Vermittlungsangebot
Zu: Heinz-Heger-Park

Mehr Erfahren
Im Jahr 2009 wurde der ehemalige Zimmermannplatz 9 in Heinz-Heger-Park umbenannt. Im Zuge dessen wurden auch ein offener Bücherschrank und eine Parkbennennungstafel im Gedenken an Josef Kohout gestaltet. Josef Kohout war Wiener und bei der Post angestellt, als er 1939 zum ersten Mal von der Gestapo festgenommen wurde. Er wurde nach Paragraph 129 1b verurteilt, der „I. Unzucht wider die Natur, das ist a) mit Tieren; b) mit Personen desselben Geschlechts“ unter Strafe stellte. Dieser Paragraph war seit 1852 in Österreich geltend und wurde erst 1971 abgeschafft. Der Paragraph betraf Männer und Frauen, ebenso wie trans* , inter* und gender-nonkonforme Personen, die als homosexuell verfolgt wurden. Die Verfolgung als homosexuell ist eine Fremdzuschreibung und muss nicht mit der Sexualität oder Genderidentität der Betroffenen übereinstimmen. Queere Männer passten nicht in das Männlichkeitsbild der NationalsozialistInnen, sie wurden deshalb als „Volksfeinde“ stilisiert. Die nationalsozialistische Ideologie stellte die Homosexualität von Männern als eine Gefahr für das Volk dar; sie führe angeblich zu „Geburtenrückgang“ und zur „Schwächung der allgemeinen Volkskraft“ . Weibliche Homosexualität wurde weniger intensiv verfolgt, da Frauen nicht als autonom und handlungsfähig angesehen wurden. Josef Kohout wurde 1939 zu sieben Monaten Haftstrafe verurteilt und im Jänner 1940 in das Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen deportiert . Anfang April 1940 kam er ins KZ Flossenbürg , schließlich wurde er im April 1945 auf einem Todesmarsch nach Dachau von US-amerikanischen Truppen befreit. Über Kohouts Erfahrungen im Nationalsozialismus wurde später ein Buch geschrieben: über die grauenvollen, menschenverachtenden Taten, die ihm und seinen Mitgefangenen angetan wurden, über Lagerhierarchien an deren unterem Ende als homosexuell Verfolgte standen, über sein Überleben, welches von den sexuellen Dienstleistungen und Beziehungen zu Kapos , einem Blockältesten und einem Lagerältesten abhing. Durch seine Beziehungen zu einem Lagerältesten wurde Kohout im KZ Flossenbürg selbst zum Kapo. Schließlich berichtete er von der Befreiung und seinem Leben nach 1945, welches von Traumatisierung, Diskriminierung und seinem Kampf für die Anerkennung als Verfolgter des Nationalsozialismus geprägt war. In den 1960er Jahren gab Kohout dem Autor Hans Neumann Interviews, dieser schrieb in der Folge unter dem Synonym Heinz Heger das Buch „Die Männer mit dem rosa Winkel “. Hans Neumann war ein Bekannter Josef Kohouts und ebenfalls homosexuell. Hans Neumann schrieb unter einem Synonym, da Homosexualität bis 1971 kriminalisiert wurde und er Auswirkungen auf sein Berufs- und Privatleben fürchtete. 1971 wurde der Paragraph 129 1b in Österreich abgeschafft, jedoch durch vier Paragraphen ersetzt, die Homosexualität weiterhin kriminalisierten. So war das Schutzalter für homosexuelle Kontakte laut § 209 mit 18 Jahren höher als für heterosexuelle und lesbische Kontakte, schwule Prostitution wurde nach dem § 210 verboten, Werbung mit homosexuellen Inhalten wurde mit dem § 220 sanktioniert und § 221 stellte Vereine und Organisationen „zur Begünstigung gleichgeschlechtlicher Unzucht“ unter Strafe. Der letzte dieser vier Paragraphen, § 209, wurde 2002 aufgehoben. Erst im Jahr 2005 wurden als homosexuell Verfolgte in das Opferfürsorgegesetz aufgenommen, welches das Anrecht auf eine einmalige Entschädigungszahlung und eine Opferrente regelt. Die nach 1945 anhaltende Diskriminierung und strafrechtliche Verfolgung von queeren Personen zeigte sich u. a. darin, dass als homosexuell Verfolgte keine finanzielle Entschädigung erhielten. Sie waren von öffentlicher Anerkennung und Sichtbarkeit ausgeschlossen sowie der Möglichkeit beraubt, sich über das erfahrene Leid äußern zu können. Das hat bis heute Auswirkungen auf die Forschung und das Gedenken an queere Personen. Es gibt wenige ZeitzeugInnenberichte, da ZeitzeugInnen lange Zeit soziale und strafrechtliche Konsequenzen befürchten mussten. Offizielle Anerkennung als Verfolgtengruppe und „Widergutmachung“ erfolgten erst zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Überlebende schon verstorben waren. Mit dem Heinz-Heger Park gibt es in Wien ein erstes materielles Erinnerungszeichen, welches an die Verfolgung homosexueller Männer erinnert. 2023 wurde im Resselpark das Denkmal ARCUS (Schatten eines Regenbogens) eröffnet, welches an homosexuelle Frauen und Männer erinnert. Ein Erinnerungszeichen, welches trans*, inter* und nichtbinäre Personen einschließt, gibt es bisher nicht.