Denkmal für ermordete Kinder der NS-Euthanasieanstalt Am Spiegelgrund
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Das Denkmal für die in der Jugendfürsorgeanstalt der Stadt Wien „Am Spiegelgrund“ während der NS-Herrschaft ermordeten Kinder und Jugendlichen befindet sich in der Gräbergruppe 40 am Zentralfriedhof in Wien-Simmering. Hier wurden im April 2002 in einem Ehrengrab der Stadt Wien Überreste von mehr als 600 ermordeten Kindern in Urnen begraben. Am 27. April 2002 erfolgte die Eröffnung des Grabdenkmals. Insgesamt wurden zwischen 1940 und 1945 in der Anstalt „Am Spiegelgrund“ etwa 800 kranke, behinderte oder als „nicht erziehbar“ geltende Kinder und Jugendliche von Ärzten und Pflegepersonal ums Leben gebracht, nachdem sie gemäß der NS-Rassenideologie als „lebensunwert“ eingestuft worden waren. Der Massenmord wurde euphemistisch als „Euthanasie“ bezeichnet. Beteiligte Ärzte wie Heinrich Gross, die nach der NS-Herrschaft ihre Karrieren fortsetzen konnten, nutzten Präparate der Leichen bis in die 1980er-Jahre für Ausbildungszwecke und Publikationen. Köpfe und Gehirne wurden in einem Keller der Pathologie der Heil- und Pflegeanstalt „Am Steinhof“ aufbewahrt. Histologische Schnitte aus den Präparaten wurden 1998 in großer Zahl im Pavillon B der Heil- und Pflegeanstalt entdeckt. Andere Präparate waren zur Forschung an das Neurologische Institut der Universität Wien und an das Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Gießen weitergegeben worden. Erst 1999 erhob die Justiz Anklage gegen Gross wegen Beteiligung am Mord. Das Verfahren wurde 2002 wegen „Verhandlungsunfähigkeit“ von Groos auf unbestimmte Zeit vertagt. Er starb drei Jahre später. Das Denkmal besteht aus mehreren am Boden liegenden Steinplatten mit eingravierten Namen aller bekannten Opfer und Widmungsinschriften.
