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VERFOLGUNG UND WIDERSTAND
IM NATIONALSOZIALISMUS
DOKUMENTIEREN UND VERMITTELN

Digitale Erinnerungslandschaft



Geisteswissenschaftliches Asset Management System



Tempelgasse 5, 1020 Wien
Beschreibung: Die SchülerInnen setzen sich ausgehend von einer Gedenktafel am Standort einer ehemaligen Synagoge, die bei den Novemberpogromen zerstört wurde, mit diesem Radikalisierungsschritt der Entrechtung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung Wiens auseinander. Durch verschiedene schriftliche sowie Audio- und Videoquellen soll diese das gesamte Stadtgebiet von Wien umfassende Gewaltausübung des NS-Terrorstaates und die absolute Rechtlosigkeit von Jüdinnen und Juden dargestellt und deren Auswirkung reflektiert werden.
Ort: 1020 Wien (oder fast jeder andere Bezirk Wiens)
Zeitbedarf: 50–100 Minuten
Alter: 13–19 Jahre
Vermittlungsort: Klassenzimmer bzw. öffentlicher Raum




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Die im ganzen Deutschen Reich inszenierten Pogrome am 9. und in Wien am 10. November 1938 sind ein fundamentaler Schritt der Radikalisierung antijüdischer Gewaltpolitik. Die NS-Spitzen nehmen den Mord an einem Angehörigen der deutschen Botschaft in Paris durch einen jüdischen Attentäter als Vorwand, um landesweit „Rache“ zu üben. In Wien zerstören SA , SS und HJ Synagogen , Geschäfte und Wohnungen von Jüdinnen und Juden. Die Synagogen in der Seitenstettengasse und Dollinergasse werden nur deshalb nicht angezündet, weil ein Brand die umliegenden Wohnungen gefährden würde. Dafür wird die Inneneinrichtung demoliert. Die Wiener Feuerwehr löscht die Brände der 42 Synagogen und Bethäuser nicht, sondern achtet nur darauf, dass das Feuer nicht auf nebenliegende Gebäude übergreift. 27 Jüdinnen und Juden werden an diesen Tagen in Wien ermordet, 88 schwer verletzt, 6.547 verhaftet, rund 3.700 in das KZ Dachau deportiert. Für die Familien der im November 1938 KZ-Inhaftierten beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Sie haben noch eine Chance, die Gefangenen freizubekommen, wenn sie ihnen eine Ausreisemöglichkeit verschaffen können. Die Novemberpogrome sind ein Probelauf, wie weit die NS-Gewaltanwendung gehen kann, ohne auf Widerstand in der Bevölkerung zu stoßen. Auch wenn laut dem Wiener Gauleiter Odilo Globocnik die Aktionen „von der Bevölkerung eher ablehnend als zustimmend bewertet“ werden, bleibt die Empörung der Wiener Bevölkerung über die Gewaltakte aus. Das Schweigen offenbart, wie weit die Entsolidarisierung schon fortgeschritten ist. Während der Novemberpogrome werden über 4.000 Geschäfte in Wien zerstört und ausgeraubt. Mit der „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938 wird der jüdischen Bevölkerung das Betreiben eines Handwerks ebenso verboten wie die Betätigung im Einzelhandels- und Versandgeschäft. Nach den Novemberpogromen ist klar: Ein normales Leben ist für Jüdinnen und Juden in Wien nicht möglich, niemand ist mehr seines Lebens sicher. Durch die Vertreibung aus dem Berufsleben und den Raub von Eigentum steht die jüdische Bevölkerung verarmt am Rand der Gesellschaft und wird zusehends von Almosen und Spenden abhängig. Der Druck, aus dem Land zu flüchten, ist noch größer geworden.



Literatur

  • Dieter J. Hecht/Eleonore Lappin-Eppel/Michaela Raggam-Blesch, Topographie der Shoah. Gedächnisorte des zerstörten jüdischen Wien. Wien 2015.
  • Martin Krist/Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien. Opfer – Täter – Gegner. Innsbruck/Wien/Bozen 2017, 239 – 278.
  • Bob Martens/Herbert Peter, Die zerstörten Synagogen Wiens. Virtuelle Stadtspaziergänge. Wien 2009.
  • Herbert Rosenkranz, Verfolgung und Selbstbehauptung. Die Juden in Österreich 1938 – 1945. Wien 1978.