Im November 2024 ehrte die Universität Wien die Kunsthistorikerin Erica Tietze-Conrat und den Kunsthistoriker Hans Tietze mit der Benennung eines Durchgangstores am Campus. Das Ehepaar befand sich zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich auf einer Forschungsreise in Frankreich und Italien und kehrte nicht mehr nach Wien zurück. Die beiden gingen ins Exil in die USA und nahmen 1944 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft an.
Foto: Nils Münger
Transkription
Erica Tietze-Conrat (1883–1958)
Sie promovierte 1905 als erste Frau an der Universität Wien in Kunstge-schichte und heiratete ihren Studienkollegen Hans Tietze, mit dem sie in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche wichtige kunsthistorische Ar-beiten veröffentlichte. Die ausgewiesene Expertin für österreichische Plastik des Barocks und des Klassizismus verlagerte später ihren Schwer-punkt auf italienische Renaissancekunst, widmete sich aber auch inten-siv der Förderung moderner Kunst.
Auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus emigrierte sie mit ihrem Ehemann in die USA, wo sie weiter forschte und publizierte.
Seit 2004 widmet sich die Internationale Hans Tietze und Erica Tietze-Conrat Gesellschaft in Wien der Pflege des Gesamtwerkes des Forscher*innenpaares.
Hans Tietze (1880–1954)
Der an der Universität Wien 1903 promovierte Kunsthistoriker Hans Tietze war ein Pionier des Denkmalschutzes und der Museologie sowie ein wichtiger Vertreter der Wiener Schule der Kunstgeschichte. Er habili-tierte sich 1908, erhielt 1919 den Titel eines außerordentlichen Professors und war der Motor hinter der Erhaltung und Neuordnung der staat-lichen Museen nach 1918. 1921 war er Mitbegründer der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst und realisierte zahlreiche kunstpädagogi-sche Ausstellungen. Er publizierte neben vielen kunsthistorischen Wer-ken auch einige Bücher über Wien, etwa Die Juden Wiens, 1933.
Er und seine Ehefrau Erica Tietze-Conrat wurden im Nationalsozialismus aus Österreich vertrieben und emigrierten in die USA. Er konnte dort aber bis auf zwei kurze Gastprofessuren universitär nicht mehr Fuß fassen.