad, Corinthum zu beschauen die stadt.

    17Weilen nunmehr welt khündig, das die iugendt neues zuesagen oder zuhören, vilmehr aber zusehen ganz begirig ist, unnd etliche gleichsam von der natur in fern gelegne provinzen unnd länder zureißen angetriben werden. Iedoch thuet solcher begirligkheit theils gewaltsamen inhalt:

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    18Erstlich longinquitas, die ferne oder der örther abgelegenheit. Eß thuet auch anders theils ein inhalt, sumptuositas, der sehr großen unkosten, der in dem reyßen nothwendig mueß spendiert unnd auffgewendt werden. Wie es dan ohne gelt zuereißen ein armseelig ding ist, unnd man einem in der frembde nichts oder gar wenig umbsonst gibt. Zum dritten, so kombt auch darzu periculositas, die große unnd eußerste gefahr, darein sich ein raißiger mensch begibt, unnd sonderlich auf den reyßen außer der christenheit, da unzahlbare gefahren zuebeobachten. Dahero manches edles unnd iunges blueth frisch unnd gesund hinwegreißet unnd darnach etwan in einem brieff nach hauß geschickht wirdt, welcher etwan durch ein kranckheit oder anderen zuestandt zuerückh verbleibt unnd under den - unpaginiert -

    grausammen Türckhen sein iunges edles leben ohne einige christliche hilff müehseelig enden mueß. In massen dan wir in allen nach Constantinopel verrichten reyßen genuegsame exempel haben.

    19Die weilen nun dem also, unnd nicht alle reyßen können (in betrachtung der berueff underschidlich ist), gleichwohl gern von der Türckhen arth unnd manier wissenschafft hetten, hab ich etlichen meinen gueten freünden unnd bekhandten – ihnen mein guetherziges gemüeth zu erzeigen – etwas von dißer verrichten reyß anzudeiten nit underlaßen wollen. Anderen aber habe ich solches, denen so hineinzureißen künfftig begehren, für einen wegweißer oder spiegel vorgestehlt, damit sye sich darin ersehen unnd bey dem unstöthen meer das wanckhelmüetige glückh unnd menschliche leben betrachten.

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    20Dahero dan bey allen rechtverständigen unnd tugendtliebenden leüthen das vornemben der ienigen lobenswerth ist, welche nicht allein lust unnd liebe zu den tugendten unnd erfahrung haben, sonderen auch ihren lust unnd geneigten willen im werckh erzeigen unnd also erfahrung unnd lehrnes halb in ferne länder sich begeben, mit fernen reyßen sich etwas versuechen, gefährligkheit leibs unnd lebens außstehn unnd sich daran nicht laßen verhinderen unnd darzu ihrem glückhspil sich dapffer üben. Darumb wirdt auch Aneas seiner volbrachten reyß halben, die er von Troia, in Asia gelegen, in Italiam gethan, von Virgilio sehr beriembt:
    Multum ille terris iactatus et alto mari. Er habe sich zu waßer unnd landt wol versuecht.

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    21Also müeßen auch verständige leüth bekhennen, das es ein große gab Gottes sey, das einer sich in frembden länderen mit reyßen etwas versueche, damit er khünftig Godt dem allmachtigen unnd dem vadterlandt dienen könne. In maßen dem vil vortreffliche leüth der wanderschafft mit ihrem aignen exempel ein ansehen gemacht, deren reyßen zumahl in der heiligen unnd anderer schrifft aufgezeichnet sein. Alß da ist die wanderschafft der nachkömlingen Noe unnd seiner söhn. Dieselbe seind die ganze welt durchwandert, wie auch der vadter Abraham, der neben anderen reyßen auf Memphis, welches man iezund Cairo oder Alchabier nennet, gereist. Deßgleichen haben auch die zwölff apostel, sambt dem apostel Paulo, die ganze welt oder doch die vor - unpaginiert -

    nembste königreich durchreyst, alß Palestinam, Scythiam, Syriam, Arabiam, Aßyriam, Persiam, Indiam, Graeciam, Aegiptum, Italiam, Hispaniam unnd andere mehr länder etc.

    22Neben anderen vilen list man auch von dem kayßer Aelio Adriano, daß er die ganze welt, etwas zu lehrnen unnd zu erfahren, durchwandert habe, unnd zwar mit bloßem haubt. Item von Christophoro Columbo, daß er die Neue Welt erfunden habe etc.

    23So ich dan von nuezbarkheit der wanderschafft soll sagen, da wirdt abermahl ein ieder leichtlich erachten können, das die wanderschafft nicht ein unnüz, sonderen ein vast nuzliches ding seye. So woll edlen alß unedlen, reichen unnd armen, gelehrten unnd ungelehrten, - unpaginiert -

    also das ihrer vil in frembdten landen zue großer authoritet unnd ansehen gelangt, welicher man zuvor zuehauß wenig oder für gar nichts geachtet.

    24Zu deme sihet unnd höret man in einem landt nicht alles, aber an vilen orthen sihet unnd höret man vil, das ihme unnd dem vadterlandt einer mitler zeit zum nuzen schaffen kan.

    25Eß lehrnet einer in dißen ferne reyßen sich in die welt schickhen, welches man auch zwar dahaimb bey den eltern oder lehrmaistern lehrnet, aber es gehet etwan schwerlich ein, waß dieselben sagen unnd lehren. Da gehört alßdan die erfahrnus unnd weltschual darzu. Von den ungeübten unnd dahaimb erzognen leüthen sagen die Griechen also: - unpaginiert -

    Ουτε γλιουτε ουτε υετas. Daß ist, er ist nie weder in hiz noch in regen geweßen. Unnd waß man solchen leüthen von gefehrligkheit sagt, das wirdt von ihnen nichts geacht: dulce enim bellum inexpertis. Unnd die raißende sich mehrentheil mit des Virgilii verß trösten: O passi graviora dabit deus his quoque finem forsan et haec olim meminisse iuvabit, eß solle einer in keiner trüebsal verzagen, Gott werde solches enden unnd solches werde mitlerzeit einen erfreuen. Acti enim labores iucundi et qui latuit bene vixit.

    26Eß bleibt auch nicht auß die betrachtung der selzamen wunderwerckh Gottes, der tugendt unnd laster, vilerley recht, sazung, ordnung unnd gebreüch, item wie man sich im fridensstandt unnd hergegen in kriegszeiten halten soll. - unpaginiert -

    Man sicht auch, waß tyranney unnd rechtmäßige obrigkheit seye.

    27Weilen ich nun vor anderthalben iahren auch ein reyß von Wien nacher Constantinopel unnd mit der hilff Gottes volgents wiederumb herauß glückhlich volbracht, also habe ich, waß ich auf dißer reyß absonderliches, denckhwirdiges gesehen, gehört unnd erfahren, schrifftlich verfast und dis geringe gegenwertige itinerarium auff daß treülichest dem leßer zu einer recreation an tag geben unnd beschriben geben. Wien, den 20. Martii im iahr 1650 etc.

    28Dienstwilliger Iohann Mezger iuris utriusque studiosus von Breysach etc.

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    Portrait des Johann Rudolph Schmid zum Schwarzenhorn.

    Abbildung: Ihr gnaden, herren internuntii bildtnuß.
    Text im Bild: Io. Rudolph Schmid a Schwarzenhorn, S.S.C.C. ac R.R.M.M. Fer. II. et III. per an. ad Port. Ottom. residentis munere funct., con. bel. sylvaru., inf. Aust. praefectus. Et sonitu vocat ad sylvas et lumine ducit. Elias Widemann, scul[?]

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    Das erste buech, darinnen die rayß von Wien nach Constantinopel ausfüehrlich und etwaß weitleüffiges beschriben wirdt.

    30 Alß sultan Ibrahim Hann, türckhischer kayser, wegen seines unordenlichen geführten regiments erwürgt oder stranguliert worden, unnd auch kurz zuvor der ksl. resident in Constantinopel, Alexander Greiffenclau von Volrath, durch einen gehlingen fahl von dem pferdt an dem schlag oder gewalt Godtes verschiden, unnd die regierung bey dem ottomannischen hoff schlechtlich bestehlt ware, theils - 2 -

    wegen des strangulierten kayßers, theils wegen des venetianischen kriegs, dahero erwarteten sye von ihr römisch ksl. Mt. einen internuntium, weilen sye vorlengst vernomben, das einer hinnein geschickht werden solte unnd ob deßen ankhunfft die Türckhen ein schlechte meinung gehabt, dieweilen aniezo kein ksl. resident an der Porten, seind sye ihm zweiffel gestanden, weil in Teutschlandt ein algemeiner frid geschloßen unnd der mit ihnen geschloßne fridt sich auch nur auf ein kleinen termin erstreckhte, man wolle mit ihnen falsche practica auffrichten unnd mit den Venetianeren conspirieren. Darumben sye dan sehr einen internuntium verlangten, von deme den grund unnd beschaffenheit durch ein cathegorische - 3 -

    zu vernemben, ob der römische kayßer mit dem türckhischen kayßer den friden weiters zu prolongieren oder denselben auffzuheben willens wäre, damit sich ein ieder theil mit praeparatoriis desto beßer fürsehen köndte.

    31Ist derowegen endtlich der wolledl gebohren unnd gestrenng herr Iohan Rudolph Schmid zum Schwarzenhorn, ihr röm. ksl. Mt. hoffkriegs rath, ein zwar zimlich alt, doch verständiger unnd scharffsinniger herr, der über 15 iahr zu Constantinopel ksl. resident geweßen, zu einem internuntio, alß einer der türckhischen sprach unnd breüch erfahrner, erwöhlt unnd erclärt worden.

    32Man spargierte länger alß ein ganzes iahr von dißer internunciatur, bis endtlichen ein wirckhlicher effect ervolgt ist.

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    33Gemelter herr internuntius, nach empfangner von ihro römisch ksl. Mt. instruction unnd befelch, tathe er zu dißer reyß nothwendig gehöriger mitel fürsehung. Name auch auf underschidliche persohnen, die er zue dißer reiß tauglich zu sein vermeinte. Da wurde ich auch, weilen hochlöblicher internuntius mir etlich iahr hero wol bekhandt unnd gewogen ware, für einen seiner aufwarter aufgenommen. Sonderlich aber war ich angenemb, weilen ich mich auß bewöglichen motiven selbsten auf mein spesa mit kleideren außzumundieren versprochen.

    34Nach wenig verfloßnen tagen wurden alle übrige zu der reyß geherige nothurfften fertig gemacht unnd bestermaßen zuegericht, dan keiner wolte der lezte - 5 -

    sein, das unß doch das reyßen wegen großer kälte unnd anderen molestien genug worden, wan wir schon nicht so sehr darnach gestrebt unnd getracht hedten.

    35Eß waren auch anfänckhlich, dan wir zu waßer fort solten, die schiff zuberaith. Dißes aber ist theils wegen langsamer expedition, theils wegen gehling gefrorner Tonau rueckhstellig worden, das wir endtlich zu landt fortgereist.

    Verzaichnus der ienigen hoch- und niderstandts persohnen, die sich in dißer ahnsehnlichen compagnia der constantinopolitanischen reyß befunden haben etc.
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    36Erstlichen

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  • + Ihr gnaden, herr internuntius Iohann Rudolph Schmidt zum Schwarzen Horn etc., ihr römisch ksl. Mt. würckhlicher hoffkriegs rath, ksl. abgesandter an die ottomanische Porten, von Stein am Rhein auß dem Schweizerland gebürtig.
  • + 2 Herr Simon Reninger, aniezo ihr römisch ksl. Mt. resident in Constantinopl auß der Stairmarckh.
  • + 3 Herr Franz Henrich Ferdinandt Vischer von unnd zue Ramperstorff, landtman in Khärndten, herren internuntii stieffsohn von Wien, iuris utriusque studiosus.
  • + 4 Herr Iohann Friderich Mezger, iuris utriusque doctor, hoffmeister unnd secretarius von Freyburg auß Breyßgaw.
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  • + 5 Reverendus pater Marcellus N. ordinis minorum sancti Francisci, italianischer secretarius auß Italia.
  • + 6 Reverendus pater Bartholomaeus N. ordinis sancti Ioannis dei, caplan auß der Steürmarckh.
  • + 7 Herr Iohan Baptista Correll Paniotti, dolmätsch von Alepo auß Arabia, in Asia ligendt.
  • + 8 Herr Iohann Wilhelmb Egidius von Lobenstein von Wien.
  • + 9 Herr Iohann Wilhelmb Hirsch von Hirschfeldt, stalmeister von Olmiz aus Mähren.
  • + 10 Herr Henrich Schrader, kuchelmeister von Oßnabruckh auß Weschphalen iuris utriusque studiosus.
  • + 11 Herr Andreas de Thomasis, adellicher auffwarther auß Tyrol, iuris utriusque studiosus, ist unfern Constantinopel bey Aly Bekaii ertrunckhen.
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  • + 12 Herr Iohann Grillo von Constantinopel.
  • + 13 Herr Michael de Paulo, ksl. currier, wagenmeister auß Crabaten.
  • + 14 Herr Franz Kuniß, mundtschenkh von Wien, iuris utriusque studiosus, ist hernach obrist laitnant worden.
  • + 15 Herr Iohann Ieremias Orth, auffwarther von Franckhfurt am Mayn.
  • + 16 Herr Adamus Ferchtel, auffwarter, ein Österreicher.
  • + 17 Iohann Georg Mezger, auffwarther, wagen- unnd kuchelschreiber von Breysach, iuris utriusque studiosus.
  • + 18 Herr Martinus Donckha, apodeckher von Lübben auß Nider Laußniz.
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  • + 19 Herr Iohann Bartholme Leßer, des herrn residenten schreiber von Wien, ist zue Brueckh an der Leita todt geschlagen worden.
  • 20 Herr Iohan Ehrlinger, trombeter, ein Österreicher.
  • 21 Herr Michael Cotniza, trombeter, ein Österreicher.
  • + 22 Herr Johann Maindl, cammerdiener auß der Pfalz, zue [? Belege]rstorff gestorben.
  • + 23 Herr Iohann Iacob Wurm, cammerdiener auß dem bistumb Aystadt, ist ksl. salz versilberer in Wien worden.
  • + 24 Bernhardt Kolb, daffeldeckher auß dem Franckhenlandt.
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  • 25 Andreas Mtsch, klein uhrmacher von Preßlaw in Schleßien.
  • 26 Iohann Marhoffer, bader auß Schwaben.
  • 27 Georg N., gemeiner auffwarther auß Böhaimb.
  • 28 Christoff Elber, des curriers diener, sonsten buechbinder von Hall in Tyrolen.
  • 29 Dominicus Harnickh, einkhauffer von Constantinopel.
  • + 30 Carl Leder, mundtkoch von Bone auß Franckhreich.
  • 31 Hannß Hann, underkoch auß der Pfalz.
  • 32 Iacob Schaffer, reithschmidt auß Österreich.
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  • 33 Zepherin N., des dolmatschen diener auß Sclavonia.
  • 34 Philip, kucheliung auß der Steirmarckh.
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    Die stahl parthey

  • 35 Wenzel Saur, reithknecht von Olmiz auß Mähren.
  • 36 Georg Hölman, leibguzer auß Schleßien.
  • 37 Pedter Roßenbühler, vorreiter auß der Steiermarckh.
  • 38 Mathias N., miteliung auß der Steirmarckh.
  • 39

    In dem anderen zug

  • 39 Paul Unfrid Gutschin, Aystädter.
  • 40 Andreas Holtzel, vorreiter auß Österreich , dißer ist ein Türckh worden.
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  • 41 Augustin Zindt, miteliung auß dem Schweizerlandt.
  • 42 Paul N. ein schneider auß Crain, dißer ist zu Ofen kranckh worden unnd zuruckh geschickht worden etc.
  • 40 Anno 1648, den 27. Decembris, haben wir in unseren angethanen türckhischen klayderen bey ihr ksl. Mt. audientz erlangt unnd volgents darauf valediciert. Zu deme herr internuntius nach hoff geridten, den wir in ansehnlicher compagnia beglaitet biß in die ritterstuben, da nicht mehr dan 14 in ihr ksl. Mt. zimmer eingelaßen wurden. Darunder ich mich auch befunden. Die übrige muesten biß nach vollendter verrichtung sich in der ritterstuben getulden. - 13 -

    Demnach herr internuntius mit ihr ksl. Mt. etlich wenig wort vorgebracht, hat er darauf die valediction genommen unnd dem römischen kayßer die hand gegeben unnd geküst. Deme wir auch einer nach dem anderen nachgevolgt, unnd nach gegebnen händen, gethanen fueßfahl unnd reverentz ist ihr gnaden, [und sind] wir samentlich abgetreten unnd haben den herrn internuntium in voriger ordnung widerumb nach hauß beglaitet.

    41Eben den 27. Decembris ist herrn internuntii cammerdiener, Constantin N.+, auß Griechenlandt nicht weit von Troia gebürtig, wegen etlich zue nacht angefangenen rageler in ein duel gerathen unnd von einem - 14 -

    leitenant in der Kharnerstraß erstochen worden. Diß war unser erstes unglückh.

    42Den 28., 29. unnd andere tag valedicierte herr internutius der römischen kayßerin Mariae Leopoldinae +, aniezo froelichen gedächtnus, welche unß anschauend vexierischer weiß teutsche Türckhen genandt.

    43Volgents name er auch uhrlaub von der verwittibten kayßerin Leonora, herzogin von Mantua, weiland Ferdinandi II. gemahl, unnd von herzog Nicola von Lothringen, von ihr päbstlichen heilligkheit unnd venetianischen legaten, von Philippo Friderico, episcopo viennensi, sambt anderen vornemben fürsten, graffen unnd herren, denen er, herr internuntius, valediciert unnd sich ihnen nach mügligkheit recommendiert hat. Wir durcheinander valedicierten unseren fräunden unnd bekhandten unnd nahmen von ihnen auch uhrlaub. Begaben unß - 15 -

    mehrentheil auf St. Margrethen, so ein kleines, nechst bey der stadt gelegnes schlößel, herren internuntio gehörig. Andere begaben sich außer der stadt in die wirzheüßer unnd machten dem neuen iahr ein guten anfang.

    44Anno 1649, den 2. Ianuarii, seind wir zeitlich zu Margreten auf den landtgutschen wägen, die umb gelt unß, unnd zur reiß notwendig sachen, biß auf Raab zuführen bestelt waren, aufgebrochen unnd auf den traidtmarckh vor dem Khärtner Thor ein zeit lang stilgehalten; alda unsere trombeter etliche feldtstükhel zue gueter lez geblaßen. Darnach marschierten wir mit völliger caravanna der Schwechet zue, da wir herrn internuntium, der sich selbige nacht wichtiger geschäfften halber in der stadt aufgehalten, erwarten müeßten.

    45Underdeßen haben unser vier umb unser gelt ein guet mittag mahl zurichten - 16 -

    laßen, unnd einer den anderen treu und hilff auf der reyß zuleisten versprochen.

    46 Bruck an der Leyta Baldt darauf kame herr internuntius mit etlichen herren, die ihn beglaiteten, darunder auch etliche, die ihren mitreißenden bekhandten zu valedicieren mitgerithen. Unnd nach beederseits vollendtem valete seind wir in großer kälte frisch darvon gefahren unnd dißen abent auf Bruckh, an dem fluß Leitta gelegen, kommen; in der vorstadt in zwey wirzheüßer einquatiert worden etc.

    47Die herren unnd rath der stadt Bruckh verehreten dem herrn internuntius nach ihrem brauch etlich kantal vol gueten wein, deßen wir etlich auch zimlich genoßen. Die reyß unnd erste nachtläger ließen sich noch wol ahn.

    48Neben anderen reutheren lagen auch hier einquatiert etliche trombeter, die ihrer gnaden zu einem neuen iahr etliche feldstückhel geblaßen. Die seind mit einem trinckhgelt, aber nicht nach ihrem contento, begabet worden.

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    49Bruckh an der Leita ist ein sehr zwar kleine, doch woll erbaute stadt, an Ungaren grenzendt, da der fluß Leita vorbey flüest unnd Österreich von Ungaren scheidet.

    50Die inwohner des Unger landts betreffend seind sye sonsten streitbahre leüth, von persohn lang unnd starckh, den Teütschen nicht hold, sonderen wanckhelmietig unnd aigennuzig, welcher aigene nuzen sye mehrentheils umb ihr land und volckh gebracht.

    51Ungerisch Altenburg Den 3. Ianuarii in dem ersten ungerischen quartier zu ungerischen Altenburg angelangt unnd seind wegen großer kälte schier erstahret, dan unser gröstes verlangen nichts anders alß ein warme stuben war, die wir dan auch bekamen. Alhier ist ab einem wagen die capel trugen, darin auf 80 thaler werth, durch der wachter unfleiß unnd vorsichtigkeit eines dieben nächtlicher weil gestohlen worden. Da hat das sibendte gebodt ein endt gehabt. Solche trugen seind - 18 -

    wir auch nicht ehender biß zu Raab ihrgangen.

    52Raab Den 4. Ianuarii kamen wir auf Raab, alda wir in underschidliche quartier aufgetheilt wurden. Herr internuntius aber verblibe schier die ganze zeit bey ihr excellentz, graf Philipp von Manßfeldt, in dem schönen, alda weßenden großen schloß, welcher herrn internuntio 3 gefangne Türckhen, dieselbe dem bassa zu Ofen zu praesentieren, mitgeben, almaßen dan auch bey der ersten audientz beschehen. Hier haben wir die wägen abgeladen unnd die verlohrne trugen wargenommen. Alßdan haben wir bey den patres Iesuiten andere, zur meß nothwendige requisita entlehnet, damit wir in unserem gottsdienst nit verhindert wurden.

    53Mitten auf dem plaz zu Raab haben wir gesehen ein tieff gewölb under der erden. Darin die gefangne Türckhen an eißen geschmidt verwahrt worden. Über das gewölb ist ein dickh eißen gädter, - 19 -

    dardurch ein wenig liecht in das gewölb hinunder fählt, und durch dißes die gefangne ihren auß unnd eingang haben. Im übrigen ist es, gleich einer großen tieffen grueben, grausam anzuschauen. Man gibt auch ihnen täglich ihr depudat oder portion durch das gädter herein, welches einer auf einer laiter empfangt, dan sye wegen der tieffe anders nit alß auf laitern herauf kommen mögen. Das gäter ist mit starckhen schlößeren verschloßen und zu mehrerer versicherung ein schiltwacht darbey. Under tags werden sye zu allerley notürfftiger handtarbeit gebraucht, zur nacht aber widerumb flaißig durch einen kärckhermaister eingespert. Ihr eßen ist nichts anders alß ein rauchbrodt undt waßer. Ebenfahls oder noch ärger pflegen die Türckhen die gefangne Christen zutractiren etc.

    54Den 5. Ianuarii stilgelegen und die stadt hin und wider besichtiget etc.

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    55Den 6. Ianuarii, nach dem wir widerumb mit wägen versehen worden, seind wir von Raab aufgebrochen und Atscha auf Atscha kommen, so ein gehuldigtes dorff. Das ist, sye müeßen so wohl den Ungaren alß Türckhen contribuiren und werden die inwohner so wohl im feldt oder ackherbau alß zu hauß beederseits ungehindert und sicher paßiert. Hier waren unser etlich bey einem bauren, der lateinisch redte, einquatiert und woll von ihm tractiert worden.

    56Mutzan
    Dottes
    Den 7. Ianuarii seindt wir durch Mutzan auf Dottes in underschidliche heißer einquatiert worden. Da kame ich widerumb zu einem bauren in das quatier, der lateinisch redte und mich nach ihrem brauch genugsam tractiert hate. Lestlich hat er ein ungerisch confect hergetragen, das ist zwiffel und knobloch. Vermeint, er habe mir ein große gnad erwißen, welches ich dan auch mit danckh angenomen - 21 -

    undt seinen gueten willen für das werckh erkhandt. Hier wechßelten wir widerumb umb mit den wägen. Diße verdrißliche müeh name zu Raab ihren anfang undt wehrete biß nacher Griechisch Weißenburg, dan wir schier täglich die wägen umbladen muesten etc.

    57Unser etlich seindt auch in das alda weßende veste schloß gangen, biß ganz in die höhe, da wir ein lustig und weit außsehen gehabt etc.

    58Dotteserwaldt Den 8. Ianuarii seindt wir zeitlich aufgebrochen und durch den Tottißerwaldt, so sehr groß, marschiert. Bitzke Schier zu ende deßelben kam der aga von Tschaimbeckh, mit ungefehr 100 pferden und fliegenden fahnen begegnet, und volgents nach Bitkhe convoiert. Die türckhischen reüter führen ein lange copi oder stängel, ein busigan, pfeil undt bogen, bißweilen auch pistolen und carbiner. Seind auch mit scackhan, säblen und anderen gewehren wol mundiert. Etliche haben auch underschidlicher wilder thier heüt auf dem ruckhen gebunden.

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    59Unser zugegeben ungerische convoi müeste beyseits halten, die loschierten nechst bey Offen in einem gehuldigten dorff und seindt des anderen tags ungehindert widerumb zuruckh auf Tottes geridten.

    60Nun waren wir albereit in der Türckhen gewalt und die selzame und unbekhandte convoi kame unß wunderbarlich vor. In deme sye unß empfangen und in ihr gewalt genommen, ist einem gleichsam ein stich in das herz gangen, da wir die Christen also verlassen müeßen und die Türckhen annemben müeßen. Unser etlich beisamen vermeinten nicht anderst, alß es werde unser leben gelten. Seind derohalben, unß zu wahren, resolvirt geweßen etc.

    61 Battie Den 9. Ianuarii seindt wir zeitlich zu Battia, in einem dorff nechst bey Offen, angelangt. Alda unser etlich bey einem bauren, so lateinisch redte, einquatiert worden. Dan in allen orthen, dardurch wir bißhero in - 23 -

    Ungaren gerayst, kundte schier ein ieder baur, welches mich hochverwundert, lateinisch reden. Zwar schlechtlich genug, das man es kaum verstehn kan. Weiters hinunder und auch in ganz Orient ist die lateinische sprach ganz unbekhandt, außgenomen etlicher gefangener oder verlaugneter Christen. Im ubrigen ist sye ganz unbreüchlich, also, das einer in ganz Türkei mit der lateinischen sprach kein bißel brodt bedtlen khöndte und müeste darmit hungers sterben. Gehet derohalben die lateinische sprach nit durch die ganze welt, wie man bey den schuelen in Teutschlandt sagt, dan iezund ist es ein andere zeit. Aber vorzeiten ist die lateinische sprach in der ganzen welt bekhandt geweßen. Da die Römer mit ihrem regiment und herrschafft und sprach, so lateinisch war, zugleich sich in der ganzen welt außgebrait haben, dahero ein große veränderung geschehen und das Römische Reich stunde - 24 -

    damahlen noch aufrecht, welches iezund undt auch vorlengst durch untreüe leüth und unglückhselligen krieg in großen schaden und ruin gerathen.

    62Ofen Den 10. Ianuarii seindt wür ein viertel meil wegs von Ofen durch 12 chiausen in namen des vesiers empfangen, alda einbeglaitet in die vorstadt, loschiert undt baldt hernacher durch andere chiausen mit underschidlichen victualien regalieret worden.

    63Baldt hernach kamen etliche türckhische musicanten ihr gnaden zu gratulieren, die spilten in underschidlichen instrumenten.

    64Erstlich hatte einer ein meßinge trombeten, die man kan zerlegen und in ein ander steckhen, der ander ein schalmayen, ein anderer kleine herbauckhen, ein feldttrumel, zimlich groß. Da schlagt der drumel schlager mit der rechten handt mit einem dolpischen schlegel auf den oberen boden, mit der linckhen mit einem - unpaginiert -


    Die eingelegte Darstellung zeigt einen Kupferstich der Stadt Ofen im Jahr 1598. Die linke Hälfte der Darstellung ist auf der Kopie nicht sichtbar.

    Abbildung: Gründlicher abriß der küniglichen stadt Offen wie die von mittag von den christlichen kriegsheer belägert unnd beschossen gewesen, anno Domini 1598 iar.
    Text im Bild: A. die kristliche pfarkirch. B. kunigliche burgh. C. S. Erhards berg. D. ain theil von der understadt, aingenomen den 10. October. E. die Iuden porten in der obr stadt. F. Allt Offen und das ganze lager. G. H. Peczen lager. H. warme beder, Aswerus Rosnberger, paumaster.
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    Die kleine Zeichnung zeigt acht osmanische Musikanten und deren Instrumente.

    Text im Bild: A. Ein cithara, unserer nicht ungleich. B. Ein runden deckhel wie ein sib oder reutter. C. Ein silperne schalmayen. D. Ein trummel. E. Zwey kleine zugespizte drumlen, welche sye anstath der herbaukhen brauchen. F. Ein meßinge trombeten, die man kan von ein ander legen. G. Zwo meßinge blatten, so groß alß ein rund thäller, wie ein weiber huetel, oben auf 2 ring daran mans halt. H. Ein kleine geigen mit einem kleinen bauch unnd langen halß, wie ein kochlöffel.
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    Die Zeichnung zeigt im Vordergrund einen Janitscharen. Im Hintergrund sind Tiere zu sehen: Löwe, Bär, Fuchs und Hahn.

    Abbildung: Ein ianitschar, so bey der audientz oder sonst vor dem vesier stehet.

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     kleinen stäblein an den underen. Item zwey meßinge blat wie ein däller, die schlagen sye auf einander, welches uberdiemaßen laut klingt. Solche instrumenta gebrauchen sye auch in den feldtzügen, hochzeiten und anderen hohen fästägen.

    65Die music hat zwar nichts lieblichs in sich, doch vermeinen sye, es sey uberdiemaßen schön, so es nur laut klinge und in einem kriegszug das ganze feldt darvon erschalle.

    66Eß blaßen oder spilen zwen oder drey einerley instrumenten miteinander, das man wegen großen getöß keinen distincte oder recht hören kan. Sie moderieren die stim gar selten, sonderen fahren alweil in einer leiren forth, wie auß den gegenwertigen musicalischen noten abzunemmen ist.

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    Hier sind in der unteren Blatthälfte Musiknoten zu sehen.


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    68 Treiben diß ohne weitere enderung der stim, allein, das sye geschwinder blasen, wan ein tripel oder fuga kombt.

    69Sonsten haben sye andere instrumenta, deren sye zu hauß oder auch auf der gaßen gebrauchen: Eines ist einer ziteren nit gar ungleich, das ander hat ein langen halß und kleinen bauchen, wie ein kochlöffel, das ist ihr discant; sye haben auch ein beirisch instrument wie ein hackbreth etc.

    70Die stadt Ofen oder Buda in Under Ungaren ist vordißem der königen in Ungaren residentz stadt geweßen. Deren namen Buda betreffendt wollen etliche, das solche von des königs Attilae bruder, der Buda geheißen, seye entweder erbaut oder restauriert worden. Theils nennen sye Sicambriam und sagen, das die Sicambri, ein teutsches volckh, so den Römern in dißem landt gedient, hier ihr winterläger gehabt und alßdan die stadt erbaut haben. Andere aber sagen, es seye nit diß Ofen, sondern Altofen Sicambria geweßen.

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    71In der vortstadt gibt es etliche von natur gesunde, warme bäder, welche wol erbaut sein. Dieselbe hat Mustaffa Bassa köstlich mit quaderstückhen aufführen, mit bley und glößen kolben zum einfallenden liecht bedeckhen und erneueren laßen, durch einen vortrefflichen, weitberüembten werckhmeister auß Asia, den er hirher, diß gebay aufzuführen, rueffen laßen etc.

    72Wo diß von natur heiße waßer entspringt, seindt auch heiße fisch wayer oder teicht darbey, in welchen fisch und frösch geboren werden und darin herumb schwimmen. So man solche fisch fangt und in ein kaltes waßer legt, stehn sye gleich ab. Diß bezeugt auch Georgius Wernherus de admirandis Hungariae aquis. Und geschicht solches wegen der kalten natur, so ihnen zuwider ist; und so man ein fisch auß dem kalten waßer in diß warm gethan wirdt, stehet er glaichfahls ab.

    73Gleich gegen Ofen hiniber ligt die stadt - 28 -

    Pest Pest. Diße, wie etliche wollen, ist von den Pestanis militibus zur zeit der römischen regierung erbaut worden. In einer halben stundt kan man von Ofen uber ein schiffbruckh, die auf 63 zillen oder schiffen ligt, nach Pest gehen.

    74 Den 12. dito ist ihr gnaden zur publica audienza zu dem vesier durch etlich chiausen abgeholt worden. Und alß wir den berg hinauf durch die statporten zu des vesiers behaußung kommen, stunden vor und in dem hoff zu beederseits vil ianitscharen. Oben auf, in einem offnen saal, stunden ungefehr auf der ein seitn 25 vornember Türckhen mit ser großen federbuschen; auf der anderen stunden underschidliche befelhshaber mit capen, darauf etliche federlein, wie es sonsten auch die Unger tragen. Baldt darauf kame der vesier in einem großen bundt mit etlich seiner officier. Den empfieng undt salutierte auf das freindlichste herr internuntius. In dißer occasion hat der vesier, so ein großer, gravitetischer mann, türckhischem gebrauch - 29 -

    nach sein pracht undt hoffart ansehnlich erscheinen laßen. Nach etlichen vorgebrachten complementen ubergabe man ihme, vesier, die praesent, so von köstlichen uhrwerckh und silber geschmeidt geweßen. Und wir wurden nach türckhischem brauch mit cave und scherbet, nebens außtheilung etlich wenig cahftan, regaliert.

    75Den 13. dito haben wir unß in dem badt gewaschen und den türckhischen badt ceremonien mit verwunderung zugeschaut, darvon am blat weiter gemeldt wirdt.

    76Altofen Den 17. dito ist ihr gnaden sambt unser etlich auf Alt Ofen gefahren, da noch die alten rudera Sicambria erscheinen und ihr gnaden von einem ihme bekhandten Türckhen zum mittagmahl geladen worden. Diß orth, Alt Ofen, wirdt mehrentheil von Christen der evangelischen religion bewohnt etc.

    77Im zuruckh fahren, alß wir underwegs abgestigen und bey der Thonaw etwas aufgehalten, hat mich unversehens ein roß geschlagen, das ich schier das aufstehen vergeßen hab. Ist aber baldt widerumb vergangen und beßer worden.

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    78Die ubrigen tag, da wir stilgelegen, waren wir in unseren eingegebnen quartieren frölich, spilten für die langeweil, das etlichen der beitel zu kurz worden, dan es wolte sich ein ieder, das er frisch gelt hatte, sehen laßen und keiner dem andern waß nachgeben. Wir spilten derowegen frisch fort, das etlich auch das auf die rayß mitgenomne gelt, mit dem selben willens ihren bekhandten etwas in Türckhei einzukauffen und hinauß zu bringen, mehrentheils verspilt haben, daran ich auch ein theil gewohnen und des anderen schaden genoßen, dan wagen gewint unnd verliehrt etc.

    79Einer von Wien gebürtig, deßen namen ich ehrenthalben verschweige, hate sein gelt gänzlich und völliglich durch die karten gevütert und von anderen vernommen, das in Türckhey kein solche kälte wie in Teutschlandt seye und über 2 tag reiß von hier unß keines frosts mehr zubesorgen haben. Darauf er sein bett verkaufft, und mit dem darauß gelesten gelt sein fortuna weiters - 31 -

    im spilen zuesuchen; auch inerhalb einer stund ganz und gar verspilt und wäre darnach schier erfroren, wan man ihm nit widerumb ein bet oder koyen gekaufft hete.

    80Eß waren auch schon etliche muedter söhnlein des reißens miedt und vermeinten, sye weren der welt schier ein endt; die wolten auch widerumb zuruckh. Die wir aber beradt, das sye sich mitzureißen resolvirt haben, dan es ihnen nicht nach ihrem intent ergangen und anfenckhlich nichts leiden wolten, da doch endtlich etlich mit brüglen und mauldaschen seindt außgezahlt worden. Und wer weiß, wie es mir ergangen ist etc.

    81Weilen wir etlich tag zu Ofen verharet, verlangten wir widerumb weiters zuraißen, dan die lange auffenthaltung kurze beitel gemacht und eines sein nuz, des anderen aber schad geweßen.

    82Seind den 21. Ianuarii auffgebrochen. Underwegs neben vil alten - 32 -

    Iuro kirchen und zerstörten schlößeren vorbaßiert und unser nachtlager zu Iuro in einem schlechten orth genomen.

    83Percat Den 22. Ianuarii früe aufgebrochen und zu abents auf Percat kommen, da die heußer alle under der erden und man von weitem nichts alß strohäuffen sicht, daran man ein dorff abnemen kan. Sonsten wurde man es nicht leichtlich warnemen. So weit einer ein hauß haben wil, macht er ein so tieffe gruben in erden, alßdan legt er ungeformbte brügel oder tram dariber. Darauf legt er die erden, das es ein wenig hoch, das ein solches dorff einem catholischen freithoff gleich sichet. Das camin, so mit widen geflochten und mit laim bestrichen, gehet 4 oder 5 spang vor die erdt herauß. Alßo wan einer einen auß dem hauß rueffen will, gehet er nicht zu der thür hinein, sonderen zu dem camin und ruefft ihn herauß, dan solche heißer selten - 33 -

    mit zimren underschiden seindt. Eß seind auch [? oft] oben auf 2 kleine löcher an stat der fenster, dardurch das liecht in das hauß fählt. Und alweil wir dageweßen, haben die gänß und schwein zu den fensteren hineingeschaut, welches unß vast lächerlich fürkommen. Die thüren seind gar klein und mueß einer in meherentheil heißeren durch ein langen, finsteren, engen gang under der erden ganz buckhelt hinein gehn und welcher nicht wol acht gibt, bekombt ein manchen kopff stoß; die kleinen thürel und lange, enge gäng machen sye darumb, damit, wan die ungarische oder türckhische parteyen kommen, sye ihnen die pferdt nit in die häußer stehllen können. Unser köch haben offtermahlen auf solchen heißeren gekocht und wir darauf herumb geloffen.

    84 Sentiwan Den 23. dito seindt wir nach Sentiwan kommen, da ebenfahls die häußer under der erden wie im vorigen dorff. - 34 -

    Und in dem hauß stuben, kammer, kuchel alles eins ist; und so etwan ein wand, welche doch selten in einem hauß zu finden ist, ist die selbe mit weiden geflochten und mit laim bestrichen. Miten in das hauß oder hitten, wo gemeinthlich das camin ist, machen sye ein feur zue ebner erdt, darbey sizt man, weib und kinder sich zu wärmen. Ich bin auch hereingangen, aber der rauckhen hat mich gleich widerumb herauß getriben.

    85Die inwohner haben auch keine mühlen, sonderen zerreiben das traidt in einem außgehaunen stain; nemens alßdan sambt der kleiben, weilen es nit beitelt wirdt, gießen ein warm waßer daran, legen den taig gleich darauf in ein topff, sezen denselben auf ein gluet, darauf legen sye heiße aschen, laßens also, biß ihnen vermeint genug zu sein, backen. - 35 -

    Ist rundt wie ein fleckhen oder kuchen, sehr sper, daß einem schier im halß bleibt steckhen, sueß und kracht under den zänten, alß wan einer sandt im maul hette.

    86Dengoliza Den 24. seindt wir zu Dengoliza angelangt. Alda unß vor dem dorff ein baur begegnete, der sein hauß auf dem schlitten geführt, dan sye etlich pflegen winterszeit in der dörffern zu wohnen. Gegen dem sommer hinauß, wan es zeit ist, die äckher und wißen zubauen, begeben sye sich (deren güeter weit von einem dorf) alßdan zu den selben, und verharen den ganzen somer alda mit weib und kindt und vich, biß sye das hey, traid und andere angebaute erdt gewächß eingebracht. Sein gemeltes hauß, so er auf dem schliten geführt, ware von widen zusamen gebunden und mit laim bestrichen. Daß sezen sye nider, bedeckhens mit stroh, damit sye von dem regen beschirmbt werden.

    - 36 -

    87Hier seind auch mehrentheil häußer under der erden. Unversehens, da wir fortgewolt, ist durch verwahrlosung eines stal iungen ein brunst im stahl aufgangen, darinnen ihr gnaden vornembste pferdt wahren. Da etliche glaich hinein, den pferdten die strickh undt halffteren abgeschniten und herauß geführt, ist doch endtlich widerumb alles gelöst worden; des weiters kein großer schad entstanden ist etc.

    88Sichciar Den 25. Ianuarii marschierten wir starckh forth. Kamen in ein stätl, Sichciar genandt. Die gelegenheit darumb ist uberdiemaßen schön und fruchtbar und mit lauter baum gärten umbgeben. Wirdt mehrentheil von Türckhen bewohnet und war diß die erste carabansarai, hann oder offentliche herberg, so wir angetroffen; und hinfiro in iedem vornemben orth oder moschkea solche offne herbergen, doch eine stadtlicher alß die andere gebaut, anzutreffen sein. Darin kheret ein ieder - 37 -

    frembtling, er sey zu roß oder fueß, dan es gibt keine wirzheüßer in Türckhey wie in Teutschlandt. Diße herbergen seindt lähr. Darin kein wirth ist, der den gästen, wie bey unß breüchig, etwas zu eßen oder trinckhen gibt. Der gast findt weiters nichts, alß daß er von dem regen und windt verwahret ist. Darumb führet vast ein ieder reißiger sein madrazen und deckh mit sich. Hey und gersten findt einer umb ein billichen pfening zu kauffen. Wil er darinnen selbst kochen, so seind in der herberg camin genug alda, kan einer die rohen speißen kochen und sich, so es kalt ist, zumahl darbey währmen. Holz findt einer genug, aber das umb 2 asper, dan man wägt das holz nach dem pfund wie bey unß das fleisch. Käßel und schißel führet vast ein ieder raißiger mit sich, zum theil auch proviant, weilen man in vilen dörfferen so gar umb das gelt - 38 -

    nichts bekhommen khan. Solche carabansarai seind auch ordentlich nach den tag reißen außgetheilt, daß ein reißender alle abent ein solche herberg erreichen kan. Inwendig an allen seiten an den wänden herumb ist ein gemeür eines halben manß hoch, ungefehr 2 schriet brait, darauf auch die camin nach einander herumb, darauf ist und ligt der gast. In der miten stehen die pferdt und wägen. Die haben weder baren noch stroh, freßen das hey von der erden. Die gersten füetert man an stat des habernen; die freßen sye auß einem sackhel, darister genant, daß man ihnen an den kopff hängt etc.

    89 Mohatsch Den 26. kamen wir zeitlich in das stadtel Mohaz, alda die unglückhhafftige schlacht anno 1526, den 29. Augusti, geschach. Der könig Ludovicus zug dem türckhischen kayßer Solimann, der 200.000 man starckh, mit 25.000 - 39 -

    zu roß und fueß entgegen. Da gienge daß treffen an und kam zu einer offentlichen feldtschlacht. Der Soliman behielt daß feldt und hat vil 1.000 erschlagen. König Ludwig versucht sein heil mit der flucht, wolte durch daß waßer Carassum sezen, darin sein pferdt besteckhen bliben, gabe er demselben die sporen, darauf es sich gestürzt und den könig, so mit schwerem harnisch angethan, ertrugt, und ist also elendiglich umbkommen etc.

    90Eß seind in dißer schlacht so wohl im treffen alß in der flucht oder nachsezen 10.000 zu pferdt und ungefehr 12.000 zu fueß und auß dem adel bey 500, so fürnemb und beriembt geweßen, und darüber vast alle bischöff, sambt dem erzbischoff Ladislav zu Gran, umbkhomben. Den kgl. körper aber hat Dorothea Canisiana laßen in ein große gruben begraben. Praesantissimae indolis atque ingenii princeps ac omnibus corporis et animi datibus insignis.

    91Hier haben wir 50 lebendige hächten umb ein thaller gekaufft etc.

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    92 Esseg Den 27. Ianuarii seind wir zu Eßeg angelangt, so ein stätel mit einer balanca umbgeben, an dem fluß Trab, welcher darnach baldt in die Thonaw fählt. Diß orth halt Lazius für ein römische coloniam und daß sye vorzeiten Mursa geheißen hab.

    93Alda seind wir sambt den wägen uber die Trab in bleten oder schiffen gefahren, weilen kürzlich der stoß oder grundt eyß die schiff, darauf die bruckhen gestanden, ruiniert hatt.

    94 Anno 1529, alß kayßer Soliman von vergebner vorgenomner belägerung der stadt Wien zurueckh kam, hat er diß orth eingenommen, und weilen es ihm so wol gelegen, ein besazung hinein gelegt. Esseger bruckh Hier ist ein sehr lange brueckhen, ein herliches künstlich und denckh wirdiges werckh, so ein teutsche meil lang.

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    95Wolkowar Den 28. Ianuarii seind wir zu Wolkowar ankhommen in ein schönen marckh, da ein schön schloß in der höhe an der Thonaw gelegen. Diß orth wirdt auch von mehren theil Türckhen bewohnet und in schene gelegenheit darbey. Nit weit darvon ist vor zeiten die stadt Ezechien gelegen.

    96Tavernick Den 29. Ianuarii seind wir auf Tavernick kommen, alda wir etlich den Türckhen in ihrer meßgit, in verrichtung ihres gebets, zugeschaut, welches unß selzam fürkhamb.

    97Mitrowiz Den 30. dito zu Mitrowitz angelangt, alda herren internuntium ein inwohnerin oder beürin mit waizen bestrohet, damit anzudeiten, gleich wie der waizen under den frichten oder traid die edelste ist, und vor allen andern geehrt und gelobt wird, also soll er auch geehrt, gelobt und an reichtumb undt tugenten zunemmen.

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    98Colubinz oder Semlin Den 31. Ianuarii kamen wir auf Colubintz oder Traubendorff, alda in einer balanca unser nachtlager gehabt. Alhier haben die bauren, so unß geführt, ihnen warm zu machen einen danz angestelt. Sye schrenkhten die arm wunderbarlich durcheinander, gehn also in einem ring herumb, tretten undt stampffen hart mit den füeßen auf die erden; einer singt ein selzame melodey vor, die anderen volgen im nach etc.

    99Sav Flus Den 1. Februarii, so ein uberdiemaßen kalter tag, kamen wir an den fluß Sav und volgents hiniber nach Belgrad oder Griechisch Weißenburg. Bellgrad Da ihr gnad gleich ein schiff oder nassada zugeschickht worden, darauf hiniber zu fahren, da ihr gnaden von caimecan nebens einer anzahl der ianitscharen mit fliegenden fahnen gleich am ufer freindtlich empfangen und von dem caimecan selbst durch die stadt in unser losament be - 43 -

    glait worden.
    Die vornembere ianitscharen haten auf den achßlen luxen, tigerthier, leoparden, lewen und anderer rauberischen thierheüt herunder hengen, damit ihr freudig gemieth anzeigendt; auch ein streich darmit aufzufangen und dem feindt mit solchen lezen belzen ein forcht einzuiagen. Solches haben auch, wie Herodotus sagt, die Etiopen im brauch gehabt. Also haben auch die Scythae ihren uberwundenen feinden die heüt abgezogen, und den pferdten zur zierdt an den zaum gehengt und darmit also gebrangt; undt Hercules auch ein lebenhaut getragen etc.

    100 Die stadt Griechisch Weißenburg, Alba Graeca, Belgradum, Taururum und ungerisch Landerfevrwar, Nandoralba, ist vorzeiten ein beriembte stadt geweßen, deren Plinius und Antoninus gedenckhen. Ligt an der spizen, da der fluß Sav oder Savus in die Thona fählt. Die stat ist sehr groß, deren ein thail, wie auch das schloß, auf - 44 -

    einer höchen ligt. Auf der anderen seiten flüest die Thonaw [?] vorüber, auß dißer der fluß Sav. Alhier ist ein schönes kaufhauß oder türckhisch besasten genandt, mit herlichen gewölbten gängen, wie bey unß ein creyz gang in einer kirchen, darin allerhandt sachen umb ein billichen werth zubekommen. Deßgleichen ist die ganze statt mehrentheils mit kauffleuthen besezt und underschidliche nationes darinen wohnhafft. Sizen alß Türckhen, Griechen, Iuden, Unger, Dalmatier, Raguseer und andere. Kein besazung ist darinen, weilen sye sich vor unß Christen nichts zubefürchten haben. Alhier wirdt durch den fluß Sav das königreich Ungaren geendet und fangt sich an Servia.

    101Den anderen Februarii bin ich zu dem waßer hinunder auf die wägen zuschauen commandirt worden, dan - 45 -

    wegen gehling eingefallner nacht den vorigen tag alle hiniber zuführen unmöglich war. Nachdem alles hiniber geführt, hat man die trugen durch biffal ochßen, deren eß alda vil gibt, in unser quatier führen laßen. Die biffel ochßen seind vil größer alß andere ochßen, ganz schwarz und haben nicht viel har. Seind auch an den hörneren und kopff den anderen ochßen ungleich etc.

    102Den 3. Februarii seind wir in die alda in der stadt gelegne catholische kirchen, Sancti Blasii, meß zuhören, gangen. Und wirdt solches catholisches exercitium den Christen hier und in andern mehr orthen in Türckhey zugelaßen, dan vil Christen und kauffleuth von Ragusa sich hier aufhalten.

    103Montes Transilvaniae Hier hat man unß von ferne gezeigt die große weiße berg in Sibenbirgen und das orth, da vorzeiten die weitberiembte und künstliche brückh des kayßer Traiani geweßen. Pons Traiani

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    104 Den 4. Februarii hat ihr gnaden den caimecan oder oberisten in Griechisch Weißenburg zu einem ansehnlichen panquet geladen. Der sich also heiffig mit wein angefiehlt, daß er nimer nacher hauß reiten, sondern von seinen dieneren haimb getragen worden. Daß weintrinckhen ist ihnen in ihrem alcoran oder glauben verbodten, wie bey unß catholischen am Sambstag und Fraitag das fleisch eßen; doch ubertreten etlich Türckhen ihr gebott, aber nicht vil gefunden werden, die wein trinckhen. Er hat auch seine musicanten, ein geiger, zitar schlager und andren aufspilen laßen. Da haben die sach so lieblich gemacht und darunder geschrien und gesungen, daß einem die ohren darvon wehegethan.

    105Hier hat unser müeh wegen auf und abladung der wägen ein endt genommen, dan wir empfiengen - 47 -

    andere, die biß nacher Constantinopel mit unß zufahren bestehlt waren. Die seind mit däckhen (von linden rohr gemacht) bogenweiß bedegt worden, damit wir und die sachen vor dem regen bewahret wurden etc.

    106Wir haben auch hier wegen großer kälte unß mit belzen versehen, den das belzfuedter hier ser wolfeil ist etc.

    107Isartschick in Servia Den 6. zu Belgrad aufgebrochen und gegen abent nach Isarschickh oder Klein Schloß kommen. Da wir erstlich ein camel gesehen, welches mir, weil ich keines nie ansichtig geweßen, selzam fürkamb. Die Thonaw seind wir auch hinfiro nicht mehr biß zu unserer zurückkunfft ansichtig worden.

    108Den 7. Februarii, an einem Sontag, ist ihr gnaden, deme der bader mit einer latern geleucht, in allerfrüe meß zu hören gangen, dan er nit im hann, sondern in der balanca accomodiert wurde. - 48 -

    Da giengen ihren zwen, ihr gnaden aufzuwarten, und sachen vor fern ihren zwen daher gehn. Das ware ihr gnaden und der bader, so geleicht hat. Die andern zwen sachen ihr gnaden für den camerdiener an, verstegten sich derowegen in willens, den vermeinten cammerdiener und bader vexatior weiß zu erschreckhen. In deme nun ihr gnaden härzu nahete, sprangen die 2 herfür auf ihr gnaden, den sye den camerdiener zu sein vermeinten, und haben ihn schwer in den schne nidergestoßen. Darauf ihr gnaden hefftig erschrockhen, und die andren 2 auch gesehen, das ihnen ihr scherziges schräckhen übel außgangen, welche ihr gnaden an den kleideren gleich erkhandt und solche haben etliche ehrentitel scilicet darvon getragen. Ist also darmit außgericht geweßen und weiter nichts darvon geredt worden.

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    109Hassan Bassa Balanca Den 7. Februarii seind wir auf Hassan Bassa Balancasi in ein stätel kommen. Da seindt under unß und dem kuchelmeister hendel entstanden, weilen er unß etlich mahlen mit essen schlechtlich tractiren laßen und nit des herrn internuntii, sondern des kuchelmeisters schuldt geweßen.

    110Den 8. Februarii seind wir zu Baticina angelangt, da sich widerumb ragelen zwischen dem herrn stalmaister undt kuchelmeister, der sich mit niemans vertragen köndte, begeben haben. Da ich fridt machen wollen und die besten stöß darvon tragen, wie dan mehrentheil geschicht. Undt weilen die Türckhen unß zuefriden ließen, thaten wir einander vexiren. Dahero schreibt auch Cornelius Tacitus von den Teutschen also, sye leiden nicht, daß sye frid haben, ehe fühlen sye einanderen selbst in die har. Ingrata genti quies.

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    111Iagodna Den 9. Februarii seindt wir zu Iagodna, in ein schönen offnen marckh oder städtlein, ankommen, da ein schener hann und 2 große kirchen mit bley bedegt; auch ein schön bad mit marmorstein geziert.

    112Hier hat ihr gnaden ein alter Türckh zu einer iaußen oder abentmahl geladen. Der war vorzeiten des sultan Murats gewesten kayßers musicant und weilen er den kayßer mit seinem gesang offtenmahl recreirt und erlustiget, hat er ihme, musicanten, zu einer recompens diße hauß und hoff verehrt. Der hat auch etliche türckhische lieder, ihr gnaden zugefallen, gesungen.

    113Morava Fluvius Den 10. Februarii seind wir zeitlich in großer kälte an dem fluß Mur oder Morava kommen, der nit mer alß 3 finger dickh uberfrohren geweßen. Da man die roß und wägen mit großer gefahr uber das eiß gebracht und auf den abent zu Barakin ankommen.Barakin

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    114Alexinza Den 11. seind wir zu Alexinza in eine schöne carabansarai einquatiert worden.

    115Den 12. seind wir auf Nissa kommen. Nyssa
    Soldan Murat oder Amurath, der erste diß namens und 3te nach der ordnung türckhischer kayßer, ein sohn Orchanes und enckhel des Osmans alß stiffter dißer monarchi, hat diße statt von Lazaro, fürsten in Servia, 1386 erobert und alßo die Türckhen 322 iahr beseßen.
    An dem fluß Nissa oder Nissava, so Serviam von Bulgaria scheidet, gelegen. Diß ist vorzeiten die haubtstadt in Servia geweßen. Alhier, nach gemeiner rechnung, sol der halbe weeg zwischen Wien undt Constantinopel sein etc.

    116Auß der alten zerfallnen stadtmauern und gewölberen under der erden ist abzunemmen, das es ein vornembe stadt etwan müeße gewest sein.

    117Eß ist auch die gelegenheit dis orths ser lustig und hat diße vordißen weitberiembte stadt ein ansehen wie ein offner fleckhen.

    118Den 13. stilgelegen, damit sich die pferdt wegen starckher rayß etwas erhollen und rasten möchten. Da komen etlich Zigeiner mit iung und alten bären, spileten auf einer mit pergament uberzognen reiter, die alß ein trummel lautete, und sangen - 52 -

    darzu. Die bären danzten, ringten mit den mannern, so sye geführt, undt warffen sye zu boden und triben allerlay kurzweillige boßen. Darfür sie mit einem trinckhgelt regaliert worden.

    119Servia Den 14. seindt wir über ein brückhen, darunder der fluß Nissa flüest, gefahren, und in Bulgariam kommen. Darin wir ungefer ein meil gereist, haben wir das gebürg Haemum, Montes Haemi so ser hoch und spizig, darauf vorzeiten könig Xerxes auß Persia gestigen, daselbst auf der hohe des gebürgs sein volckh, Xerxes so ungefehr 10.000 man starckh, gewest, und in thal randevous gehalten, angeschaut. Weinend diße wordt geredt: mir ist laid, daß über 100 iahr keiner mehr auß dißem volckh leben solle.

    120Caritschesme oder Husain Basa Balanca Auf den abent kamen wir auf Curitschesme oder Hussain Bassa Balanca, dan die namen der dörffer, stadt etc., werden bißweilen verändert, das sich iezt einer in den alten authoribus und landtafflen oder mappen kaum mehr erkhennen kann.

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    121 Auf der bruckhen zue Nissa seind zwo marmorsteinerne tafflen an eißernen clamern aufgericht, in welchen türckhisch denotirt, so auf teitsch alßo interpretiret wirdt.

    122Im ersten marmorstein: Der vezier Mehmet Bassa, da er zum commando gegen Ofen passirte und allhier bey dießen flueß arrivierte, sehend, daß die brueckhen gäntzlich ruinirt und dardurch die raißende mit großer difficultat dießes wasser passirt, und dahero caimican zue der hisigen porthen wieder kommen, hat er auß Gottes lieb dießen brückhen bau angefangen, und selbigen in iahr Mochamets 1028, daß ist anno Christi 1617, versetzt.

    123Ein ieder, der darüber passiren und Gott vor den stiffter bietten wird, wird leichtlich darüber kommen, welches auß furbiett des fürsten aller propheten gehen würd.

    124 Auff dem andern marmorstein ist zue leßen: - unpaginiert -


    Die Zeichnung zeigt vier bulgarische Frauen.


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    Auß barmherzigkeit und freygebigkeit hat der Mahomet Bassa auß lieb Gottes dießen brucken bau angefangen, welches ein unvergleichliche und stärkste brucken worden ist, worüber die reichen und armen frühe und spatt gehen können. Gott wolle annehmen dießes werckh des wohlthätters, und gabe ihm ein überflußigen lohn.

    125O Hachim (daß ist der nahm des poeten), welcher dießen chronographischen vers auff diße stamm gemacht:

    126(Nischde dschißi Mehmed Bassa): die bruckhen des Mehmed Bassa bey Nissa.

    127 Nota bene: Auß den buchstaben des obigen türckhischen vers ist das türckische 1028 iahr abzunehmen.

    - 53 -

    128Dan die Türckhen oder vornembe bassa, die in solchem dorff wohnen und etwas darin erbauen oder erneuren laßen, mueß es alßdan auß ihrem befelch von den inwohnern seinen namen, wie er gehaißen, annemben. Hier ist ein extraordinari schöne neue carabansarai oder offne herberg und treffliche antiquiteten in stein eingehauen.

    129Hier haben wir auch gesehen die selzame trachten der bulgarischen weib und mans persohnen. Waß iunckhfrauen seind, haben vil pfaben fedren, runde spiegel und ander sache[n] haben sye auf dem kopff. Auch ein grosen buschen roßhar, so schen aufgethailt und subtil in etlich underschidliche kleine zepfflein geflochten, das hängt über den ruckhen herunder biß auf die waden, daran hanckhen gelbe raitpfening, underschidlich geferbt, glaß spiegelscherben und andere scheinende sachen für ein zier daran haben, ob es schon schlecht ist. An den ohren, vornen auf den brüsten oder umb den halß und auf der scheitel haben sie allerlei meßing, auch was ein wenig etwas - 54 -

    vornembs, silberne geltsorten dickh aufeinander herunder hangen. Darmit brangen sie und will ein iede ihr reichtumb sehen laßen. Die weiber tragen langleinwole diecher uber den kopff, auch mit solchen geltsorten und armband, aber nit so reichlich wie die iunckhfrauen gezieret. Sie haben schier nichts am leib alß ein leinwat grob hemmet oder rockh, das ist mit underschidlichen farben reichlich außgemacht. Das halten sye auch für ein große zierdt. Die mann und bißweilen die weiber tragen grobe graue oder weiße zottente klayder. Diße iunckhfrauen seind auch etlich überdiemaßen schön von leibsgestalt und betragen sich in eßen und trinckhen ellendiglich. Und werden under dißen noch etliche gefunden, die auß den vornembsten griechischen stammen herrühren und auch von königlichen geschlechteren herkomen. Diße werden dan einem groben bauren dölpel verheürath. Da sye doch von leibsgestalt so schön und zart, das ich mich ser darob verwundert.

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    130
    Die Zeichnung zeigt zwei bulgarische Männer, ein Kind und eine Frau.


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    131
    Die Zeichnung zeigt eine bulgarische Frau im Vordergrund, im Hintergrund sind ein Vogel und Hügel zu sehen.

    Abbildung: Ein weibsbildt in Bulgaria.

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    132
    Die beiden Bildteile zeigen bulgarische Männer und Frauen. Die Zeichnung teilt sich in eine obere und eine untere Hälfte.

    Abbildung: Bulgarische weib unnd manß persohnen.

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    133Sye reden gleich wie die Servianer und Raizen die illyrische sprach.

    134Den 15. Februarii wegen tieffen schnes stilgelegen.

    135Pirota Den 16. dito, nach außgestandnem beßen weg durch das gebürg, seind wir zu Pirota oder Scharque angelangt. Alda wir unseren faßnacht tag zwar schlechtlich, doch vertreülich undereinander celebriert. Ein Türckhin kame zu ihr gnaden, deme sye weinendt geklagt, wie das ihre 2 noch iunge söhn wider die Venetianer zubringen gezwungen worden undt von den selben erschlagen worden.

    136Diß orth, Pirota, war des berüembten königs Pyrhi, der Epyrothen residentzstadt, eine von natur herliche und schene gelegenheit.

    137 Tragomanli oder Tragoman Den 17. dito zu Tragomanli oder Dolmätsch in ein schöne hann einquatiert und auß dem rauhen gebürg erlediget worden.

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    138Wir traffen auch alda ahn ein von stein gepflasterte landstraß, die zimlicher maßen alters halb in abgang kommen. Bißweilen last sie sich 2 oder 3 meil nacheinander sehen, bißweilen verliehrt sye sich widerumb. Man sagt, Attila der hunnenkönig hab solche zu einer gedächtnuß machen laßen. Andere sagen, ein ungarischer könig habe eines griechischen kayßers dochter zur ehe genomen und darmit sye desto füeglicher khöndten zusammen kommen, haben beyde herren solche straß machen laßen. gepflasterte landstraß Der anfang sol zu Ofen, das endt aber zu Constantinopel geweßen sein etc.

    139Hayd vor Sophia Den 18. Februarii seind wir zeitlich aufgebrochen und auf die Sophianer Heiden kommen, welche überdiemaßen groß und schen anzusehen ist. Darauf vil bergel und hügel. Ein viertel meil von dero stadt, da ist ihr gnaden vom caimecan - 57 -

    selbst und Messetin Ahemet Aga, so mit dem Isdenksi zu Regenspurg gewest, freindtlich empfangen und biß in unser losament beglait worden.

    140Soffia Eß ist sonst dis Soffia ein beriembte kauffmans oders gewärbs stadt und das haubt in Bulgaria, an dem fluß Ischia, an einem lustigen orth gelegen. Ist vorzeiten der Treballorum haubtstat geweßen und Tibisca genendt worden. Hat auch keine ringmauren. Under dißem caimecan oder Ahemet Aga seindt vil sangiai und ein gueter theil der türckhischen reiterey in Europa, weilen darin dis orth vast miten zwischen den türckischen provincen ligt etc.

    141Hier hab ich einen gefangnen studenten, der vor wenig iahren zu Padua medicinae studierte, angetroffen. Der hat mir geklagt, das er gar streng, weilen er den christlichen glauben nit verleugnen wolle, gehalten werde und mueste sich iezund für einen gemeinen roßbuben brauchen laßen.

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    142Eß pflegen die verlaugnete Christen zu sagen, daß sye den türckhischen glauben anzunemmen gezwungen werden. Dann doch nit also, doch wirdt der ienige alzeit strenger gehalten, der den türckhischen glauben nit annemben will.Darumb pflegen die Türckhen es also zu machen: sie schlagen ein Christen 2 oder 3 mahl starckh, sagen alßdan, er soll ein Türckh werden, und schlagt er es ab, so laßen sye ihn hinfiro unangefochten wegen des glaubens. Doch wirdt er etwas strengers gehalten alß die anderen, so zu Türckhen oder Musserman worden. Darauff indicieren sye also, wann Gott einen wollen seelig haben, gebe er ein gnad zu dem rechten, waren glauben des propheten Mochamets. So einer aber solchen anzunemen sich weigere, sey auß solchem menschen zuschließen, das ihn Gott auch zu keinem außerwelten haben wolle, weilen er im die gnad entziecht und der waren erkhandtnuß - 59 -

    deß machometanischen glaubens nit wirdig schäze, und Gott laße ihn also in seinem ihrthumb und christlichen glauben verdambt werden und zugrundt gehen, welches aber weit gefählt ist etc.

    143Ichtimon Den 22. Februarii seind wir zu Ichtimon übernacht gelegen. Da ich gesehen einen man auf einem eßel reiten. Andere manen, weiber und iunckhfrauen giengen im nach, trugen brot und ein krug mit wein und sangen durcheinander allerley lieder, welche, wie ich vernommen, pflegen sye also einem zu gratulieren, wan er über siben iahr außerhalb seines vatterlandts in anderen länderß gewest und darnach widerumb haimbkombt etc.

    144Rhodope Montes Den 23. raisten wir über das hochgebürg Rhodope, auf deßen höch ein große, alte, von ziegelstein aufgeführte porten und ein dörffel, Capidervent, Porta Traiani, Capidervent daß ist glaichsam zur engen porten, die kayßer Hadrianus zur bewahung des paß in - 60 -

    Macaedoniam sol haben bauen laßen.
    Darbei flüeßt das waßer Hebrus, Hebrus fluvius origo so nechst bey dem berg Rhodope entspringt, deßen Plinius und Ovidius in dißen carmens gedenckht:

    145Qua patet umbrosum Rhodope glacialis ad haemis et facer amissas exigit Hebrus aquas.

    146Bey obgemelter porten haben wir schöne bulgarische oder macedonische madl angetroffen, die unß wein, brot, und andere speißen umb unser gelt entgegen gebracht. Gegen abent kamen wir in ein fleckh oder stadt, Tatarbasarschickh, Tartar Bassar Tritsch, Tartarmarckh in obrem feldt gelegen. Da ein schene mesgit und hann mit bley bedegt. Diß orth ligt in Macaedonia, dan der berg Rhodope schaidet solches von Bulgaria.

    147Macedonia Philippopolis Den 24. Februarii kamen wir nach Philippolim, so die haubtstadt in Macaedonia, und auf türckhisch Philippe genandt wirdt. Ligt an dem fluß Maritza, nit weit von dem berg Rhodope. Mariza fluvius Da wir ein ahnsehnliches losament gehabt und in underschidliche gemach wie zellen einquatirt worden.

    - 61 -

    148Hier seind etlich zerstörte schloßer auf den bergen zu sehen, und ebenfahls die stadt halb auf berg, halb in der ebne gelegen ist. Eß sol auch hier Philippus und Alexander Magnus residiert haben. Alexander Magnus natus est 355 ante Christum natum. Ein halbe meil vor der stadt haben wir ein solche mänge wildtändten und ander geflügel angetroffen, das wir unß deßen seer verwundert und etlich davon geschoßen haben.

    149In den pfiz und moßigen orthen wächst sehr vil reiß umb die statt herumb undt ist auch wolfeil zu kauffen.

    150Hier bin ich mit unserem einkhauffer zu einem griechischen wirth wein für die raiß einzukauffen gangen. Da wir auch über zwen zentner gekaufft, dan man gibt den wein nit nach der maß, sondern man wigt ihn mit der waag nach dem pfundt, und wirdt das pfund umb ein oder 2 aspar, das ist nit gar ein östreichischer groschen, verkaufft. Und ein solches pfund ist ungefehr ein östreichische maß oder achtering. Sie haben auch keine kleine veßel, wie bei unß, sondern - 62 -

    stellens also ahn: Sye nähen ein ungearbeite gaißhaut vest und sat zusammen, damit der wein niergents könne außtropffen oder rihnen. Daß härrich oder rauhe kheren sie inwendig, laßen in der haut, wo sonsten der schwaif, ein loch offen, den wein dardurch hierein und widerumb herauß zugießen. Fühlens alßdan mit wein ahn und wegens darnach. So man den wein in den heüten heimgetragen und außgelährt, wigt man die löhre heit widerumb und wird solches alßdan defaluirt. Welcher auß dißen gaißheiten trinckhen thuet, der mueß das gaißhar nit verreden, dan es kombt einem bißweilen ein bischel in das maul. Deßen ungeacht haben wir der gaiß oder gaißhaut salvo honore auß dem hinderen getrunckhen etc.

    151Den 25. stilgelegen und die stadt hin und wider besichtiget. Nechst bey unserem quatier hat ein Türckh sein meßer - 63 -

    uber mich außgezogen. Alß ich aber und mein camerat stain auf ihn zuwerffen auffhebten, ist er fort geloffen etc.

    152Aller orthen ist under den armen underthanen wegen der stätten durchzug und unerträglichen anlagen ein großes ellendt. Vil entlauffen uber die Thonaw in die Walachey, verlaßen ihre heüßer, das ganze dörffer ödt und lähr stehen. Weilen aber die Porten an den walachischen fürsten, die underthanen oder für diße größeren tribut begehrt, seind sye von dem fürsten widerumb geliffert und nach Constantinopel zum ruederen auf die galleren geführt worden etc.

    153Papasli Den 26. seindt wir zu Papaßli in einem dorff angelangt, da weder mensch noch vich verhanden. Dan weilen etlich 1.000 man hier auf Constantinopel durchraißen solten, mit den Venetianeren zustreiten, darumb die bauren sich in - 64 -

    die nechst umbligenden berg, biß nach vollendtem durch zug, aufgehalten haben, dan es sein die türckhischen soldaten in dergleichen feldtzügen so insolent, daß sye feindt und freindt antasten und berauben. Da wir gegen tagszeit aufbrechen wolten, entstunde gehling ein brunst in der schiausen quatier, die von dem vesier zu Offen unß zugeaignet worden. Diß ienige lähre hauß ist auf dem boden durch verwahrloßung der schiausen abgebrunen und sonsten niemandt kein schaden gebracht.

    154Den 27. seindt wir zeitlich aufgebrochen und dißen tag mehr dan 50 beladner camel gesehen. 36 aber nechst neben unseren wägen vorbey gangen, die haben underschidliche waren von Babilonia nach Sophia getragen. Sonsten haben wir ser vil in Türckhey gesehen, die man gemeiniglich zum raißen, nit allein - 65 -

    darauf zu reiten, sondern auch kauffmanes gueter zu führen braucht. Ein cameel volbringt in einer tagreiß mit seinen langsamen, iedoch weiten schrieten zehn teütsche meil und tregt ein last bey 14 centner. Hat auch diße arth an sich, wie Plinuis sub 8. C. 14. deßen gedenkht, daß er im nit mehr last aufladen alß seinen kräfften gemäß. Und so man ihm nur 3 oder 4 pfund mehr dan sein vermögen ertragt aufladt, kan man ihn von der stell mit guetten oder beßen worten undt streichen nit aufbringen. Dan ehe sye beladen werden, legen sye sich nider auf den bauch, und so sye beladen seind, wie es auf sye gehört, stehn sye auf. Und wil der cameeltreiber, daß der zu vil beladne cameel aufstehe, so mueß er, waß überladen, herunder thun. Ich hab auch gesehen, wie einer ein cameel bei dem halß gehalten und darauf gestigen. Hat daßelbig - 66 -

    starckh darwider gebrült. Das cameel kan vier tag ungetrunckhen verbleiben und so es zu einem waßer kombt, macht es daßelbig zuvor mit den fueßen trüeb, und tringt alßdan überflüßig und fir den zukünfftigen durst.

    155Es haben auch hier ihre zwen, deren namen ich geschweige, einer dem anderen alle zu Wien geiebte stuckhel, so sie auff ein ander gewist, trunckhner weiß vorgeworffen. Doch in vertreüligkheit, welcher zuzuhören vast lächerlich war.

    156Hier waren widerumb uberdiemaßen schöne macedonische mädel, ebenfahls, wie die Bulgarin, mit gelt umbhengt. Die haben ihr gnaden etliche alte geltsorten und Helena pfening gegen dargebung anders gelts geliffert. Helena pfening Von dißen Helena pfening sagt man also, daß Sanct Helena, des Constantini Magni muedter, so das creüz Christi gefunden, nach schweren und entlich vollendtem krieg - 67 -

    den soldaten abgedangt und weilen sye mit der bezahlung nit gevolgen können und ihrer am gelt abgangen, habe sye derohalben laim genomen und mit dem datum darauf getrugt. Da sey derselbige laim zu underschidlichem metal worden, alß goldt, silber, kupffer und ärz, und ihr bildt uns und anderen, alß wan es gestampfft were, erschinen. Solcher pfening findt man bey solchen leiten, die sye nicht achten, die sollen für underschidliche kranckeheiten dienstlich sein.

    157Semitsche Unser nachtläger haben wir zu Semitsche gehabt etc.

    158Virobo Den 28. Februarii seind wir bey einem schönen hann und tempel, Virabo genand, vorbey gefahren und nach überstandnem üblen weg zu Hermanli, in ein stätl im thal gelegen, ankommen. Alda in ein extraordinari schöne carabansarai einquatiert worden. Hermanli

    159Den 1. Martii seind wir hier stilgelegen - 68 -

    und unser drey vor das offen stätel hinauf auf ein bergel schlaffen gelegt. Underdeßen gienge ihr gnaden den camerdiener ihr, so bey unß geweßen; niemandt wolt ihn wißen. Und alß wir zimlich spat erwacht und in das quatier widerumb kommen, hat ihr gnaden dem camerdiener daß schlaffgelt mit ein par kopffstückhen bezahlt undt belohnet. An unßer hat niemandt gedacht.

    160Mustaffa Bassa Tschupri Den 2. Martii, nach sehr bößen außgestandnen und überwundnen marschweeg, seindt wir in ein stätel, Mustapha Bassa Dschupri, über ein khunstreich erbauten bruckhen in einen schönen han kommen. Die bruckh ist mit lauter quaderstückhen, dardurch der fluß Mariza laufft. Hier ist auch ein von natur warmes bad. Mariza fluvius

    161Den 3. Martii, ein halbe stund von Hadrianopel, türckhisch Endrene, komen unß zuempfangen vil vornembe Türckhen entgegen. Die belaiteten unß über ein schöne bruckh, so nicht anderst ist geweßen, - 69 -

    alß wan einer in ein lustgarten herein gienge. Alda der fluß Maritza und Hebri, wie auch Tunsa und Harda, die waßer zusamen- und volgents in Mare Aegaeum fließen. Mariza, Hebri, Tunsa, Harda, Hunii Da wurden wir biß in han beglaitet. Die gaßen und bläz, da wir voriber gefahren, seindt vol weib und manß persohnen, die unser ankunfft zusehen verlangten, gestanden. Diße statt, ehe sye von dem kayßer Hadriano den namen empfangen, ist sye Oresta genandt worden. Adrianopel Sie ist ser groß und alle sachen vil wolfeiler alß zu Constantinopel zubekommen seindt.

    162Den 4. Martii alda stilgelegen und haben unß zu dem constantinopolitanischen einzug notwendige sachen eingekhaufft etc.

    163Hapsa Den 5. Martii seind wir zu Hapsa in, einem lustigen stätl, angelangt, da ein uberauß schöner hann und moschea, in deren vorhoff ein künstlicher springbrun ist undt alles mit blei bedegt.

    - 70 -

    164Baba Den 6. Martii haben wir zu Baba, ein marckhfleckh in einem schlechten han, unser nachtlager gehabt.

    165Bergas Den 7. Martii zu Bergas in einem schönen hann angelangt, nechst darbei ist eine moschea und ein schöner springbrunen, deßgleichen ich noch bißhero an keinem orth schöner und künstlicher gesehen. Darbey haben wir den Türckhen, wie sich sie gewaschen, zugeschaut etc.

    166Misinli Den 8. Martii seind wir zu Misinli in ein han einloggirt worden. Alda von einem Türckhen ein immerwehrendes oder gleichsam ewiges stift aufgericht worden, daß einem ieden reißenden, der da einkhert, er sey reich oder arm, Christ, Türckh oder Iud, alzeit zwey leibel oder fleckhel brodt, ein schißel mit reiß, darin ein wenig schaffleisch und bosa, ein gedört grießmel erbes, das mit waßer gekocht auf einem großen kupffernen, - 71 -

    verzinten blat, sambt einem leffel durch einen darauf bestelten hergetragen wirdt. Eß kan sich einer biß an driten tag dißer gutthat genießen, driber wirdt keinem nichts mehr geraicht. Solche speißen hat man unß zu unserer ankhunfft auch aufgetragen, welche wir wunders halb gekost, aber kein großen schaden gethan, dan es wolt unß gegen unseren speißen nit schmeckhen. Eß pflegen auch die vornembsten türckhische reißende herren solches zuempfangen; man kan es eßen oder trinkhen, dan es sehr din gekocht ist und last sich keiner diß verschmächen.

    167Chiurli oder Tschorli Den 9. Martii seind wir zu Chiurli in, eines vornemben Türckhen behaußung, einquatiert worden. Hier ist auch ein vornembe stifftkirchen mit blei bedegt, darbei auch etlich schöne gärten etc.

    168Ich hab auch offter mahl, wie auch hier gesehen, das die Türckhen das papir sehr hoch achten und wo sie ein papier auf - 72 -

    der gaßen ligen sehen, heben sie daßelbig auf und steckhens in ein klumsen an den heüßeren, mit vermelden, es köne Gottes wort darauf geschriben werden und darumb ein große sind sey, und wir Christen am iüngsten tag solches höchlich zuverandtworten haben werden, daß wir das also zu allerlei schandtlichen sachen mißbrauchen. Und seind die Türckhen also in ihrer religion, wan einer verächtlicher weiß auf ihren alcoran, das ist ihr Gottes gesaz, schmacht, ist es ein capital sach zum gericht. Sie laßen auch kein roßenbleter auf der erden ligen, sondern sagen, die röte deren seyen von des Machomets schweiß herkommen. Die alten poeten aber sagen, alß Venus spazieren gangen und in ein dorn der roßen getreten, sey das ven blut herauß gefloßen und die roten roßen, so auß dem selbigen stamme gewachsen, alle herkommen etc.

    169Den 10. Martii seind wir zeitlich auf - 73 -

    gebrochen und nach mittag an daß meer Propontis kommen. Mare Propontis Da gleich unser etlich ab den wägen gestigen und an gestat des meres geloffen und underschidliche muschel undt schwamen aufgehebt. Auf den sandt oder gestatt ligen allerlei muschel, schneckhn und andere sachen, so das meer auswirfft und ser zierlich zu einer crato zu bauen weren. Siliveria oder Silimbria Gegen abents seind wir auf Selimbria, Silembria, oder Siliveria kommen. Ist ein uhralte stadt, hart an dem meer gelegen. Hat mir sehr wolgefallen wegen des lustigen prospects und situs, der alda ist. Hier ist auch ein schöner han und moschgea, beisammen mit blei bedegt. Hier sicht man auch underschidliche schiff auf dem meer hin und wider fahren, und eß sagen die schiffleit für gewiß, daß ein lastschiff oder naven mit mitelmaßigen windt in einer stund 8 wälsche meilen fahre, mit guetem windt - 74 -

    aber 12, mit einer fortuna oder starckhen windt 20 meilen fahren mag; also das mit mitelmäßigen windt in 24 stunden oder tag und nacht 48 teutsche meilen khönen volbracht werden im fahren, mit gar guetem windt in tag und nacht 70 teutsche meilen, mit fortuna aber schier 126 meilen etc.

    170Ponte Grande oder Biug Zschecmese Den 11. Martii aufgebrochen und auf Biuck Zschekmese oder Ponte Grande kommen und wol accomodiert worden etc.

    171Under wegs begegnete unß des herren residenten seeliger dolmäz, Panioti, sambt 2 sprachknaben, die ihr gnaden zu empfangen entgegen kommen. Nechst bey einem dörffl haben wir vil windtmühlen gesehen, welches ein kurzweilliges und geschwindes mahlen ist.

    172Den 12. dito haben wir zeitlich ein aufbruch gemacht und underwegs ein schönen lustgarten mit vilen cipreß bäumen und - 75 -

    springbrunen geziert angetroffen, der dem kayßer gehörig, welchen sultan Murath und Ibrahim offtermahl insitiert.

    173Ponte Picolo, Kleinbruckh, türkisch Zschuz Zschecmese Dißen abent seindt wir zu Zshu Zshuk Zshekmese oder Ponte Picolo ankommen, so ein schön, lustig statdtel, hart an dem meer gelegen. Seind alda wol accomediert geweßen und ein schön außsehen gegen dem Weißen Meer gehabt.

    174Den 13. Martii stilgelegen, da ihr gnaden mit etlich wenig zu einem namhafften, nechst bey dem meer gelegnen felßen gefahren. In dem selben war eingehauen ein höle, wie ein capel oder kirchl, darin siz, ein altar und anders mehrs in dem felßen außgearbeit. Consiliarum patriarcharum, rupes excissae Ist ein uhraltes werckh, da sol vor dißem ein versamblung oder consilium der patriarchen geweßen sein soll.

    175Den 14. Martii ruesteten wir uns auf den einrit nach mügligkheit und waren demselben mit großem verlangen gewürtig.

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    176Den 15. Martii 1649, ungefehr ein halbe stund vor der stadt, von unserem commissario, so von Ponte Grande voran geridten, neben etlich vornemben Türckhen und herrn internuntius alten, gueten freinden freindtlich empfangen. Und ist ihr gnaden auf einem wolgezierten ksl. pferdt in beglaitung 60 oder mehr chiausen mit gueter ordnung biß in unser, am meer ligendes losament zu Ballato außer der stadt statlich introduciert worden, welches ihr gnaden zum absonderlichen wohlgefallen concediert, aldie weilen die anderen potschaffter aigentlich im hann und anderwehrts niemahlen logiert worden.

    177Alle christliche repraesentanten und anweßende pottschaffter haben ihr gnaden durch ihre secretarien höfflich complementieren, der holländische resident zwar ein halbe meil wegs von der stadt - 77 -

    begegnen, der venetianische baylo glaich zu unser ankhunfft in dem logiament, der französische und engelländische ambassiator aber des tags hernach, nebens allerseits gueten offerten und erfreiung, ihr gnaden glückhlichen ankhunfft ihn freindtlich begrießen laßen, welches ebenmeßig der siebenbürgische resident in perschon selbst gethan, denen allen wir solche ehr hin widerumb erstattet und die gegebne visita hingegen restituirt haben. Und hiermit also unser rayß auf Constantinopel alda mit der hilff Gottes glüchklich vollendet etc.

    178Ende deß ersten buechs

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    Daß ander buech etc.

    179Nach vollendter constantinopolitanischer rayß beschreibung hab ich etliche denckhwirdige sachen beyzubringen nit underlaßen wollen, so theils in wehrender zeit, so wir darin geweßen, theils aber vor diesen geschehen und sich zugetragen haben etc.

    Von deß herren internuntii behaußung und nechstgelegner revier etc.

    180Eß pflegen sonsten die Türckhen die ksl. pottschaffter oder internuntios in den hann, so ein groß gasthauß in der stadt gelegen, zu loschieren. Alda ein lang wiriges orth, darin wenig freudt und recreation zu schöpffen. Daß aber außer daßelben ihr gnaden zu wohnen erlaubt worden, ist solches aus lauter - 80 -

    gnadt undt gueter affection, so die Türckhen gegen ihr gnaden getragen, zugelaßen worden.

    181Die eingegebne behaußung ligt zwar außer der stadt, ein steinwurff ungefehr von Balicapi, das ist Fischthor, dan auf türckhisch heißt bali ein fisch, capi ein thor etc.

    182Unser losament war an einem bequemmen, ser lustigen orth, theils an dem landt, theils in dem meer gelegen, da ohne underlaß etwas neues oder selzambs zusehen war. Erstlich die unzalbare perme und keika, daß seind kleine und mitelmeßige schifflein, damit die leüth hin undt wider umb ihr bezahlung geführt werden. Mit solchen schiffen ist das meer täglich erfühlt, daß ein immerwehrendes hin und wider fahren zu sehen ist. In einer einfachen perme ist ein schiffman, der zuglaich mit zwey ruderen fahret - 81 -

    und in den keike seind mehrentheil 3 ruederziecher mit 6 rueder, so sehr schnel fahren. Solche schifflein werden gleichfahls mit seglen regiert, und wunderlich zu sehen, das offter mahl 2 oder mehr schiff gegen einander fahren und doch beede mit außgestregten seglen glückhlichen nachwindt haben.

    183Zu unseren zimren haben wir auch offtermahlen gesehen die menschliebende deplhin, so sich in dem meer hin und wider walzen und schwimen, erlustigen und sehen laßen.

    184Under der porten unsers losaments seindt unß zwen ianitscharen oder wie bey unß die muscatiarer, zugeben worden, die daß hauß vor ungelegenheit beschirmbten. Und so herr internuntius oder die seinige außgehn einen derselben für ein sicher glaidt zubrauchen, dan ohne ein ianitschar weit in die stadt zu gehn ist gefährlich.

    185Diße ianitscharen haben große freiheit - 82 -

    also, daß wo sye einem zur guardi zugeordnet werden, denselben darf niemandt belaidigen, ob schon andere ianitscharen einen, der ein solchen beglaitsman bey sich hatt, wolten ein spot beweißen, derffen sye nit, dan sye wollen ihr ansehen undereinander nit selbst ringeren oder minderen. Sye seind gewiß beschaidne kriegsleüth und dapfer von der faust. Deren seind vil 1.000 in ganz Türckhey etc.

    186Gleich gegen unser wohnung, über an der ringmauer, ist ein anzeigen, daß zu zeiten Constantini Magni und anderer griechischer kayßer ein stadt porten alda geweßen sey. Ist aber nach der türckhischen eroberung zugemaurt worden, daran noch zu sehen die bildtnus des erzengel Gabriels in stein außgehauen, welches bildt von den türckhischen bueben - 83 -

    schier ganz mit steinen zerworffen ist. Auch umb ein thurn oder etlich klaffter weiter hinumb seind drey in stein gehauen creuz solcher gestalt aingemaurt.

    Von deß herren internuntii underhaltung

    187Waß anbelangt die underhaltung und proviant auf einen internuntius, geben die Türckhen täglich 50 reichs thaller, auch alle Mitwoch von der Porten, also pflegt man den ottomanischen hoff zunennen, gersten für die pferdt wie auch holz in die kuchel. Die übrige victualien und alle andere expensen mueß der herr internuntius von den 50 thalleren oder thain die seinigen außhalten und besolden. Welches gelt aber zimlich klegt und alles umb ein billichen werth zubekommen ist etc.

    - 84 -

    188Zu dem waren nit allein die ienigen persohnen, so mit hierein geraißt, sondern auch die bey dem vorigen residenten seelig sich aufgehalten haben, zu speißen, alß herr Panioti, dolmatsch, ein Griech von Constantinopel, Georg Zemper, Iulius Wacher, beede von Wien gebürtig, die auf ihr römisch ksl. Mt. spesa die türckhische sprach lehrnen.

    189Herr Iesias Barbet von Straßburg, des residenten seelig gewester secretarius, der wegen einer schönen griechischen iunckhfrauen, nammens Schoia, sich in dieselbe also verliebte, daß er ganz perplex und corrumpiert worden und verbliben biß an sein endt.

    Von der audientz bey dem groß vesier, ubergebung der present und waß sich weiters darbey zu getragen etc.
    - 85 -

    190Nach dem wir etlich wenig tag zu Constantinopel waren, haten wir die erste audientz bey dem groß vesier, so vil alß der vornembste ohne den kayßer. Dem ubergabe ihr gnaden der römisch ksl. Mt. allergnedigistes creditif und legte die gehörige curialien ab, ersuchte den vesier umb audientz bey dem sultan, welcher sich allerseits ganz freindtlich erzaigt. Der ließ cave und scherbet bringen.

    191Cave ist ein samen, der in Egipten wächst, wie die bonen. Der wirdt von der hiz des feuers gebradten und alßdan zu pulver gestößen. Diß wirdt in ein siedents waßer gethan, nemlich beden theils ein gewiße maß. Diß last man durch einander ein weil sieden; alßdan wirdt es süed heiß in porcellanene schällel gegoßen und also aufgetragen, so man wegen der hiz nit gehling, sonderen tropffen weiß nach undt nach trinckhen mueß. Eß ist ein sehr gesundt trankh, aber vil khönen es - 86 -

    im anfang nicht trinckhen, biß sye deßen gewohnen.

    192Scherbet ist ein süeß tranckh, wie ein iullep mit frischem waßer, zuckher und sirup prepariert, oder auch von dem safft der granatapffel oder anderen lieblichen früchten. Ist ser lieblich zutrinckhen. Und [man] hat nach ihrem brauch unß rauckhen laßen, mit roßen waßer besprüzen und 14 cafftan außtheilen. Das seind selzame, lange türckhische röckh von goldt, silber und seiden gewergt. Der gestalt endete sich die erste audientz, worauß man des vesiers, so ein alter gravitetischer man, guete intention vermörgt.

    193Alda haben wir einen des vesiers kammerdiener gesehen, so von Wien gebürtig und vor etlich monat ein Türckh worden, den es nach geschener that sehr gereuet. Ist aber, alß gemelter vesier stranguliert worden, durchgangen und sich in gehaimb mit hilff des hollandischen - 87 -

    schiffherren in sein galleren verstegt, welche nach wenig tagen zu Constantinopel abgeseglet und zu Venedig glückhlich angelandt. Alda er außgestigen und widerumb auf Wien kommen.

    Von der audientz bey dem iungen türckhischen kayßer, übergebung der presenten und anderer denkhwirdigen sachen.

    194Den 30. Martii wurdt ihr gnaden zuer audientz des sultans gerueffen. Verfüegte sich hieriber sambt seiner comitiva mit einbeglaitung etlicher chiausen und unsers von Ofen gegebnen commissarius in bester ordnung nach dem ksl. seraglio. Die present haben etliche under den mäntlen hinein getragen, dan die orientalische herren der present gewohnt, und wer solche nit mit sich bringt, der kombt so angenemb wie ein schwein in das iudenhauß - 88 -

    und heist bei ihnen si nihil attuleris ibis homere foras. Es waren underschidliche present, nemlich hirschen, tigerthier und hund kinstlich nach dem leben gemacht. Darin verschloßne uhren und die zeiger an obgemalter thier brust waren sambt ser künstlichen anderen uhrwerkhen silberen und vergulte schalen, uberdiemaßen künstlich gearbeitet, das sich derob zuverwunderen.

    195Under anderen ware für den iungn türckhischen kayßer ein uberauß künstlich uhrwerkh darbei, ein instrument und orgel, viereckhendt, von ebenholz eingefast und mit helfenbein schön geziert. Das uhrwerckh auf der ein seiten war ser künstlich sambt, in der einer kugel, die sich nach des mons lauff wendet. Auf der anderen ein instrument, das spilete ohne menschliche handt, außgenommen, das man ein klein nägellein rückhet. Auf der driten war ein kleine orgel, die pfiffen ebenfahls auch selbsten wie das instrument underschidliche, selzame - 89 -

    melodeien nacheinander. Auf der virten waß anders. Oben auf waren kleine gemachte moschcovatische mänlein, die danzen nach dem tact wie die obgemelte spil lauten. Sonsten hat es vil kleine kästlein, darin auch ser köstliche sachen eingeschloßen, so nit alles genuegsam zu beschreiben etc.

    196So baldt wir zu der anderten porten, alwo ihr gnaden von dem pferdt abgestigen, hinnein kommen, saßen zur rechten der ianitschar aga (nunmehr groß vesier) und hernach die von ihme dependierende capitän und chiabassi nebens ungefehr 6.000 ianitscharen, welche ihr gnaden zu sonderlicher ehr von seinem siz aufgestanden, zwey oder drey schriet herfir getredten und mit gelegter handt auf die brust gar hofflich die gegenreverentz gethan. Auf der linkhen - 90 -

    saßen die vornemben officier und capitan der spahy, welche ingleichen aufgestanden und sich mit absonderlicher ehrentbürtung gegen ihr gnaden genaigt.

    197Volgents kamen ihr gnaden 20 oder 30 schriet entegegen. Zwen deß großthürckischen cubicularii empfiengen und führten ihn in divan, alwo der groß vesier sambt den anderen vesieren, cadileskir und vilen Türckhen in schöner ordnung geseßen. Ihr gnaden neigte sich zwar allerseits gar ehrerbietig, den groß vesier aber und die andere vesier, auch cadileskir, salutierte er mit absonderlicher reverentz und umbfienge sye auf türckhische manier, an welcher action die Türckhen ein particular wollgefahlen getragen. Der vesier ließ ihr gnaden gleich neben seiner all in contro nidersizen und sprächte mit ihm gar freindtlich. Zu mitelst waren 4 taffel zuberait.

    - 91 -

    198Ihr gnaden zwar neben dem Chinan Bassa allein mit dem groß vesier, der herr Reninger aber und ihr gnaden stieffsohn mit den 4 vornemberen vesieren, die anderen vornembsten auß unß mit den anderen principalioren von ungefehr 18 oder 20 speißen, so wohl weilen es in der fasten, von fisch alß fleisch nebens scherbet tractirt worden. Unß war auch vil speißen aufgetragen, so aber mehrentheil von fleisch gekocht, die haben wir nicht angriffen. In wehrender mahlzeit, wie ich verstanden, hat sich in wehrender mahlzeit der sultan zweiffelsohne in beysein seiner großmutter, der alten valida, und anderen frauenzimbers über ihr gnaden in einem vergütterten fenster befunden etc.

    199Nach dißem trate ihr gnaden auf dem divan gegen der driten porten, müeste alda etwas verharen, biß die vesier zum sultan vorüber passirt und inmitelst 16 cafftan außgetheilt wurden.

    - 92 -

    200Endtlichen kamen die capiggi, namen und führten ihr gnaden bey den armen, sambt vier der vornembsten under unß officieren und beyden dolmatschen durch die drite porten (alwo albereit die present gestanden) vor den sultan und legten nacheinander die gebührende reverentz nider. Da übergabe ihr gnaden dem türckhischen kayßer daß von ihr römisch ksl. Mt. allergnadigstes credentional und brachte sein kleine sermon durch den dolmätschen vor, warbey aber den anderen zuverbleiben nit verstadtet worden, sondern sich alßbalden widerumb hinauß verfüegen müeßen.

    201Der sultan ist ein iunger herr, ungefehr bey 9 iahren, von der viro nomia etwas braundecht und gravitetisch, in maßen dan die Türckhen von seiner reuscita große concept machen. Saße mit halbem leib gegen ihr gnaden - unpaginiert -


    Die Zeichnung zeigt Sultan Mehmed IV. Er trägt einen Turban und ein Szepter.

    Abbildung: Türckhischer kayßer, sultan Mehemet Hann.

    - unpaginiert -


    Die Zeichnung stellt im Vordergrund einen Wachmann des Sultanspalastes sowie exotische Vögel dar.

    Abbildung: Ein bewahrer des türckhischen kayßers palasts.

    - 93 -

    auf einem rauh gestigten küß, zur rechten, aller nechst zu ihme, stunde der groß vesier, gegen uber, iedoch wol abwerths vor dem eingang, die 4 vornemben vesier. Nach genandter audienz haten ihr gnaden die capiggi bey den armen widerumb hinauß geführt etc.

    202Alß ihr gnaden vor der lesten porten des serail wider zu pferdt geseßen, müeste er alda etwas halten und warten, biß die zu dißem acta versamblete hoffstadt, so wohl von ianitscharen, die in einer großen menge und confusion herauß geloffen, alß von anderen vornemben Türckhen für über passiert. Nach solchen vollendten geträng begaben wir unß widerumb in gueter ordnung nach hauß.

    203Obwohlen die obangezogne credenz und silbergeschir, alles zumahl von seer köstlicher arbeit, die wol hocher möcht geacht werden alß das goldt oder silber, so gilt es doch nichts bey dißen leüthen - 94 -

    undt wie ich gehört, laßen sye es in der müenz tragen, alles zerschmelzen und machen alßdan gelt darauß. Die khünstliche uhrwerckh stehlt man in ein gemach, das sye mehrentheil uber einander verrosten oder werden auch etlich widerumb verkhaufft. Eß ist nichts andres an dißem volckh alß wan man einer sau ein neuen belz oder goldtstuckh anlegte etc.

    Von deß türckhischen kaysers burg

    204Die ksl. burg oder palast, den die Türckhen seraia nennen, ligt an einem lustigen, bequemen orth der stadt. Da sihet man auf das Weiße und Schwarze Meer, Pontum Euxinum und Bosphorum Thracicum, und gegen dem Bosphoro über in Asiam Minorem. Und stöst daß seraia an beeden orthen an das meer. Eß hat in seinem begriff vast ein - 95 -

    teutsche meil. Eß seind darin vil underschidliche, doch unordenliche gebey, alles mit bley bedegt, außgenomen ein einiges hauß, so uberdiemaßen schön und hoch, mit lauter quaderstuckhen gebaut. Diß ist ebenfahls mit blei bedegt und ein zierliches werkch.

    205Diße burg hat drey underschidliche porten. Die erste ist zimlich groß, darunder ein capitschi bassa, ein oberster thürhüeter mit etlich seinen undergebnen. Alßdan ist ein langer, weiter, ungepflasterter hof, außgenommen ein schmale straßen, darauf man gen hoff reit und fährt, in welchem hoff ein ieder nechst bey der anderen porten von dem pferdt absteigen mueß und außer des kayßers keinem hinein zurreithen leichtlich erlaubt wirdt. Under der anderen porten ist ein guardi von ianitscharen. An der wandt herumb hangen ihre säbel und andere gewähr. Da ist widerumb ein sehr großer hoff von - 96 -

    cipreß und anderen vilen selzamen baumen geziert, das es einem lust oder thiergarten nit ser ungleich. Darin sich etliche zame hirschen aufhalten. Auf den bäumen herumb sicht man ser vil turtel teibel underschidlicher farben, auch adlergeiern und ander wilt geflügel ser vil, die sich auf obgemelten baumen heiffig aufhalten und züglen oder mehren, dan man das eßen, so von hoff uberbleibt, under die baum schit, das die vegel und ander vich auffreßen. Und vermeinen die Türckhen, sye thien Gott ein groß wollgefahlen dardurch etc.

    206Nit weit von der ihneren porten, so von wenig verwacht wirdt, ist das ksl. zimmer. Der boden oder erden ist mit lauter persianischen tebichen bedegt. Der sultan sizt auf einer eines schuhs hoch erhöhten bün, die ist mit lauter köstlichen, seidnen gescheckheten tebich bedegt. Auf der seit herumb, an - 97 -

    den wänden, ligen küß, reichlich mit lauter perel und edelstein gestickht und geziert. An der wandt ist auch ein klein brünel. In der höche uber dem kayßer hangen ganz guldene knöpff von den seülen herab etc.

    207Der türckhische kayßer hat auch einen großen krug, so einer auß den 6 steinernen waßerkrügen ist, die bey der hochzeit zu Cana in Gallilea seind gebraucht worden, wo Christus, der Herr, auß waßer wein gemacht, welchen die Türckhen in eroberung der insel Cypren bekhommen. Eß haben denselben krug die inwohner widerumb umb ein große summa gelts lößen wollen, welches ihnen aber rund abgeschlagen worden. Der oberste in dißer insel Cypren, wie im ersten buech am [...] beschriben, ist lebendig geschunden worden.

    - 98 -

    Verzaichnuß aller officier, soldaten und diener, welche täglich den iezigen türckhischen kayßer, sultan Mehemet Hann, bey seiner hoffstadt aufwarten müeßen.
  • Die stalpartey befindt sich auf 4324
  • Thorwarther bey der ersten porten an dem seraia 1925
  • Thorwarther bey der anderen porten 417
  • Köch 1921
  • Hoffschneider 319
  • Kuchelschreiber 947
  • Die ienigen, welche die ksl. hoffstadt von den kirchenthürmen zum gebett rueffen 15
  • Gezelt warter 835
  • Die ienigen, welche die ksl. waffen oder insignia bedienen oder verwahren 228
  • - 99 -

  • Die, welche auf des kayßers aignen schaz bestelt seindt 19
  • Hoffmaurer 44
  • Die ienigen, welche alzeit frisch brun waßer zum trinckhen in den ksl. seraia herumb tragen müeßen 26
  • Lackhgeyen 57
  • Leib medici 21
  • Astrologi oder sternschauer 5
  • Falckhenmeister in der ersten falckhnerey 221
  • Falckhenmeister in der andern falckhnerey 275
  • Hoffbeckhen 45
  • Agenten auß der Moldau, Walachey und Sibenbürgen 13
  • Hebraische leib medici 41
  • - 100 -

    Eine andere partey der adelichen hoffbedienten

  • Hoffiunckheren 23
  • Andere adelliche bedienten, welche tag und nacht auf des kayßers leib zuwarten bestelt sein 32
  • Adelliche gehaimbe secretarien 5
  • Cavalieri, welche dem türckhischen kayßer auf das pferdt helffen, wan er wil außreiten 433
  • Hofftruckhsäßen 117
  • Zschiaußen 324
  • Hoffschreiber 24
  • Schreiber bey dem ksl. schaz 16
  • Schreiber, welche den 5 secretarien aufwarthen 133
  • Schreiber, so die ksl. einkhommen aufzeichnen 21
  • Eunuchi oder beschnitne 25
  • - 101 -

  • Pagi oder edelknaben 709
  • Andere edlknaben, welche in dem ksl. hoff auferzogen werden 109
  • Die ganze soldatesca unnd anderer zugehöriger persohnen etc.

  • Soldaten auf dem landt befinden sich in allem 75868
  • Soldaten zu waßer befinden sich 2364
  • Soldaten, so den ksl. hoff verwahren 11989
  • Adelliche soldaten 1981
  • ianitscharen 27627
  • Iüngling, agemulani genandt, auß welchen hernacher ianitscharen gemacht werden 9406
  • Soldaten zu pferdt 20867
  • Zeügwarter, so uber die ksl. armatur bestelt seindt 5730
  • Büchßenmaister 1525
  • - 102 -

  • Gutscher 684
  • 208Diße werden inerhalb 3 monat frist ordtendtlich unnd gewiß bezahlt und so einer stirbt oder stranguliert wirdt, werden alßbaldt andere an ihr stadt gesezt, damit die obbemelte zahl erfühlet bleibe etc.

    209Den 13. Aprilii ist die erste privat audientz bey dem groß vesier gehalten worden.

    Von dem venetianischen baylo, der in gefänckhnus geworfen worden

    210Etlich tag, ehe wir zu Constantinopel angelangt, ist ein venetianischer dolmatsch mit einem tschiausen nacher Venedig passiert. Etlich vermeinten dazumahlen, es wer auf ein fridens tractation angesehen. In effectu aber befundt sich, daß die Türckhen zuwißen begehrt, ob die Venediger Candia cedieren wollen oder nicht.

    - 103 -

    211Dißer chiaus ist den 27. Appril widerumb zuruckh kommen, hat zwar an die Porten brieff gebracht, aber keines cathegorischen inhalts und welche sich allein auf mehrers relation des baylo berueffen. Gabe auch vor, die Venediger hedten ihme ihren schaz und einen großen vorath von kriegspraeparatorien gezeügt, anzudeiten, das sye des kriegs noch nit müedt unnd kaum recht angefangen.

    212Alß nun der baylo des tags hernach zu dem vesier kommen und ihme im namen seiner Republica endeckht, wie das die selbe zwar einen beständigen friden einzugehn und solchen wie vorhero - also noch verbündtlich - zuhalten allzeit willig seyn, man müeste aber Canea, Retimo und andere abgewohene orth widerumb abtredten und ihnen Candia völlig cediren, widrigst fahlß sye keinen friden verlangten, sonderen allem feindtlichen - 104 -

    widerstandt zubegegnen entsinnet wehren. Worauf der vesier gesagt, so habt ihr nun bißhero mit der Porten so falsch gehandlet, von einer zeit zur anderen vertröstung geben, alß ob man sich accomodiren wolle, nur ihn dißem ende, damit man unß und unsere macht suspendierte. Ließe hierüber ihme, baylo, mitsambt seinem dragoman und bey sich habender familia intuperosamente durch die schergen ergreiffen, nebens albereith vor augen stehenden prüglen. Eben alda in ein abscheüliche, maleficische gefänckhnus werffen, baldt hernach mit einem barbarischen geschrey widerumb herauß züehen. Ihme baylo zwar, und den principal dragoman, Antonio Grillo, ledig, den Ballerino aber, der Republica secretarium, den der vesier ohne bandt gesehen, ließe ihn, gleich den anderen, ein eißnen ring an den halß legen und - 105 -

    also ineinander gehangen, spodtlich zuefueß durch Constantinopel biß ans meer und volgents in den Schwarzen Thurn führen. Der capellan und andere mehr, so zu hauß verbliben, seind ebenmeßig baldt darauf gefänckhlich ergriffen und im pandten zu ihrem herren gelegt worden. Nit allein des baylo, sondern auch des Grillo logiament hat man ungeacht sein weib und kindt incontinenti so gar von kuchelgeschir spoliert, volgents gespert und verpötschiert. Zwe des Grillo schlavin vor den vesier geführt, die einen wider entlaßen, die ander aber, pro examine und etwa verborgen gelt zuerforschen, auf etlich tag hinderhalten etc.

    213Hierauf war gleich aller orthen, wo venetianische comercien ordre gegeben, das man alle die kaufleüth in verhafft nemen und ihre güeter confiscieren solle. Warüber sich dann auch zu Gallata vil verkrochen, und sonderlich bey dem - 106 -

    französischen ambassiator, alwo auch des balyo secretarius verborgen, in gehaimb aufgehalten. Der baylo, ob schon man seiner anfänckhlich mit den pandten verschont, ist er doch entlich auf etlich tag eingeschloßen und von der oberen gefänckhnus in ein ublers und finsters orth gelegt worden.

    214Den Grillo rueffte man in der nacht allein herunder, alß ob er zum vesier solte. Wurde aber in der still crudel stranguliert, hinauß auf das feldt geworfen und so vil, daß er nit gar bloß gelegen, mit etwas wenig erden bedegt, weilen nun dißer actus in die länge nit verhalten köndte werden, spargierten die Türckhen, er ware die stiegen eingefallen und wolt der vesier auf kein weiß nit leiden, das man sagte, er seye dergestalt hingericht worden. Sintiemahlen es nunmehr geschehen, und das leben unwiderbringlich, haten die befreindten, ihme die lezte ehr zuthun und honorabl - 107 -

    zu conducieren, den cörper auf intercession des französischen pottschaffters widerumb außgegraben und zu Gallata widerumb ehrlich begraben worden etc.

    215Hier kan man sich erinderen, waß vor iahren mit dem armen patriarchen Cirillo de Verria, einem man, der sich mit dem römischen stüel so wohl verstanden, vorüber geloffen. Dan eben dißer Grillo (Gott verzeich ihms), wegen eines schlechten privat interesse, ein sonderliches aufnemen, so durch iezt ermelten patriarchen der christlichen catholischen kirchen in dißen landten erwachßen können, hinderstellig gemacht. Ihme auf das eüßerste verfolgen, von patriarchatu in diße gefänckhnus, auch endtlich umb das leben bringen helffen. Dahero ihme von vilen propheceyet worden, es werde deßhalben kein guetes endt nemmen. Nun ist es geschehen.

    - 108 -

    Von des könig in Usbeck abgesandten audienz

    216Den 29. Aprill hat ein abgesandter von dem khönig in Usbeck bey dem sultan audientz gehabt und für den könig wider den selbst aignen sohn umb schuz und protection angerueffen.

    217Dißer könig, nach dem er von seinem elteren sohn des königreichs beraubt und sambt dem iüngeren ins ellendt verstoßen, name sein zuflucht zu dem khönig in Persien; badte umb gnad und trateniment, welches ihme dan auß höchster compassion ervolgt, und alß balden ein gebührende aufenthaltung verschafft worden. Eß wolte aber der undanckhbare sohn bey dißer impietet nit beruehen, sonderen importunierte den könig in Persien continuo, er wolle ihm seinen brueder todt oder lebendig schickhen und den - unpaginiert -

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    Die Darstellung wurde im Nachhinein eingelegt. Sie zeigt die Seeschlacht um Foccia im Jahr 1649. Venezianische Flotten greifen osmanische Truppen in der Bucht bei Izmir an.

    Abbildung: Entwurff und kurtze vorstellung deß höchstgefährlichen seetreffens, so sich zwischen der glorwürdigen herrschafft von Venedig und [?]der türckischen schiffarmada bey dem asiatischen meerhafen zu Foggia umb die helffte des Mayen dieses 1649. iahres begeben; worinen diese biß auff etwan acht galeren gantzlich zernichtet, von [? ienen] aber mit allein 19 galionen und etlich wenigen fusten die victorii glücklich erhalten worden.
    Abbildung: Huictain. Wann Gott spricht, so geschichts, wann er gebeut, so stehet es da, wan sich der feind hochmutig, stoltz auffblehet, so weiß der Herr ihm wohl in maul ein harts gebieß und ein ring in die nasn zulegen, wie der rieß, der tolle Goliath, dem zeug des Herrn gesprochen, hohn, spott und schmach, so hat der Herr sich hier gerochen an diessen christenfeind, das ungestimme thier, daß seine stoltze welln sich mussen legen hier. C. R. V. N.

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    - 109 -

    vadter nit fehrner im landt getulden. Warüber der vadter obberührten gesandten zu dem sultan umb schuz und protection geschickht; nit, das er widerumb zu seinem königreich verlangte, sonderen allein dißes, so er aniezo per favore hadte, mit rueh genießen khönde. Inmaßen dan der sultan an dißen ungehorsamben sohn ein schreiben mit bethroungen abgeordert und an den könig in Persien zu des alten königs und seines iüngeren sohns mehreren trost ein recommendation ertheilt.

    Von der schifarmada, so wider die Venetianer abgesegelt, und beschreibung der schiff

    218Den ersten Maii ist die türckhische schiffarmada, welche über 120 galeeren hatte starckh sein sollen und - 110 -

    von welcher die Türckhen ein solches geschrei gehabt, ihre eußerste mitl tentiert (also das, wo wir nun durchgeraist, wegen dißes kriegs iamer und ellend unnd noth auch vil dörffer öedt undt lähr gefunden), allein mit 60 galleeren, 8 maonen und 3 gallonen von ungefehr 5 oder 6.000 ianitscharen abgefahren; zu dero glückhlichen progres in einer campagnia die tag hernach ein allgemein offentlich gebedt angestelt und biß zur widerkhunfft wochentlich zweimahl continuirt solle werden. Diße militia hatte ein zeit vor dem aufbruch großen ubermueth, hoffart und insolentzen verübt. Nit allein Christen und Iuden, wo sie einem begegnet, schmächlich tractirt, sonderen so gar der vornemben Türckhen selbst nit verschonet und ihnen die fenster eingeworffen, - 111 -

    inmaßen sye dißer tagen einen armen tervis, die bey ihnen wie dem einsidler und für heillig gehalten, auß lauter muetwillen zerschlagen und eine vornembe Türckhin, so mit etlichen ihren sclavin auß dem badt gangen, salva reverentia offentlich geschendt, in ansehen aller spoliert, außgezogen, also gehn laßen, welches ein alter, elebter Türckh, so dißem intuperio gegenwertig, unserem tolmätsch mit übergeloffnen augen erzehlt. Dißer und der gleichen importuniteten derfte sich niemandt widersezen, dan gleich under den ianitscharen ein auflauf und mehres übelß entstehen mögen. Wir haben unß auch wegen insolentz dißer bößwicht auf der gaßen nit vil derffen sehen laßen. Undt alß unser zwen in wehrender zeit auf Gallata gefahren, haben sye zweimahl auf unß geschoßen, so nechst neben der perme oder schiff in das waßer gangen.

    - 112 -

    219Wir haben auch underschidlich mahlen die galleren, so an unserem losament nechst vorbey gefahren, gesehen und under anderen daran wargenommen, waß gestalt die gefangne Christen oder galleoten in dem fahren underwißen werden. Solches geschicht ohne einige mündtliche anweißung, allein mit einem hellen, weit klingenden pfeifflein, nach welchem sich die ruederziecher mit dem rueder für sich, hinder sich, oder auf die seiten waßer zurichten und laiten. Darnach sich auch die schiffknecht mit den schiffen strickhen und seglen, und der timon führer, wißen zuregieren, welches einem selzam fürkombt.

    220Miten in der galleeren ist ein langer, braiter laden durch auß, darauf gehet ein schergant mit einem carabatsch, der schlagt die ruederknecht (deren 4, 5 oder 6 an einem rueder seind), so sie nit nach laut - unpaginiert -


    Die Darstellung ist in zwei Hälften geteilt. Die obere Hälfte zeigt zwei Janitscharen mit ihren Waffen, die untere stellt zwei Janitscharen und einen Bewohner der Stadt dar. Die Figuren sind beschriftet.

    Abbildung: Ianitscharen, die zue feldt ziehen.
    Abbildung: A. Ein gemeiner burger. B. Ein ianitschar in der stadt. C. Ein gemeiner ianitschar auf dem landt.

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    Auf der oberen Bildhälfte ist eine osmanische Sklavengaleere zu sehen. Unterhalb werden gefangene Christen und eine osmanische Wache dargestellt.

    Abbildung: A. B. Gefangne Christen auf den galleren. C. Einer, der die Christen iähmerlich prigelt.

    - 113 -

    deß pfeiffleins züehent, auf den bloßen ruckhen ganz unbarmherziglich, weilen der ober theil des laibs ganz nackhend. Und der solchem zuschaut, gehet es einem nit umbillich zuherzen, daß die armen Christen also laiden müeßen. Dißer Christen und anderer galleoten eßen ist zwibolten oder hart schwarz brodt und haben darneben das liebe waßer nit genug zu trinckhen. Und, so ein galleeren in einem streit undergehet, müessen sye, weilens angeschmidt, ellendiglich versinckhen und ertrinckhen.

    221 In den größeren schiffen gibt eß zimber wie sonsten in den heüßeren, darin lustig, aber bißweilen gefehrlich zuwohnen. Sye halten auch in den schiffen die wißellein, die maiß zu vertreiben.

    Von der Türckhen triumph

    222Wie genugsam bekhandt, haben die römische kayßer vorzeiten ihren triumph nach erlangter victori gehalten, - 114 -

    da sye mit großem pomp und pracht in die stadt Rom triumphierendt geritten. Die Türckhen aber halten das widerspil, in dem sye, wan die selbe wider den feindt außziehen, ihren triumph zuhalten pflegen, da der oberste der armada und andere befehlshaber ganz truzig und aller toll, alß wan sye den teuffel freßen wolten, herfirtreten.

    223Hart an dem porto, underhalb dem sulitanischen großen seraia, ist ein palast, Ialy Koschi genandt, in deßen offnen vorgebey hat sich der iunge sultan sambt anderen vesieren und adell befunden. Und ehe die galleeren oder armada, darvon oben meldung geschehen, von dem arsenal hier vorbey passiert, haben sye da gehalten, und der schiff admiral sambt anderen deßen nachgesezten officiren ungefehr bey 7 zugleich - 115 -

    außgestigen. Da haben sie sich dem iungen sultan und anderen presentiert. Darauf sye durch einen hotza oder türckhischen prediger ihre treu und herzhafftigkheit bey dißen gegenwärtigen krieg einzugedenkhen ermant, darauf glückh gewinsch und abschid genomen.

    224Der sultan saße auf einem zierlichen säßel und hat dem obersten general der armada ein kostbarlichen zobelbelz und, zur ubergebung des völligen kriegs commando, ein säbel verehrt. Darnach die andere vornembsten mit cafftanen begabt und widerumb durch den hotza zu dapfferer verhaltung eine vormanung thun laßen, mit dißem beschluß, das sie sich nit allein auf die macht, die der gegenwertige kayßer ihnen anvertraue, sondern vilmehr auf den gewaltigen Gott, welcher mit seinem beistandt wider die unglaubige Christen große victorien geben werde, verlaßen solten etc.

    - 116 -

    225Nach dißem gnandten ceremonien sein sye mit zweymal loßbrenung des geschüz den Dardanellis zugefahren. Die Venediger haben den ganzen winter bey Dardanelli vor der bocca mit etlich undt 20 galleonen gehalten, niemandts auß oder ein gelaßen und obgedachter schiff flotta den paß zu schließen vermeint, da sye aber ankhommen, seind diße venedische galleonen alßbalden gewichen, also, das die türckhische armada salvamente durch passiert, welches under den Türckhen ein große freudt und zum theil wol auch eine zimliche hoffart verursachet, wie sye dan dem ienigen salackhen, so die zeitung gebracht, den 8. Maii in publico divano einen cafftan angelegt und nit anderst vermeint, das spil gwunen und Candia nunmehr genzlich erobert seye.

    - 117 -

    226Alß der bailo in dem Schwarzen Thurn etwas erkranckht, ist ihme auff intercession des französischen gesandten der Dr. Skogardi zuegelaßen, und damit das palatium interim nit lähr stunde, auch denen anderen in der gefänckhnus die alimenta verschafft wurden. Der caplan und der ragionato widerumb auf freien fueß gestelt worden.

    Warumb der groß vesier stranguliert worden

    227Die Türckhen seind zwar lüstige köpff, ruefften unß under deßen zu keiner audientz. Vileicht wie die sachen mit der schiffarmada in Candia ablauffen möchte zu mehrehren ihrer direction, unnd damit sye die sayten hoch oder nider zuspanen wüsten, einen außgang erwarten wollen. Eß hatte aber ein ander außehen, vilmehr - 118 -

    von bößen alß gueten zeitungen.

    228Den 19. Maii darauf, da ihr gnaden glaich auf sizen und zur audientz zum vesier solle, auch wir alle gerüst waren, kame post, das gestern gar spath bey der Porten zeitung eingelangt, das ihr schiff armada von den Venetianeren geschlagen unnd der resto übel tractiert in dem porto zu Foccia eingeschloßen. Der capitan bassa lamentierte wegen übler disposition unnd außmundierung wider den groß vesier. Dahero er eilendts zu dem sultan in das seraglio müeßen unnd seye zu besorgen, er möchte villeicht nit mehr nach hauß kommen. Stehet kaum ein stundt an, kombt eine andere post: Der vesier, Kerkes Mehemet Bassa, des vesierats enthept, seine guedter, hauß unnd hoff confisciert unnd an deßen stadt Murath Aga, capo von ianitschar aga, vesier sey worden. Etliche wolten ihn für verlohren - 119 -

    oder stranguliert halten, etliche, er seye 6 meil von hinnen ins exilium geschickht wor. Sein kehaia oder hoffmeister, so man in der flucht erdapt unnd in arrest gehalten, solle außsagen, welcher orthen das gelt hin unnd wider verborgen lige.

    229Eß last sich ansehen, das im seraglio die alte valida, dreyer kayßer muetter, eine arglistige fürstin, ietzt das ganze werckh dirigiere. Durch das groß vesierat legt sye denen grandesen einen speckh in die fallen, ein nach dem anderen zufangen unnd alle die ienige hinzurichten, welche zu des sultan Ibrahims todt geholffen. Mit dem abgesezten groß vesier ist schon einer hin. Der iezige, Murath Bassa, welcher den ganzen handel angestifft und vornembste rädlführer geweßen, wirdt, sorg ich unversehens auch einmahl darüber unnd den anderen nachfolgen müeßen.

    - 120 -

    230Die iezige türckhische regierung ist fast wie ein ubel ordinierte aristocratia. Die vornembste türckhische ministri, ob schon sye sich, so vil ihr barbarische angebohrenheit zulast, höfflich und freindtlich erzeigt, waren falscher alß nie. Unnd das es mit dißem vesier, Murath Bassa, welcher allem ansehen nach nunmehr absolutus unnd vor siben oder acht iahren noch ein gemeiner ianitschar unnd weder leßen noch schreiben kan, auch nit lange beständigen governo führen möchte, ein bestandts hette.

    231Daß wir bey dem obgemelten vesier, Mehemet Bassa, audienz gehabt, hat man den kopff des groß bassa, so uber ganz Egipten gehärscht, gebracht, der von wegen eines geringen falschen argwons oder müßgöners stranguliert unnd der kopff zu einem augenscheinlichen wahrzeichen nach Constantinopel gebracht worden.

    - 121 -

    232Dißes bassa haubt hat man drey tag und nacht verwachter vor dem ksl. seraia ligen laßen, dan bey ihnen breüchig, so man einen stranguliert, schneidt man ihm gemeinikhlich den kopff ab, sezt den selben bemelte 3 tag für die burg, damit ob dißem augenschein andere sich spiegelen und ein augenscheinliches exempel nemen. Nach dem driten tag wirdt er in das meer geworffen.

    Von deß kaysers ersten kärchenrit, auch seiner großen pracht und herligkheit

    233Den 21. Maii ist sultan Mehemet Han in ein uberauß große und schöne moschkea oder kirchen zu sultan Mehemet, so vil großer und weiter alß St. Stepahns Thumbkirchen in Wien, geridten. Die ist mit lauter quader stuckhen aufgeführt und mit bley bedeckht. Inwendig mit großen künstlichen, - 122 -

    auß einem stein gehaunen säulen geziert. Inwendig hangen vil 1.000 lampen, straußen ayer und runde spiegelkugel.

    234Weilen diß sein erster außrit, versambleten unß unser etlich mit unseren ianitscharen einen an ein orth, da der kayßer fürüber reiten müeste. Da ware auch schon ein große menge volckhs, die alle denselben zu sehen verlangten. Erstlich kame ein große menge der ianitscharen par und par weiß außgetheilt, alßdan reiten bey 50 wollmundierte spahy oder reißige, nach dißen die zauschen, fenderich und stalmeister bey 200 mit großen weißen bünden. Die haben allzumahl faustkolben von eißen und silber geführt, dißen volgten etlich zeschnihir oder truckhsäßen, die vor dem zausch bassa hergehn. Hernach ist großer gravitet geriten der zausch bassa, dem volgten vil haubtleüth der ianitscharen - 123 -

    undt spahy. Nach dißen etlich ianitscharen, so dem ianitschar aga vor und nachgehn. Alßdan kamen etliche stumen, schwarz und weiß, die mit underschidlichen zeichen ihre meinung und intent könen offenbaren. Und ist solche sprach, weilen sye stil zugehet, bey dem türckhischen hoff sehr breüchlich. Denen volgten vil verschnitne mohren, die dem kayßer oder auch seinem frauenzimmer aufwarten. Denen nach volgten bey 20 kleine zwergel. Alßdan bracht man 9 oder 10 außerleßne pferdt, reit oder des kayßers handtpferdt. Deren zaum war mit köstlichen spangen von silber, goldt und edelgesteinen versezt. Die sätel ebenfahls orniert, die schiapren, so uber die sätel gedeckht, waren so schwer undt reichlich mit lauter berel, goldt und edelgestein gestickht, dan man die materi oder grundt nit sehnen kan und die roß daran zutragen haben; unnd dem, so es niemahlen gesehen, selzam firkombt. - 124 -

    Und wie ich vernommen, soll ein solches pferdt sambt seinem angehörigen ornat auf ein thona goldt geschazt werden. Demnach kamen widerumb vil vornembe bassa, denen giengen nach vil solaki, des kayßers trabanten, an der zahl bey 300. Ein ieder trägt in der handt ein bogen und an dem girtel etlich pfeil. Sie haben seidene leibröckh an, auf dem halben theil under dem gürtel offen, darunder ein weiß durchscheinend hemmet. Mit dißen gehn auch vermischt die laggeyen des kayßers, die silberne, vergülte kapen aufhaben. Die können also schnel laufen, das sye in zweyen tagen weiter kommen alß einer in 3 tagen reiten kan. Deren seind bey 40 und stets bey dem sultan, damit, wan etwas fürfühle, sye post ohne verzug außrichten. In den kleideren seind sie den andren nit gar ungleich und wie die satellides vorzeiten aufgezogen etc.

    - 125 -

    235Weilen nun die handtpferdt also pomposisch gebuzt geweßen, kan ein ieder leichtlich erachten, waß maßen des ksl. leib oder reitroß für zieraden an sich gehabt habe. Der kayßer rite gleich nach den gemelten laggeyen auf einem vil ziehrlicheren pferdt alß die vorige gewest.

    236Er ist zwar noch iung, wie auch von leibs gestalt ein schöne pershon, mit köstlichen kleideren gezieret. Neben ihme zu der rechten rite ein vesier, dan die linkhe seiten halten sye, wie wir, die rechte. Auf des kayßers haubt war ein großer weißer bundt, darauf 3 raigerbuschen, so unden am ende mit goldt eingefast und mit grosen diemanten und rubinen versezt gewest. Eß hangete an dem bund ein klein, von goldt kinstlich gemachtes ketel, daran drey seer große orientalische beerlein gehangen. Miten an dem bund ware auch eine von diemandt außgeschnitne roßen, die unerschäzlich. Und als das groste kleinot des - 126 -

    kayßers gehalten wirdt sein talman oder underrockh. War von bestem arabischen goldtstuckh, daran vorderst kleine knöpff von lauter edelgesteinen künstlich versezt geweßen. Der gürtel, damit er sich umbgirtet, ist von lauter goldtspangen und von diemanten, rubinen, schmaragden reichlich versezt geweßen. Der mantel war von einem selzam gebliembten silber stuckh, darin auch guldene roßen gewärgt. Die steigbügel, darin er die füeß mit gelben zschisme oder stifflen angethan gesezt, waren lauter goldt. Eß schimerte und glanzete alles an ihm, waß einer nur anschaute. Nach ihme seind 3 vornembe vesier und einer, so des kayßers sabel geführt, mit köstlichen cafftanen angethan geridten. Der sabel scheinete auch von lauter edgestein. Denen volgten nach villerlai adelliche hoffbediente und vornembe herren. Dißer aller hoffbedienten pferdt - 127 -

    waren auch auf das schönst bebuzt, mit zaum, satel und schiapren, dan sye ihr gröste hoffart auf die pferdt und zihrung derselben wenden. In dem vorüber rith hat der kayßer ohne underlaß sein haubt ein wenig gegen den volckh genaigt. Wie er dan auch gegen unß gethan und darauf starckh angeschaut. Der türckhische pöffel, wo er voriber geritten, ruefften uberlaut auf: Gott gebe dir, kayßer, vil glückh, auf das du lange iahr glückhlich regierest und deine feind uberwindest. Wir warteten auch, biß er in vorige ordnung auß der kirchen geridten etc.

    Erste audientz bey dem neuen vesier

    237Nach dem der vorige vesier ohne einige angehörte entschuldigung abesezt oder stranguliert worden, ist der ianitschar aga, so vil alß generalissimus zu fueß, an dißen stat gemacht worden - 128 -

    Bey dem wir den 27. Maii die erste audientz gehabt, welcher gleich dißen tag zu ader gelaßen, deme ihr gnaden glückh gewinscht, der sich alles guets gegen unß anerboten und erzeigt etc.

    238Dißer groß vesier bemüehete sich unter anderen mitlen gelt zu machen, auch die underhabenden bassa oder vesier zu refermiren, maßen er dan die bassa zu Esrum, Aleppo, Damasco, Ierusalem und anderer orthen mehr abgesezt unnd an deren stel andere installiert. Der zu Ofen besorgte sich auch, hat aber an seinem weib, die eine sultana und bey der alten valida wol angesehen, eine guete helfferin, die soll ihne bey dem governo zu Ofen erhalten, wird iedoch ohne groses geschänckh nit geschehen sein etc.

    239Man spargierte undt wurde von dem vesier dem französchen ambassiator vorgehalten, das sie nachrichtung haben, das bey der iüngsten faction, so zwischen ihnen - 129 -

    und den Venetianeren auf dem meer voruber gangen, auch Franzosen geweßen. Welches der ambassiator der gestalten verandtwortet, eß mochte wol sein, das Franzosen bey den Venetianeren dienst angenommen, dan in ihren landten keine sclaven, und ein ieder sein fortuna suchen mag, wo er will. Dahero vil Franzosen dem kayßer wider Franckhreich und e contra Teutsche wider den kayßer dienen köndten, also hierin nit remedieren. Warauf der vesier dißen vorschlag gethan, wan die Franzosen mit ihren schiffen denen Türckhen wider Candia helffen wolten, sye alß dan den Franzosen wider Spanien assistiren, und waß sye eroberten, under sich theilen. Mit dißer occasion intercedierte der ambassiator auch für den baylo, damit er seiner harten gefänckhnus entlaßen wurde.

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    Audientz eineß persianischen gesandten

    240Den 8. Iunii hat ein persianischer abgesandter bey dem sultan solleniter audientz gehabt, und nebens anderen gallanterien auch ein par elephanten presentiert, welche noch der sultan Ibrahim begehrt. Dieselbe mit goldt und perel zieren und seine sultanin auf indianisch aufgebuzt, darauf sezen undt reiten wollen laßen etc.

    241Der Persier gestalt betreffendt seindt sie nicht lang, aber wol undersezt, braun von farb, wie alle morgenländische volckher, seindt ernsthafft, geschwinde und frische leüth. Mit ihrer kleidung etwas von den Türckhen underschiden, sonderlich am bundt, dan oben in der mite gehet ein spiz herauß, einer halben elen lang, von papir oder anderer materi zusamen gepapt, - 131 -

    damit es steiff bleibe, ring herumb mit rodt weiß gelben strichen ubermahlet. Die vornembe herren versezens mit lauter edelgestein. Zu den klaideren tragen sie eingewirgt reiter, fechter, lewen, beren und anderer thier figuren, welches den Türckhen starckh zuwider, dan sie derffen keine bilder oder gemahlen figuren, nach laut ihres alcorans, haben.

    242 Der Persianer kriegs rüstung ist ein säbel, tartschen und werff spieß. In solchem spieß ist ein solcher großer gewalt, dan der lauf des roß und der trib des reitens machen, daß der spieß ein solchen gewalt bekombt, das er durch einen ungeharnischten man wie durch einen strobuschen fahren thuet.

    243 Die persianischen weiber seind über diemaßen schön, das nit baldt ihres gleichen gefunden werden seindt. Auch zumahl streithbar und, so es die - 132 -

    noth erfordert, züehen sye mit gewehrter handt sambt den mäneren in das feldt. Wie dan anno 1514 auf der Calderaner Heydt ein große schlacht mit den Persianeren unnd Türckhen füruber gangen, in der sultan Soliman daß feldt erhalten. Und sehr vil persianische weibspershonen under den erschlagnen seindt gefunden worden, die sich sambt den mäneren wider die Türckhen so ritterlich gehalten, daß durch der weiber khunheit die manßbilder vil freudiger undt beherzter worden. Also das, wo Ismael Sophi, der Persiar könig, nit wär geschoßen worden, so het Soliman den sig nit erhalten, wie wol er ihn theur genug ankhommen und den sig mit vil bluedt der seinigen bezahlt. Diße weiber seind derohalben rechte Amazones.

    244 Die Persianer wie auch die Türckhen seindt mit einem greülichen laster bemackhelt, dardurch das lob, das ihnen - 133 -

    wegen ihr dapfferkheit gebührt, ganz verfinstert wirdt: Nämlich durch die unnatürliche unzucht, da man gegen man, weib gegen weib mit unnatürlicher lieb erzizigt wirdt und wider die natur einander mißbrauchen, welches laster vor villen iahren bey dißen morgenländischen völckhren hat eingerißen, wie dan an dem exempel der Sodomiter zusehen ist etc.

    Von einer brunst zu Gallata undt feurordnung in Constantinopel

    245Eben den 8. Iunii ist zu Gallata, gegen Constantinopel über, eine große brunst entstanden, da etlich heüßer verbrunen. Und hielten die Türckhen diß für ein böß omen, das die feurs flammen der brenenden heüßer, uber 50 oder 60 schriet hoch, in den alda weßenden vesten thurn - 134 -

    khommen, welcher 100 iahr oder mehr, noch vor der Genueser zeit, gestanden. Er war ganz mit bley bedegt, daßelbig zerrunne durch die hiz herunder wie ein waßer
    .

    246Wan ein feur in Türckhey außkombt, laufft niemandt zu daßelbig zu löschen, außgenommen die ianitscharen, so darzu verordnet sein. Zwar nicht zu löschen, sonderen nur mit firbrechen und einreißen der nechsten heüßer den flammen fürzukommen, damit das feur nit weiter eingreife. Und solche ianitscharen thun bißweilen durch ihr unordenlich einreißen mehr schaden alß das feur, dan ihr intention darbey nur auf das rauben und stehlen gericht ist. Und wie ich verstanden, legen sie bißweilen selbst in ein orth feur ein, damit sye in angehender brunst ihr intent zu stehlen volbringen mögen. Der ienig, in welches - 135 -

    hauß die brunst anfänckhlich ist entstanden, der, will er anderst salviert werden, mueß sich bezeiten auß dem staub machen, sonsten wirdt er mit gewalt in die feuersflammen geworffen, ob er schon kein schuldt daran hat etc.

    Von entlaßung deß baylo

    247Der venetianische baylo, deme der vesier sehr aufsezig, ungeacht er vor disen Venetianern bester freündt und ihre ziggin zimlich kennen lehrnen, ist den 17. Iunii auß lauter gnad und fürbit der anderen podtschaffter und residenten freygelaßen und widerumb in sein losament nach Gallata loschiert worden. Dißer unerhoffte, unglückhseelige fahl haben den baylo etlich 100 ducaten gekost etc.

    Von haimbsuchung unnd visita der podtschaffter und residenten

    248Wie höfflich der anweßende französische und engelländische podtschaffter - 136 -

    zu ihr gnaden ankhunfft durch ihre secretarien empfangen laßen, hab ich mit mehreren oben angezogen. Weilen dan die vorige ksl. internuntii gedachten podtschaffter in eigner persohn zubesuchen gepflegt, alßo hat ihr gnaden auch nicht weniger thun, dieselbe alten gebrauch nach visitieren und die zue underschidlichen mahlen ihme von ihnen gegebne ehr erstadten wollen.

    249Stelte derowegen die erste visita mit licenz des vesiers, die aber zu dem baylo abgeschlagen worden. Den 13. Iunii zu dem französischen ambassiator, alwo ihr gnaden nit allein sein hoffstat ganz ehrenbietig entgegnet, sondern er selbst, monseur della Haya, ihr gnaden freindtlich empfangen. Alda sie mitnander in einem zimmer lang von underschidlichen sachen discurirten, wurde under deßen eine collection für sye zugericht. - 137 -

    Herrauß in einem weiten saal war ein lange taffel mit underschidlichem confect reichlich ubersezt, darzu wir nach unserem belieben zu eßen berueffen wurden, welches wir auch gethan. Da fiengen an die gläßel hin und wider zu fahren, und fieng algemach ihr römisch ksl. Mt. undt des königs in Franckhreich gesundheit an zu halben, daß wir per turpetatione redlich beschaidt gethan und endtlich wolbezecht ihr gnaden widerumb über das meer nach hauß beglaitet.

    250Gleichfahls haben wir auch den holländischen, engelländischen, römischen potschaffter oder residenten haimbgesucht, von deme wir ebenfahls hofflich tractirt. Einer under unser compagnia hat sich mit dem spanischen wein bey der engelländischen visita also erquickht, das er das meer für das landt angesehen. - 138 -

    Dan, alß er auf das landt steigen solte, stige er von dem schiff in das waßer und ie mehr er vermeinte dem land zuzugehn, lauffe er ie weiter hinein und wofern im die türckhischen schiffleit nit herauß gezogen, ware er ertrunckhen etc.

    251Nach dem unsere haimbsuchungen nunmehr ein endt gehabt und wir des steten eßens und trinckhens vermeinten entlediget zu sein, finnge es gleichsam auf ein neues an. In deme unß die zuvor von unß haimbgesuchten potschaffter und residenten ihre visita nacheinander gelaist und restituirt haben, die, gleichfahls wie wir, wol empfangen und ehrlich tractirt worden. Deren officier wir ebefahls, wie sye unß, wol bezaihter haimbgeschickht und haben zu beederseits in wehrenden visita schwere müeh und arbeit mit eßen und trinckhen in gueter conversation und vertreüligkheit zugebracht und zumahl gleich umb gleich vergolten.

    - 139 -

    Wie einer von unser compagnia ertrunckhen und wie es sich zugetragen

    252Gleichwie nun unser herein rayß in der scharpffesten kälte geweßen, also hat sich die zurückh räyß hingegen in der grösten hiz der hundtstäg begeben. Damit ihr gnaden derowegen in der hinaußrayß in stilligen (weilen nit rathsamb ware, aller orths in den heüßeren die quartier zu machen) sich und die seinige von den so haißen sonnenstralen auch anderen ungewidter auff freyen feldt gleichwohl in etwas salviren und beschirmen khöndt, oder auch zu presentieren, hat zu solchem ende ein persianischen und türckhischen zelt erkaufft. Die selben ungefehr ein stundt weit von Constantinopel bey Alay Begkai, ein schön gelegen dorff, zu besichtigen aufspannen laßen, - 140 -

    darunder ihr gnaden sambt etlich wenig, so er mitgenomen, das mitag mahl genoßen. Nach dem sich ihr gnaden nach eingenommen mitagmahl zu rasten nidergelegt, und wir unß wegen schener gelegnen wiesen auf allerley recreationes begeben, haben wir endtlich wegen großer hiz unß abzukhülen samentlich in dem alda vorbey und in das meer flueßendes, süeße waßer genandt, zu baden beschloßen. Darbey sich ein ihr gnaden adellicher aufwarter, herrn Andreas de Tomasis auß Tyrol, befunden. Dißer, alß des schwimmens unerfahrene, wagte sich weit hinein. Darumb er von den andren treülich ermanet, das er im selbst nicht zu vil traue, welche ermanung er in den windt geschlagen. Underdeßen giengen und schwumen wir in dem wasser hin und wider und er, Thomasis, verlohre den grundt oder boden, erdapte - 141 -

    mich unversehens und hielte sich starckh an meinen achßlen. Ich erschrackhe und bemühte mich, sambt ihme an das landt zukomen; aber vergebens, dan er ein schwere pershon und ich wegen seinen fueßen mit den meinigen im schwimen nit von der stel khönde, dan ich trate das waßer und blibe alweil an einem orth. Andere gegenwertige vermeinten, er vopte sich mit mir. Ihme aber und mir war anderst umb das herz und gedachten unß von dem todt zuerrödten. Er, Thomasis, trugte und dauchte mich wegen seiner schwärigkheit alweil hinunder, das ich noch reden, noch umb hilff schreyen kundte. Ich aber zappelte und bemuehete mich umb mein theil dem undergang zu entrinnen, so vil ich khundte. Er wolte mich nit außlaßen, wie wollen im die am land stehende starkh zugeschrien, er solle mich nit ertrenckhen, dan ich schon ein gute weil under dem wasser mit dem kopff geweßen und gleichsam hinunder sanckhen, - 142 -

    liese er mich auß und ich des auf mir gelegnen lasts entledigung empfandt, schwume ich mit großer mie widerumb dem landt zu. Underdeßen wie andere, so darbey waren, gesagt, dan ich im schwimmen nit vil umbgeschaut, hat er sich zweimal in die höch geschupfft, alßdan ohne weitere hilff undergesunckhen. Der trombeter, dan sonsten außer unß beeden keiner schwimen kundte, schwume under das waßer und erdapte ihn bey dem arm. Hat in aber, wegen der schwere, nit heraußbringen mögen und nach dem ich mich widerumb ein wenig erholt, stürzte ich mich wider under das waßer. Aber ich könde ihn nicht finden. Alßdan seind etlich mit einer tskeika oder schiff hingefahren, mir ein strickh umb den arm gebunden (ich bemüehete mich auf alle weiß, ihn zu entreten, weilen er mein gueter camerad von etlich iahren hero geweßt), daran ich mich widerumb under das waßer - 143 -

    gelaßen; und weilen ihn das waßer etwas hinunder getragen, nit finden oder ergreiffen können. Eß hat sich auch ein Türckh, so ein guter schwimer, ihn vergebens gesucht. Endtlich aber haben ihn etlich schiffleit herauß gezogen, den wir gestürzt, aber kein leben mehr zu finden gewest. Darauf wir mit ihm in einem schiff haimbgefahren und anderten tags sambt der clerisey zu Gallata in der Christen freithoff außer Pera, nechst bey des vorigen herren residenten seeligen grab, gelegt. Zuvor aber hat man die par aufgemacht und seine angehabten kleider ganz zerschniten, weilen es sonsten verwegen leit gibt, welche zur nacht die todten außgraben und ihren anhabenden kleider berauben. Diße vers seind ihme ex tempore gemacht worden:

    253In unbekhandtem flueß sich wollen baden bsunder, nit glauben waß man sagt unnd sicht die gfahr vor sich, - 144 -

    gehet er freywillig drein, so ists hernach kein wunder, wan todter man ihn fischt, wie gfischt bin worden ich etc.Requiescat in pace etc.

    Waß sich nach deß kaysers anderten kirchenrith zugetragen

    254Den 16. Iulii haten die Türckhen ein solennitet und war der sultan selbst durch die stadt in die vornembe mosquea oder kirchen, nach sultan Soliman, sein gebett zuverrichten, geridten. Alß er widerumb zuruckh nach dem seraglio kommen, stunden alda bey der porten bey 200 pauren, die ströheten feur auf ihre köpff. Alß der kayßer gefragt, was daß bedeüte, klagten sye einhelliglich wider die tyranney eines vesiers nahmens Mussa Bassa. Dißer sagte, er habe im alles daß seinig hinweckh genomen und in die eüßerste armut gesezt. Ein anderer klagte, er habe under seinen - 145 -

    kinderen tyrranniert und dieselben umbgebracht. Der drite diß, der vierdte ienes, also das dißer Mussa Bassa, welcher sonst auch vil feindt gehabt, des tags hernach, den 17. stranguliert worden.

    Von uneinigkheit der spahi und ianitscharen wegen des strangulierten kayßers

    255Baldt nach unser ankhunfft auf Constantinopel spargierte man, ob solten die spahi in Asia ein capo nahmens Gurti Nebi aufgeworffen, sich versamblen und so wohl des sultans Ibrahims todt, alß ihren selbst eigen affronte, so sye dazumahlen in der faction mit den ianitscharen erlidten, zurechnen begehren. Und schribe gedachter Nebi noch im Maii, sye wollen wider die Porten nichts anfangen, sondern allein in etlichen differentzen iustitia undt satisfaction haben.

    - 146 -

    256Erstlich zwar, damit die iunge spahi, so von etlichen iahren ihre paga niemahlen haben khönen, völlig bezahlt und contentirt wurden etc.

    257Anderten, ob die ianitscharen und die mit interessierte ohne ihr vorwißen, weilen sye, nobiliones von der ottomanischen militia, allein den kayßer absezen und hinrichten können; sonderlich diß hoch anziehend, das man noch iüngst zwischen der militia gewesten rencontre zu Constantinopel auff dem blaz Atmeidan der spahy ihre cörper in das meer geworffen und ohne sepultur und gewohnlichen suffragiis tanquam infideles et giauros beraubet.

    258Dritens, warumb man durch Asia sovil und underschidliche befelch diser undt iener spahy khöpff zu bringen - unpaginiert -


    Zwei auf Pferden sitzende Personen sind in der oberen Bildhälfte zu sehen. In der unteren werden zwei osmanische Reiter gezeigt.

    Abbildung: A. Ein reißiger spahi. B. ein doctor.
    Abbildung: Zwen türckhische obersten im krieg.

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    Hier sind zwei Osmanen zu sehen, einer auf einem Pferd sitzend, der andere ist zu Fuß unterwegs. Im Hintergrund sind Festungen zu sehen.

    Abbildung: Ein türckhischer atschamoglan, der neben seinem herren laufft unnd die kapen so es wegenn möchte nachtragt. Hantschar, ein meßer, so die Türckhen, meist ianitscharen, an der seiten im gürtel tragen.

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    geschickht, sye gleichsam ex cetu türcaram außgelöscht und für giauren publicieret. Wan sye es verschuldt, wollen sye es erkhennen laßen und die hierauf gehörige straff außstehen. Hetten sye es aber nit verschuldt, warumb hat man mit ihnen solches procediren an und vornehmen wollen, begehrt also iustitia.

    259Der sultan schickhte hierüber zu dißem Nebi den Reschep Aga, welchen man sonsten in underschidlichen commissionen zu brauchen pflegt, und ließe ihne ernstlich ermanen, das er nichts widriges tentieren, sonderen sich alßbalden zuerrueck begeben und seine gravamina gehöriger maßen einwenden solle. Man werde ihm gewiß satisfaction leisten und mit mehreren caricher ehren und digniteten begnaden, wo nit er gewiß die hochste straff und ungnadt zuerwarten habe. Dan alle die - 148 -

    ienige, so iehmahlen wider die Porten eine hostilitet verüebet, wenig erhalten und endtlich rigorosissime gestrafft worden. Worauf aber der Nebi kheine andtwort geben, sonderen gedachten aga zu rueckh gehalten.

    260Von dißer spahy manschafft hat man underschidlich spargiert und nichts aigentlichen wißen könen. Etliche sezten 1.000, etlich 15, 20, und auch 30.000, alßo daß in Constantinopel eine grose forcht. Und sonderlich under denen, die zu des sultan Ibrahims todt geholffen, undt deren köpff die spahi zum theil praetendierten, ein zimliche confusion geweßen.

    261Der alte vesier, Zerkes Mehemet Bassa, ob schon er ein zeitlang in exilio zugebracht und villeicht alda von sich selbst crepieren sollen, ist er doch, die revolution desto ehender zu stillen, mit sambt seinen - 149 -

    kehaia und einem teffterdar stranguliert worden. Eß wolte aber noch dißes noch ienes nebens vertröstung mehrer ehren unnd caricher, wie obgemelt, helffen. Sonderlich kamen imer zeitung, das die spahi von tag zu tag ie lenger ie mehr vorbey rückhen.

    262Den 19. Iulii hat man dem muffti, so vil alß türckhischer pabst, sambt seinem sohn, welcher cadi zu Gallata geweßen, weiß nit in vindictam des sultan Ibrahims todt oder den Nebi zu stillen, masul gemacht, unnd an deßen sein stell einen anderen, nahmens Bechay Mehemet Effendi, eingesezt, und in daß exilium verschickht worden.

    263Den letsten Iunii kame einer auß Asia und brachte dem vesier khundtschafft, daß alberaith über 30.000 spahy beisammen und continuo andere sich zu schlagen und beikommen.

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    264Worauf der vesier des anderten tags in aller früeh mit dem muffty, cadileskieren, allen capitänen, so woll anweßenden spahyen alß ianitscharen gleichsam ein offentliche consulta gehalten. Vortragendt, er habe gewiße nachtrichtung, daß die rebellen in Asia von 20 bis 30.000 man starckh beisamen sich fahren, wider die Porten sezen und vil unheil verursachen möchten. Es seye kein anders mitel, dan ihnen mit ernst zu begegnen. Fragte hierüber die capi von ianitscharen, ob sye auch alß treue diener ihres kayßers wider die rebellen beraith weren, warzu sye sich alle willig erkhlärt. Einer aber under den vornemberen stunde auf und sagte, waß thuen die spahi, so zugegen, wollen sye sich dan nicht auch brauchen laßen? Welchem ein vornember auß den spahyen - 151 -

    geandtwortet, sye weren nicht schuldig zu feldt zu gehn, wan der vesier nit selbst mitkombt. Deme wider ein ianitschar replicieret, eß ist nicht der müeh werth, das der vesier auf zwey oder drey mitel aufbreche. Nach dißen und dergleichen concerten declarierten sich auch endtlichen die spahy mit dißem geding, das die ianitscharen voran solten, welches denen ianitscharen auch nicht gefallen, in bedenckhen, die spahy mit denen anderen villeicht d’accordo, dieße in die miten bringen und sye dergestalt mehrseits attaquiren möchten. Leztlichen resolvirten sich die spahi voran zu marschieren, legten zur versicherung iuramentum fidelitatis ab, das sye sich in dißer occasion, wie es die noth erfordert, sine mani solo dapffer und redlich verhalten wollen.

    265Worauf alßbalden zum aufbruch ordre geben worden und continuo - 152 -

    von 1. biß auf den 6. Iulii mehr dan 40 oder 50.000 man mit artigleria undt allen gehörigen kriegs praeparatorien zu roß und fueß zu Scutari ubergeschifft und denen selben zu begegnen in Asia gangen.

    266Der vesier, muffty, cadileskeri und alle die vornembste wahren in pershon mit, haten unweit von Scutari schanzen aufwerffen und ein ordentliches feldt läger schlagen laßen. Die vornembste officier von spahynen steckheten ihre standarden auß und publicierten, das, wer under dem Nebi erdapt und nit zu seinem standar sich verfüegen wolle, allsobalden zu stückh er zerhaut solle werden. Man hat zwar vermeint, das der sultan selbst mit werde, weilen er aber noch ein kindt, also hat er zu sinurierung seines willigen gemüets und das volckh - 153 -

    desto beßer zu animiren das fändl ihres propheten Mahomets geschickht, welches sonst niemahlen, es seye dan, daß der sultan selbst gegenwertig, zu feldt getragen wirdt. Dißes fändl alß eine reliquia tragen allein die, so von der machometanischen lini in einem vergulten trüchel ungefehr eine viertel meil biß zum läger. Da sye vorbey genahet, stehlete sich die ganze armee, solches mit höchster reverentz zu empfangen, in eine postur, schlugen die händt uber die köpff zusamben und fiengen neben underschidlichen kläglichen actionen an zu weinen. Endtlichen kame der vesier auß seinem zelt, naigte sich vor dem selben gar tief, name es auß dem vergulten trüchel herauß und zeigte es der militia, warüber sye zweiffels ohne ein sonderliche consolation gehabt. Aldieweilen sye dißer opinion, das sye niemahlen verliehren - 154 -

    khönnen, wan dißes fändl im feldt steht. Der vesier schickhte ihme, Nebi, einen befelch, das, wan er anderst des sultans sclaf, alsobalden kommen und sich vor ihme praesentieren solle. Deme er aber nit pariert, sondern licenzierte obgedachten Reschepp Aga, welchen er ein zeit lang hinderhalten, unnd ließe dem vesier sagen, er begehre wider die Porten nichts vorzunehmen, sonderen allein in etlichen differentzen iustitia zu suechen, und das man den muffti und seinen sohn, welcher cadi zu Gallata, ihres ambts entseze. Solches auch denen spahy unnd ianitscharen auf des vesiers seiten zu gemüeth führendt, ob es nit beßer, daß einer oder zween cassiert werden, alß das sye sich undereinander ruiniren und sovil 1.000 ihr leib und leben laßen müeßen; welches dan iezt gemelte militia zum theil vir rationabl - 155 -

    erkhendt und sonderlich under den spahyen, weilen der vesier den 5. Iulii auf den randevous sich im paßieren und repaßieren allein vor den ianitscharen und vor den spahyen niemahlen genaigt, ein gemurmel unnd (wie etliche vermeint) mit dem Nebi gleichsam einen heimlichen verstandt verursachet etc.

    267Wegen des muffti (der damahl noch in seinem ambt) wollte der vesier sich nicht erkhlären, vorgebendt, es seye nit der brauch, das man denen rebellen nach ihren willen thue und dardurch ein üble consequentz machen.

    268Worüber er, Nebi, desto mehrer verbittert mit einer großen resolution angezogen unnd fast 3 tag (inmaßen man zu Constantinopel dinstincte hören khönen) continuo starckh wider ihme canonirt worden etc.

    269Under anderen dapfferen soldaten, so der Nebi gehabt, ware sonderlich einer, - 156 -

    Katerschiogli. Dißer presentierte sich den 7. Iulii mit einer resoluten partey auf einen berg und ließe nit weit darvon mit einer verborgnen riserva von ein pahr 1.000 man halten, gegen welchen, alß der vesier allein mit denen deli und seinen aignen leüthen ohne der spahy undt ianitscharen avanziert, reterierte sich der Katerschiogli etwas gedachter riserva vorbey, welche unvermeintlich sambt ihm zugleich auf den vesier loßgangen und darin fast biß in die 7.000, darunder auch 2 bassa, todt und 2 verwundt erlegt. Weilen aber des vesiers seine militia secundierten, alß name er die flucht, schluge sich zu dem Nebi, welcher iedoch nit stich gehalten, sondern mit seiner ganzen cavalleria, die allein ein armada volante, ohne infanteria undt artigleria zurückhgangen. Worüber - 157 -

    der vesier obberüehrtes fändl ihres propheten Machomets also balden dem sultano widerumb anhaimbgebracht und von gehabter faction parte geben unnd zu der nunmehr erhaltnen victori wider seine rebellen glückhwünschen; ob man zwar vermeint, diße revolution gestilt, wie dan die vornembsten Türckhen auch etwas von der soldatesca albereit widerumb nach Constaninopel wahren, recolligirte sich dan mehr gemelter Nebi und ließe dem vesier sagen, weilen er iah sehe, das man ihme weder in iustitia, weder in gnaden nichts zu seinem intent thuen, alß sey er da und begehr zu schlagen, daher der vesier noch selbigen abent mit allen zurückh und ihme, Nebi, das haubt bieten wollen.

    270Eß eraignete sich aber entzwischen under dißen spahi und rebellen selbst ein uneinighkeit und große disgust wider den Nebi, das er sye sub praetextu, alß - 158 -

    wan es des sultans befelch und die vornembste mit interessirt wehren, so weit persuadirt und in effectu alles wider sye sey. Wolten wider das fändl ihres Mahomets nit streiten, sonderen zertheilten sich und theten in Asia mit rauben und plinderen großen schaden.

    271Vil haten die suspicion, ob solte die alte valida mit ihnen conspiriert haben. Die vorsichtigkheit des groß vesiers aber ware so guet, das ihre impressa nit reusciren khönnen.

    272Den 21. Iulii ließe der sultan dem groß vesier rüeffen und hielte ihme dißes versprechendt: Du hast vil wider den alten vesier geklagt, das er nit wol gubernirt. Ich sehe noch nicht, das du die sach beßer verstehest. Waß ist das für ein governo, daß meine sclaffen sich selbst ruiniren und sich undereinander nider machen. Ich bin klein, wirstu aber nit remediren, - 159 -

    so will ich dir zeigen, das ich groß bin.

    273Warauf der vesier alsobalden zu dem Nebi geschickht und ihme zu acquisiren, in specie von zweyen schenen caricher vertröst. Möchte also mit dißem vesier auch in die lenge keinen bestandt haben unnd successive einer nach dem anderen, die zu des sultans Ibrahims todt geholffen, bellmodo auß dem weeg khommen.

    Wie ein Christ, so wir außgelöst, ein Türckh worden, sambt seinem aydt, so er gelaistet

    274Alß unser etlich zu Gallata ungefehr bey einer gefänkhnus vorüber giengen, da hat unß Martin Waßerman von Augspurg, ein schueknecht, umb erleßung umb Gottes barmherzigkheit angesprochen, mit vermelden, er seye nur umb 20 thaller incarcerirt. Wofern er dieselbe inerhalb wenig tagen nit erlege, werde er dardurch in die ewige dienstbarkheit gerathen. Daran wir ein herz - 160 -

    liches mitleiden getragen und ihn ehest außzulösen versprochen. Welches auch den driten tag darauf geschehen ist, in deme unß ein ieder etwas under unserer compagnia zu seiner erledigung dargeben. So baldt er nach erlegtem gelt außgelegt wurde, hielte er sich interim bey unß auf, im willens, mit unß hinauß zu raisen.

    275Er ist nit mit unß, sondern zuvor mit einem herren hinein kommen. In wehrender zeit, da er sich bey unß aufgehalten, hat er einem ungefehr 15 thaller gestolen und dan man ihn besuechen, und damit der diebstahl verschwigen bleiben solte, hate er das gelt durch das fenster in das meer geworffen, welches man augenscheinlich gesehen, ihn darauf in die eißen geschlagen und in unserem hauß behalten. Welcher darauf, so baldt er loß worden, zu dem vesier geloffen und vorgeben, er habe lange iahr bey dem vorigen residenten - 161 -

    gedient und deßwegen einige bezahlung nie empfangen und er möge nimmer bey den teütschen giauren, das ist ungläubige, verbleiben. Sondern es gefalle ihm die türckhische religion und wolle ein Türckh werden. Der vesier lobte sein vornemben, ließe ihm durch sein dinner ein den teütschen huet abziehen unnd sezte im ein türckhischen bundt auf, dardurch ein pfeil gesteckht war. Einer der beystehenden sprach in diße arabische wort vor, die sprach er nach mit aufgeregtem daum finger. Dan also schweren sye ihren aydt, la he la he ille la Muhameden resullula tangibir oder türckhisch: ley la hel la Mahomet soldan. Das ist: Ich glaub das nur ein Godt sey unnd Mahomet deßen prophet. Daß seindt zwar wenig wordt, aber vil tausent seindt dardurch ewig zugrundt gangen.

    276Darauf haben sye ihn Alibassa genendt und volgents zu dem balbierer geführt, der - 162 -

    ihm das har ganz glat hinweg schert, außgenomen ein klein bischel in der miten. Über etlich monat hernach wirdt er beschniten. Ich hab ihn darnach 2 mahl angetroffen. Der hat mir geklagt, wie sehr es in reue, da er nit bey unß gebliben und ein Türckh worden, und er wolle mitler zeit sehen, das er durchgehe und widerumb in die christenheit komme. Dan offentlich kan keiner entrinnen und so man einen warnimbt, das er außreißen will, wirdt er lebendig gespist. Darumb ist solche scharpffe straff ein ursach, das mancher sein heil zu suchen underlast, aber so ein gefangner, so zuvor kein Türckh nie geweßen, außreißen wil und erdapt wirdt, thun sie ihn ahm leben nichts, sonderen sagen, es sey natürlich nach der freyheit trachten undt streben.

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    In der oberen Bildhälfte sind drei orthodoxe Geistliche zu sehen. In der unteren Hälfte werden ein Geistlicher und zwei weitere Personen, laut Metzger Griechen, dargestellt.

    Abbildung: Der griechischen priester tracht in dem gottesdienst.
    Abbildung: A. Ein griechischer priester wie er uber die gaßen gehet. B. Zwehn gemeine Griechen.

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    Von deß griechischen patriarchen closter in Constantinopel und visita

    277Den 22. Iulii wurdt ihr gnaden zu dem griechischen patriarchen, Parthenio, geladen. Und an dem ufer des meers, da ihr gnaden und wir an das landt gestigen, hat der patriarch durch seine officieren ihr gnaden alßobalden bedienen, durch das stadtthor biß in patriarchato beglaiten und alda im vorhof von denen vornembsten metropolyten widerumb empfangen und in die kirchen führen laßen. Nach wenig verrichten gebet zeigten unß die metropolyten das sanctuarium, ihre reliquien, so hernach beschriben werden. Volgents führten sie unß widerumb hinauß und khame ihr gnaden gleich vor der kirchen entgegen der patriarch selbst, umbfangte ihn ganz freindtlich und führte ihn in ein zimer. Wir aber wurden auch - 164 -

    in ein absonder zimmer geführt. In einem anderen zimber ware auf einer langen taffel von allerley confect gewiß ein statliche collation. In berraitschafft zu oberst an der taffel ist der patriarch und ihr gnaden zimblich lustig mit allerhandt gueten gesprächen fast in die zwo stundt geseßen und hat der römisch ksl. Mt. gesundtheit der patriarch einen rundttrunkh mit vilen segen und benediction stehend herumb gehn laßen. Er erzeigte in summa alle cortesia und höffligkheit und beglaitete ihr gnaden selbst in abscheiden durch den hoff biß zum thor des patriarchato, nambe auf das freindtlichste urlaub und ließ ihr gnaden durch die seinigen widerumb durch das stadtthor biß zum ufer des meers accompagniren. Darauf wir widerumb zu unserem losament gefahren.

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    278Die visita restituirte herren internuntioy der patriarch mit seinen vornembsten metropolyten den 27. Iulii. Wurdte mit gleicher cortesia und ehr empfangen, auch mit einer schönen collation von allerley confect tractirt etc.

    279Den patriarchat belangendt ist zimblich weit aber schlechtlich erbaut. Darin wehren neben dem patriarchen mehrentheils griechische metropolyten und munch, die sich in des patriarchs diensten brauchen laßen. Er halt auch ein ianitscharn, der ihn und die seinige beglaitet.

    280Die kirchen ist nach alter manier wohl gebaut. Die wändt und gewölber mit underschidlichen heilligen ubermahlt. Nemlich mit underschidlichen wunderwerckhen und mirackhlen Christi und die bildtnußen Constantini Magni, Helenae, Chrysostomi, Athanasy, und auch die bildtnus und gestalt der alten griechischen kayßer und kayßerin, wie - 166 -

    sye in ihrem ornat aufgezogen.

    281So hab ich auch in keiner griechischen kirchen mehr alß ein altar gesehen. Darfir ist ein vorhang, den machen sye in celebrierung der mäß bißweilen auf und widerumb zu. Und zur zeit der elevation tragen sye unseren herren verdegter sambt dem kelch in der kirchen herumb. Die gegenwartige schlagen an das herz und machen vil creüz nacheinander undt sye empfangen das abentmahl Christi in zweyerley gestalt. In bemelter kirchen haben wir gesehen ein stuckh von einer steinernen saülen, daran Christus der Herr zu Ierusalem in Pontii Pilati hauß gebunden und gegeißlet worden. Diße säul ist ungefehr einer elen hoch und 4 ½ meiner span dickh, so alters halb aschenfarb. Aber an im selbsten ist es ein weißer marmor in ein eißen gätter eingeschloßen. Ist unß aber - unpaginiert -


    Im Vordergund sind exemplarisch ein griechischer Kaiser und eine Kaiserin abgebildet, im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen.

    Abbildung: Tracht der vorzeiten gewesten griechischen kayßer unnd kayßerin.

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    Die Zeichnung stellt Kaiser Alexios dar.

    Abbildung: Alexius, gewester griechischer kayßer.

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    durch den sacristan aufgemacht worden, item 2 heillige cörper. Neben dißer haubt kirchen haben sye noch vil hin undt wider in der stat, so aber gar schlicht in den heüßern gebaut, darin sye ihren gottsdienst halten.

    282Unser etlich seind auch am heilligen Pfingstag zu ihrem ambt gangen, welches unß sehr lang fürkomen, und sye seind 3 mal auf das angesicht nider gefallen und ein gute zeit ligen bliben. Darnach wurden wir zum patriarchen gerueffen, dem wir mit tieffer reverentz den rockh geküst und alßdan mit scherbet, cave und köstlichen ranckhen von aloes geehrt worden, wie sie dan auch unß panem gratia gebracht.

    Von den armenischen patriarchen

    283Eß ist auch zu Constantinopel ein armenischer patriarch sambt etlich seiner pfaffen, der auch ein kirchen - 168 -

    undt closter in hat. Under dißen Armenern und Griechen ist ein solches odium novercale, daß sye kein gemeinschafft mit einander halten, auch zusamen nit heürathen, dan sye in ihrer religion in vilen artickhlen sehr wider die Griechen seind. Destwegen sie ein solchen haß gegen einander tragen etc.

    Zeittung

    284Den 29. Iunii hat man in offentlichem divan 6 schöner venetianische infanteria fahnen, das aber under sich gestelt, nebens zwen gefangene gebracht, und denen, die es praesentiert, cafftan angelegt, über welches die Türckhen zimlich pravirt und etliche alda weßende Christen per dispetto, solche zu sehen, herfir getragen. Nach dem der baylo auß dem Schwarzen Thurn ledig worden und etlich tag zu Gallata in seinem logiament geweßen, ließe ihm der vesier sagen, er man soll der - 169 -

    Republica schreiben, man werde ihrer seits mit der selben gern frid machen, wan sye nur Candia cediren und völlig abtreten wollen, (der baylo gedachte, es wurden die schaff under den wölffen schwerlich seher sein) worauf der baylo geandtwortet, er wolle schreiben, damit sich die Republica hierüber zu resolviren wiße etc.

    Von gelegenheit der statt Constantinopell etc.

    285Die große, weitberüembte stadt Constantinopel ist gelegen in der landtschafft Thracia in Griechenlandt. Gegen aufgang der sonnen stöst sye an den Bosphorum Thraciae, gegen mittag an Propontidem Maris Aegei, gegen mitnacht hat sye ein schönen portt und meerhaffen, ein halbe meil lang, darinnen die schiff stehn, welcher mit seiner bequemligkheit und sicherheit alle andren - 170 -

    port in der ganzen welt ubertrifft. Dißer wirdt bey den scriptoribus Sinus Ceratinus genandt. Die stadt stöst an bey dem meer, alß Mare Mediterraneum unnd Pontum Euxinum; hadt in seiner lenge, wie Herodotus anzeigt, 343 teitscher meilen biß gen Theodosia, so iezundt Capha genendt wirdt – der Tartar könig residentz stadt. Sye ligt in Taurica Chersoneso am Bosphoro Cimereo. Von danen bringt man alles schmalz in khüeheiten eingemacht nacher Constantinopel. Bosphorus Thracicushat in seiner leng 4 teütscher meil, nemlich von Constantinopel biß gen Chrysopolim in Natolia oder Klein Asia, die man iezt Scutari nehnet etc.

    286 Die stadt Stambol, von den Türckhen also genandt, hat bey den historicis vilerley namen. Das sye genendt wirdt Byzantium, Anikusa, Athusa, Antonia, Nova Roma und Constantinopolis, dan zu griechisch ist πολυς - unpaginiert -


    Dies ist eine kartographische Darstellung des Schwarzen Meers und der umliegenden Regionen. Sie wurde wohl einem Druckwerk entnommen.

    Abbildung: Asia circa Pontum Euxinum et Maeotim ex Plinio lib. V. cap. 12345.

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    ein stadt, und hat sye Constantinus Magnus die stadt des Constantini nennen laßen. Ist auch von ihme zu einer ksl. residentz stadt gewidmet worden unnd von der selben zeit ahn biß auf heitigen tag der orientalischen kayßer, nachmahls auch biß hieher der ottomannischen kayßer residentz geweßen.

    287Zur zeit des kayßers Alexii Comneni, der hier begraben ligt, war die stadt von den Franzosen und Venedigeren eingenommen. Dan die Franzosen selbiger zeit das heillige landt widerumb verlohren haben, und war das griechische kayßerthumb in zwen thail gethailt, nemlich in das constantinopolitanisch undt trapetzuntisch reich. Nach dem nun die Griechen der französischen regierung wegen großen aufferlegten anlagen und tribut müedt und verdrüßig worden, nemlich biß in 60 iahr, seindt die Franzosen von dem kayßer Paleogolo außgerodtet, mit hilff der Genueser, welchen - 172 -

    hernach der kayßer die stadt Peram oder Gallatam gegen Constantinopel über verehret, unnd haben die Griechen von der selben zeit an das regiment erhalten, biß die stadt von den Türckhen eingenommen worden. Da ist sye der türckhischen kayßer residentz geordnet worden. Biß heütiges tags, dan zuvor hielten sye hoff zu Brusia, so auch ein ser große stadt in Bythinia, darnach zu Adrianopoli, biß sye endtlich Constantinopel erobert etc.

    288Diße stadt Stambol ist vorzeiten berüembt geweßen der vortrefflichen universitet halb, welche nicht weniger geacht worden alß Athen, dan es waren sehr gelehrte leüth alhier, darunder einer, Ioannes Chrysostomus, von hier gebürtig. Eß hat auch ein vortreffliche bibliothec gehabt, darinnen 120.000 underschidliche büecher geweßen, sonderlich ein darm von einem Trachen, 120 schuch lang, darauf die schrifften Homeri, Odyssea undt - 173 -

    Ilias, mit guldnen buechstaben geschriben geweßen. Diße büecher seindt endtlich alle in einer großen brunst zugrundt gangen.

    289Die stadt begreifft mit ihrem umbbriß 2 guete teütsche meil zu waßer undt landt. Hat auch 19 thor, deren namen also lauten etc.

  • 1. Iedicola capi, das thor zu 7 thürnen
  • 2. Silebri capi, siliverner thor
  • 3. Top capi, daß schüzen thor
  • 4. Edrenecapi, Adrianopel thor
  • 5. Egri capi, krumb thor
  • 6. Eup capi, Iobs thor
  • 7. Eupbasar capi, Iobs marckh thor
  • 290Diße 7 porten seindt gegen nidergang auf dem landt, nemlich von siben thürnen biß an den meerhaffen, da er anfangt etc.

    291Von danen biß an das seraia oder burg am meerhaffen hinunder seind diße:

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  • 8. Palat capi, pfalz thor von dem palatio Constantini also genandt
  • 9. Diplophanari, das ander laternen thor
  • 10. Phonarcapi, auch das laternen thor
  • 11. Balicapi, das fisch thor, da nechst bey dem wir unser quatier hadten
  • 12. Atacapi, von ayia, heillig; der heilligen thor, nemlich Sankt Theodosiae
  • 13. Uncapi, das meelthor
  • 14. Ienicapi, neuthor
  • 15. Uduncapi, das holz thor
  • 16. Ieniscapi, kornthor
  • 17. Palucbasar capi, fischmarckh thor
  • 18. Dschifutcapi, Iuden thor
  • 19. Bassacapi, das herren thor
  • 292Gegen mittag am Propontide hat es nur ein thor, Cancapsi genandt, gegeben, da hat man vorzeiten angeländt und ist iezund verschloßen etc.

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    293Die stadt ist ganz mit einer maur umbgeben. Gegen nidergang aber, da sye am landt ligt, hat sye ein dreyfache maur; zwischen einer ieden maur ein zwinger. Die maur, so nechst an der stadt, ist höcher dan die anderen zwo, die beyde seindt kaum halb so hoch, überdiemaßen dickh unnd mit vilen starckhen thürnen auf das best versehen. Doch seindt die gemmeür alters halb zimlich ruinirt, dan die Türckhen selten waß renoviren.

    294 Der gemeinen leüth heüßer seindt liederlich ohne kalch, allein mit gaßen koth undt laim gebaut, die seindt gar nider, haben wenig liecht. Gewohnlich gehet ein schmal fensterlein in ein gemach, wie ein lufftloch in einem kheller. Sye wißen von keinen öffen, sonderen haben allein camin wie in Welschlandt der brauch ist.

    295Die reiche leüth aber haben feine, weite unnd hoche gebey, von kalch und steinen - 176 -

    gebaut. Doch mögen sye den gebeyen in Teütschlandt nicht daß waßer reichen, dan die türckhische undt griechische werckhleüth keinen solchen vortheil im bauen wißen alß die Teütsche undt Italianer. Zu dem fehlet es ihnen auch an kalchstein und bauholz, dan alles dißes gar schwerlich undt theür zu bekomen. Darumben auch die heüßer sehr hoch geschäzt unnd verkhaufft werden. Das dachwerckh oder dachstuehl ist erstlich ganz mit bredteren belegt und nit hoch oder gäch, sonder das der regen mag ablauffen. Darauf legt man holle züegel bloß dahin, das sye weder angemaurt noch sonst angehefft. Die fenster noch seind noch in bley noch in holz, sonderen in gibs eingefast. Außwendig seind die heüßer sehr schlecht anzusehen, aber inwendig seind in vilen heüßeren ser schöne zimer von goldt und underschidlichen bluemen gemahlet. Aber die zimer seind nit - 177 -

    gewolbt oder mit steinen gemaurt, sondern vast alles von holzwerckh, so in die läng kaum bestandt hatt etc.

    296In aufferbauung der kirchen, brueckhen, spital, bäder, brunen, carabansarai oder gastheüßer seindt sye ser prechtig, dan vast alle tempel zu Constaninopel mehrentheils mit lauter quaderstuckh unnd köstlichen großen säulen aufgebaut unnd allzumahl mit bley bedeckht. Sye haben auch wenig stein und führen den mehrentheil von der zerfallnen und destruirten stadt Cipici in Klein Asia in der landtschafft Mysia, wie auch von Troia, der Virgilius gedenckht, welche stadt ieztunder der alten herligkheit nach keinen schadten mehr hat. Sicht auß wie ein alt dorff, darin wohnen lauter Griechen. Da seind auch etliche türckhische mayerhöff und rudera der uhralten, herlichen zerfallnen gebey zu sehen.

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    Deß iezigen türckhischen kaysers titel etc.

    297Sultan Mehemet Hann

    298 Sultan Ibrahims sohn, herr zu Constantinopell oder Newen Rom, könig in Affrica unnd zu Trapezunt in Ponte und Bende in Capadocia, Paphlagonia, Cicilia, Pamphilia, Lycia, Caria, Sigea, Seuntia, Armenia und Albania, herr in Tartarey unnd Ungarn, ein bezwinger der welt, ein könig über alles, waß under der sonnen ist, von der göttlichen vorsichtigkheit verordnet, ein bewahrer deß grab Machoment unnd ein zerstöhrer deß christenthumbs, ein herr und könig über alle die ienigen, so mein reich unnd landt anfechten etc.

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    Von deß kaysers lustgärten und seinem muetwillen, so er mit seinen weibern geübt, samb andern sachen, so darin zu sehen.

    299Under anderen recreationen des kaysers werden auch nicht unbillich die lustgärten gezehlet, deren theils bey der stadt, theils ein halbe meil oder weiters darvon gelegen. Seind aber denen lustgärten, so die potentaten in der christenheit haben, nit zu vergleichen. Zudeme pflegen sye auch keinen solchen unkosten darauf zu wenden. In einem garten nechst dem seraia über, underhalb Gallata am Ponte Euxino oder Schwarzen Mär, ist under anderen in dem garten ein weit unnd langer gang, zu beederseits vil hoche cipreß bäum. Darin ieder drithalb schuch von dem anderen stehet, zwischen 2 solchen bäumen, alzeit ein roßmarin stock, anderthalb manß hoch, welches sehr prächtig anzuschauen.

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    300Eß sein auch zu sehen vil köstlicher frücht tragender bäum, darvon sich der kayßer unnd andere an stadt des weins erlustigen. Dan der wein ihnen zu trinckhen nach lauth ihres alcorans nit erlaubt ist. Die frücht seind mehrentheil pomeranzen, lemoni, granatäpffl, melonen, feygen, birnen, weiße maulbern und andere mehr. Gleich gegen unser wohnung über ist ein anderer überauß schöner lustgarten, darin wir underschidliche denkhwirdige sachen gesehen haben etc.

    301Eß wurde auch ihr gnaden einmahl von einem vornemben Türckhen, Bagugk Mustapha Aga, ein mann von großem credit, mit deme ihr gnaden noch zu zeit seiner residenz freündtschafft gehabt, in einen solchen lustgarten geladen. Darin sultan Ibrahim sich offtermahl erlustiget unnd darin mit seinen weiberen sehr großen muethwillen getriben.

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    302In bemelten garten wurden wir hin und wider geführt zu underschidlichen schönen waßerkünsten unnd under anderen in ein uberdiemaßen schön summer oder garten hauß, inwendig mit lauter porcellana gebauen. Der obere boden mit gold unnd vilen underschidlichen farben künstlich geziert, der under, darauf man geht, mit schönen täbichen bedegt. In der miten ein stein in gestalt eines bergleins außerhauen, darauf durch etliche meßinge schlänglein daß waßer gricht unnd im zuruck lauff ein liebliches gereüsch erwegt. Sultan Ibrahim, der vor regierende türckische kayßer, hat gemeltes zimmer auf der erden unnd fenster herumb mit zobelbelz spalieren unnd eines halben mans hoch von der erdt an mit spiegel behengen laßen. Alßdan hat er sich, wie auch seine sultanin oder weiberen, in einem absonderlichen, nechstgelegnen käm - 182 -

    merlein außgezogen unnd darnach mit seinen weiberen ganz nackhendt auf dem linden zobel herumb gedanzt. Auf der seiten war etlich auß lauter gold unnd silberstuckh aufgerichte, mit baumwol angefihlte beten, dan sie keine federen brauchen. Darauf, wan es ihm in wehrendem danzen beliebte, hat er eine seiner nackhenden weiber genomen unnd seinen muethwillen mit ihr, in zusehung der anderen, getriben unnd volbracht. Seiner kebs weiber wahren an der zahl 500. Obgemelte spiegel hat er darumb also auffhencken laßen, damit er seinen danzenden, nackhenden weiberen nit allein augenscheinlich, sonderen auch in den spieglen zu schauen und seiner lust desto mehrer büeßen möchte. Dan an der gleichen närrischen boßen hat er sich vast delectirt unnd ihme nichts bessers - 183 -

    gefallen, alß wan er in die spiegel geschaut unnd seine weiber also durcheinander lauffen sehen. Wan mir die schamröthe die übrigen muethwillen unndt üppigkeiten, so er volbracht, zu beschreiben nit verbieten thete, wehre noch vil zu erzehlen. Darumb will ich es bey dißem beruehen laßen. In summa dißer kayßer führete in allem ein ganz neronisches unnd zugleich im regieren ein weiberisches leben. Die erste vier oder 5 iahr seiner regierung seind ein rechtes primum quinquennium Neronis geweßen, mildt, sithsamb unnd sanfftmietig. Darnach volgte auch die neronische grausamkeit, welche zwar den ottomannischen regenten in gemein gleichsam angebohren, iedoch per intervalla mehrer von einem dan von dem anderen exerciert ist.

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    303Nachdem wir hin unnd wider in dem garten etliche denckhwirdige sachen gesehen, hat man ihr gnaden zum eßen berueffen, der sich, sambt etlich der vornembsten, zu den Türckhen mit geschrenckhten füeßen auf die erdt nider gesezt unnd seind mit türckhischen spaißen wol tractirt worden.

    304Eben in dißem zimmer, da ihr gnaden war, legte man auf die erd ein runde lederne scheiben an stat eines disch, darauf sezte man für unß hoche kupfferne verzinte schißel, darinen die speißen von underschidlich gekochten raiß unnd neben anderen auch ein ganz gebratnes lämpel. Bey ihme legt man keine deller oder meßer auf den disch, dan anstadt der däller nimbt er das brodt, welches breite fleckel sein, zerreist ers mit den händen, dan die selben an stat der meßer seind. Darumb sie auch keine gebrauchen. - 185 -

    Legt das undertheil des brots für sich anstat des dällers, das oberthail aber isst man zu den speißen. Unnd so er daran nit genug hat, ist er alsdan das däller auch. Da wir aufgestanden unnd die schißel nacheinander fortgetragen worden, wurde von einem Türckhen obgemelte lederne taffel mit einem riemen wie ein beitel zusamen gezogen unndt an die wandt gehenckht.

    Lezte audientz bey dem groß vezier

    305Den 22. Iulii hatte ihr gnaden die lezte audientz bey dem groß vesier unnd empfienge die capitulationes sub sigillo et manuscriptione in türckhischer sprach.

    306Nach dißem rueffete der vesier ihren internuntium, den Hassan Aga, übergabe ihm an den römischen kayßer des sultans - 186 -

    credentional, welche er in tieffster reverenz empfangen.

    307Sonsten ware der vesier in dißer lezten audientz sehr freundlich, ließe neben anderen bey ihnen gebreüchigen ceremonien 14 cafftan oder türckhische röckh, darvon ich auch ein empfangen, außtheilen unnd namen also von einander auf das freundtlichste uhrlaub, umbfiengen unß unnd endete sich auch der gestalt diße audientz.

    Von der malzeit, so unß der türckische kayser hat beraiten lassen, sambt der lezten audienz im seraia

    308In der lezten audientz bey dem sultan ist es wie oben gemelt ebenfahls ergangen, allein das ienige, so ich zuvor vergeßen, aniezo wil hieher sezen.

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    309Nach dem die capitschi bassa ihr gnaden bey den armen gefast unnd zu dem sultan hinein geführt hadten, stießen sye ihr gnaden vor dem sultan unfreindlich zu boden auf die knie. Ein camerdiener reicht dem knieänden den linckhen rockh ermel des sultans, den müest er küßen. Da wurdt er aufgericht und etlich schrits beiseits geführt. Dißer barbarische gewonheit kombt daher: Nachdem vorzeiten Marcus, despota in Servia, von sultan Murath erschlagen war, nam des despotis diener einer ihn, ein