Schriftrolle in der Barbarakapelle in Gedenken an die Ermordeten und Verunglückten während des Kraftwerksbaus
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Die Kapruner Barbarakapelle wurde, initiiert von der Kraftwerksgesellschaft Kaprun, zwischen 1953 und 1954 errichtet. Auf der Langhausseite findet sich unter der Empore eine Schriftrolle, welche der Namen aller zwischen 1939 und 1955 sowie zwischen 2006 und 2010 während des Kraftwerkbaus tödlich Verunglückten gedenkt. Öffentlich zugänglich ist diese Schriftrolle jedoch nicht. Auch während der fotografischen Dokumentation war lediglich der Eingangsbereich der Kapelle begehbar. Beim Inhalt der Schriftrolle handelt es sich um insgesamt 149 Personen, wobei hier nicht explizit auf die Opfergruppe Zwangsarbeitende bzw. Kriegsgefangene eingegangen wird. Insgesamt waren am Bau der Kraftwerksgruppe Kaprun über 6300 Zwangsarbeiter*innen und zivile ausländische Arbeitskräfte sowie rund 4000 Kriegsgefangene beteiligt. Erste Pläne zum Bau eines Kraftwerks in den Hohen Tauern gab es bereits in der Zwischenkriegszeit, jedoch wurden diese nie umgesetzt. Nach dem „Anschluss” im März 1938 nahmen die Nationalsozialisten diese Pläne auf; die vorhandenen Energiereserven sollten für die Kriegs- und Rüstungswirtschaft genutzt werden. Der Spatenstich – durchgeführt von Hermann Göring – erfolgte bereits im Mai 1938; geplant war eine Bauzeit von zehn Jahren. Immer wieder kam es zu Todesfällen, ausgelöst durch Lawinenabgänge oder Steinschlag; aber auch Unfälle aufgrund mangelhafter Ausrüstung und des schlechten körperlichen Zustands der Arbeiter*innen waren keine Seltenheit. Die Kraftwerksgruppe Kaprun wurde 1955 fertiggestellt und gilt heute als Symbol des Wiederaufbaus der Republik nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgeblendet und vergessen werden dabei häufig jedoch die unmenschliche NS-Zwangsarbeit und die daraus resultierenden Toten und Ermordeten.
