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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
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Digitale Erinnerungslandschaft



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Gymnasiumstraße 83, 1190 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich anhand der Gedenktafel an einer Wiener Schule, die an den unmittelbar nach dem „Anschluss“ erfolgten Ausschluss der jüdischen und nach den „Nürnberger Gesetzen“ als jüdisch geltenden SchülerInnen erinnert, mit diesem Ereignis und seinen Folgen für die ausgeschlossenen SchülerInnen auseinander. Durch verschiedene Quellen soll die Situation an den Schulen vermittelt und reflektiert werden.
Ort: 1190 Wien
Zeitbedarf: 50–100 Minuten (eignet sich auch für Supplierstunden)
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. Gedenktafeln an Schulen




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Die Gedenktafel im G19, Gymnasiumstraße, wurde 60 Jahre nach dem Ausschluss der jüdischen und für die Nationalsozialisten wegen der „Nürnberger Gesetze“ als jüdisch geltenden Schüler angebracht. Neben der Tafel finden sich die Namen der 104 ausgeschlossenen Schüler (das Gymnasium war eine reine Knabenschule). Diese 104 Schüler machten etwa ein Drittel der Gesamtschüleranzahl der Schule aus. Ähnliche Gedächtniszeichen gibt es in vielen Wiener Gymnasien, die zur NS-Terrorzeit bestanden. Bereits Ende April 1938 kommt es zum Ausschluss der jüdischen SchülerInnen aus den Gymnasien. In der Pflichtschule werden eigene „Judenklassen“ geschaffen, wenn genügend jüdische SchülerInnen die jeweilige Schule besuchen. Kurt Rosenkranz , Helga Feldner-Busztin , Georg Kreisler , Harry Kaufmann und Georg Auer sind unter diesen der Schule verwiesenen SchülerInnen. Die fortgejagten SchülerInnen kommen zunächst in sogenannte „jüdische Sammelschulen“. Wie viele SchülerInnen von dieser Maßnahme betroffen sind und in diesen Schulen oder vereinzelt auch in „Sammelklassen“ konzentriert werden, ist bis heute nicht genau feststellbar – vermutlich sind es an die 6.000 Kinder und Jugendliche. Unterricht findet kaum mehr statt – alles dreht sich um die ersehnte Ausreise. Die Zahl der jüdischen SchülerInnen verringert sich aufgrund von Auswanderung und Flucht, aber auch wegen Verhaftungen, kontinuierlich. Im Schuljahr 1938/39 erlässt der Wiener Stadtschulrat einen rassistischen Numerus clausus (Zugangsbeschränkungen), ähnlich jenem an den Universitäten: Höchstens zwei Prozent aller SchülerInnen höherer Schulen dürfen jüdisch sein. Mit Beginn der Sommerferien 1939 muss die letzte „Sammelschule“ für rund 500 SchülerInnen – das Chajesrealgymnasium in der Staudingergasse 6 im 20. Bezirk – seine Toren schließen. Ab dem Schuljahr 1939/40 dürfen nur mehr von den Nationalsozialisten anerkannte jüdische Organisationen einen schulähnlichen Betrieb aufrechterhalten. Am 1. Juli 1942 verfügt das Reichssicherheitshauptamt der SS die endgültige Schließung sämtlicher jüdischer Schulen und untersagt „jegliche Beschulung jüdischer Kinder durch besoldete und unbesoldete Lehrkräfte“. Menschen, die zur Ermordung vorgesehen sind, brauchen auch keine Bildung mehr.



Literatur

  • Karin Cerha/Christopher Treiblmayer (Hg.), Weggewiesen 1938. Vom Gestern ins Heute geholte Schicksale jüdischer SchülerInnen am Realgymnasium Wien 7. Wien 2010.
  • Renate Göllner, Schule und Verbrechen. Die Vertreibung jüdischer Schülerinnen und Schüler von Wiens Mittelschulen. Frankfurt/M. 2009.
  • Martin Krist, Vertreibungsschicksale. Jüdische Schüler eines Wiener Gymnasiums 1938 und ihre Lebenswege. Wien 1999.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 121–148.