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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Sparkassenplatz 1, 6900 Bregenz
Beschreibung: Anhand des Widerstandsmahnmals in Bregenz lernen die SchülerInnen über verschiedene Formen von Widerstand gegen den Nationalsozialismus und über Desertion während des Zweiten Weltkriegs. Sie lernen die Geschichten von VorarlbergerInnen kennen, die sich gegen das NS-Regime gestellt haben und setzen sich mit der Erinnerung an Widerstand und Verfolgung auseinander.
Ort: Bregenz (PLZ 6900)
Zeitbedarf: 120 Minuten
Alter: 13–18 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




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Seit November 2015 erinnert am Bregenzer Sparkassenplatz ein von der Johann-August-Malin-Gesellschaft und den Grünen initiiertes Mahnmal an Vorarlberger WiderstandskämpferInnen und Deserteure. Der Errichtung vorausgegangen ist eine jahrelange kontrovers geführte Diskussion um die Widmung des Denkmals, das ursprünglich „nur“ an Deserteure und Kriegsdienstverweigerer erinnern sollte. Eine von der Stadt Bregenz eingesetzte Arbeitsgruppe entschied, an diesem Ort allen Opfern und Verfolgten der NS-Justiz zu gedenken. Das Denkmal in Form einer Fallblattanzeige zeigt die Namen und Lebensdaten von 100 Personen, die stellvertretend für WiderstandskämpferInnen, Wehrdienstverweigerer und Deserteure sowie Vorarlberger BürgerInnen stehen, die Verfolgten Hilfe leisteten. Nach einer langjährigen Kontroverse um die Errichtung eines Deserteurdenkmals wurde das von der Künstlerin Nataša Sienčnik entworfene Mahnmal 2015 im Zentrum von Bregenz realisiert. Das Mahnmal erinnert u.a. an drei Deserteure und ihre HelferInnen aus dem hinteren Großen Walsertal: Während eines Heimaturlaubes 1943 entschlossen sich Leonhard Burtscher , Wilhelm Burtscher und Martin Lorenz dazu, aus der Wehrmacht zu desertieren. Delphina Burtscher , Schwester von Leonhard und Wilhelm, sowie Verlobte von Martin Lorenz, und weitere Verwandte und Bekannte halfen den Deserteuren, sich zu verstecken – bis sie im Juli 1944 verraten und festgenommen wurden. Wilhelm Burtscher und Martin Lorenz wurden am 8.12.1944 in Graz hingerichtet. Leonhard überlebte als Flüchtiger bis Kriegsende im Großen Walsertal. Später wurde auch eine zweite Deserteursgruppe in der Gegend aufgegriffen. Delphina Burtscher war 1944 und 1945 wegen Beihilfe zur „Fahnenflucht“ mehrere Monate in Haft.



Literatur

  • Markus Barnay, Wehrmachtsdeserteure und ihr Umfeld im Großen Walsertal „Ich war weiß Gott keine Verbrecherin“, in: Hanno Platzgummer/Karin Bitschnau/Werner Bundschuh (Hg.): „Ich kann einem Staat nicht dienen, der schuldig ist …“: Vorarlberger vor den Gerichten der Wehrmacht, Dornbirn 2011, 51-56.
  • Delphina Burtscher, Meine Lebensgeschichte, hg. v. Markus Barnay/Thomas Gamon, Götzis 2011. Johann-August-Malin-Gesellschaft (Hg.): Von Herren und Menschen. Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1933-1945 (= Beiträge zu Geschichte und Gesellschaft Vorarlbergs 5), Bregenz 1985.
  • Meinrad Pichler, Nationalsozialismus in Vorarlberg. Opfer – Täter – Gegner, Innsbruck/Wien/Bozen 2018, 317-346.