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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Vermittlungsangebot

Zu: Mahnmal Aspangbahnhof

Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Leon-Zelman-Park, 1030 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand des Mahnmals Aspangbahnhof mit der Deportation der jüdischen Bevölkerung Wiens in die Vernichtungslager auseinander. Diese verlief nicht geheim, sondern bei Tag mitten in der Großstadt Wien. Durch verschiedene Quellen soll dies und die Situation der deportierten Menschen vermittelt werden.
Ort: 1030 Wien
Zeitbedarf: 100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum


Verbundene Orte:




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Das Mahnmal am Platz der Deportation steht am Hauptort der Deportationen von Wiener Jüdinnen und Juden in der NS-Terrorzeit. Dieser heute nicht mehr bestehende Bahnhof war für zehntausende Jüdinnen und Juden der letzte Ort ihrer vollständigen Entrechtung in Wien. Von dort erfolgte die Fahrt zur Ermordung in die Vernichtungslager des Ostens. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 beginnt die massive nationalsozialistische Verfolgungs- und Vertreibungspolitik gegen Jüdinnen und Juden. Durch die „Nürnberger Rassengesetze“ wird nach rassistischen Kriterien festgelegt, wer „jüdisch“ ist und damit zur Gruppe der Ausgeschlossenen und Verfolgten zählt. In Wien handelt es sich um etwa 200.000 Menschen. Die Demütigungen und Schikanen dieser Menschen finden öffentlich unter Beteiligung oder Duldung der nichtjüdischen Bevölkerung statt, so etwa in Form der „Reibpartien“ in den „Anschlusstagen“. Diese Beteiligung ist neben reiner Beutegier in einem in weiten Teilen der Bevölkerung verbreiteten Antisemitismus begründet. Auch jüdische SchülerInnen bekommen den Hass zu spüren, werden verspottet und aus allen Schulen ausgeschlossen. Berufsverbote und die „Arisierung“ von Wohnungen und Betrieben sollen der jüdischen Bevölkerung die Lebensgrundlage entziehen und sie zur erzwungenen „Auswanderung“ veranlassen. Spätestens ab den Novemberpogromen 1938, als die Nationalsozialisten im gesamten Deutschen Reich Synagogen , jüdische Friedhöfe und Geschäfte zerstören, sind Jüdinnen und Juden verstärkt körperlicher Gewalt ausgesetzt. Die jüdische Bevölkerung reagiert unterschiedlich auf die nationalsozialistische Verfolgung. Während viele zu fliehen versuchen, verharren andere in einem Schockzustand, nicht wenige treibt die Ausweglosigkeit in den Selbstmord. Bei der Suche nach Fluchtmöglichkeiten sind Jüdinnen und Juden mit zahlreichen Hürden konfrontiert, viele können die notwendigen finanziellen Mittel nicht aufbringen. Insgesamt können rund zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung Österreichs flüchten. Nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verringern sich die Fluchtmöglichkeiten noch einmal dramatisch. Die in Wien verbliebenen Jüdinnen und Juden werden in wenigen „Sammelwohnungen“ zusammengepfercht. Von dort kommen sie ab Februar 1941 bis Oktober 1942 für wenige Tage in Sammellager. Diese sind von der SS im 2. Bezirk in ehemaligen jüdischen Schulen in der Kleinen Sperlgasse, Castellezgasse und Malzgasse notdürftig eingerichtet worden. Wenn jeweils 1.000 Menschen in einem dieser Lager beisammen sind, werden sie bei Tageslicht in offenen LKWs über den Schwedenplatz, die Ringstraße und die Ungargasse in den abgesperrten Bereich des heute nicht mehr bestehenden Aspangbahnhofs gebracht. Der abseits der großen Bahnhöfe bzw. Haupteisenbahnrouten liegende und daher wenig benützte Bahnhof wird vermutlich bewusst für diesen Zweck ausgewählt. Gleichzeitig befindet sich der Bahnhof mitten in der Stadt, sodass der oftmals wöchentliche Abtransport von jeweils tausend Jüdinnen und Juden nicht unbemerkt, sondern vor den Augen der Bevölkerung erfolgt. 47.035 Personen werden in 47 Transporten vom Wiener Aspangbahnhof in die Vernichtungslager deportiert. Von diesen Menschen werden nur 1.073 überleben. Insgesamt werden mehr als 65.000 österreichische Jüdinnen und Juden in der Shoah ermordet.



Literatur

  • Dieter J. Hecht, Eleonore Lappin-Eppel, Michaela Raggam-Blesch, Topographie der Shoah. Gedächtnisorte des zerstörten jüdischen Wien. Mit einem Vorwort von Heidemarie Uhl. Wien 2015.
  • Dieter J. Hecht, Michaela Raggam-Blesch, Heidemarie Uhl (Hg.), Letzte Orte. Die Wiener Sammellager und die Deportationen 1941/42. Wien/Berlin 2019.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 239-278.
  • Jonny Moser, Demographie der jüdischen Bevölkerung Österreich 1938 – 1945. Wien 1999.