DERLA |

VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Vermittlungsangebot

Zu: Anton Schmid-Promenade

Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Anton Schmid Promenade Höhe Friedensbrücke, 1200 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand der Straßenbezeichnung entlang des Donaukanals in der Brigittenau mit der Person Anton Schmid und seinen Rettungsaktionen für Jüdinnen und Juden aus dem Ghetto Wilna auseinander. Durch verschiedene Quellen soll die Situation im Ghetto von Wilna und die Bedeutung von Anton Schmid vermittelt und reflektiert werden. Im Fokus stehen aber auch die rudimentären bzw. nicht vorhandenen Gedächtniszeichen.
Ort: 1200 Wien
Zeitbedarf: 50–100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. Straßenschilder an der Anton-Schmid-Promenade


Verbundene Orte:




Mehr Erfahren

Seit 2003 heißt die nördliche Promenade entlang des linken Ufers des Donaukanals nach Feldwebel Anton Schmid. Er ist als Soldat der Wehrmacht in Wilna (heute Vilnius in Litauen) stationiert und hat Jüdinnen und Juden zur Flucht aus dem Ghetto von Wilna verholfen. Wehrmachtssoldaten, die mit Jüdinnen und Juden – etwa bei der Bewachung von Arbeitslagern – in Kontakt kommen, sind in der Mehrzahl nicht bereit, diesen von der Ermordung bedrohten Menschen zu helfen. Allerdings gibt es manchmal Gesten der Hilfsbereitschaft. So lassen manche Soldaten Brot liegen, das dann die ihnen zugeteilten „Arbeitsjuden“ an sich nehmen können. Oder sie lassen Brotreste vom Tisch hinunterfallen, wie Josef Wydy, der als Zimmermann in der „Technischen Nothilfe“, einer Unterstützungseinheit der deutschen Wehrmacht, in der Ukraine eingesetzt ist. Zu aktiven Rettungen von Jüdinnen und Juden kommt es dagegen fast nie. Umso bemerkenswerter sind die Taten von SS-Untersturmführer Oswald Bouska, der im Ghetto von Krakau jüdische Kinder rettet, oder die von Feldwebel Anton Schmid, der im Ghetto von Wilna über 300 Menschen zur Flucht verhilft. Beide fallen der NS-Militärjustiz in die Hände und werden ermordet. Bis heute erinnert in Österreich wenig an die Rettungstaten von Oswald Bouska und Anton Schmid. Sie wurden genauso wie Soldaten, die desertierten , jahrelang als „Vaterlandsverräter“ bezeichnet, und ihnen wurde jegliche Anerkennung verweigert.



Literatur

  • Winfried R. Garscha, Retter in Uniform: Anton Schmid und Oswald Bouska. In: Manfred Mugrauer u.a. (Hg.), Wir hätten es nicht ausgehalten, dass die Leute neben uns umgebracht werden. Hilfe für verfolgte Juden in Österreich 1938–1945. Berlin 2023, 181–223.
  • Interview Martin Krist (unpubliziert) mit Josef Wydy, 27.12.1983.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 305–331.
  • Arno Lustiger, Feldwebel Anton Schmid. Judenretter in Wilna 1941–1942. In: Wolfram Wette (Hg.), Retter in Uniform. Handlungsspielräume im Vernichtungskrieg der Wehrmacht. Frankfurt/m. 2002, 45–67.
  • Manfred Wieninger, Die Banalität des Guten. Feldwebel Anton Schmid. Roman in Dokumenten. Wien 2014.