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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
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Digitale Erinnerungslandschaft



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Judenplatz, 1010 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen beschäftigen sich mit dem Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah von Rachel Whiteread am Judenplatz in Wien. Dabei entwickeln sie ein Verständnis für die historische Bedeutung sowie die künstlerische Gestaltung des Denkmals. Sie vertiefen ihre Fähigkeiten zur kritischen Analyse, Interpretation und Reflexion. Im Anschluss gestalten die SchülerInnen eigene künstlerische Arbeiten, die sich – inspiriert von Whitereads Herangehensweise und Ausdrucksformen – mit zentralen Themen wie Leere, Vergänglichkeit und dem Erinnern an persönliche und kollektive Geschichte(n) auseinandersetzen.
Ort: 1010 Wien, Judenplatz
Zeitbedarf: ca. 2 Doppelstunden
Alter: 15–19 Jahre
Vermittlungsort: Außerschulischer Lernort und Klassenraum


Verbundene Orte:




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Das Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoah am Wiener Judenplatz ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Kunst als Medium historischer Erinnerung wirken kann und so Geschichte, Geschichtlichkeit und Erinnerung greifbar macht. Das Denkmal, auch bekannt als „die Bibliothek“, wurde von der zeitgenössischen Künstlerin Rachel Whiteread geschaffen und besteht aus einer „umgekehrten“ Betonbibliothek, deren verschlossene Bücher die Lebensgeschichten der 65.000 österreichischen Jüdinnen und Juden symbolisieren, die während der Shoah ermordet wurden. Während der Bauarbeiten zur Errichtung des Mahnmals wurden die Grundmauern einer mittelalterlichen Synagoge entdeckt, die in die Gedenkstätte integriert wurden. BesucherInnen können unterhalb des Mahnmals die erhaltenen Fundamente besichtigen, die als Beleg für jüdische Kultur und Geschichte im mittelalterlichen Wien erhalten geblieben sind. Die monumental wirkende Betonbibliothek – Bücher mit dem Rücken nach innen – verweigert Einblick und verweist so auf das Unsagbare, das Verlorene und Ausgelöschte. Sie ruft die zerstörte jüdische Kultur Österreichs in Erinnerung und lässt gleichzeitig die Leerstelle spürbar werden, die die Vernichtung von über 65.000 jüdischen ÖsterreicherInnen hinterlassen hat. Whitereads Werk thematisiert dabei nicht nur die Leere als ästhetisches Prinzip, sondern verleiht der Abwesenheit selbst eine Form. Inmitten des historischen Stadtraums lädt das Mahnmal zur Auseinandersetzung mit der Shoah ein – als Mahnung, als Ort des stillen Gedenkens und als Aufforderung, die Geschichte nicht zu vergessen. Insgesamt wurden in der Zeit des Nationalsozialismus etwa sechs Millionen Jüdinnen und Juden in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern ermordet. Auf den Bodenplatten um das Mahnmal stehen die Namen der Orte, an denen diese Verbrechen verübt wurden. So verbindet die Whiteread die abstrakt wirkende Form des Denkmals mit konkreten historischen Ereignissen. Das System der Konzentrationslager und Vernichtungslager stellte ein wesentliches Element des nationalsozialistischen Unterdrückungs- und Vernichtungsapparates dar. Rachel Whitread hat mit ihrer Kunst eine Sprache geschaffen, die das Unsichtbare sichtbar macht. Ihre Werke thematisieren Vergänglichkeit , Erinnerung und gesellschaftliche Veränderungen, oft durch Negativabgüsse . Sie sammelt Spuren der materiellen Welt und der Menschen in ihrer Umgebung. Dabei arbeitet sie mit Alltagsgegenständen, Räumen und Gebäuden und verwandelt das Vertraute in etwas Fremdes und Nachdenkliches. Diese Methode hebt so das Vertraute auf eine neue, ungewohnte Ebene und lenkt den Blick auf das, was häufig übersehen wird. Mit Materialien wie Beton, Gips und Kunstharz schafft sie Objekte, die durch Licht und Schatten zwischen Anwesenheit (Präsenz) und Abwesenheit zu schweben scheinen. Whitereads Arbeit ist eine Auseinandersetzung mit Zerstörung, Vergangenheit, Privatsphäre, Intimität, häuslichem Leben, Kindheit, Verlust und Tod. Das Abformen mit Gips (siehe Bildquellen) beispielsweise, eine Technik, die von Totenmasken bekannt ist, wird bei Rachel Whiteread weitergeführt und schafft Kunstwerke, die Verschwundenes und Leere verkörpern. So entstehen leere Räume, die es möglich machen, sie zu füllen: mit Anspannung, mit Angst, mit Trauer. Eines ihrer bekanntesten Werke, „House“ (1993), ein Betonabguss eines viktorianischen Reihenhauses in London, machte sie international berühmt. Es steht symbolisch für den Verlust von Geschichte und Gemeinschaft und wurde zugleich ein Mahnmal gegen Gentrifizierung . Obwohl das Werk kontrovers diskutiert wurde und nach nur 78 Tagen abgerissen wurde, brachte es Whiteread als erste Frau den renommierten Turner-Preis ein. Mit diesem Werk legte sie den Grundstein für ihre Karriere, in der sie immer wieder Themen wie Verlust, Identität und die Bedeutung von Raum aufgreift. Whitereads Kunst bewegt sich an der Schnittstelle von Persönlichem und Gesellschaftlichem. Ihre Abgüsse von Alltagsgegenständen wie Betten, Wärmflaschen oder Treppenhäusern bewahren die Spuren und Geschichten des Lebens, die in diesen Objekten eingeschrieben sind. Dabei lässt sie bewusst Raum für Interpretationen und lädt dazu ein, über das Verhältnis von Abwesenheit und Präsenz nachzudenken.



Literatur

  • APA, Das Mahnmal am Wiener Judenplatz erinnert nicht nur an die Schoa, Der Standard, URL: https://www.derstandard.at/story/340757/das-mahnmal-am-wiener-judenplatz-erinnert-nicht-nur-an-die-schoa (abgerufen 26.1.2025).
  • Denk mal Wien, Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa, URL: https://www.denkmalwien.at/rundgaenge/rundgang-wir-und-die-anderen/mahnmal-fuer-die-oesterreichischen-judischen-opfer-der (abgerufen 26.1.2025).
  • Gagosian, Rachel Whiteread, URL: https://gagosian.com/artists/rachel-whiteread/ (abgerufen 26.1.2025).
  • Geberit, Aus einem Guss, URL: https://www.geberit.de/know-how/architekten/raum-fuer-inspiration/rachel-whiteread/ (abgerufen 26.1.2025).
  • Jon Bird, Das Innere nach außen kehren, Le Monde diplomatique, URL: https://monde-diplomatique.de/!5473840 (abgerufen 26.1.2025).
  • Memorialmuseums.org, Mahnmal für die österreichischen jüdischen Opfer der Shoa, URL: https://www.memorialmuseums.org/memorialmuseum/mahnmal-fur-die-osterreichischen-judischen-opfer-der-shoa (abgerufen 26.1.2025).